15.10.2015

IN DER THÜRINGISCHEN LANDESVERTRETUNG


Freistaatliche Servietten (Detail)

Dorthin war ich eingeladen, und zwar von Landolf Scherzer, der da gestern sein neuestes Buch "Der Rote" über den thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, der auch kurz vorbeischaute, vorstellte. Landolf habe ich nach meiner Eselwanderung durch Bulgarien kennengelernt, und zwar deswegen, weil er gerade ein Buch über seine Wanderung durch Ungarn, Serbien, Rumänien und zurück nach Ungarn, das alles mit einer bulgarischen Kraxe, herausgebracht hatte. Vorher hatte ich versucht ein Buch von W. Büscher zu lesen, der angeblich quer durch Amerika gelaufen war, dann aber bereits auf Seite vierzig oder so in irgendeinem roten Dodge, also einem "Fahrzeug"!, saß, wo der plötzlich hergekommen war, wusste der Autor selbst nicht, weswegen ich sein Buch einfach im Kulturkaufhaus gegen das von Landolf umgetauscht habe.

Das geht wirklich, dass man ein Buch umtauschen kann, zumindest wenn, wie in diesem Fall, dem Leser ein X für ein U vorgemacht werden soll. Wie es ist, wenn einem ein Buch nur nicht gefällt, weiß ich nicht, obwohl diese Frage ja eigentlich viel interessanter ist, wenn man sich die immervollen Auslagen der Buchläden mit den viel zu vielen uninteressanten Büchern so anschaut. Keine Ahnung, wer das alles lesen soll. So oder so ähnlich dachte wohl auch Landolf oder die thüringische Landesvertretung, ganz genau konnte das nicht mehr geklärt werden, weswegen gestern Abend keine Bücher zum Verkauf angeboten wurden. Angeblich war irgendjemand krank geworden, Landolfs Verlag aber am Moritzplatz, was nur 'ne gute Kurzstrecke von der thüringischen Landesvertretung entfernt ist ...

Da das Buch nicht zum Verkauf stand, ich es somit weder kaufen noch lesen konnte, kann ich an dieser Stelle auch nichts darüber schreiben. Ich weiß, das ist heutzutage sehr ungewöhnlich, wo ständig über Bücher geschrieben und auch gesprochen wird, die kein Mensch gelesen hat. Ich bitte das zu entschuldigen, aber ich bin da irgendwie ein Mensch von früher. Immerhin kann ich etwas über Landolfs Vortrag sagen. Der war excellent! Landolf ist ein geborener Entertainer, obwohl er mit seinen ausgewaschenen Blue-Jeans und dem passenden blauen Pullover dazu gar nicht wie einer aussieht. Wie gesagt, in dem Buch geht es um den amtierenden Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, und wer sich für den interessiert, der sollte sich Landolfs Buch unbedingt besorgen.

Für mich war interessant zu erfahren, dass in Thüringen auch Wein gemacht wird, denn der wurde sowohl in Rot als auch, gut gekühlt, in Weiß in Einliterflaschen angeboten. Zu Essen gab es mit Butter bestrichene Brezeln, dazu eine undefinierbare Suppe mit Pilzen, kleine kalte Schnitzelchen, wahlweise mit Senf oder Ketchup, später dann noch kleinste Mini-Würstchenchen im Schlafröckchen und Speckkuchenchen - aber leider keine einzige Thüringer Bratwurst, weder mit noch ohne Senf oder Ketchup. Landolf und sein Weib, wie er seine Frau liebevoll nennt, umgibt sich nach einer Lesung gerne mit Menschen, die er kennt, weswegen er meine Frau, an der er offensichtlich einen Narren gefressen hat, und mich bat, noch etwas zu bleiben. Einen Gefallen, den meine Frau und ich ihm und seiner Frau, die Landolf wie gesagt sein Weib nennt, gerne taten.

Das lag, das muss der Ehrlichkeit halber dazu gesagt werden, auch am Wein, der kontinuierlich nachgeschenkt wurde, aber nicht nur. Dabei wollten Landolf und seine Frau verständlicherweise gerne früh ins Bett, denn das stand ebenfalls in der Landesvertretung von Thüringen, wovon beide sich eine ereignisreiche, um nicht zu sagen explosive, Nacht versprachen. Dass daraus nichts wurde, lag vor allem am Hausmeister, der irgendwann auftauchte, eigentlich um den Laden abzuschließen, der aber auch gerne erzählte und am liebsten sich selbst reden hörte, über Gott und die Welt, Tod und Teufel, Ost und West, Sozialleistungen und Reichensteuer, etc ... und dem wir, Landolf, sein Weib, meine Frau und ich bis weit nach Mitternacht zuhören mussten, bevor wir auch einmal was sagen durften, und das war dann, dass wir ganz gerne ins Bett gehen würden, Landolf und sein Weib in ihrer Landesvertretung, meine Frau und ich in das unsrige zu Hause, denn, und das ist wohl der größte Unterschied, nicht nur zwischen Landolf, sondern auch zwischen den meisten Fahrgästen und mir - ich schlafe meistens zu Hause.

PS: Landolf hat sein neuestes Buch übrigens in nur neun (9!) Monaten geschrieben, was alleine und an sich schon eine Spitzenleistung ist.

Foto&Text TaxiBerlin

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