09.10.2015

BACK TO BERLIN


Flughafen Tegel (TXL) / Terminal C / 7 Uhr

Das Tor war nicht dicht, sondern die Tür nur kaputt, und ich wurde als halber Auszeitler auch nicht zurückgeschickt. Darüber hinaus bleibt aber unklar, warum ausgerechnet mein Flieger als erster früh um fünf die Auszeit verlassen musste. Ich vermute, damit die Auszeit Business Menschen pünktlich zu ihren Geschäftsabschlüssen kommen, was aber nur eine Vermutung von mir ist, weil mir auch gar nicht klar ist, welche Geschäfte da abgeschlossen werden könnten.

Meine Rückkehr aus der Auszeit, so spontan sie auf den ersten Blick erscheinen mag, war natürlich von langer Hand vorbereitet. Das empfiehlt sich in einer Auszeit, wobei gerade bei der am Rande bis zum Schluss immer noch etwas dazwischenkommen kann. Aber auch das erwähnte ich bereits: Es ist der gut beraten, der mit Überraschungen leben kann. Beispielsweise mein letztes Quartier in der Auszeit Hauptstadt - das war noch so eine Überraschung ...

So etwas habe ich lange nicht gesehen - mindestens zwanzig Jahre nicht. Zur Begrüßung lag gleich mal 'ne tote Kakerlake auf dem Frühstückstisch. Damit hätte ich leben können, ist immerhin reines Eiweiß. Auch mit den abenteuerlichen Elektrokabeln auf dem Klo, was gleichzeitig die Dusche war. Nur die Tür ins Nirgendwo direkt neben dem Bett, die gab mir zu denken. Die Auszeit Vermieterin weilte gerade an griechischen Gestaden und war natürlich wenig "amused", dass ich ihr mein letztes Geld nicht dorthin nachwerfen wollte, was aber ein Luxusproblem war, und zwar in dem Fall ihres.

Doch zurück zum eigentlichen Thema: Dem Taxifahren. Dass ich bereits zurück bin, heißt nicht, dass ich nichts mehr über meine Auszeit und ihre Taxifahrer schreiben werde. Ganz im Gegenteil. Meine Gespräche mit den Auszeit Taxifahrern haben sich tief in meinen Kopf eingebrannt, der zum Glück noch nicht so hohl ist wie ein Kürbis, wie man in der Auszeit gerne sagt.

Die vielleicht wichtigste Frage möchte ich versuchen gleich vorweg zu beantworten: Was ist jetzt das tolle an einer Auszeit? Um ehrlich zu sein: Nichts! Auf die meisten Erfahrungen kann man gerne verzichten. Bei einer Auszeit, so denke ich, geht es in erster Linie darum, seine eigene Komfortzone zu verlassen, ähnlich den Flüchtlinge, die ihre ganz persönliche "Komfortzone" verlassen haben, auch wenn ich mich auf keinen Fall mit ihnen vergleichen möchte. Das überlasse ich gerne denen, die ihre eigene Komfortzone selbst nie verlassen.

Heute geht es nun los. Ab 16:30 Uhr bin ich wieder unterwegs auf den Straßen von Berlin. Meine Motivation im Moment geht gegen Null, aber der Appetit kommt bekanntlich beim Essen. Ein wenig Bedenken habe ich, und zwar wegen der ganzen Party People, die seit einiger Zeit immer zahlreicher Berlin heimsuchen, und ihrer vergeblichen Suche nach dem definitiven Kick, was immer das sein mag, und den sie vor allem deswegen nicht finden, weil auch sie letztendlich nicht bereit sind, ihre eigene Komfortzone zu verlassen.

Foto&Text TaxiBerlin

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