26.08.2015

AUSZEIT vs. EXODUS


Auf der Straße

Man kann auch eine Auszeit auf der Straße verbringen, als Taxifahrer sollte man das sogar. War ich neulich noch in Amerika, geht es jetzt schon wieder auf den Balkan. Ich folge damit mehr oder weniger dem Hinweis eines serbischen Fahrgasts aus Belgrad, der mich bereits vor Wochen darauf hinwies, dass es sich bei dem, was da gerade in seinem Land stattfindet, um eine Völkerwanderung handelt.

Nun bin ich, was Serben und Serbien angeht, von Hause aus vorsichtig, was der Serbe bei mir im Taxi auch absolut verstand. Und so war es keine Überraschung, dass er mein vorsichtig formuliertes "aggressive", wir unterhielten uns auf Englisch, in "violent" korrigierte, womit niemand anders als seine serbischen Landsleute gemeint waren. Übrigens war der Mann in meinem Alter nach eigenen Angaben Politiker, was immer das in Serbien heißen mag.

Meine Auszeit, die mich nicht direkt nach Serbien, aber doch in die Nähe bringen wird, bedarf, das versteht sich von selbst, zumindest war das früher so, keiner Spende. Bei meiner Reise nach Amerika war das anders, da war ich eingeladen. Ich habe also niemanden um etwas gebeten oder gar angebettelt. Vielen Dank noch einmal auch von dieser Stelle, ich habe mich in Amerika wie zu Hause gefühlt, was so mit das Höchste ist, was man als Gast sagen kann.

Zurück zu meinem Fahrgast aus Serbien, mit dem ich mich wie gesagt meist auf Englisch unterhielt, wenngleich mit serbischen und/oder bulgarischen Einsprengseln. Er erzählte mir von einer Reportage im serbischen Fernsehen, allerdings bereits vor einigen Wochen. Dort wurden Betreiber und Verkäufer von Läden befragt, ob die Flüchtlinge auch in ihre Shopping-Malls kommen würden.

Ja, das würden sie durchaus tun, bestätigten diese. Es gäbe auch keine Probleme mit ihnen, auch wenn sie dort außer vielleicht einem Kaffee nichts kaufen würden. Eine Sache gäbe es allerdings, die Flüchtlinge in serbischen Shopping-Malls kaufen würden. Was das wäre, wollte ich von meinem Fahrgast aus Serbien wissen. Die Antwort liegt auf der Hand, oder besser auf der Straße: Schuhe!

PS: Es ist gar nicht so lange her, da lag auch ich einmal an der ungarischen Grenze, allerdings auf ungarischer Seite. Damals wurden Zäune gerade abgebaut. So ändern sich die Zeiten ...

Foto&Text TaxiBerlin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen