26.10.2015

ANDREW ZIMMERN IN BERLIN


Flughafen Tegel (TXL) / Unterführung / Werbung (Detail)

Komme gerade vom Wochenende im Taxi nach hause und wasche mir, nachdem ich das Geld, oder besser den Schmutz, verstaut habe, rituell die Hände, da muss ich plötzlich an Andrew Zimmern denken, der heute oder morgen nach Berlin kommt, so genau weiß das nicht mal seine Assistentin. Dass ich an Andrew Zimmern denken muss, liegt vermutlich daran, dass ich eigentlich in seiner neuen Show den kulinarischen Guide, genauer den "Foodie", wie er es nannte, spielen sollte, was ich aber nicht wollte, und das aus gutem Grund.

Ich kenne Andrew nicht persönlich, aber was das Internet über ihn sagt, macht ihn mir ausgesprochen sympathisch, insbesondere dass Andrew in den Neunzigern Alkohol- und Drogenabhängig war, dazu obdachlos, und dass er Geldbörsen geklaut hat. Ich habe auch schon mal geklaut. Neulich zum Beispiel, Neunzehnhundert Vierundsiebzig, da habe ich jemanden fünf Mark aus dem Portemonnaie geklaut. (Vielleicht hätte Andrew in den Neunzigern einfach nach Berlin kommen sollen, dann hätte was aus ihm werden können ...)

Keine Ahnung, wie das bei Andrew ist, aber ich leide heute noch unter diesen fünf Mark, die ich damals geklaut habe. Was ich auch nicht weiß, ist, was Andrews Besuch für die Berliner und ihre Geldbörsen heute bedeutet. Wahrscheinlich besteht aber keine Gefahr, denn, das weiß ich wiederum aus eigener Erfahrung, etwas andres ist in Andrews Fokus geraten, genau genommen sind es Ideen, was ich aber nicht sagen und schon gar nicht schreiben darf.

Dass jemand anders die Idee, Taxifahrer seine kulinarischen Guides sein zu lassen, vor ihm hatte, dafür kann Andrew nichts. Das dürfte klar sein. Und überhaupt, das mit den kulinarischen Guides ist sowieso nur das Vorspiel, oder besser die Vorspeise. Andrew denkt da, das weiß ich von seiner Assistentin, in viel größeren Dimensionen, was aber niemand wissen darf, damit ihm niemand zuvor kommt, denn Andrew will als nächstes das Rad neu erfinden.

Wenn ich es mir recht überlege, ist es die Geschichte mit dem Rad, dass Andrew neu erfinden will, die mich an ihn denken lässt, und dass ich mich jetzt darüber ärgere, dass ich ihm, wie gesagt, abgesagt habe. Ich hätte mit Andrews Hilfe in Amerika groß rauskommen können, aber daraus wird nun nichts. Eine Hoffnung, wenngleich nur eine kleine, habe ich allerdings, und zwar dass Andrew meine vielen kulinarischen Tips, die ich ihm im Vorfeld für Berlin gegeben habe, in seiner neuen Show verwendet und mich als Tip-Geber erwähnt.

Letztendlich ist aber auch das egal. Und genauso solltet ihr das auch sehen, liebe Berliner und auch -innen! Wenn euch in den nächsten Tagen ein orientierungsloser Amerikaner gegenübertritt, dann denkt nicht an eure Geldbörsen, sondern helft ihm bitte. Wenn er nach Essen verlangt, dann gebt ihm etwas. (Beim Trinken müsst ihr vorsichtig sein, Andrew ist ein trockener Alkoholiker!) Es steht nicht umsonst irgendwo geschrieben, dass Geben seliger denn Nehmen ist. Aber vielleicht wird auch das demnächst ganz neu erfunden ...

Foto&Text TaxiBerlin

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