11.09.2015

"NATIONALE KRAFTANSTRENGUNG"


Auch in meiner Auszeit denke ich manchmal an zu Hause - das ist ganz normal. Genauso normal wie der Umstand, dass man sich in der Auszeit um die von Frau Merkel ins Spiel gebrachte "Nationale Kraftanstrengung" nicht weiter kümmert. Warum auch? Es betrifft die Menschen in der Auszeit nicht. Also warum sollten sich Auszeit Menschen unsere Köpfe zerbrechen.

Gerade der Blick von Außen könnte aber sehr interessant, wenn nicht gar spannend sein, wenngleich ich mit der Verwendung des Wortes "spannend" sehr vorsichtig geworden bin, denn seit langem wird es sehr inflationär gebraucht. Wenn sich schon keine Auszeit Menschen unsere Köpfe zerbrechen, so möchte ich dies an ihrer Stelle als halber Auszeit Mensch in meiner Auszeit, also von Außen, tun.

Angela Merkels "Nationale Kraftanstrengung" ist die richtige Antwort auf die wichtigste Frage unserer Zeit: Wohin mit den Menschen, die zu uns kommen? "Nationale Kraftanstrengung" erinnert an Roman Herzogs "Ruck", der durchs Land gehen sollte, mit dem Unterschied, dass es seinerzeit keinen Druck von Außen gab, irgendeinen "Ruck" zu vollziehen oder gar "zusammenzurücken". Das ist heute anders.

Gleich ist allerdings, dass der "Nationalen Kraftanstrengung" genauso wie dem "Ruck" keine wirklichen Taten folgen. So denkt man als allererstes darüber nach, die maximale Verweildauer im Erstaufnahmelager von drei auf sechs Monate zu erhören. Weiterhin plant man einen Krisengipfel für drei Wochen später, um dann frühestens im Oktober irgendwelche Entscheidungen zu treffen. Eine "Nationale Kraftanstrengung" sieht anders aus!

Überhaupt ist der Glaube weit verbreitet, sämtliche Probleme mit Geld lösen zu können. Dem ist aber nicht so. Menschliche Probleme werden immer nur scheinbar mir Geld gelöst. Es ist Kosmetik - mehr nicht. Auch aus den Fehlern der Vergangenheit wollte man lernen. Aber wo ist die Analyse? Welche Fehler wurden in der Vergangenheit gemacht und was genau will man heute anders machen? Es gibt ja nicht einmal eine rechtliche Grundlage!

Was Einwanderung angeht, so gibt es bisher nur das Recht auf Asyl. In der Vergangenheit erhielten dies drei von hundert, dreißig von hundert waren geduldet. Mehr als sechzig von hundert hatten nach geltendem Recht kein Bleiberecht. Wendet man geltendes Recht auf die jetzt Kommenden an, werden sich die Zahlen etwas verschieben, aber die Zahl derjenigen, die nach derzeitiger Gesetzeslage ein echtes Anrecht auf Asyl haben, werden eine Minderheit bleiben.

Um Menschen mit einer anderen Sprache, einer anderen Kultur und einer anderen Religion zu integrieren, bedarf es an erster Stelle aber sowieso weder Geld noch Gesetze. Und wirklich integrieren kann ich auch nur, wenn ich weiß, wohin genau integriert werden soll. Aber wer sind wir, und was verbindet uns, außer unsere gemeinsame Sprache, in der auch dieser Beitrag geschrieben ist?

Ist es nur die Tatsache, dass wir Schweinefleisch essen, Bier trinken und uns gelegentlich Lederhosen anziehen, um auf Tischen zu tanzen, oder als Clowns verkleidet durch die Straßen ziehen? Antworten auf diese Fragen zu finden, wäre der Anfang einer wirklichen "Nationalen Kraftanstrengung". Hätten wir die die Antworten, bräuchten wir nicht weitere Wochen und Monate zu warten, um mit der "Nationalen Kraftanstrengung" zu beginnen!

Was aber tun wir? Wir warten ab, als hätten wir alle Zeit der Welt, und hoffen weiter darauf, dass mal wieder die Zeit und vor allem Geld sämtliche Probleme lösen wird. Das hat früher nicht geklappt, also warum sollte es heute? Solange wir uns nicht über unsere eigene Identität im Klaren sind, wird es keine gelungene Integration geben. Daran hat sich nichts geändert und wird es auch in Zukunft nicht.

Text TaxiBerlin

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