31.10.2015

"BYE BYE BERLIN, I LOVE YOU"


"Sun" Tankstelle / Adlergestell 391
früher Köpenick / heute Treptow-Köpenick

Mit diesen Worte verabschiedete sich gestern Andrew Zimmern aus Berlin, dazu postete er ein Bild von einer typischen Berliner Brezel, das ganze auf Facebook - awesome! Fällt mir gerade ein: Nun ist es zu spät, dass der arme Andrew den armen Sascha kennenlernt. Gut, am Anfang suchte Andrew jemand, der Berlin wie seine Westentasche kennt, da kam der Sascha natürlich nicht in Frage, weil der nur den Ostbahnhof kennt. Später, als sich herausstellte, dass Andrew doch nur zu Orten wollte, wo nur Touristen hinwollen, wiederum schon, denn damit kennt sich der arme Sascha dann doch wieder aus.

Und überhaupt, der arme Sascha wäre mit einem Mal seine ganzen finanziellen Sorgen los, von der er der Welt dank Internet immer wieder aufs Neue wissen lässt, denn Andrew, das kann man nicht anders sagen, ist, zumindest für Berliner Verhältnisse, extrem großzügig. Arm ist eben nicht gleich arm, aber das ist bekannt.

Dabei wären die beiden, der arme Andrew und der arme Sascha, sich beinahe über den Weg gelaufen, denn Andrew war an der East Side und der Ostbahnhof nicht weit. Leider entschied Andrew, seinen Burger in Kreuzberg zu essen; der arme Sascha bekam zur gleichen Zeit einen von McDoof am Ostbahnhof geschenkt, allerdings nicht von Andrew sondern von einem seiner Fans, der gerade vom Justin Bieber Konzert kam. Bravo Sascha, solche Leser wünscht man sich!

Doch zurück zu Andrew, der die Stadt gestern nach nur drei Tagen schon wieder verlassen hat. Zum Abschied sagte er nicht leise "Tschüss" sondern ließ der ganzen Welt wissen, dass er Berlin liebt, was bedeutet: Uns alle! In Amerika, für den, der das nicht weiß, antwortet der Betreffende, also der von Andrew Geliebte, in einem solchen Fall mit: "I love you too!" Um ehrlich zu sein, ich tue mich damit schwer. Wenn Andrew dazu wenigstens eine Berliner Boulette oder auch nur eine Bockwurst gepostet hätte - dann vielleicht. Aber eine Brezel aus Bayern?!? Was er sich wohl dabei gedacht hat?

Da mir Andrew wegen den Geldbörsen, die er in den Neunzigern geklaut hat, irgendwie an's Herz gewachsen ist, möchte ich ihm neben der Sache mit der Brezel noch auf den Weg geben, dass ein Taxifahrer natürlich teure Restaurants wie beispielsweise das "Borchardt" in der Französischen Straße kennt, es aber niemals empfehlen würde, einfach weil er es sich nicht leisten kann. Da kannst du, wenn du mir nicht glaubst, den armen Sascha fragen.

Der Berliner Taxifahrer kennt sich neben Döner und Boulette vor allem mit Bockwurst und Brötchen aus, wobei der Senf nicht fehlen darf, den manch einer überall dazu gibt. Apropos: Das scheint der arme Andrew auch nicht zu wissen. Wenn du einen Tip bekommst, musst du immer auch dazu sagen, von wem der Tip war. Der Tip mit der Bockwurst für neunundneunzig Cent war vom Kollegen Jürgen, der erst gar keine Tips geben wollte, später aber neben einigen Bäckereien auch die "Sun" Tankstelle am Adlergestell empfahl.

Bevor ich's vergesse, noch eines der Dinge, die ich von Andrew gelernt habe: Der Ossie ist im Kommen! - zumindest in Amerika. Warum das so ist, wusste selbst Andrew nicht. Was es bedeutet, dürfte dafür klar sein, nämlich dass Schwaben, und das auch in Berlin, auf dem absteigenden Ast sind. Das wiederum tut mir für den armen Sascha leid, der vor allem dadurch bekannt geworden ist, weil er sich als zugezogener Schwabe so gut auskennt in Berlin; aber so, also wenn sich überhaupt gar keiner mehr, sieht man mal von dem Justin Bieber Fan ab, für ihn interessiert, nie runter kommen wird von seinen Schulden, worunter wir letztendlich alle, dem Internet sei Dank, weiterhin leiden werden, und weswegen es wirklich schade ist, dass der arme Andrew nicht den armen Sascha kennengelernt hat.

Foto&Text TaxiBerlin

30.10.2015

THE DUDE DESIGN- UND BOUTIQUEHOTEL


Köpenicker Straße / früher Mitte / heute Neue Mitte

"The Dude", genau der hier, hat ein Hotel eröffnet - aber nicht irgendeins! Wer "The Dude" und seinen Bademantel kennt, der weiß, dass das bei dem immer was besonderes sein muss. Und deswegen ist es auch nicht einfach nur ein Designhotel, und auch nicht nur ein Boutiquehotel, sondern ein Design- und Boutiquehotel in Berlin Mitte, und nebenan, ganz praktisch, gleich das "Brooklyn", der "Prenzlauer Berg von New York". Im "The Dude" gibt es übrigens, genauso wie im türkischen Imbiss gestern, ein paar Sachen, die nicht gehen - sogenannte "Dont's", zu denen unter anderem "Indiskretes Fotografieren" und "Mit der Presse über ... sprechen" gehören.

Foto&Text TaxiBerlin

29.10.2015

IM TAXI MIT AZIZ ODER OHNE MICH BEI ROGACKI


Im von Aziz empfohlenen türkischen Imbiss

Neulich bin ich mal wieder Taxi gefahren, also mitgefahren, richtig als Fahrgast und das sogar zu zweit. Layne alias Taxigourmet hatte Lust auf eines ihrer Taxiabenteuer, und da ich Zeit hatte, habe ich sie begleitet. Unser Fahrer Aziz, ein türkischer Alevit, hat uns, das war keine Überraschung, einen türkischen Imbiss empfohlen, und zwar einen richtigen, mit richtigem Fleisch, hausgemachtem Brot, ohne Burger aus Amerika im Angebot und mit Soßen, die nicht süß sind.

Im Imbiss gab es neben vielem guten Essen auch jede Menge Hinweisschilder, ein bisschen wie im Straßenverkehr, damit sich der Besucher besser zurecht findet. Ein Schild sagte zum Beispiel, dass das Fleisch 100% Rind mit Lammfett ist. Ein anderes bedankte sich dafür, dass die Tische für die nächsten Gäste sauber verlassen werden. Ein weiteres Schild wies darauf hin, dass im Imbiss Alkohol verboten ist, und das nächste Schild beinhaltete eine exakte Zubereitung für den kostenlos angebotenen türkischen Tee.

Für mich als Taxifahrer sind Schilder Alltag. Viele von ihnen nehme ich gar nicht mehr wahr, was auch gefährlich werden kann, weswegen ich immer wieder auf's Neue darauf achte, dass sie nicht allzu sehr zur Routine werden, die vielen Hinweis- und insbesondere Verbotsschilder. Vielleicht ist das auch der Grund, warum mir obiges "Gebots-Schild" (Foto), das die Abgabe von Bestellungen während des Telefonierens höflichst verbietet, nicht entgangen ist.

Für mich selbst ist das Schild so gut wie bedeutungslos. Ich habe zwar auch ein Mobiltelefon, allerdings eins aus der Steinzeit, das ich, wenn es hochkommt, einmal im Monat benutze. Es muss also einen anderen Grund geben, warum mir das Schild in dem von Aziz empfohlenen türkischen Imbiss nicht aus dem Kopf geht, und worüber ich nachher gleich noch mit meinem Chef sprechen werde.

Und zwar werde ich ihm vorschlagen, genau solche Schilder in seinen Taxen anzubringen. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber mich nervt diese ständige Telefoniererei sehr. Klar, man müsste da etwas umformulieren und "Bestellung" durch "Fahrziel" ersetzen, was ich sogar übernehmen würde, es können schließlich nicht alle Leute dichten. Apropos: Vielleicht mache ich sogar einen Reim draus.

Wer übrigens mehr über den von Aziz empfohlenen türkischen Imbiss und das dortige Essen erfahren möchte, muss sich noch etwas gedulden. Layne wird demnächst auf ihrer Seite darüber schreiben. Der Imbiss befindet sich in Neukölln, so viel kann ich schon mal verraten. Aziz und sein Taxi, das war auch noch eine Überraschung, haben wir am nächsten Tag noch einmal getroffen, ganz zufällig, wo er uns weitere Tips gab. Berlin ist eben doch ein Dorf.

PS: Andrew Zimmern, der gerade für seine neue Serie in Berlin weilt, und wo ich den lokalen "Foodie" spielen sollte, was ich aus bekannten Gründen abgelehnt habe, war, das sagt Andrews Facebook-Seite, gerade im von mir empfohlenen Rogacki. Bravo Andrew - eine gute Wahl! Es freut mich vor allen Dingen, dass du es auch ohne mich gefunden hast. Bevor ich's vergesse: Vielleicht kannst du später in deiner Sendung auch erwähnen, von wem der Tip war. Danke!

Foto&Text TaxiBerlin

28.10.2015

"BUT HEY I'M BIG IN JAPAN"



TaxiBerlin - bekannt auch in Japan

Nachdem Amerika mich nicht haben wollte (genauer: ich Andrew nicht), kennt man mich nun in Japan. Warum das so ist, kann ich nur vermuten. Wahrscheinlich liegt's am Berliner Schrebergarten, den ich den Japanern gezeigt habe, und den Andrew nicht sehen wollte.

Video YouTube

27.10.2015

ANDREW ZIMMERN IN BERLIN (FORTSETZUNG)


Türkisches Restaurant mit irakischem Namen und amerikanischen Burgern in Berlin
"Bagdad" am Schlesischen Tor / früher Kreuzberg / heute Friedrichshain-Kreuzberg

Eigentlich sollte ich diese Woche Andrew Zimmerns Berliner "Foodie" sein, was ich deswegen abgelehnt habe, weil ich die Idee, Taxifahrer seinen kulinarischen Guide sein zu lassen, zwar gut finde, aber ich der Meinung bin, dass das nicht Andrews Idee ist, sondern die von meiner Frau Layne Mosler alias TaxiGourmet. Mittlerweile bin ich mir da nicht mehr so sicher, also jetzt über Andrews Idee, und ob er überhaupt eine hat, dazu gleich mehr, aber abgesagt ist abgesagt, weswegen ich jetzt mehr Zeit zum Schreiben habe, die ich dafür nutzen möchte, herauszufinden, ob Andrew auch ohne mich, der seine Stadt wie seine "Ostentasche" (Ha ha ha, kleines Wortspiel!) kennt, die Orte findet, wo ich ihn hinkutschieren sollte, und zwar genau die, wo Touristen normalerweise niemals hinfahren würden.

Bevor ich gleich meine Food-Tips verraten werde, die ich Andrew gegeben hatte, die er aber nicht braucht, weil sein Konzept gar nicht das ist, dass er Taxifahrer seine kulinarischen Guides sein lässt, das steht nur auf dieser Seite, die aber nicht seine ist, noch ein paar Worte zu Andrew. Andrews Konzept ist offensichtlich ein anderes, das aber noch keiner kennt, nicht mal er selbst. Offiziell sucht Andrew zwar jemanden, der ihn dorthin kutschieren soll, wo normalerweise keine Touristen hinkommen, in der Praxis will Andrew aber ausschließlich zu Orte gebracht werden, wo möglichst viele Touristen sind. Ich weiß, das hört sich ziemlich schizophren an, und ist es auch, passt aber hervorragend zum neuen Berlin, in das bereits vor Andrew jede Menge Leute gekommen sind, die erst dort wohnen wollen, wo was los ist, um dann da plötzlich ihre Ruhe zu haben.

Ich habe Andrew im Vorfeld folgende Lokalitäten empfohlen, die für Andrew aber irrelevant sind, weil dort keine Touristen hinfinden: "Hamy" (ein vietnamesischen Restaurant, das ich zufällig beim rumfahren fand, und womit ich Layne Mosler alias TaxiGourmet rumgekriegt habe), "Hasir" am Nollendorfplatz (der wahrscheinlich beste Dürüm Döner der Stadt, weil mit richtigem Fleisch am Spieß, kein Hackfleisch!, und wo die Soßen auch nicht zu süß sind - ein echtes Problem in Berlin), "Rogacki" (eine Berliner Institution, die ich von meinem einzigen Stammfahrgast, eine ältere Dame aus meinem Kiez, kenne), "Klemkes" (ebenfalls eine Berliner Institution, ein Familienbetrieb mit deutscher Küche und Weinhandel, von der ich im Radio gehört habe) und last but not least "El Rheda" (der vielleicht beste Libanese der Stadt, ein Tip vom Kollegen Christoph).

Darüber hinaus habe ich Andrew noch "Hops&Barley" (eine Mikrobrauerei mit extrem leckeren Bier bei mir im Kiez), "Sala Thai" (definitiv der beste Thai der Stadt, schwer zu finden, dafür aber mit Mittagsangebot), das von mir geschätzte "Café Tasso" (ein Antiquariat mit ausschließlich biologischem Essen & Trinken und einer sehr sehr angenehmen Atmosphäre) und den Besuch eines typischen Berliner Schrebergartens vorgeschlagen, weil gerade letzteres ein Ort ist, wo Touristen niemals hinfinden, was aber nicht in Frage kam, weil Andrew kurz vorher etwas ähnliches in Nashville besucht haben soll. (Ein Berliner Schrebergarten in Nashville?!? Schade eigentlich ...)

Was macht nun Andrew in Berlin? Er besucht die "East Side Gallery". Gut, das hatte ich ihm auch vorgeschlagen, zusammen mit der Oberbaumbrücke, sozusagen als Friedensangebot, nachdem ich mitbekam, dass Andrew sein Konzept geändert hat, und zwar weg von den Orten, wo normalerweise kein Tourist hinkommt, hin zu den Orten, wo in der Regel kein Berliner hingeht. Aber warum denn nicht, der Mann ist flexibel, was auch eine Kunst ist, heutzutage vielleicht sogar die größte, ich weiß es nicht. Als Taxifahrer kann ich sagen, dass mich Fahrgäste, die während der Fahrt ständig das Fahrziel ändern, einfach nur nerven, was aber auch ein Luxusproblem ist.

Einmal an der "East Side" findet Andrew gleich rüber nach Kreuzberg - immerhin. Da ist es voll cool. Vor allem, weil da gar keine Touristen sind. Das Schlesische Tor ist in Touristenkreisen praktisch unbekannt, weswegen man sowohl beim "Burgermeister", einem ehemaligen Toilettenhäuschen, als auch beim Türken gegenüber, der sich nach der irakischen Hauptstadt "Bagdad" nennt und der, das darf nicht fehlen, neben dem "Bagdad-Döner" und dem "Bagdad Dürüm Döner" auch Hamburger und Cheeseburger aus Amerika im Angebot hat, nur Berliner trifft, die alle englisch sprechen - wie praktisch.

(Das "Bagdad" am Schlesischen Tor wurde mir persönlich noch von keinem Kollegen empfohlen, und das obwohl die Taxihalte praktischerweise direkt gegenüber liegt, weswegen ich mich frage, ob Andrew das "Bagdad" wirklich von einem Taxifahrer empfohlen worden ist, oder ob er sich das ausgedacht hat, und sich nur von einem Kollegen hat hinfahren lassen, der Taxifahrer also gar nicht sein kulinarischer Guide war, was, wenn man's ganz genau nimmt, bereits die zweite Verarschung wäre, nachdem er am Anfang ja eigentlich da hinwollte, wo keine Touristen hinfinden, letztendlich aber immer dort gelandet ist, wo kaum Berliner hingehen.)

Ich weiß nicht mehr genau, welcher kluge Kopf es gesagt hat, ich glaube es war ein Inder, jedenfalls ist nicht von mir, dass der westliche Mensch im Ausland immer irgendetwas sucht, am Ende aber immer nur sich selber oder eben seinen Burger findet. Ich bin kein Prophet, ich bin nur Taxifahrer, dafür aber in Berlin. Deswegen weiß ich auch, was Andrew als nächstes in Berlin finden wird, etwas typisch Berlinerisches - und zwar den "Food Truck". Was, du kennst den "Food Truck" nicht? Das gibt es doch gar nicht! Der ist doch so Berlin, den kennt doch jeder. Den gibt es auch schon so lange, lass mich überlegen, ich glaube gehört zu haben, dass die Tradition des "Food Trucks" in Berlin bis weit ins Mittelalter zurückgeht. Du glaubst mir nicht? Dann bist du am Ende vielleicht gar kein Berliner ...

Foto&Text TaxiBerlin

BERLINER BEGEGNUNGSZONE


Maaßenstraße am Nollendorfplatz
früher Schöneberg / heute Tempelhof-Schöneberg

Mit Zonen kennt er sich aus der Berliner - das ist bekannt. Genau genommen ist es so, dass wir Berliner ohne Zonen nicht mehr leben können. Ohne Besatzungsmächte könnten wir, ganz souverän, ohne Zonen auskommen, aber wir können es einfach nicht, und deswegen gibt es jetzt Begegnungszonen. Mein letzter Fahrgast, ein alter Mann mit grauem Haar, meinte zwar, dass man sich früher, auch ohne Zone, einfach nur getroffen hätte, aber was weiß der denn schon ...

Foto&Text TaxiBerlin

26.10.2015

ANDREW ZIMMERN IN BERLIN


Flughafen Tegel (TXL) / Unterführung / Werbung (Detail)

Komme gerade vom Wochenende im Taxi nach hause und wasche mir, nachdem ich das Geld, oder besser den Schmutz, verstaut habe, rituell die Hände, da muss ich plötzlich an Andrew Zimmern denken, der heute oder morgen nach Berlin kommt, so genau weiß das nicht mal seine Assistentin. Dass ich an Andrew Zimmern denken muss, liegt vermutlich daran, dass ich eigentlich in seiner neuen Show den kulinarischen Guide, genauer den "Foodie", wie er es nannte, spielen sollte, was ich aber nicht wollte, und das aus gutem Grund.

Ich kenne Andrew nicht persönlich, aber was das Internet über ihn sagt, macht ihn mir ausgesprochen sympathisch, insbesondere dass Andrew in den Neunzigern Alkohol- und Drogenabhängig war, dazu obdachlos, und dass er Geldbörsen geklaut hat. Ich habe auch schon mal geklaut. Neulich zum Beispiel, Neunzehnhundert Vierundsiebzig, da habe ich jemanden fünf Mark aus dem Portemonnaie geklaut. (Vielleicht hätte Andrew in den Neunzigern einfach nach Berlin kommen sollen, dann hätte was aus ihm werden können ...)

Keine Ahnung, wie das bei Andrew ist, aber ich leide heute noch unter diesen fünf Mark, die ich damals geklaut habe. Was ich auch nicht weiß, ist, was Andrews Besuch für die Berliner und ihre Geldbörsen heute bedeutet. Wahrscheinlich besteht aber keine Gefahr, denn, das weiß ich wiederum aus eigener Erfahrung, etwas andres ist in Andrews Fokus geraten, genau genommen sind es Ideen, was ich aber nicht sagen und schon gar nicht schreiben darf.

Dass jemand anders die Idee, Taxifahrer seine kulinarischen Guides sein zu lassen, vor ihm hatte, dafür kann Andrew nichts. Das dürfte klar sein. Und überhaupt, das mit den kulinarischen Guides ist sowieso nur das Vorspiel, oder besser die Vorspeise. Andrew denkt da, das weiß ich von seiner Assistentin, in viel größeren Dimensionen, was aber niemand wissen darf, damit ihm niemand zuvor kommt, denn Andrew will als nächstes das Rad neu erfinden.

Wenn ich es mir recht überlege, ist es die Geschichte mit dem Rad, dass Andrew neu erfinden will, die mich an ihn denken lässt, und dass ich mich jetzt darüber ärgere, dass ich ihm, wie gesagt, abgesagt habe. Ich hätte mit Andrews Hilfe in Amerika groß rauskommen können, aber daraus wird nun nichts. Eine Hoffnung, wenngleich nur eine kleine, habe ich allerdings, und zwar dass Andrew meine vielen kulinarischen Tips, die ich ihm im Vorfeld für Berlin gegeben habe, in seiner neuen Show verwendet und mich als Tip-Geber erwähnt.

Letztendlich ist aber auch das egal. Und genauso solltet ihr das auch sehen, liebe Berliner und auch -innen! Wenn euch in den nächsten Tagen ein orientierungsloser Amerikaner gegenübertritt, dann denkt nicht an eure Geldbörsen, sondern helft ihm bitte. Wenn er nach Essen verlangt, dann gebt ihm etwas. (Beim Trinken müsst ihr vorsichtig sein, Andrew ist ein trockener Alkoholiker!) Es steht nicht umsonst irgendwo geschrieben, dass Geben seliger denn Nehmen ist. Aber vielleicht wird auch das demnächst ganz neu erfunden ...

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24.10.2015

IM TAXI MIT ILIJA TROJANOW


Auszeit Taxi mit Taxifahrer und Polizist

Dass ich neuerdings viel Zeit zum Lesen habe im Taxi, muss an den Ferien liegen. Vielleicht liegt es auch an mir. Ich weiß es nicht genau. Wenn es nicht läuft, ist es auf jeden Fall wichtig, keine schlechte Laune zu bekommen. Da hilft, zumindest mir, ein gutes Buch.

Das neue Buch "Macht und Widerstand" von Ilija Trojanow ist alleine deswegen schon ein gutes Buch, weil es sich mit der Auszeit beschäftigt, mit der sich sonst niemand beschäftigt, sieht man mal von Sibylle Lewitschroff und dem von mir geschätzten Thomas Frahm ab. Ilija Trojanow ist vielen noch wegen "Der Weltensammler" in Erinnerung, dabei ist er eigentlich gar kein Romanautor.

Ilija Trojanow ist, das dürfte einige überraschen, ein Dokumentarist, genauer ein Chronist, ganz genau DER Chronist der Auszeit. Wer mir nicht glaubt, dem sei Ilijas Buch "Hundezeiten" empfohlen, das später unter dem merkwürdigen Titel "Die fingierte Revolution" erschien.

Auch in "Macht und Widerstand", in dem übrigens jemand aus meiner Familie eine kleine Rolle spielt, und zwar auf Seite 414, wenngleich keine besonders gute, aber man kann nicht jeden von seiner Sippe kontrollieren, geht es um die sozialistischen Zeiten in der Auszeit.

"Macht und Widerstand" ist übrigens wieder ein Roman, obwohl Ilija eigentlich ein Dokumentarist ist, was ich von dem von mir geschätzte Thomas Frahm gelernt habe. Das größere Problem dürfte aber sein, dass viele Leute denken, dass Iljas neues Buch ein Buch über längst vergangene Zeiten ist und nichts mit uns heute zu tun hat.

Wer Ilija, der in der jüngeren Vergangenheit dadurch bekannt geworden ist, dass er sich gegen Überwachung, insbesondere der NSA, stark machte und dem deswegen auch schon mal die Einreise in die USA verweigert wurde, kennt, der weiß, dass dem nicht so ist.

Die Frage für mich war deswegen auch nur, wann und wie Ilija den Bogen zu uns hinbekommt. Zugegeben, er lässt sich Zeit, aber das hätte jeder so gemacht. Erst auf Seite 476 von 478 schließt sich der Kreis. Da sagt Konstantin, der ehemalige Konzlageristfolgendes:

Du hast keine Überzeugung, wenn du nicht bereit bist, dafür zu sterben.

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23.10.2015

ARMER ARMER ANDREW


Alles hat seinen Preis

Gestern nun, knapp achtundvierzig Stunden später, kam die Antwort von Andrew. Vermutlich hat es deswegen so lange gedauert, weil Andrew vorher noch seine fünf Anwälte konsultieren musste. Man weiß es nicht. Was man, oder besser Andrew, weiß, ist, dass ihm die Idee, Taxifahrer seine kulinarischen Guides sein zu lassen, bereits 2013 gekommen ist, weswegen er natürlich meine Frau Layne Mosler und ihren Blog TaxiGourmet nicht in seiner neuen Show erwähnen kann, oder besser: darf. Das war zu erwarten.

2013, lass mich mal nachrechnen, das ist, wenn ich mich nicht irre, immerhin schon zwei Jahre her, und wenn ich mich richtig erinnere, ist 2013 zwar größer als 2007, kommt aber zeitlich eindeutig nach 2007, und das ziemlich genau sechs Jahre (das dürfte auch in Amerika so sein), als Layne ihren Blog mit genau der Idee startete, die Andrew sechs Jahre später hatte, und wo er angeblich heute nicht mehr weiß, dass jemand anders die Idee bereits vor ihm hatte, was nicht stimmt, und was sich auch beweisen lässt. Dass Andrew sich heute nicht mehr daran erinnern kann, kommt vor, und liegt vermutlich daran, dass zwischen 2013 und heute wie gesagt immerhin zwei Jahre liegen, in denen man auch mal was vergessen kann und auch darf.

All das keine Überraschung, zumindest nicht für mich. Überraschend ist nur, dass Andrew immer noch ernsthaft darauf hofft, ich würde bei seiner neuen Show mit der Idee meiner Frau mitmachen, ohne dass dort erwähnt wird, von wem die Idee ist. Eigentlich bin ich ja ein großer Fan von Amerika, aber in der Situation halte ich es mit Siegmund Freud, der gesagt hat: "Amerika ist ein Fehler; ein gigantischer Fehler, aber ein Fehler."

Foto&Text TaxiBerlin

21.10.2015

IM TAXI MIT ANDREW ZIMMERN


Jalousie in Berlin-Friedrichshain (Detail)

Du kennst Andrew Zimmern nicht? Mach dir nichts draus. Ich kannte ihn bis vor kurzem auch nicht, bis er sich wegen meinem Blog bei mir meldete, genau genommen seine Assistentin. Andrew war auf der Suche nach einem Taxifahrer, der Berlin wie seine Westentasche kennt, und der ihn bei seiner neuen Fernsehserie dorthin kutschiert, wo die Touristen normalerweise nie hinfahren würden.

Es war ganz offensichtlich, dass Andrew nur nach mir, dem Berliner Taxi Diktator, und nach keinem anderen gesucht hatte. Daran änderte sich auch im Vorgespräch nichts, als Andrew plötzlich sein Konzept änderte. Auf einmal sollte ich ihn genau dorthin fahren, wo nur Touristen hinfahren, nämlich zum "Food Truck". "In Amerika gerne", sagte ich zu Andrew "in Berlin you have to go where the Berliner go!"

Auch nachdem ich es ablehnte, Andrew zu einem von diesen neuen Hipster Läden in Mitte zu fahren, übrigens mit der Begründung "It's not my budget!", aber das nur nebenbei, hielt Andrew an mir fest, was ich ihm hoch anrechne. Zusammen mit einem Kollegen sollte ich Andrew nun nächste Woche durch Berlin kutschieren, wobei ich der "Foodie", wie sie es nannten, sein sollte und der andere der "Ossie".

Das mit dem "Foodie" ließ mir irgendwie keine Ruhe, weswegen ich im Internet begann, mich etwas näher mit der Person Andrew Zimmern und seiner neuen Serie zu beschäftigen. Andrew ist in den USA eine große Nummer, wie man so schön sagt, und keine kleine Kartoffel, wie ich in Berlin. Das letzte, was er dort mit großem Erfolg gemacht hat, war "Bizarre Food" - also "Bizarres Essen", weswegen ich Andrew auch vorgeschlagen habe, Lammkopf, eine Delikatesse der Auszeit, für ihn zuzubereiten, worauf er aber gar nicht eingegangen ist.

Dass Andrew nichts von meinem Lammkopf wissen wollte, hängt mit dem Motto seiner neuen Serie zusammen: "Andrew Zimmern Will Let Cabbies Be His Culinary Guides in 'Meters Running'". Eine tolle Idee, wie ich finde, nur ist sie nicht neu. Genau genommen ist es die Idee von "TaxiGourmet", meiner Kollegin und Partnerin Layne Mosler, die seit mehr als acht Jahren auf ihrem Blog regelmäßig über ihre Taxiabenteuer, wie sie es nennt, schreibt, und die im Juli dieses Jahres ihr Buch "Driving Hungry" veröffentlicht hat, nur ein paar Wochen bevor Andrew mich wegen seiner neuen Show kontaktierte.

Ich habe hin und her überlegt, was ich mit dieser Information machen soll. Eins war von Anfang an klar: Unter diesen Umständen kann ich Andrew auf keinen Fall durch Berlin fahren. Das geht nicht, da bitte ich wirklich um Verständnis, und zwar ganz einfach deswegen, weil ich mir auch morgen noch in den Spiegel schauen möchte. Soll jemand anders seine Frau und deren Idee für ein paar Euros verraten - ich nicht! Andrew findet einen Ersatz, da bin ich ohne Sorge.

Es gab im Freundes- und Kollegenkreis, das soll bei allem Ärger nicht unerwähnt bleiben, auch einige, die meinten, ich solle da ruhig mitmachen und mir die Sache mal "von innen" ansehen, vielleicht könne ich ja doch noch irgendwie davon profitieren. Wie genau das aussehen sollte, wussten sie allerdings auch nicht. Wenn man nicht genau weiß, wohin die Reise geht, das habe ich beim Taxifahren gelernt, fährt man besser erst gar nicht los, denn in der Regel geht eine solche Fahrt, das weiß ich aus Erfahrung, nach hinten los.

Was das "von innen" angeht, habe ich folgendes Bild im Kopf, das aber nicht von mir ist, sondern aus irgendeinem Film, vermutlich einem aus Amerika. Könnte "Der Pate" oder "Apocalypse Now" oder so gewesen sein, ich weiß es nicht genau. Das Bild ist folgendes: Ich bin eine kleine Kartoffel, die Andrew und sein Team in den Mund nimmt, ein paarmal darauf herumkaut und danach ausspuckt, bevor die kleine Kartoffel überhaupt realisiert, was da gerade mit ihr passiert.

Gestern nun habe ich Andrew deswegen eine e-mail geschrieben. Das gerade beschriebene Bild habe ich weggelassen. Das muss unter uns bleiben. Ich habe Andrew erst einmal gelobt wegen seiner Idee, sich von Taxifahrern zeigen zu lassen, wo sie essen gehen, weil auch ich die Idee gut finde. Darüber hinaus habe ich Andrew vorgeschlagen, einfach auch der Fairness wegen, dann aber auch dazuzusagen, von wem die Idee stammt. Und während ich nun auf die Antwort aus Amerika warte, dachte ich, schreib ich einfach mal alles auf, damit ich es nicht vergesse, und auch weil es gut fürs Karma sein soll.

Foto&Text TaxiBerlin

20.10.2015

DARF TAXIBERLIN DAS?



"Ich schwöre es, bringt mich zum Hotel ..."

Die Frage, ob TaxiBerlin dieses Video auf seiner Seite veröffentlichen darf oder nicht, zu beantworten, muss ich anderen überlassen. Ich habe wichtigeres zu tun, denn er Herr mit der Sonnenbrille ist offensichtlich auf der Suche nach einem Taxi, das ihn in sein Hotel bringt. Da kommen mein Taxi und ich ins Spiel, ob ich will oder nicht.

Beginnen wir mit dem unwichtigen, und zwar damit, dass der Herr mit der Sonnenbrille etwas laut spricht. Damit kann ich umgehen, denn in meiner Auszeit, und das meinte ich auch mit raus aus der Komfort-Zone, sprechen die Menschen immer - also wirklich immer! - sehr laut. Das Wort "sagen" existiert dort gar nicht. In der Auszeit wird, das ist jetzt kein Scheiß, immer und überall nur "geschrien".

Dank meiner Auszeit bin ich bestens vorbereitet auf diesen Fahrgast. Dass er aus dem Irak nach Deutschland fand, nachdem er vorher noch kurz in Norwegen war, dann aber in Berlin die Straße nicht findet, wo sein Hotel steht, verstehe ich zwar nicht wirklich, ist für mich als Taxifahrer aber auch irrelevant, solange die Fahrt bezahlt wird.

Genau genommen ist es für mich also von Vorteil, immerhin eine zusätzliche Fahrt, wenn sich jemand, egal wer, hier in Berlin nicht auskennt, solange nur irgendjemand die Fahrt bezahlt. Es mag sich hart anhören, aber für mich als Taxifahrer wäre es wirklich das beste, wenn sich an diesem Zustand auch so schnell nichts ändern würde.

Apropos bezahlen: Dass jetzt auch Putzfrauen bezahlt werden, die in den Unterkünften für Ordnung sorgen, lässt mich hoffen, auch wenn ich persönlich mehr für Deutschlehrer dort bin. Die können sich aber auch melden, also zum Unterrichten jetzt, allerdings ehrenamtlich.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

19.10.2015

MEIN TAXI ODER MY TAXI


Wer ist wer?

Ob das "mytaxi" sei, wollten die vier jungen Leute von mir wissen. Dass sie mit ihrer Frage ausgerechnet zu mir kamen, lag daran, dass ich mit meiner Taxe als erster am Rosenthaler stand. "Ja, das ist mein Taxi" antwortete ich, was nicht ganz die Wahrheit war, aber auch nicht gelogen ist, weil ich immer dasselbe, also "mein Taxi", fahre, es mir genau genommen aber nicht gehört, sondern meiner Firma. Trotzdem kenne mich mit ihm aus als sei es mein eigenes und darüber hinaus auch in der Stadt - was will man mehr?!

Den vier jungen Menschen aus Köln, wie sich später herausstellte, reichte das nicht, sie bestanden weiterhin auf "mytaxi", das sie abholen und nach Tegel zum Flughafen bringen sollte, aber nicht gekommen war, wie das manchmal so ist, weswegen sie zum Taxistand laufen mussten, was man sich mal vorstellen muss, und weswegen sie jetzt nicht mal die Hälfte vom normalen Fahrpreis, ein Angebot von "mytaxi", zahlen wollten, sondern noch weniger.

Da ich nicht "mytaxi" sondern "mein Taxi" fahre, marschierten sie weiter zum nächsten und zum übernächsten, bis hin zum letzten Taxi, die alle auch nicht "mytaxi" waren. Warum sollten sie mit "ihrem Taxi" auch am Rosenthaler stehen, wenn "mytaxi" die vier jungen Leute, wie gesagt aus Köln, doch von zu Hause abholen wollte, wenngleich zum halben Preis, was dem Fahrer angeblich nichts ausmacht, weil "mytaxi" ihm die andere Hälfte dazu zahlt.

Nachdem die vier jungen Leute aus Köln am Rosenthaler in Sachen "mytaxi" nicht fündig geworden waren, kamen sie, warum auch immer, zurück zu mir gelaufen. Was sie allerdings nicht wussten, war, dass "mein Taxi" gerade den Tarif erhöht hatte, was an der Uhrzeit lag, denn ab 19:30 Uhr kostet die Fahrt zum Flughafen Tegel mit "mein Taxi" das doppelte. Die vier jungen Leute, wie gesagt aus Köln, juckte das aber nicht mehr. Sie hatten es jetzt plötzlich eilig, und die Fahrt zahlt sowieso die Firma - also wir alle.

Foto&Text TaxiBerlin

16.10.2015

IM TAXI MIT TAXIBERLIN


Ein schlimmer Fahrgast

Gestern war es mal wieder so weit, da habe ich mir ein Taxi bestellt, genau genommen haben meine Frau und ich ein Taxi bestellt, was daran lag, dass es regnete und wir spät dran waren. Hatte ich schon erwähnt, dass meine Frau überlegt den Taxischein für Berlin zu machen? Ich glaube nicht. Es ist auch nicht so wichtig, für sie an erster Stelle eine Erfahrung, die sie machen möchte, um diese mit ihren Erfahrungen als Taxifahrerin in New York zu vergleichen, wo ich sie mal bei einer ganzen Schicht mit meiner Kamera begleiten durfte.

Trotz schlechtem Wetter warteten wir bereits vor der Tür, als der Kollege pünktlich mit eingeschaltetem Taxilicht vorfuhr. Als ich ihm das Fahrziel nannte, war er, aus welchen Gründen auch immer, gerade mit seinem Smartphone beschäftigt, hörte also gar nicht richtig zu, weswegen ich ihm sicherheitshalber die Strecke ansagte, die ich dann noch einmal wiederholen musste, nachdem er sein Smartphone weglegen musste, weil auf seinem anderen Smartphone, dem von der Firma, weitere Aufträge für ihn eintrudelten, was daran lag, dass er sich dort nicht besetzt gemeldet hatte, weil er mit der freien Hand ständig versuchte sein Navigationssystem zu starten, was er aber gar nicht brauchte, weil ich ihm die Strecke gerade zum dritten Mal ansagte, und weswegen wir ins Gespräch kamen.

Krankenschwestern, das ist bekannt, sind die schlimmsten Patienten, und Taxifahrer, in dem Fall ich, sind die schlimmsten Fahrgäste, was unser Fahrer bestätigte und womit das Eis gebrochen war, er sich vor allen Dingen nicht länger mit seinen diversen technischen Geräten im Taxi beschäftigen konnte, weil er sich nun als nicht deutscher Muttersprachler auf unser Gespräch konzentrieren musste, und natürlich auch auf's Fahren, das ist klar. Der Kollege hat seinen Taxischein seit einem Monat und fährt, wie wir von ihm erfuhren, normalerweise nur mit Navi, weswegen er auch gerade überfordert war, weil sich das dumme Ding nicht starten ließ. Immerhin hat er unsere Adresse gefunden, nach nur einem Monat Taxifahren, ein klarer Pluspunkt für ihn. Da gibt es ganz andere "Kollegen" ...

Da meine Frau wie gesagt überlegt die Taxiprüfung für Berlin zu machen, erkundigte sie sich bei unserem Fahrer, wie die denn so sei. Die, so unser Fahrer, und das war die größte Überraschung der gesamten Fahrt, nehme jetzt die DEKRA ab, wovon ich schon gehört hatte, und sei dadurch einfacher geworden, was daran läge, dass die Prüfer der DEKRA keine eigentlichen Taxiprüfer seien, also von Ortskunde auch nicht mehr Ahnung haben wie du und ich, in dem Fall mehr wie du als wie ich. Das wiederum nahm ich dem neuen Kollegen "ungeprüft" ab, weil das ja auch nichts Neues ist, gerade auch im Taxibereich. Ich nenne da nur die unselige "Serviceoffensive" vom Flughafen Tegel vor einigen Jahren, von der heute nichts weiter übrig geblieben ist als die fünfzig Cent, die ich für jede Fahrt ab Flughafen für den Flughafen von meinen Fahrgästen eintreiben muss.

Mit der Ortskundeprüfung ist es, wenn man so will, genauso. Man war mit der alten Verfahrensweise und den Prüfern unzufrieden, wähnte darin sogar schon die Wurzel allen Übels, suchte nach etwas Neuem, fand es in der DEKRA, die, so vermute ich, nichts gegen das kleine Zusatzgeschäft hatte, und herausgekommen ist eine schriftliche Prüfung mit fünfzig Fragen von denen neun verkehrt beantwortet werden dürfen und man nur, weil Multiple Choice, die eine richtige Straße richtig ankreuzen muss, wo früher gerade mal drei von dreißig Fragen verkehrt beantwortet werden durften, das ganze schriftlich, und wo auch die unkorrekte Schreibweise von Straßen und Plätzen ein Fehler war, was nur folgerichtig und auch praktisch ist, wenn alle nur noch mit Navi fahren, denn da muss man, davon habe ich gehört, das Fahrziel orthografisch korrekt eingeben können.

Eine Nacht drüber geschlafen, muss ich heute sagen, dass die schleichenden Balkanisierung, von der ich bisher sprach, nicht ganz korrekt ist, und zwar deswegen, weil, sozusagen parallel zur schleichenden Balkanisierung, die sich in dem Fall dadurch ausdrückt, dass das Neue nicht wie geplant besser sondern ganz klar schlechter ist, eine Amerikanisierung stattfindet, die locker und flockig als "Multiple Choise", das tut keinem weh, sondern im Gegenteil, macht die Leute nur dümmer, daherkommt, wobei es hinter den Kulissen ums Geld, oder besser Pfründe, geht, egal ob diese "Serviceoffensive" oder "Prüfungsgebühren heißen, die es zu sichern gilt. Beide, Amerikanisierung und Balkanisierung, gehen Hand in Hand, oder mit anderen Worten, sind die zwei Seiten ein und derselben Medaille.

PS: Bei der mündlichen Prüfung übrigens, bei der der Prüfling zwei beliebige Punkte in der Stadt aus dem Kopf heraus auf dem kürzesten Weg miteinander verbinden muss, sollen sich die Prüfer der DEKRA, so der Kollege, einfach nur Google Maps bedienen.

Foto&Text TaxiBerlin

15.10.2015

IN DER THÜRINGISCHEN LANDESVERTRETUNG


Freistaatliche Servietten (Detail)

Dorthin war ich eingeladen, und zwar von Landolf Scherzer, der da gestern sein neuestes Buch "Der Rote" über den thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, der auch kurz vorbeischaute, vorstellte. Landolf habe ich nach meiner Eselwanderung durch Bulgarien kennengelernt, und zwar deswegen, weil er gerade ein Buch über seine Wanderung durch Ungarn, Serbien, Rumänien und zurück nach Ungarn, das alles mit einer bulgarischen Kraxe, herausgebracht hatte. Vorher hatte ich versucht ein Buch von W. Büscher zu lesen, der angeblich quer durch Amerika gelaufen war, dann aber bereits auf Seite vierzig oder so in irgendeinem roten Dodge, also einem "Fahrzeug"!, saß, wo der plötzlich hergekommen war, wusste der Autor selbst nicht, weswegen ich sein Buch einfach im Kulturkaufhaus gegen das von Landolf umgetauscht habe.

Das geht wirklich, dass man ein Buch umtauschen kann, zumindest wenn, wie in diesem Fall, dem Leser ein X für ein U vorgemacht werden soll. Wie es ist, wenn einem ein Buch nur nicht gefällt, weiß ich nicht, obwohl diese Frage ja eigentlich viel interessanter ist, wenn man sich die immervollen Auslagen der Buchläden mit den viel zu vielen uninteressanten Büchern so anschaut. Keine Ahnung, wer das alles lesen soll. So oder so ähnlich dachte wohl auch Landolf oder die thüringische Landesvertretung, ganz genau konnte das nicht mehr geklärt werden, weswegen gestern Abend keine Bücher zum Verkauf angeboten wurden. Angeblich war irgendjemand krank geworden, Landolfs Verlag aber am Moritzplatz, was nur 'ne gute Kurzstrecke von der thüringischen Landesvertretung entfernt ist ...

Da das Buch nicht zum Verkauf stand, ich es somit weder kaufen noch lesen konnte, kann ich an dieser Stelle auch nichts darüber schreiben. Ich weiß, das ist heutzutage sehr ungewöhnlich, wo ständig über Bücher geschrieben und auch gesprochen wird, die kein Mensch gelesen hat. Ich bitte das zu entschuldigen, aber ich bin da irgendwie ein Mensch von früher. Immerhin kann ich etwas über Landolfs Vortrag sagen. Der war excellent! Landolf ist ein geborener Entertainer, obwohl er mit seinen ausgewaschenen Blue-Jeans und dem passenden blauen Pullover dazu gar nicht wie einer aussieht. Wie gesagt, in dem Buch geht es um den amtierenden Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, und wer sich für den interessiert, der sollte sich Landolfs Buch unbedingt besorgen.

Für mich war interessant zu erfahren, dass in Thüringen auch Wein gemacht wird, denn der wurde sowohl in Rot als auch, gut gekühlt, in Weiß in Einliterflaschen angeboten. Zu Essen gab es mit Butter bestrichene Brezeln, dazu eine undefinierbare Suppe mit Pilzen, kleine kalte Schnitzelchen, wahlweise mit Senf oder Ketchup, später dann noch kleinste Mini-Würstchenchen im Schlafröckchen und Speckkuchenchen - aber leider keine einzige Thüringer Bratwurst, weder mit noch ohne Senf oder Ketchup. Landolf und sein Weib, wie er seine Frau liebevoll nennt, umgibt sich nach einer Lesung gerne mit Menschen, die er kennt, weswegen er meine Frau, an der er offensichtlich einen Narren gefressen hat, und mich bat, noch etwas zu bleiben. Einen Gefallen, den meine Frau und ich ihm und seiner Frau, die Landolf wie gesagt sein Weib nennt, gerne taten.

Das lag, das muss der Ehrlichkeit halber dazu gesagt werden, auch am Wein, der kontinuierlich nachgeschenkt wurde, aber nicht nur. Dabei wollten Landolf und seine Frau verständlicherweise gerne früh ins Bett, denn das stand ebenfalls in der Landesvertretung von Thüringen, wovon beide sich eine ereignisreiche, um nicht zu sagen explosive, Nacht versprachen. Dass daraus nichts wurde, lag vor allem am Hausmeister, der irgendwann auftauchte, eigentlich um den Laden abzuschließen, der aber auch gerne erzählte und am liebsten sich selbst reden hörte, über Gott und die Welt, Tod und Teufel, Ost und West, Sozialleistungen und Reichensteuer, etc ... und dem wir, Landolf, sein Weib, meine Frau und ich bis weit nach Mitternacht zuhören mussten, bevor wir auch einmal was sagen durften, und das war dann, dass wir ganz gerne ins Bett gehen würden, Landolf und sein Weib in ihrer Landesvertretung, meine Frau und ich in das unsrige zu Hause, denn, und das ist wohl der größte Unterschied, nicht nur zwischen Landolf, sondern auch zwischen den meisten Fahrgästen und mir - ich schlafe meistens zu Hause.

PS: Landolf hat sein neuestes Buch übrigens in nur neun (9!) Monaten geschrieben, was alleine und an sich schon eine Spitzenleistung ist.

Foto&Text TaxiBerlin

14.10.2015

IM TAXI MIT BOB DYLAN


gestern und heute

Nachdem seine Musik nun schon seit Jahren, ach was sage ich - Jahrzehnten!, bei mir im Taxi rauf und runter läuft, war klar, dass auch ich mir die Ehre gebe, wenn der gute alte Bob, der eigentlich Robert Zimmermann heißt und nächstes Jahr immerhin auch schon 75 wird, mal wieder in Berlin vorbeischaut. Bobby hat, das wissen viele nicht, erst Anfang des Jahres seine letzte Scheibe veröffentlicht, auf der er sich mal richtig Mühe gibt beim Singen, was daran liegt, dass das gar nicht seine Songs sind, sondern die von Frank Sinatra.

Die Idee mit Franks Liedern hat er bereits seit den Siebzigern, was auch schon wieder ein paar Jährchen, ach was sage ich - Jahrzehnte! her ist, und wo der gute alte Bob zeigt, nein, nicht dass er singen kann, sondern dass er Ausdauer hat. Was das singen angeht, da gibt er sich wie gesagt Mühe, und zwar ganz große, das haben alle gemerkt, nicht nur ich, die gestern Abend im Tempodrom waren. Ich übrigens zum ersten Mal, was aber an mir liegt, weil ich nämlich nur zu Konzerten vom guten alten Bob gehe, der dort erst zum zweiten Mal spielt - das erste Mal muss ich irgendwie verpasst haben.

Im alten Temprodrom, was ein einfaches Zirkuszelt war und ungefähr dort stand, wo uns heute Mutti regiert, hat er auch schon mal gespielt, das war, lass mich überlegen, das muss '97 oder so gewesen sein, da saß ich noch davor, also vor dem Tempodrom, da musste man noch nicht reingehen, weil, war ja 'n Zirkuszelt, man draußen, oder auch davor, viel besser hörte als drin, wo auch die Luft sehr schlecht war. Das waren noch Zeiten in Berlin - die Neunziger!, da gab es noch richtig was umsonst, wobei man aber auch sagen muss, dass es die schönsten Dinge im Leben sowieso immer umsonst gibt.

Doch zurück zum guten alten Bob, dem es sehr gut geht, was nicht zu übersehen ist, weswegen ich mich auch beeilen muss, weil wir gleich noch zum Frühstück verabredet sind, und zwar in seinem Bus, der direkt neben dem neuen Tempodrom in der Möckernstraße steht. Das wissen auch viele nicht, dass Bobby ein ausgesprochener Hotelmuffel ist und lieber auf der Straße pennt, um genau zu sein in seinem schwarzen Luxusliner oder wie die Dinger heißen, ist ja auch egal.

Letztens hatte ich das Frühstück bei ihm verpasst, weswegen ich mir heute den Wecker gestellt habe, denn wenn ich etwas hasse, dann ist das Unpünktlichkeit. Apropos: Bob und seine Band werden auch heute Abend wieder ganz pünktlich 20 Uhr Berliner Zeit ihr Konzert starten, bei dem es, das ist neu, die selben Songs wie gestern zu hören gibt, und wo es nach 'ner Dreiviertelstunde erstmal 'ne Pause gibt, und zwar deswegen, weil "schön singen" ganz schön anstrengend ist.

Foto&Text TaxiBerlin

13.10.2015

MEIN TAXIWOCHENENDE IM RÜCKSPIEGEL


Pullern ohne Drehkreuz - so geht es auch

Mein Taxiwochenende, ich schrieb bereits darüber, begann ganz klar mit einem Fehlstart, was daran lag, dass die Taxe, die ich an meinem ersten Wochenende nach meiner Auszeit fuhr, nicht die Taxe war, die ich sonst immer fahre, sondern eine andere, welche darüber hinaus noch völlig versifft war, so dass ich, bevor ich überhaupt starten konnte, erstmal drei Stunden für die Grundreinigung aufbringen musste, was wiederum auch damit zu tun hatte, dass sowohl an der Waschanlage als auch beim Staubsaugen Hochbetrieb herrschte, was an einem Freitagnachmittag passieren kann, aber nicht muss.

Ich musste, wenn man so will, raus aus meiner ganz persönlichen Komfortzone, auch über diese schrieb ich bereits, musste drei Stunden ein fremdes Auto reinigen, putzen und saugen, und konnte somit keine Geld verdienen, aber Geld ist bekanntlich nicht alles, denn das ist das Karma, was man hat oder eben nicht, und das schlimmste was einem in einer solchen Situation passieren kann, ist, dass man ein schlechtes Karma bekommt, was so weit gehen kann, dass das gesamte Taxiwochenende im Arsch ist.

Um dem vorzubeugen, wollte ich erst meinen Chef anrufen, um ihn über den Zustand des Taxis, welches ich sonst nicht fahre, aber eben an diesem Wochenende, in Kenntnis zu setzen, da fiel mir gerade noch rechtzeitig ein, dass er im Urlaub ist, was ich wusste, weil ich kurz zuvor mit ihm telefoniert hatte, dazu gleich mehr, weswegen ich es vorzog beim Techniker der Firma anzurufen, der sich auch mehrfach bei mir wegen dem Zustand des Wagens entschuldigte, er aber nicht wusste, wie der aussieht, weil er, also der Wagen, immer von irgendwelchen Alten gefahren wird, die er jetzt mal darauf hinweisen wolle, dass man Taxen auch mal reinigen muss.

Mehr kann man in einer solchen Situation nicht machen, selbst fürs Karma nicht, auch wenn man weiß, dass die Alten auch in Zukunft kaum mehr Wagenpflege betreiben werden wie in der Vergangenheit, denn das haben die schon immer so und nicht anders gemacht, in dem Fall eher nicht gemacht, und überhaupt lernen Alte sowieso nicht mehr dazu, das ist bekannt, wo heute bereits viele Junge schon nicht mehr lernfähig sind, aber das ist ein anderes Kapitel.

Kurz zu dem warum, warum ich meinen Chef kurz zuvor angerufen habe, den ich sonst nie anrufe, einfach weil es dafür keinen Grund gibt, er mir im klassischen Sinne auch nicht weisungsberechtigt ist, weil ich ja viel besser weiß als er, wie, wann und wo ich zu fahren habe. Ich rief ihn auch nicht an, um mich aus meiner Auszeit zurückzumelden, so ein Typ bin ich nicht, sondern ich rief ihn an, weil sich das Fernsehen bei mir gemeldet hatte, die mich eine Woche lang begleiten wollten, wozu sie natürlich ein Taxi brauchten, weswegen ich versprach mit meinem Chef zu sprechen.

Der wiederum wusste schon vom Fernsehen, allerdings nicht von mir, sondern von einem anderen Fahrer, der, so wie ich, unter die letzten Drei gekommen war, die für den Job im Fernsehen in Frage kommen, und hatte sogar schon mit dem Fernsehen wegen Geld, auch für den Fahrer, verhandelt. Ich erzähle die ganze Geschichte hier, weil auch sie viel mit Karma zu tun hat, und zwar in dem Sinne, dass man, bevor man überhaupt über Geld spricht, sich erstmal anhört, worum es dem anderen, in dem Fall dem Fernsehen, geht, um zu entscheiden, ob es für einen, in dem Fall für mich, in Frage kommt oder nicht, oder genau: ob es mit dem eigenen Karma kompatibel ist.

Das mit dem Geld ergibt sich dann, wenn die Frage mit dem Karma geklärt ist, von ganz alleine, das weiß ich aus Erfahrung, und so war es letztendlich auch hier, mein Chef hat, weil auch er Erfahrungen mit Film und Fernsehen hat, ein sehr vernünftiges Angebot gemacht, und die Leute vom Fernsehen müssen sich jetzt nur noch entscheiden, welchen Fahrer sie nehmen, mich oder den Kollegen, aber unabhängig davon werde ich sobald ich Zeit habe mal über meinen Kontakt mit dem Fernsehen schreiben, auch weil man daraus eine Menge lerne kann, beispielsweise fürs eigene Karma.

Nun zum eigentlichen Thema, meinem ersten Wochenende im Taxi nach zwei Monaten Abstinenz, das wie gesagt mit einem Fehlstart begann, so dass ich erst mit drei Stunden Verspätung mit dem Taxifahren starten konnte, wobei mein erster Weg zum Flughafen führte, der immer noch, weil Freitagabend, aktuell war, ich aber gar nicht bis zum Flughafen kam, weil bereits am Saatwinkler Damm eine junge Frau winkte, an der bereits einige leere Taxen vorbeigefahren waren, wohl weil sie vermuteten, dass die junge Frau es nicht weit hat, es nicht weit haben kann, wenn sie da am Saatwinkler Damm winkt, weswegen sie sich lieber hinten am Flughafen anstellten.

Doch so nicht ich - ich hielt - und wurde belohnt mit einer Fahrt nach Marzahn, wer hätte das gedacht?! Gut, jetzt nicht unbedingt meine Traumdestination, aber immerhin weit und, was noch wichtiger war, ich musste mich nicht hinter allen anderen Taxen am Flughafen anstellen, aber auch das letztendlich nicht wichtig, nur das Karma ist wichtig, und genau das war durch den Fehlstart leicht angeschlagen (Immerhin weiß ich jetzt, dass ich mir nach meiner nächsten Auszeit für meine erste Schicht besser keinen anderen Wagen andrehen lasse.), aber welches sich, also mein Karma, als wir beide leicht angeflirtet in Marzahn ankamen, bereits vollständig erholt hatte.

Jetzt konnte es also losgehen, mein Wochenende im Taxi, und das tat es dann auch, und zwar richtig, mit einem Rekordumsatz von knapp tausend Euro, aber das nur nebenbei, denn wie gesagt, das wichtigste ist das Karma, und nicht das Geld, und die Erfahrungen, die man macht, von denen ich einige hier weitergeben möchte, in der Hoffnung, dass jemand was damit anfangen kann, an erster Stelle geht es aber um mich, denn es sind meine Erfahrungen, und überhaupt, Erfahrungen sind nicht vermittelbar, entweder man macht sie, oder man lässt es bleiben und bleibt in seiner Komfortzone.

Als erstes eine Sache, die von allgemeinem Interessieren sein dürfte und von der ich bereits vor meiner Auszeit gehört hatte, und zwar den Blitzern in ganz normalen Polizeiautos, die gibt es da wirklich, ich habe einen von ihnen dort am Wochenende mit eigenen Augen gesehen, und die es bisher nur in zivilen Autos, in der Regel Kombis, gab, was nur folgerichtig ist, und was ich auch nie verstanden habe, was für eine Verschwendung, da gibt es schon Polizeiautos, aber sie können keinen Raser blitzen, da wurde jetzt nachgebessert, ich vermute allerdings des Geldes und nicht des Karmas wegen.

Natürlich durfte auch ein Fahrgast aus der Auszeit nicht fehlen, von ihnen gibt es in Berlin bekanntlich jede Menge, bekannt ist auch, dass sie Vize-Weltmeister beim Rauchen sind, mein Fahrgast aber erst am Fahrziel feststellte, dass ihm seine Zigaretten ausgegangen waren, was auch daran lag, dass ich eine andere Strecke als von ihm erwartet gefahren bin, was ihn offensichtlich überraschte und ihn nicht mehr ans Rauchen denken ließ, was wiederum dazu führte, dass wir, eigentlich bereits am Ziel, noch mal los mussten, wegen den Zigaretten, es aber Sonntag war und die meisten Lotto- und Tabakläden geschlossen hatten, wir also eine größere Runde drehen musste, wofür das Taxameter alleine noch mal fünf Euro aufrief.

Ein älteres Paar von einer Busreise zurückkehrend war völlig irritiert, dass ich die kleine Eckkneipe kenne, neben der sie wohnen, und das bereits seit fünfzig Jahren, angeblich ohne jemals in ihr drin gewesen zu sein, was mir sehr unglaubwürdig vorkam, was aber mehr mit mir als mit den Alten zu tun hatte, weil ich genau in dieser Eckkneipe schon mal drin war, und das, obwohl ich gar kein Kneipengänger bin, wofür, also dafür, dass ich die Eckkneipe kannte, es von den Alten gleich noch was obendrauf gab, also auf den Fahrpreis.

Bevor ich es vergesse, sei sogleich kurz erwähnt, dass ich dann doch noch irgendwann am Flughafen Tegel (TXL) landete, wo ich eine Beobachtung machte, die ich kurz beschreiben möchte, ohne jemanden damit anschwärzen zu wollen, das liegt mir fern, denn das ist auch nicht gut fürs Karma. Es geht um die Toilette für Taxifahrer, vor der es seit einiger Zeit ein Drehkreuz gibt, an dem man dreißig Cent bezahlen muss, um hereingelassen zu werden, durch das man aber nicht durch muss, wenn der Toilettenmann den Notausgang öffnet, wie am Wochenende. Bezahlen muss man allerdings trotzdem, und zwar direkt beim Toilettenmann.

Keine Ahnung, warum und seit wann das Interconti am Lützowufer plötzlich Sheraton heißt, ich nehme es einfach mal zu Kenntnis, mehr kann ich nicht tun, was auch besser für mein Karma ist. Auf jeden Fall stiegen mir dort fünf Farbige ein, die zum Flughafen wollten, aber nicht wussten, zu welchem, das sollte ich herausfinden, was ich aber nicht konnte, weswegen ich einem anderen Fahrzeug, einem schwarzen Maserati, folgen sollte, in dem die anderen der farbigen Gang saßen, was ich aber ebenfalls nicht konnte, weil der Maserati sich nicht von der Stelle rührte, vermutlich aus der selben Unklarheit das Fahrziel betreffend, weswegen sich nun wiederum meine Fahrgäste, warum auch immer, auf Schönefeld einigten.

So konnte es also losgehen, wobei zwischendurch immer wieder die Frage auftauchte, ob ich nicht vorher mal kurz am Flughafen Tegel vorbeifahren könne, nur zur Sicherheit, versteht sich. Die zahlreichen Telefonate, die auf dem Weg, jetzt doch nach Schönefeld, geführt wurden, brachten uns auch nicht weiter, ganz einfach weil keiner der Angerufenen wusste, welcher Flughafen der richtige war. Immerhin entnahm ich den Gesprächen, dass irgendwie Geld vorhanden war, aber immer bei den anderen und nicht bei meinen Fahrgästen, die chronisch im Minus zu sein schienen, was mich ein schlimmes Ende der Fahrt nach Schönefeld erwarten ließ, und ich mich bereits (Nein, nicht ums Geld!) um mein Karma zu sorgen begann.

Meine Vermutung sollte sich leider bewahrheiten, denn keiner meiner Fahrgäste hatte Geld, das sei im Maserati, der sich, wahrscheinlich wohlweißlich, von uns abgesetzt hatte, oder einfach sich nicht traute, in den nur für Taxen vorgesehen Bereich vorzufahren, wer weiß das schon so genau. Als nächstes wurde die einzige Frau unter meinen Fahrgästen von dem Auto hinter uns, einem PKW aus Rostock, angefahren, weil der Fahrer keine Ahnung von Automatik hatte, Polizei musste her, und irgendwie in dem Zusammenhang kam dann auch das Geld für mich zusammen, nachdem ich es, wenn ich ganz ehrlich sein soll, eigentlich bereits abgeschrieben hatte.

Zwei Frauen, obenrum nur mit BH bekleidet, tummelten sich vorm "Prince Charles" am Moritzplatz. Sie taten mir leid, weil es doch schon so kalt war, aber was konnte ich tun, wenn sie nunmal kein Taxi brauchten, außer zu warten, und zwar auf den jungen schwulen Mann, von dem ich auch erfuhr, dass es im Club 'ne Nacktparty gibt, was immerhin die leichten Bekleidung der beiden Frauen erklärte, und mit dem es gleichmal zum Geldautomaten ging, ich schrieb bereits darüber. Am nächsten Morgen sollte ich sein iPhone in meinem Taxi finden, am Abend meldete er sich deswegen, und so konnte ich es ihm sozusagen zum Wochenendausklang noch zurückbringen, wobei ich nicht darüber nachdachte, was er mir dafür geben soll, dafür war er mir, obwohl schwul, viel zu sympathisch, und außerdem war ich mir sicher, dass er selbst am besten weiß, was es ihm wert ist, wenn ihm jemand sein iPhone zurückbringt, was auch besser fürs Karma ist - und so kam es dann auch ...

Foto&Text TaxiBerlin

12.10.2015

NEUER KONTAKTHOF SPARKASSE


Warten auf Kundschaft

Es ist nicht unbedingt ein neuer Trend, der da in meiner Abwesenheit geboren wurde. Nein, es ist nur die Weiterentwicklung eines bereits existierenden, aber immerhin. Dazu muss man wissen, dass Nachts kaum noch eine Taxifahrt ohne den obligatorischen Zwischenstop am Geldautomaten abläuft. Da war es nur eine Frage der Zeit, dass jemand das Potential, das in dieser Information steckt, aufgreift, um irgendeinen Profit daraus zu schlagen.

Bisher, ich berichtete darüber, war der Geldautomat nur so eine Art Kontaktbörse für Übriggebliebene, also die Kinder der Nacht, die keiner haben wollte, was schlimm genug ist. Aber es kommt noch schlimmer. Seit Neuestem ist der Geldautomat, genauer sein Vorraum, ein Kontakthof, wie man ihn aus Laufhäusern kennt. In diesem Zusammenhang ist interessant zu wissen, dass es ausgerechnet in Berlin, wo es sonst alles gibt, kein Laufhaus nicht.

OK, genau genommen gibt es eins, irgendwo am Gesundbrunnen, wo man sich irgendwelche Hühner ansehen kann, die über drei oder vier Etagen verteilt vor den Türen ihrer Einzimmer Altbauwohnung auf Kundschaft warten. Aber das hat nichts mit den Laufhäusern zu tun, wie man sie in West-Deutschland kennt. Deswegen wäre es eigentlich sinnvoll, jetzt, wo so viel neu gebaut wird in Berlin, auch mal daran zu denken, aber das nur nebenbei.

So lange, wie an dieser Front nichts passiert, werden sich wohl immer mehr Frauen in den Vorräumen von Sparkassen bereithalten, was, zumindest im Moment noch, den Nachteil hat, dass wirklich jeder angesprochen wird, wie zum Beispiel auch mein schwuler Fahrgast, der nur Geld abheben wollte. Aus Titten machte der sich aber nichts, genau genommen sind sie ihm ein Graus, was die junge Frau (Foto) nicht wissen konnte (wie denn auch?), die ansonsten aber einen netten Eindruck machte, was auch mein Fahrgast fand.

Foto&Text TaxiBerlin

10.10.2015

TAXIFAHREN VERLERNT MAN NICHT


Taxi Siff aus Äonen

Mit dem Taxifahren ist es wie mit dem Fahrradfahren bzw. wie mit dem Schwimmen - man verlernt es nicht. Klar, nach knapp zwei Monaten Abstinenz, wie bei mir, schleichen sich Unsicherheiten ein, vor allen Dingen was die Berlin Baustellen angeht. Also Fragen wie: Sind die dort vielleicht schon fertig mit bauen oder komme ich da immer noch nicht durch. Zum Glück wird, wenn in Berlin gebaut wird, nicht in Monaten gedacht, sondern in Äonen. Alles Wissen, was ich über Berliner Baustellen hatte, war also noch aktuell.

Vergessen hatte ich, wie versifft Berliner Taxen aussehen können. Manche, darunter auch Kollegen, sahen da schon ein neues Zeitalter angebrochen. Ich nicht! Und so wurde ich bei meiner ersten Schicht nach meiner Auszeit auch in dieser Frage, und eben nicht nur was die Langlebigkeit Berliner Baustellen angeht, bestätigt. Hier nur ein Beispiel zum Beweis: Unter dem, was ich da eine gute Stunde aus der Karre saugte, war auch Weihnachtsverpackungsmaterial. Nur von welchem Weihnachten, das konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Im Nachhinein kann ich sagen, dass mir die dreistündige Grundreinigung vor der ersten Schicht nach knapp zwei Monaten Auszeit durchaus angemessen erscheint. Ein Wieder-Einstand absolut nach Maß, der damit begann, aber das nur nebenbei, dass ich kurz vor meiner Schicht einen Anruf erhielt, dass ich dieses Wochenende ausnahmsweise eine andere Taxe fahren muss, und zwar genau die, die offensichtlich in jahrelanger Kleinarbeit eingesifft wurde. Noch eins: Wenn ich am Anfang sagte, dass man das Taxifahren nicht verlernt, so verhält es sich mit der Taxireinigung etwas anders ...

Foto&Text TaxiBerlin

09.10.2015

BACK TO BERLIN


Flughafen Tegel (TXL) / Terminal C / 7 Uhr

Das Tor war nicht dicht, sondern die Tür nur kaputt, und ich wurde als halber Auszeitler auch nicht zurückgeschickt. Darüber hinaus bleibt aber unklar, warum ausgerechnet mein Flieger als erster früh um fünf die Auszeit verlassen musste. Ich vermute, damit die Auszeit Business Menschen pünktlich zu ihren Geschäftsabschlüssen kommen, was aber nur eine Vermutung von mir ist, weil mir auch gar nicht klar ist, welche Geschäfte da abgeschlossen werden könnten.

Meine Rückkehr aus der Auszeit, so spontan sie auf den ersten Blick erscheinen mag, war natürlich von langer Hand vorbereitet. Das empfiehlt sich in einer Auszeit, wobei gerade bei der am Rande bis zum Schluss immer noch etwas dazwischenkommen kann. Aber auch das erwähnte ich bereits: Es ist der gut beraten, der mit Überraschungen leben kann. Beispielsweise mein letztes Quartier in der Auszeit Hauptstadt - das war noch so eine Überraschung ...

So etwas habe ich lange nicht gesehen - mindestens zwanzig Jahre nicht. Zur Begrüßung lag gleich mal 'ne tote Kakerlake auf dem Frühstückstisch. Damit hätte ich leben können, ist immerhin reines Eiweiß. Auch mit den abenteuerlichen Elektrokabeln auf dem Klo, was gleichzeitig die Dusche war. Nur die Tür ins Nirgendwo direkt neben dem Bett, die gab mir zu denken. Die Auszeit Vermieterin weilte gerade an griechischen Gestaden und war natürlich wenig "amused", dass ich ihr mein letztes Geld nicht dorthin nachwerfen wollte, was aber ein Luxusproblem war, und zwar in dem Fall ihres.

Doch zurück zum eigentlichen Thema: Dem Taxifahren. Dass ich bereits zurück bin, heißt nicht, dass ich nichts mehr über meine Auszeit und ihre Taxifahrer schreiben werde. Ganz im Gegenteil. Meine Gespräche mit den Auszeit Taxifahrern haben sich tief in meinen Kopf eingebrannt, der zum Glück noch nicht so hohl ist wie ein Kürbis, wie man in der Auszeit gerne sagt.

Die vielleicht wichtigste Frage möchte ich versuchen gleich vorweg zu beantworten: Was ist jetzt das tolle an einer Auszeit? Um ehrlich zu sein: Nichts! Auf die meisten Erfahrungen kann man gerne verzichten. Bei einer Auszeit, so denke ich, geht es in erster Linie darum, seine eigene Komfortzone zu verlassen, ähnlich den Flüchtlinge, die ihre ganz persönliche "Komfortzone" verlassen haben, auch wenn ich mich auf keinen Fall mit ihnen vergleichen möchte. Das überlasse ich gerne denen, die ihre eigene Komfortzone selbst nie verlassen.

Heute geht es nun los. Ab 16:30 Uhr bin ich wieder unterwegs auf den Straßen von Berlin. Meine Motivation im Moment geht gegen Null, aber der Appetit kommt bekanntlich beim Essen. Ein wenig Bedenken habe ich, und zwar wegen der ganzen Party People, die seit einiger Zeit immer zahlreicher Berlin heimsuchen, und ihrer vergeblichen Suche nach dem definitiven Kick, was immer das sein mag, und den sie vor allem deswegen nicht finden, weil auch sie letztendlich nicht bereit sind, ihre eigene Komfortzone zu verlassen.

Foto&Text TaxiBerlin

08.10.2015

AUSZEIT TAXIFAHRER (EINE SERIE)


Auszeit Taxen vor Straßenbahn

Die Taxen in der Auszeit sind entweder gelb oder orange, manchmal aber auch grün. Ähnlich ist es mit den Preisen. In den meisten Auszeit Taxen kostet der Kilometer etwa fünfzig Cent. Manche wenige sind aber sogar teurer als in Berlin, weswegen es sich vor dem Einsteigen empfiehlt, genau auf den Tarif zu schauen, der immer irgendwo am oder im Taxi aufgeschrieben ist, die Frage ist nur: Wo?

Hat man diese kleine Hürde genommen, kann es auch schon losgehen, also mit der Fahrt, aber auch mit der Kommunikation. Dazu muss man wissen, dass die Auszeit Menschen, und so auch ihre Taxifahrer, in der Regel wahre Kommunikationsgenies sind. Dabei ist es nicht wichtig, ob man sie auch wirklich versteht. Die Hauptsache ist, man tut als würde man es. Damit kommt man meistens sehr weit.

Mitunter kann es aber auch hilfreich sein, dass es mit der Verständigung klappt. Das ist ähnlich wie mit dem Lesen, da ist ja auch der im Vorteil, der es kann. Ich sage das deswegen, weil mein heutiger Auszeit Taxifahrer, warum auch immer, den Faden von meinem gestrigen in gewisser Weise aufnahm, obwohl die sich überhaupt nicht kannten, wie denn auch?!

Ausgangspunkt war diesmal die Frage, was das wichtigste im Leben ist. Geld ist natürlich wichtig, auch in der Auszeit, das ist klar, aber nicht nur. Für manche ist wichtig, möglichst viele Zigaretten zu rauchen, gerade auch in der Auszeit, die, was das Rauchen angeht, immerhin Vize-Weltmeister ist, was wiederum heißt, dass das Thema Rauchen hier in gewisser Weise ausdiskutiert ist.

Aber was bleibt dann noch, wenn man in Sachen Rauchen bereits "Fast-Weltmeister" ist? Mein Taxifahrer wusste es. Gut, ob das jetzt wirklich Wissen war, das weiß ich natürlich nicht, aber immerhin hatte er eine Meinung zum Thema, wie das halt so ist bei den Auszeit Menschen. Mein Taxifahrer war, um es kurz zu machen, der Meinung, dass das wichtigste im Leben sei, nicht möglichst viele Zigaretten zu rauchen, sondern möglichst viele Orgasmen zu haben.

Wird erfreulicherweise fortgesetzt ...

Foto&Text TaxiBerlin

07.10.2015

AUSZEIT TAXIFAHRER (EINE SERIE)


Auszeit Taxi mit Fassade am Rande

Seitdem ich in meiner Auszeit ohne Auto bin, selbst indische Autos sind nicht umsonst, fahre ich mehr mit den Öffentlichen, was sich gestern änderte, und das lag daran, dass jemand in den Bus geschissen hatte. Kein Scheiß! Da war wirklich so ein kleiner breiiger grauer Haufen hinten im Bus, der vor sich hin stank, weswegen der Auszeit Busfahrer auch mit offenen Türen fahren musste, damit keiner seiner Fahrgäste zu Schaden kam.

Das mit den offenen Türen führte wiederum dazu, dass ich sogleich aus dem Bus fiel, weil ich als Hobby Auszeitler es nicht gewohnt bin, in Öffentlichen mit offenen Türen zu fahren. Der Fehler lag also eindeutig bei mir. Von diesem meinen Fehler profitiert seither das Auszeit Taxigewerbe. Und was ich da in den letzten Tagen erlebt habe, das könnte das ganze Internet füllen und noch mehr.

Da ich gleich wieder raus ins Auszeit Taxi muss, hier nur einige wenige Highlights meiner bisherigen Taxifahrten. Die Taxifahrer sind übrigens auch in der Auszeit überwiegend männlich, sieht man mal von einigen wenigen dafür aber besonders robuste weibliche Chauffeusen ab. Da die meisten wie gesagt männlich sind, beginne ich jetzt einfach mal mit ihnen:

Mit dem ersten Auszeit Taxifahrer kam ich sogleich ins Gespräch, ich weiß gar nicht mehr genau, wie es dazu kam, was aber auch egal ist, und zwar darüber, dass Taxifahren dick macht. Das ist allgemein bekannt, auch wenn einige denken, dass es doof machen würde, was natürlich nicht stimmt, auch in der Auszeit nicht, sondern alleine und ausschließlich eine böswillige Unterstellung ist, möglicherweise von Busfahrern ausgehend, was aber nicht bewiesen ist.

Das Taxifahren dick machen würde, war aber nur der Einstieg ins Gespräch. Mein Auszeit Taxifahrer war sich darüber hinaus sicher, dass Taxifahren auch impotent macht, was damit zusammenhängt, dass sich der männliche Hoden nicht umsonst in einem Sack befindet, nämlich deswegen, damit er in ebendiesem einige Zentimeter entfernt vom Körper und seiner Temperatur hängen kann, weil die männlichen Testis besser unterhalb der Körpertemperatur von 37 Grad Celsius arbeiten.

Gut, auch das ist jetzt nicht soo neu. Aber, und jetzt kommt der Punkt, darüber hinaus werden die Spermien eines Taxifahrers immer langsamer, je länger er fährt, und das nicht nur in der Auszeit, da war sich der Kollege sicher. Und genau das mag ich an der Auszeit, also jetzt nicht das mit den Spermien, die langsamer werden, je länger man fährt, das ist natürlich Scheiße (siehe oben!), sondern den Umstand, dass man selbst mit wildfremden Menschen direkt ins Gespräch kommt.

Wird leider fortgesetzt ...

Foto&Text TaxiBerlin

05.10.2015

AUSZEIT ARZT


Dr. Dim. Dimitrow
Pathologe

In der Auszeit ist vieles, um nicht zu sagen alles, anders als in Berlin. Wer schon einmal in einer war, weiß das. Wer nicht, dem sei gesagt, dass in der Auszeit Ja Nein heißt und Schwarz Weiß ist - und umgedreht! Wer sich darunter nichts vorstellen kann, dem sei der Film "Schwarze Katze Weißer Kater" von Emir Kusturica empfohlen, der ebenfalls in einer Auszeit irgendwo am Rande spielt.

Auch in der Auszeit suchen die Menschen im Krankheitsfall einen Arzt auf. Da sind die Auszeit Menschen wie wir. Aber sie lassen sich auch gerne mal so von einem Experten beraten, was vor allem daran liegt, dass die Menschen in der Auszeit viel Zeit haben. Um genau zu sein, haben sie Zeit ohne Ende.

Und so war es keine Überraschung, dass das Wartezimmer vom Pathologen, dem Experten fürs Sterben, gut gefüllt war. Nicht nur von alten Leuten, sondern auch von jungen Auszeitlern, die das mit dem Sterben offensichtlich nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn die meiste Zeit ist man ja tot.

Wie gesagt, das Wartezimmer vom Pathologen war gut gefüllt. Was mich darüber hinaus erwarten würde, davon wollte mich mich überraschen lassen. Mit der Bereitschaft "sich überraschen zu lassen" kommt man in der Auszeit übrigens sehr weit, aber das nur nebenbei.

Leider kam es an diesem sonnigen Montag zu keiner Überraschung, was ganz einfach daran lag, dass der Pathologe Dr. Dim. Dimitrow bereits verstorben war. Das allerdings schon vor einiger Zeit, was schon das Schild (Foto) an seinem Haus vermuten ließ. Vielleicht war aber genau das die Überraschung, von der ich sprach. Wer weiß das schon so genau ...

Foto&Text TaxiBerlin

04.10.2015

AUSZEIT STRASSEN


So sehen sie aus ...

Auch in der Auszeit gibt es Strassen, das war klar. Dass diese etwas anders aussehen als bei uns, war auch klar. Das liegt daran, das die Auszeit auch in Sachen Strassen etwas am Rand ist. Das ist nicht schön. Und das sage ich nicht nur als Berliner Taxifahrer, für den Strassen der Anfang aber auch das Ende sind.

Vielen Menschen in der Auszeit am Rande Europas geht es da ganz ähnlich. Zugegeben - nicht allen. Aber das war auch nicht zu erwarten. Dafür greifen einige - wenngleich wenige - Auszeit Menschen zur Eigeninitiative. (Welch schönes Wort!) Die besteht darin, das ein jeder auf die Strasse wirft, was er gerade hat.

Mein Nachbar zum Beispiel ist ein richtiger Strassenmeister, von dem ich eine Menge gelernt habe. Unter anderem, dass man das Fundament mit Äpfeln macht, die Oberfläche aber mit Nüssen.
Leider ist ein Strassenmeister hierzulande nicht "weisungsberechtigt", weswegen viele Strassen so bleiben, wie sie sind (Foto).

Foto&Text TaxiBerlin