31.08.2015

AUSZEIT TAXI


Tomaten auf Mülleimer vor Taxi

Gestern bin ich zum ersten Mal in meiner Auszeit Taxi gefahren und das kam so: Ich bin um vier Uhr in der Frühe aufgestanden, um die erste U-Bahn (ja, es gibt wirklich eine U-Bahn in der Auszeit!) um 5:23 Uhr rauf zum "Schwarzen Berg" vor den Toren der Hauptstadt zu nehmen. Der "Schwarze Berg" ist übrigens nicht der von Bruce Chatwin beschriebene, und Chatwins gleichnamiges Buch auch kein Buch übers Reisen, aber das nur nebenbei.

Bevor ich pünktlich in die U-Bahn stieg, holte ich mir noch ein Tagesticket für alle öffentlichen Verkehrsmittel, weil man auf der Reise rauf zum "Schwarzen Berg" mehrfach umsteigen muss. Das erste Mal stieg ich an der Endhaltestelle der U-Bahn um, und zwar in einen Bus, der nach nur dreißig Minuten kam, immerhin war gestern Sonntag und gerade mal fünf Uhr. Danach musste ich ein zweites Mal umsteigen, wieder in einen Bus, der bereits nach zehn Minuten fuhr.

Auf den dritten Bus wartete ich dann bereits eine Stunde. Das hatte zur Folge, dass ich mit einem Einheimischen ins Gespräch kam, der auch, so wie ich, zum Lift wollte, um dann auf den "Schwarzen Berg" zu steigen. Der Einheimische wartete noch auf eine Kollegin, die ihn anrief, um ihm zu sagen, dass der Bus, auf den wir warteten, noch nicht einmal losgefahren sei, was sie wusste, weil sie selbst an einer anderen (früheren) Haltestelle seiner Route auf ihn wartete, und weswegen ich mich kurzerhand entschloss ein Taxi zu nehmen, um den ersten Lift zum "Schwarzen Berg" nicht zu verpassen.

Der Einheimische zog es vor, weiter auf seine Kollegin zu warten und nicht mit mir Taxi zu fahren. Der Taxifahrer folgte einem Bus ins nächste Dorf, um dann dort festzustellen, dass der Lift, dessen Station den Namen des Dorfes trägt, gar nicht vom Dorf aus erreichbar ist, weswegen er als nächstes eine Wendung machte, das Taxameter ausschaltete und Richtung Ausgangspunkt zurückfuhr. Bald darauf wurde er allerdings unsicher, ob das denn die richtige Richtung ist, weswegen er eine erneute Wendung vollführte, um im Dorf nachzufragen, ob seine erste Wendung richtig gewesen war.

Dies wurde ihm von Eingeboren des Dorfes, das offiziell zur Hauptstadt der Auszeit gehört, bestätigt, woraufhin wir nach einer erneuten Wendung geradewegs zum Lift fahren konnten, wo der Einheimische, den ich beim Warten auf den letzten Bus kennengelernt hatte, bereits auf mich wartete, um mir seine Kollegin, die mit dem Bus kam, auf den wir gemeinsam gewartet hatten, mit einem breiten Grinsen vorzustellen und mir darüber hinaus mitzuteilen, dass der erste Lift erst in einer Stunde fährt. Langsam begann ich zu begreifen, warum Chatwin nicht über den "Schwarzen Berg" meiner Auszeit geschrieben hat - nicht über ihn schreiben konnte.

Mein Taxifahrer, der wie alle Bewohner der Hauptstadt, in der Ortskundeprüfungen für Taxifahrer unbekannt sind, ursprünglich vom Dorf kommt, entschuldigte sich mehrfach für den Aufwand, aber er sei noch neu hier und fahre erst ein halbes Jahr Taxi. Immerhin wusste er, was es mit den Tomaten auf dem Mülleimer auf sich hat.

Um es kurz zu machen: Im Prinzip sind das die Flaschen, die bei uns neben den Mülleimer gestellt werden, damit Bedürftige sie leichter finden. Auch in der Auszeit gibt es Pfandflaschen, die auch überall angenommen werden, allerdings gibt es nicht überall das gleiche Geld dafür, wenn überhaupt. Flaschensammeln hier ist also eine Art Roulette, weswegen lieber Tomaten gesammelt werden.

Foto&Text TaxiBerlin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen