27.10.2015

ANDREW ZIMMERN IN BERLIN (FORTSETZUNG)


Türkisches Restaurant mit irakischem Namen und amerikanischen Burgern in Berlin
"Bagdad" am Schlesischen Tor / früher Kreuzberg / heute Friedrichshain-Kreuzberg

Eigentlich sollte ich diese Woche Andrew Zimmerns Berliner "Foodie" sein, was ich deswegen abgelehnt habe, weil ich die Idee, Taxifahrer seinen kulinarischen Guide sein zu lassen, zwar gut finde, aber ich der Meinung bin, dass das nicht Andrews Idee ist, sondern die von meiner Frau Layne Mosler alias TaxiGourmet. Mittlerweile bin ich mir da nicht mehr so sicher, also jetzt über Andrews Idee, und ob er überhaupt eine hat, dazu gleich mehr, aber abgesagt ist abgesagt, weswegen ich jetzt mehr Zeit zum Schreiben habe, die ich dafür nutzen möchte, herauszufinden, ob Andrew auch ohne mich, der seine Stadt wie seine "Ostentasche" (Ha ha ha, kleines Wortspiel!) kennt, die Orte findet, wo ich ihn hinkutschieren sollte, und zwar genau die, wo Touristen normalerweise niemals hinfahren würden.

Bevor ich gleich meine Food-Tips verraten werde, die ich Andrew gegeben hatte, die er aber nicht braucht, weil sein Konzept gar nicht das ist, dass er Taxifahrer seine kulinarischen Guides sein lässt, das steht nur auf dieser Seite, die aber nicht seine ist, noch ein paar Worte zu Andrew. Andrews Konzept ist offensichtlich ein anderes, das aber noch keiner kennt, nicht mal er selbst. Offiziell sucht Andrew zwar jemanden, der ihn dorthin kutschieren soll, wo normalerweise keine Touristen hinkommen, in der Praxis will Andrew aber ausschließlich zu Orte gebracht werden, wo möglichst viele Touristen sind. Ich weiß, das hört sich ziemlich schizophren an, und ist es auch, passt aber hervorragend zum neuen Berlin, in das bereits vor Andrew jede Menge Leute gekommen sind, die erst dort wohnen wollen, wo was los ist, um dann da plötzlich ihre Ruhe zu haben.

Ich habe Andrew im Vorfeld folgende Lokalitäten empfohlen, die für Andrew aber irrelevant sind, weil dort keine Touristen hinfinden: "Hamy" (ein vietnamesischen Restaurant, das ich zufällig beim rumfahren fand, und womit ich Layne Mosler alias TaxiGourmet rumgekriegt habe), "Hasir" am Nollendorfplatz (der wahrscheinlich beste Dürüm Döner der Stadt, weil mit richtigem Fleisch am Spieß, kein Hackfleisch!, und wo die Soßen auch nicht zu süß sind - ein echtes Problem in Berlin), "Rogacki" (eine Berliner Institution, die ich von meinem einzigen Stammfahrgast, eine ältere Dame aus meinem Kiez, kenne), "Klemkes" (ebenfalls eine Berliner Institution, ein Familienbetrieb mit deutscher Küche und Weinhandel, von der ich im Radio gehört habe) und last but not least "El Rheda" (der vielleicht beste Libanese der Stadt, ein Tip vom Kollegen Christoph).

Darüber hinaus habe ich Andrew noch "Hops&Barley" (eine Mikrobrauerei mit extrem leckeren Bier bei mir im Kiez), "Sala Thai" (definitiv der beste Thai der Stadt, schwer zu finden, dafür aber mit Mittagsangebot), das von mir geschätzte "Café Tasso" (ein Antiquariat mit ausschließlich biologischem Essen & Trinken und einer sehr sehr angenehmen Atmosphäre) und den Besuch eines typischen Berliner Schrebergartens vorgeschlagen, weil gerade letzteres ein Ort ist, wo Touristen niemals hinfinden, was aber nicht in Frage kam, weil Andrew kurz vorher etwas ähnliches in Nashville besucht haben soll. (Ein Berliner Schrebergarten in Nashville?!? Schade eigentlich ...)

Was macht nun Andrew in Berlin? Er besucht die "East Side Gallery". Gut, das hatte ich ihm auch vorgeschlagen, zusammen mit der Oberbaumbrücke, sozusagen als Friedensangebot, nachdem ich mitbekam, dass Andrew sein Konzept geändert hat, und zwar weg von den Orten, wo normalerweise kein Tourist hinkommt, hin zu den Orten, wo in der Regel kein Berliner hingeht. Aber warum denn nicht, der Mann ist flexibel, was auch eine Kunst ist, heutzutage vielleicht sogar die größte, ich weiß es nicht. Als Taxifahrer kann ich sagen, dass mich Fahrgäste, die während der Fahrt ständig das Fahrziel ändern, einfach nur nerven, was aber auch ein Luxusproblem ist.

Einmal an der "East Side" findet Andrew gleich rüber nach Kreuzberg - immerhin. Da ist es voll cool. Vor allem, weil da gar keine Touristen sind. Das Schlesische Tor ist in Touristenkreisen praktisch unbekannt, weswegen man sowohl beim "Burgermeister", einem ehemaligen Toilettenhäuschen, als auch beim Türken gegenüber, der sich nach der irakischen Hauptstadt "Bagdad" nennt und der, das darf nicht fehlen, neben dem "Bagdad-Döner" und dem "Bagdad Dürüm Döner" auch Hamburger und Cheeseburger aus Amerika im Angebot hat, nur Berliner trifft, die alle englisch sprechen - wie praktisch.

(Das "Bagdad" am Schlesischen Tor wurde mir persönlich noch von keinem Kollegen empfohlen, und das obwohl die Taxihalte praktischerweise direkt gegenüber liegt, weswegen ich mich frage, ob Andrew das "Bagdad" wirklich von einem Taxifahrer empfohlen worden ist, oder ob er sich das ausgedacht hat, und sich nur von einem Kollegen hat hinfahren lassen, der Taxifahrer also gar nicht sein kulinarischer Guide war, was, wenn man's ganz genau nimmt, bereits die zweite Verarschung wäre, nachdem er am Anfang ja eigentlich da hinwollte, wo keine Touristen hinfinden, letztendlich aber immer dort gelandet ist, wo kaum Berliner hingehen.)

Ich weiß nicht mehr genau, welcher kluge Kopf es gesagt hat, ich glaube es war ein Inder, jedenfalls ist nicht von mir, dass der westliche Mensch im Ausland immer irgendetwas sucht, am Ende aber immer nur sich selber oder eben seinen Burger findet. Ich bin kein Prophet, ich bin nur Taxifahrer, dafür aber in Berlin. Deswegen weiß ich auch, was Andrew als nächstes in Berlin finden wird, etwas typisch Berlinerisches - und zwar den "Food Truck". Was, du kennst den "Food Truck" nicht? Das gibt es doch gar nicht! Der ist doch so Berlin, den kennt doch jeder. Den gibt es auch schon so lange, lass mich überlegen, ich glaube gehört zu haben, dass die Tradition des "Food Trucks" in Berlin bis weit ins Mittelalter zurückgeht. Du glaubst mir nicht? Dann bist du am Ende vielleicht gar kein Berliner ...

Foto&Text TaxiBerlin

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