19.08.2015

WAS NIETZSCHE ÜBER BRATWURST WUSSTE


Nach Bratwurst und/oder Nietzsche

Der "Lonely Planet" behauptet in einem seiner Reiseführer über Berlin, dass Berliner Taxifahrer genauso viel über Bratwürste wissen wie über Nietzsche. Das ist einige Jahre her, das genaue Erscheinungsjahr ist mir gerade entfallen. Ich weiß auch nicht, ob es in der aktuellen Ausgabe noch genauso drin steht, vermute aber eher nicht. Vielleicht kann das ja mal einer überprüfen.

Man kann dem "Lonely-Planet" vieles vorwerfen, an erster Stelle, dass er dafür sorgt, dass einsame Orte auf unserem Planeten bald nicht mehr einsam sind. Was die Sache mit den Taxifahrern und ihr Wissen über Bratwürste und Nietzsche angeht, so bin ich mir nahezu sicher, dass dies ausnahmsweise nicht der Grund ist, dass Berlin seit einiger Zeit von Besuchern regelrecht überschwemmt wird.

Dass ich mir in diesem Punkt sicher bin, hängt damit zusammen, dass ich rumkomme in der Stadt und den ein oder anderen Berlin Besucher bei mir im Taxi habe, und die interessieren sich für alles mögliche, nur nicht für Nietzsche und auch nicht wirklich für Bratwürste. Das sind eher so, ich weiß ich wiederhole mich, Ballermann Touristen, die immer nur eines wollen, und zwar zur nächsten Party.

Darüber hinaus interessiert sie nur noch, wo sie zwischendurch chillen können. Meistens tun sie dies im Taxi, wobei chillen, zumindest meiner Meinung nach, das verkehrte Wort ist. Es ist eher ein Ausstoß von menschlichen Urlauten auf der Suche nach dem nächsten Geldautomaten. Offensichtlich muss es bereits in der Steinzeit diese Auszahlmöglichkeiten von Bargeld gegeben haben, auch wenn sie bisher in keinem Geschichtsbuch erwähnt sind.

Doch zurück zu Nietzsche und den Bratwürsten. Ob Nietzsche selbst sich mit ihnen auskannte, ist ebenfalls nicht belegt. Der Berliner Taxifahrer soll sich mit beiden auskennen, meint zumindest der "Lonly Planet". Ich habe lange darüber nachgedacht, wie das bei mir ist, und ich kann natürlich nur über mich reden. Was ich mit Sicherheit weiß, ist, dass viele Berliner Taxifahrer kein Schweinefleisch essen.

Ich esse zwar Schweinefleisch, aber Bratwürste sind auf jeden Fall zu schwer zum Taxifahren, denn da geht es darum voranzukommen. Das ist auch der Grund, warum ich Bratwürste zumindest während der Arbeit eher meide. Gelegentlich kommt es aber vor, dass ich zum Schichtschluss ein Verlangen nach etwas Fettigem verspüre, und dann fahre zu "Curry 36" am Mehringdamm, so viel kann ich verraten.

Der Vorteil an "Curry 36" ist der, dass sie lange aufhaben, ich glaube bis früh um fünf. Außerdem ist dort immer so viel los, dass die Bratwürstchen nicht lange im Fett schwimmen müssen. Nicht zu vergessen, dass sich das Verhältnis von Preis und Leistung im normalen Berliner Rahmen bewegt, obwohl mit Sicherheit "Curry 36" in jedem "Lonely Planet" über Berlin erwähnt ist.

Was ist nun mit Nietzsche? Mit Nietzsche verhält es sich ähnlich wie mit der Bratwurst, er ist fürs Taxifahren zu schwer, oder genauer: zu tief! Sicherlich, man kann ein paar Seiten von ihm lesen, auch im Taxi, aber eben nicht mehr. Ob man sie dann auch wirklich verstanden hat, ist ungewiss. Manchmal ist es nur ein Satz von Nietzsche, der hängen bleibt, beispielsweise folgender:

Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen.

PS: Wenn Nietzsche der Meinung gewesen wäre, dass man es sich schenken lassen soll, hätte er es mit Sicherheit erwähnt.

Foto&Text TaxiBerlin

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