21.10.2015

IM TAXI MIT ANDREW ZIMMERN


Jalousie in Berlin-Friedrichshain (Detail)

Du kennst Andrew Zimmern nicht? Mach dir nichts draus. Ich kannte ihn bis vor kurzem auch nicht, bis er sich wegen meinem Blog bei mir meldete, genau genommen seine Assistentin. Andrew war auf der Suche nach einem Taxifahrer, der Berlin wie seine Westentasche kennt, und der ihn bei seiner neuen Fernsehserie dorthin kutschiert, wo die Touristen normalerweise nie hinfahren würden.

Es war ganz offensichtlich, dass Andrew nur nach mir, dem Berliner Taxi Diktator, und nach keinem anderen gesucht hatte. Daran änderte sich auch im Vorgespräch nichts, als Andrew plötzlich sein Konzept änderte. Auf einmal sollte ich ihn genau dorthin fahren, wo nur Touristen hinfahren, nämlich zum "Food Truck". "In Amerika gerne", sagte ich zu Andrew "in Berlin you have to go where the Berliner go!"

Auch nachdem ich es ablehnte, Andrew zu einem von diesen neuen Hipster Läden in Mitte zu fahren, übrigens mit der Begründung "It's not my budget!", aber das nur nebenbei, hielt Andrew an mir fest, was ich ihm hoch anrechne. Zusammen mit einem Kollegen sollte ich Andrew nun nächste Woche durch Berlin kutschieren, wobei ich der "Foodie", wie sie es nannten, sein sollte und der andere der "Ossie".

Das mit dem "Foodie" ließ mir irgendwie keine Ruhe, weswegen ich im Internet begann, mich etwas näher mit der Person Andrew Zimmern und seiner neuen Serie zu beschäftigen. Andrew ist in den USA eine große Nummer, wie man so schön sagt, und keine kleine Kartoffel, wie ich in Berlin. Das letzte, was er dort mit großem Erfolg gemacht hat, war "Bizarre Food" - also "Bizarres Essen", weswegen ich Andrew auch vorgeschlagen habe, Lammkopf, eine Delikatesse der Auszeit, für ihn zuzubereiten, worauf er aber gar nicht eingegangen ist.

Dass Andrew nichts von meinem Lammkopf wissen wollte, hängt mit dem Motto seiner neuen Serie zusammen: "Andrew Zimmern Will Let Cabbies Be His Culinary Guides in 'Meters Running'". Eine tolle Idee, wie ich finde, nur ist sie nicht neu. Genau genommen ist es die Idee von "TaxiGourmet", meiner Kollegin und Partnerin Layne Mosler, die seit mehr als acht Jahren auf ihrem Blog regelmäßig über ihre Taxiabenteuer, wie sie es nennt, schreibt, und die im Juli dieses Jahres ihr Buch "Driving Hungry" veröffentlicht hat, nur ein paar Wochen bevor Andrew mich wegen seiner neuen Show kontaktierte.

Ich habe hin und her überlegt, was ich mit dieser Information machen soll. Eins war von Anfang an klar: Unter diesen Umständen kann ich Andrew auf keinen Fall durch Berlin fahren. Das geht nicht, da bitte ich wirklich um Verständnis, und zwar ganz einfach deswegen, weil ich mir auch morgen noch in den Spiegel schauen möchte. Soll jemand anders seine Frau und deren Idee für ein paar Euros verraten - ich nicht! Andrew findet einen Ersatz, da bin ich ohne Sorge.

Es gab im Freundes- und Kollegenkreis, das soll bei allem Ärger nicht unerwähnt bleiben, auch einige, die meinten, ich solle da ruhig mitmachen und mir die Sache mal "von innen" ansehen, vielleicht könne ich ja doch noch irgendwie davon profitieren. Wie genau das aussehen sollte, wussten sie allerdings auch nicht. Wenn man nicht genau weiß, wohin die Reise geht, das habe ich beim Taxifahren gelernt, fährt man besser erst gar nicht los, denn in der Regel geht eine solche Fahrt, das weiß ich aus Erfahrung, nach hinten los.

Was das "von innen" angeht, habe ich folgendes Bild im Kopf, das aber nicht von mir ist, sondern aus irgendeinem Film, vermutlich einem aus Amerika. Könnte "Der Pate" oder "Apocalypse Now" oder so gewesen sein, ich weiß es nicht genau. Das Bild ist folgendes: Ich bin eine kleine Kartoffel, die Andrew und sein Team in den Mund nimmt, ein paarmal darauf herumkaut und danach ausspuckt, bevor die kleine Kartoffel überhaupt realisiert, was da gerade mit ihr passiert.

Gestern nun habe ich Andrew deswegen eine e-mail geschrieben. Das gerade beschriebene Bild habe ich weggelassen. Das muss unter uns bleiben. Ich habe Andrew erst einmal gelobt wegen seiner Idee, sich von Taxifahrern zeigen zu lassen, wo sie essen gehen, weil auch ich die Idee gut finde. Darüber hinaus habe ich Andrew vorgeschlagen, einfach auch der Fairness wegen, dann aber auch dazuzusagen, von wem die Idee stammt. Und während ich nun auf die Antwort aus Amerika warte, dachte ich, schreib ich einfach mal alles auf, damit ich es nicht vergesse, und auch weil es gut fürs Karma sein soll.

Foto&Text TaxiBerlin

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