17.08.2015

TAXI BERLIN MACHT KULTUR


Waldbühne / früher Charlottenburg / heute Charlottenburg-Wilmersdorf

Einmal im Jahr mache ich Kultur, und das war gestern. Der Hintergrund ist der, dass auch ich von Zeit zu Zeit den Wunsch verspüre, einer Mehrheit anzugehören. Bisher, so auch gestern, habe ich die Eintrittskarte für die Kultur immer noch selbst bezahlt. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, ob das noch zeitgemäß bzw. mehrheitsfähig ist. Es ist aber ein anderes Thema.

Die Kultur fand gestern in der Waldbühne, also unter freiem Himmel statt. Eingeladen hatte Daniel B. und sein West-Eastern Divan Orchestra. Die Kultur, das vergaß ich bisher zu erwähnen, war Musik, und zwar klassische. Wenn ich mich recht erinnere, war es die von Beethoven und Tschaikowsky. Ich kann mich aber auch irren. Mit klassischer Musik kenne ich mich nämlich überhaupt nicht aus.

Danach ging es mit der Kultur weiter, und zwar bei mir im Taxi. Dort gab es dann jedenfalls Beethoven und Tschaikowsky, das ist zumindest sicher. Von den zwanzig Fahrten meiner Nachtschicht waren zwei Fahrgäste auch in der Waldbühne gewesen. Einmal eine junge Frau, die mir gegen Zwei bei Klärchens Ballhaus einstieg. Später, gegen Sieben, noch ein junger Gay aus dem Kit Kat Club.

Zwei Fahrgäste, die bei dem selben Konzert waren wie ich von zwanzig Fahrten insgesamt, mag gefühlt eine Mehrheit darstellen, aber eben nicht mathematisch. Knapp daneben ist auch vorbei. Ein Detail möchte ich in dem Zusammenhang nicht unerwähnt lassen. Um Sieben wimmelte es vorm Kitty, wie der Kit Kat Club auch genannt wird, von tätowierten Muskelprotzen. Die waren dort auf jeden Fall in der Mehrheit, und darauf kommt es an.

Was das zu bedeuten hätte, konnte mir der junge Gay erklären, der, nicht nur, aber wohl auch wegen den Typen mit den Tattoos jetzt besser den Heimweg antrat. Die Muskelprotze kämen zum "Restefi**en". Das Verrückte sei, dass sie in der Regel auch fündig werden, und zwar deshalb, weil um die Uhrzeit immer auch die weiblichen "Gegenspieler" auftauchen würden. Das meinte zumindest der Gay aus Pankow in der Vergangenheit beobachtet zu haben.

Leider hatte ich keine Zeit, das Erscheinen der Gespielinnen von den Muskelprotzen abzuwarten, obwohl mich das als jemand, der auf der Suche nach einer Mehrheit ist, der er eventuell angehören könnte, persönlich ausgesprochen interessiert hätte, aber mein Gay musste nunmal nach Pankow, und zwar schnell, weswegen ich hier nur seine Kurzbeschreibung wiedergeben kann: Groß, Blond und viel Silikon.

Foto&Text TaxiBerlin

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