31.08.2015

AUSZEIT TAXI


Tomaten auf Mülleimer vor Taxi

Gestern bin ich zum ersten Mal in meiner Auszeit Taxi gefahren und das kam so: Ich bin um vier Uhr in der Frühe aufgestanden, um die erste U-Bahn (ja, es gibt wirklich eine U-Bahn in der Auszeit!) um 5:23 Uhr rauf zum "Schwarzen Berg" vor den Toren der Hauptstadt zu nehmen. Der "Schwarze Berg" ist übrigens nicht der von Bruce Chatwin beschriebene, und Chatwins gleichnamiges Buch auch kein Buch übers Reisen, aber das nur nebenbei.

Bevor ich pünktlich in die U-Bahn stieg, holte ich mir noch ein Tagesticket für alle öffentlichen Verkehrsmittel, weil man auf der Reise rauf zum "Schwarzen Berg" mehrfach umsteigen muss. Das erste Mal stieg ich an der Endhaltestelle der U-Bahn um, und zwar in einen Bus, der nach nur dreißig Minuten kam, immerhin war gestern Sonntag und gerade mal fünf Uhr. Danach musste ich ein zweites Mal umsteigen, wieder in einen Bus, der bereits nach zehn Minuten fuhr.

Auf den dritten Bus wartete ich dann bereits eine Stunde. Das hatte zur Folge, dass ich mit einem Einheimischen ins Gespräch kam, der auch, so wie ich, zum Lift wollte, um dann auf den "Schwarzen Berg" zu steigen. Der Einheimische wartete noch auf eine Kollegin, die ihn anrief, um ihm zu sagen, dass der Bus, auf den wir warteten, noch nicht einmal losgefahren sei, was sie wusste, weil sie selbst an einer anderen (früheren) Haltestelle seiner Route auf ihn wartete, und weswegen ich mich kurzerhand entschloss ein Taxi zu nehmen, um den ersten Lift zum "Schwarzen Berg" nicht zu verpassen.

Der Einheimische zog es vor, weiter auf seine Kollegin zu warten und nicht mit mir Taxi zu fahren. Der Taxifahrer folgte einem Bus ins nächste Dorf, um dann dort festzustellen, dass der Lift, dessen Station den Namen des Dorfes trägt, gar nicht vom Dorf aus erreichbar ist, weswegen er als nächstes eine Wendung machte, das Taxameter ausschaltete und Richtung Ausgangspunkt zurückfuhr. Bald darauf wurde er allerdings unsicher, ob das denn die richtige Richtung ist, weswegen er eine erneute Wendung vollführte, um im Dorf nachzufragen, ob seine erste Wendung richtig gewesen war.

Dies wurde ihm von Eingeboren des Dorfes, das offiziell zur Hauptstadt der Auszeit gehört, bestätigt, woraufhin wir nach einer erneuten Wendung geradewegs zum Lift fahren konnten, wo der Einheimische, den ich beim Warten auf den letzten Bus kennengelernt hatte, bereits auf mich wartete, um mir seine Kollegin, die mit dem Bus kam, auf den wir gemeinsam gewartet hatten, mit einem breiten Grinsen vorzustellen und mir darüber hinaus mitzuteilen, dass der erste Lift erst in einer Stunde fährt. Langsam begann ich zu begreifen, warum Chatwin nicht über den "Schwarzen Berg" meiner Auszeit geschrieben hat - nicht über ihn schreiben konnte.

Mein Taxifahrer, der wie alle Bewohner der Hauptstadt, in der Ortskundeprüfungen für Taxifahrer unbekannt sind, ursprünglich vom Dorf kommt, entschuldigte sich mehrfach für den Aufwand, aber er sei noch neu hier und fahre erst ein halbes Jahr Taxi. Immerhin wusste er, was es mit den Tomaten auf dem Mülleimer auf sich hat.

Um es kurz zu machen: Im Prinzip sind das die Flaschen, die bei uns neben den Mülleimer gestellt werden, damit Bedürftige sie leichter finden. Auch in der Auszeit gibt es Pfandflaschen, die auch überall angenommen werden, allerdings gibt es nicht überall das gleiche Geld dafür, wenn überhaupt. Flaschensammeln hier ist also eine Art Roulette, weswegen lieber Tomaten gesammelt werden.

Foto&Text TaxiBerlin

29.08.2015

AUSZEIT ANKUNFT


Mit offenen Armen

Obwohl ich offiziell kein Flüchtling bin, so bin ich doch auf der Flucht, und zwar vor der Langeweile und all den langweiligen Menschen in Berlin. Ich weiß, das hört sich im ersten Moment reichlich übertrieben an. Und doch ist es kein reines Luxusproblem. Um es noch einmal ganz klar zu sagen: All die Party People, die Tag für Tag Berlin aufs Neue überschwemmen, sie gehen mir tierisch auf die Nerven. Sicherlich ist es übertrieben in diesem Zusammenhang von Krieg zu sprechen, aber ein täglicher Kampf ist es schon.

Soweit zum Grund für meine Flucht aus Berlin. Was jetzt der Grund ist, dass ich in meiner Auszeit mit offenen Armen (Foto) empfangen wurde, kann ich nicht genau sagen. Am Geld kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Als Berliner Taxifahrer kann ich mir eine preisintensive Flucht gar nicht leisten, selbst wenn ich 40 anstelle von 30 Stunden pro Woche Taxifahren würde. Immerhin komme ich ohne Betteln zurecht, was heutzutage nicht selbstverständlich ist.

Meine Auszeit befindet sich, für alle, die es nicht wissen, auf dem Balkan und mehr oder weniger direkt an der Balkanflüchtlingsroute. Dass ich bisher noch keinen Flüchtling gesehen habe, liegt vermutlich daran, dass diese das kleine Land auf dem Balkan möglichst schnell und vor allem unauffällig hinter sich lassen möchten.

Auch wenn ich ihre Eile sehr gut verstehen kann, wünsche ich mir, die Flüchtlinge würden etwas länger in dem kleinen Land am Rande Europas verweilen. Einerseits, weil es hier keinen Krieg gibt. Andererseits, weil viele Kleinstädte und Dörfer nahezu entvölkert sind. Man soll bereits ganze Dörfer mit dazugehörigem fruchtbarsten Ackerland für wenig Geld käuflich erwerben können.

Ich hoffe, ich verrate jetzt nicht zuviel, aber das ist der eigentliche Grund für meine diesjährige Auszeit. Ich bin auf der Suche nach meinem Dorf, das ich vom Geld meiner nervigen Fahrgäste in Berlin bezahlen kann, und wo ich endlich meine Ruhe vor ihnen finde. Ob die paar Kröten reichen, die ich mit ihnen in meinem Taxi in Berlin gemacht habe, weiß ich noch nicht genau. Was ich weiß, ist, dass es manchmal gerade auf dem Balkan nicht nur ums Geld geht ...

Foto TaxiGourmet
Text TaxiBerlin

26.08.2015

AUSZEIT vs. EXODUS


Auf der Straße

Man kann auch eine Auszeit auf der Straße verbringen, als Taxifahrer sollte man das sogar. War ich neulich noch in Amerika, geht es jetzt schon wieder auf den Balkan. Ich folge damit mehr oder weniger dem Hinweis eines serbischen Fahrgasts aus Belgrad, der mich bereits vor Wochen darauf hinwies, dass es sich bei dem, was da gerade in seinem Land stattfindet, um eine Völkerwanderung handelt.

Nun bin ich, was Serben und Serbien angeht, von Hause aus vorsichtig, was der Serbe bei mir im Taxi auch absolut verstand. Und so war es keine Überraschung, dass er mein vorsichtig formuliertes "aggressive", wir unterhielten uns auf Englisch, in "violent" korrigierte, womit niemand anders als seine serbischen Landsleute gemeint waren. Übrigens war der Mann in meinem Alter nach eigenen Angaben Politiker, was immer das in Serbien heißen mag.

Meine Auszeit, die mich nicht direkt nach Serbien, aber doch in die Nähe bringen wird, bedarf, das versteht sich von selbst, zumindest war das früher so, keiner Spende. Bei meiner Reise nach Amerika war das anders, da war ich eingeladen. Ich habe also niemanden um etwas gebeten oder gar angebettelt. Vielen Dank noch einmal auch von dieser Stelle, ich habe mich in Amerika wie zu Hause gefühlt, was so mit das Höchste ist, was man als Gast sagen kann.

Zurück zu meinem Fahrgast aus Serbien, mit dem ich mich wie gesagt meist auf Englisch unterhielt, wenngleich mit serbischen und/oder bulgarischen Einsprengseln. Er erzählte mir von einer Reportage im serbischen Fernsehen, allerdings bereits vor einigen Wochen. Dort wurden Betreiber und Verkäufer von Läden befragt, ob die Flüchtlinge auch in ihre Shopping-Malls kommen würden.

Ja, das würden sie durchaus tun, bestätigten diese. Es gäbe auch keine Probleme mit ihnen, auch wenn sie dort außer vielleicht einem Kaffee nichts kaufen würden. Eine Sache gäbe es allerdings, die Flüchtlinge in serbischen Shopping-Malls kaufen würden. Was das wäre, wollte ich von meinem Fahrgast aus Serbien wissen. Die Antwort liegt auf der Hand, oder besser auf der Straße: Schuhe!

PS: Es ist gar nicht so lange her, da lag auch ich einmal an der ungarischen Grenze, allerdings auf ungarischer Seite. Damals wurden Zäune gerade abgebaut. So ändern sich die Zeiten ...

Foto&Text TaxiBerlin

24.08.2015

ICH FAHRE ALLES oder AUCH ICH EIN PROFITEUR




Die Heinersdorfer Straße - welcher Taxifahrer kennt sie nicht?! Und natürlich auch das Restaurant "Weißes Rössl", das älteste bayrische Wirtshaus in Berlin, genauer gesagt in Lichterfelde. Dass ich die Lokalität kenne, hängt, um ganz ehrlich zu sein, mit diesen blöden Party People zusammen, die gerade mal wieder, wie eigentlich immer, Berlin heimsuchen. Das ganze kam so:

Seit einiger Zeit komme ich mir vor wie ein elender Profiteur, um nicht den Ausdruck Kriegsgewinnler zu bemühen, und zwar deswegen, weil ich vorzugsweise eben erwähnte blöde Party People durch Friedrichshain/Kreuzberg und Mitte kutschiere, und somit von ihnen profitiere, obwohl ich sie gar nicht leiden kann. Um auch hier bei der Wahrheit zu bleiben, mit der kommt man bekanntlich am weitesten, hasse ich Party People, aber das ist schon wieder ein anderes Thema.

Dass es im Moment gut läuft im Taxi, trotz Krise und Völkerwanderung, hat mit der Tariferhöhung vor einigen Wochen zu tun, aber vor allem eben mit besagten Party People, die sich das Taxifahren noch leisten können, Hauptsache es geht zur nächsten Party. Ich würde auch lieber Flüchtlinge durch die Gegend fahren, das kannst du mir glauben, aber die zahlen halt schlechter.

Aktuell frage ich mich, was ich den Flüchtlingen anbieten kann außer mein Taxi. Ich habe keine Äpfel, keine Schrippen und auch keine Eier - zumindest nicht zum Verschenken. Mir fällt nur Deutschunterricht ein, aber auch Ortskunde wäre eine Option. Ich überlege ernsthaft nach Moabit zu fahren, um dort sozusagen fliegenden Unterricht für Flüchtlinge anzubieten.

Dabei denke ich nicht, dass Flüchtlinge die besseren Menschen sind. Das nicht. Mit Sicherheit haben sie die interessanteren Geschichten anzubieten. Aber vor allem leiden sie nicht, worunter so viele Menschen hierzulande leiden, und zwar an Langeweile. Komischerweise ist Langeweile bisher noch nicht als selbständige Krankheit anerkannt, wo es doch so viele eingebildete gibt.

Denn warum müssen Menschen ständig feiern, wenn nicht aus Langeweile? Warum müssen sie trinken, rauchen und wegen mir auch ficken, wenn sie es denn noch können, wenn nicht aus Langweile? Warum müssen sie ständig um die halbe Welt jetten, wo sie auch zu Fuß gehen und Landesgrenzen auf althergebrachte Weise überschreiten könnten, wenn nicht aus Langeweile?

Klar, ich könnte jetzt auch was spenden für die Flüchtlinge. Beispielsweise ein paar Einnahmen, die mir Party People beschert haben. Aber sollte ich darüber schreiben? Ich könnte auch einen Flüchtling bei mir zu hause aufnehmen. Auch das ginge. Nur, wo soll ich dann wohnen? Ich könnte auch 40 anstelle von 30 Stunden die Woche arbeiten, aber will ich das?

Am praktikabelsten und auch am zweckmäßigsten erscheint mir, mich an erster Stelle fern zu halten von den Party People, oder genauer gesagt, sie fern zu halten von meinem Taxi, weswegen ich neuerdings meine Dienste vorzugsweise in den Außenbezirken von Berlin anbiete.

Auch, damit ich voran komme, denn darauf kommt es im Leben an. Und wenn ich mich gut fühle, fällt mir bestimmt auch was ein, was ich tun kann, damit sich auch Flüchtlinge bei uns gut fühlen.

Foto&Text TaxiBerlin

22.08.2015

ICH FAHRE ALLES


Datenfunk Display (Detail)

Der Film "Taxi", für den ich hiermit nochmals werben möchte, erinnert auf angenehme Weise an die guten alten Zeiten, wo im Taxi noch richtig gefunkt wurde und wo es manchmal auch im wahrsten Sinne des Wortes gefunkt hat. Die Rede ist vom Sprachfunk, der in vielen Taxen immer irgendwie im Hintergrund mitlief, und einem zumindest das Gefühl gab, Teil eines Großen Ganzen zu sein.

Heute läuft die Vermittlung von Funkaufträgen in Taxen immer mehr über den sogenannten Datenfunk, wozu man so ein Gerät wie oben abgebildet braucht, auf dessen Namen ich gerade nicht komme, und das mir auch nicht gehört sondern meiner Firma. Dank im Gerät eingebautem GPS weiß die Zentrale immer ganz genau wo ich gerade bin, mein Chef glaube ich auch - ein Trottel wer Böses dabei denkt.

Natürlich ist das alles, zumindest offiziell, nur zu meinem Vorteil, weil die Funkzentrale ihre angeschlossenen Taxen effektiver mit Aufträgen versorgen kann, die dann einfach, meist verbunden mit einem akustischen Signal, damit man sie nicht verpasst, auf dem Display erscheinen. Der Nachteil ist, dass es im Taxi absolut still ist, man sich also nicht mehr als Teil eines Großen Ganzen begreift.

Diese "Separierung", also der Umstand, wenn man aus einem Großem viel Kleines, man kann wohl auch "Elementarteilchen" dazu sagen, macht, wird in Fachkreisen "Balkanisierung" genannt. Die Bezeichnung "Balkanisierung" soll uns aber nur verwirren, das ist klar. Was genau dahintersteckt, wusste mein Fahrgast aus dem Lokal "Quasselstube", das sich in der Obentrautstraße 70 in Kreuzberg befindet.

Mein Fahrgast, männlich und Mitte 50, aus der "Quasselstube" war, wie sollte es anders sein, eine wahre "Quasselstrippe", die über alles bescheid und natürlich alles besser wusste, was total nervt, aber nur am Anfang. Hat man sich, so wie ich, erst einmal eingehört, stehen auch bei den Auslassungen einer "Quasselstrippe", wie übrigens überall, "die schmackhaften essbaren Pilze direkt neben den giftigen." (Copyright: Mein bester Freund)

Was die "Quasselstrippe" aus der "Quasselstube" nun genau über die "Balkanisierung" alias "Separierung" zu sagen wusste, habe ich nicht etwa vergessen - das nicht. Aber das jetzt einfach so wiederzugeben ist auch etwas "unsportlich", oder?! Falls es dich interessiert, empfehle ich dir einfach mal in die "Quasselstube" in der Obentraut 70 in Kreuzberg zu gehen und nach der "Quasselstrippe" zu fragen. Wenn er da ist, erzählt er es dir mit Sicherheit gerne persönlich.

Foto&Text TaxiBerlin

20.08.2015

WELCHER TAXI-FILM DARF'S DENN SEIN


Kino "Toni" / Antonplatz / früher Weißensee / heute Pankow

Seit heute muss man sich an einigen Kinos in Berlin entscheiden, welchen Taxi-Film man sehen möchte, denn heute ist der deutsche Kinofilm "Taxi" nach dem gleichnamigen Roman von Karen Duve angelaufen. Der andere aktuelle Taxi-Film ist "Taxi Teheran", der Gewinner des Goldenen Bären der diesjährigen Berlinale, über den ich bereits an anderer Stelle, also hier, geschrieben habe.

Ich möchte über den deutschen Kino-Film "Taxi", der heute angelaufen ist, nur soviel schreiben, als dass er besser ist als das Buch es erwarten ließ. Ich bin ohne Erwartungen ins Kino gegangen, sozusagen als "Pflicht-Programm" für jeden Taxifahrer, und die nicht vorhandenen Erwartungen wurden auch nicht enttäuscht. Um es mit einem Satz zu sagen: Es hätte viel viel schlimmer kommen können.

Eine Szene möchte ich kurz erzählen, um auch dir Mut zu machen, dir den Film "Taxi" anzusehen. Ein besoffener Fahrgast, den die weibliche Hauptdarstellerin von seiner Kneipe nach Hause gefahren hat, hat plötzlich kein Geld das Taxi, besser die Taxifahrerin, zu bezahlen, so etwas passiert, woraufhin sie, also die Kollegin, ihn, ihren besoffenen Fahrgast, kurzerhand um einige seiner wertvollen Schallplatten erleichtert. Ich musste mich in einer vergleichbaren Situation noch mit einem schweren Röhrenfernseher abschleppen.

Bester Satz im Film: "Billig wird manchmal richtig teuer."

Foto&Text TaxiBerlin

BERLIN TANZT SICH ZU TODE


"Berliner Kurier - der von hier"

Jetzt ist es amtlich, was ich schon seit Jahren sage. Ich meine, wenn der "Berliner Kurier - der von hier" es auch schreibt, dann muss was dran sein. In dem Zusammenhang fällt mir ein: Hatte ich schon erzählt, dass ich letzten Samstag vier von diesen Party Peoples aus meiner Taxe geschmissen habe? Es war der Tag, an dem ich Kultur gemacht habe, und wo nach dem Konzert in der Waldbühne bei mir im Taxi Tschaikowsky den Ton angab. Es war, um ganz genau zu sein, seine vierte Sinfonie, falls das mal einer nachhören möchten.

Ich weiß gar nicht mehr, was genau passiert ist. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass die vier Party Peoples von der "Bravo Bar" in der Torstraße in Mitte zu "Ritter Butzke" in die Ritterstraße nach Kreuzberg wollten und irgendwie nicht mit der vierten Sinfonie von Tschaikowsky kompatibel waren. Sowas kommt vor, und zwar öfter als man denkt, was auch kein Wunder ist, es kommen schließlich immer mehr von diesem blöden Party People Gesockse nach Berlin.

Da muss man ganz ruhig bleiben, also als Taxifahrer meine ich. Am besten man sagt sowas wie: "Passt gerade nicht ..." oder "Hab' was anderes vor ..." Mit den Jahren wird man da selbst als Taxifahrer irgendwie kreativ. Das wichtigste ist sowieso, dass man sie los wird. Alles andere ist sekundär. Selbst wenn da schon fünf Euro auf der Uhr stehen - vergiss sie einfach. Glaub mir, sie sind es wert. Ruhe ist unbezahlbar. Zum Abschied darf man dafür als Taxifahrer, aber nur einmal, das ist ganz wichtig, und auch nur wenn es passt, den Fahrgästen noch mit auf den Weg geben: "Ihr mich auch ..."

Foto&Text TaxiBerlin

19.08.2015

WAS NIETZSCHE ÜBER BRATWURST WUSSTE


Nach Bratwurst und/oder Nietzsche

Der "Lonely Planet" behauptet in einem seiner Reiseführer über Berlin, dass Berliner Taxifahrer genauso viel über Bratwürste wissen wie über Nietzsche. Das ist einige Jahre her, das genaue Erscheinungsjahr ist mir gerade entfallen. Ich weiß auch nicht, ob es in der aktuellen Ausgabe noch genauso drin steht, vermute aber eher nicht. Vielleicht kann das ja mal einer überprüfen.

Man kann dem "Lonely-Planet" vieles vorwerfen, an erster Stelle, dass er dafür sorgt, dass einsame Orte auf unserem Planeten bald nicht mehr einsam sind. Was die Sache mit den Taxifahrern und ihr Wissen über Bratwürste und Nietzsche angeht, so bin ich mir nahezu sicher, dass dies ausnahmsweise nicht der Grund ist, dass Berlin seit einiger Zeit von Besuchern regelrecht überschwemmt wird.

Dass ich mir in diesem Punkt sicher bin, hängt damit zusammen, dass ich rumkomme in der Stadt und den ein oder anderen Berlin Besucher bei mir im Taxi habe, und die interessieren sich für alles mögliche, nur nicht für Nietzsche und auch nicht wirklich für Bratwürste. Das sind eher so, ich weiß ich wiederhole mich, Ballermann Touristen, die immer nur eines wollen, und zwar zur nächsten Party.

Darüber hinaus interessiert sie nur noch, wo sie zwischendurch chillen können. Meistens tun sie dies im Taxi, wobei chillen, zumindest meiner Meinung nach, das verkehrte Wort ist. Es ist eher ein Ausstoß von menschlichen Urlauten auf der Suche nach dem nächsten Geldautomaten. Offensichtlich muss es bereits in der Steinzeit diese Auszahlmöglichkeiten von Bargeld gegeben haben, auch wenn sie bisher in keinem Geschichtsbuch erwähnt sind.

Doch zurück zu Nietzsche und den Bratwürsten. Ob Nietzsche selbst sich mit ihnen auskannte, ist ebenfalls nicht belegt. Der Berliner Taxifahrer soll sich mit beiden auskennen, meint zumindest der "Lonly Planet". Ich habe lange darüber nachgedacht, wie das bei mir ist, und ich kann natürlich nur über mich reden. Was ich mit Sicherheit weiß, ist, dass viele Berliner Taxifahrer kein Schweinefleisch essen.

Ich esse zwar Schweinefleisch, aber Bratwürste sind auf jeden Fall zu schwer zum Taxifahren, denn da geht es darum voranzukommen. Das ist auch der Grund, warum ich Bratwürste zumindest während der Arbeit eher meide. Gelegentlich kommt es aber vor, dass ich zum Schichtschluss ein Verlangen nach etwas Fettigem verspüre, und dann fahre zu "Curry 36" am Mehringdamm, so viel kann ich verraten.

Der Vorteil an "Curry 36" ist der, dass sie lange aufhaben, ich glaube bis früh um fünf. Außerdem ist dort immer so viel los, dass die Bratwürstchen nicht lange im Fett schwimmen müssen. Nicht zu vergessen, dass sich das Verhältnis von Preis und Leistung im normalen Berliner Rahmen bewegt, obwohl mit Sicherheit "Curry 36" in jedem "Lonely Planet" über Berlin erwähnt ist.

Was ist nun mit Nietzsche? Mit Nietzsche verhält es sich ähnlich wie mit der Bratwurst, er ist fürs Taxifahren zu schwer, oder genauer: zu tief! Sicherlich, man kann ein paar Seiten von ihm lesen, auch im Taxi, aber eben nicht mehr. Ob man sie dann auch wirklich verstanden hat, ist ungewiss. Manchmal ist es nur ein Satz von Nietzsche, der hängen bleibt, beispielsweise folgender:

Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen.

PS: Wenn Nietzsche der Meinung gewesen wäre, dass man es sich schenken lassen soll, hätte er es mit Sicherheit erwähnt.

Foto&Text TaxiBerlin

18.08.2015

FREMDSCHAEMEN - ONE MORE TIME


You have the Power to Stop it

First of all I have to tell you I like my German language, although I'm writing one more time in English. It is because, but not only, in German language you can put two ore more words together and you get a new word with a completely other meaning. FREMDSCHAEMEN is such a word and it means you ashamed because somebody else did something embarrassing.

More then two weeks ago I did start FREMDSCHAEMEN and I'm still doing it, but this is not my fault. It is because of a colleague, better "colleague", called "poor Sascha". "Poor Sascha" is a Swabia from Stuttgart and a Berlin cab driver since maybe seven years but he has still problems to make his money with driving a taxi in Berlin. Therefore he always begs via internet for donations and presents.

So this is normal for "poor Sascha" and no reason for FREMDSCHAEMEN about him. By the way: "Poor Sascha" calls himself a "Linker", what means he is politically a "left wing". A "Linker" in Germany is a "Linker", what means it is very strikt. Nevertheless "poor Sascha" gave interviews to Germany's "Right Wing Press", what was already a reason for FREMDSCHAEMEN, because "poor Sascha" never wanted to do anything with BILD and WELT.

On his blog "poor Sascha" wrote before that they, Germany's "Right Wing Press", should leave him alone. Now, after he gave his interviews to them, he erased what he wrote on his blog. Sou you will not find it there anymore, but it seems now the "Right Press" don't want to have to do anything with "poor Sascha" anymore. This could be already a reason for FREMDSCHAEMEN about "poor Sascha".

But it gets worse. More then to weeks ago "poor Sascha" really wanted to work with his taxi. Nobody knows what he did before with his taxi. But anyway - he wanted to make eight hundred Euro in four shifts. Why he needs four shifts for eight hundred Euro also nobody knows. Other drivers need only three shifts for it.

Of course "poor Sascha" wrote about that he really wants to work on his blog. Eight hundred Euro in four shifts means two hundred Euro in one shift, what is easy to understand. "Poor Sascha's" first shift was not good, so he did not reach this goal. His second shift was better, what means after two shifts "poo Sascha" was good with the eight hundred Euro he wanted to make in four shifts.

But, and this is finally the reason I'm still doing FREMDSCHAEMEN about him, "poor Sascha" did not write about his third and fourth shift. So nobody, except him, knows, did he make the eight hundred Euro in four shifts ore not. Other drivers make the same three shifts, but this is not about other drivers. This is about "poor Sascha".

We don't know why "poor Sascha" stopped to write about his four shifts where he really wanted to work. Maybe, but this is only speculation, it is because "poor Sascha's" begging for donations and presents in the internet was successful. Probably they would stop if "poor Sascha" really made eight hundred Euro in four shifts.

For a pity we really don't know. What I know is that I really want to stop FREMDSCHAEMEN about "poor Sascha". That's why I already wrote I would donate for him too, in case he did not really work and of course first of all if he did not make the eight hundred Euro. But how can I know if he made it ore not if nobody knows.

Nevermind, after more then two weeks of FREMDSCHAEMEN I'm really tired of it because FREMDSCHAEMEN is much more exhausting as it sounds. Finally I will donate something anyway, I mean more then this article, to "poor Sascha" and this is what I suggest to everybody who wants to know how to stop FREMDSCHAEMEN.

Foto&Text TaxiBerlin

17.08.2015

TAXI BERLIN MACHT KULTUR


Waldbühne / früher Charlottenburg / heute Charlottenburg-Wilmersdorf

Einmal im Jahr mache ich Kultur, und das war gestern. Der Hintergrund ist der, dass auch ich von Zeit zu Zeit den Wunsch verspüre, einer Mehrheit anzugehören. Bisher, so auch gestern, habe ich die Eintrittskarte für die Kultur immer noch selbst bezahlt. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, ob das noch zeitgemäß bzw. mehrheitsfähig ist. Es ist aber ein anderes Thema.

Die Kultur fand gestern in der Waldbühne, also unter freiem Himmel statt. Eingeladen hatte Daniel B. und sein West-Eastern Divan Orchestra. Die Kultur, das vergaß ich bisher zu erwähnen, war Musik, und zwar klassische. Wenn ich mich recht erinnere, war es die von Beethoven und Tschaikowsky. Ich kann mich aber auch irren. Mit klassischer Musik kenne ich mich nämlich überhaupt nicht aus.

Danach ging es mit der Kultur weiter, und zwar bei mir im Taxi. Dort gab es dann jedenfalls Beethoven und Tschaikowsky, das ist zumindest sicher. Von den zwanzig Fahrten meiner Nachtschicht waren zwei Fahrgäste auch in der Waldbühne gewesen. Einmal eine junge Frau, die mir gegen Zwei bei Klärchens Ballhaus einstieg. Später, gegen Sieben, noch ein junger Gay aus dem Kit Kat Club.

Zwei Fahrgäste, die bei dem selben Konzert waren wie ich von zwanzig Fahrten insgesamt, mag gefühlt eine Mehrheit darstellen, aber eben nicht mathematisch. Knapp daneben ist auch vorbei. Ein Detail möchte ich in dem Zusammenhang nicht unerwähnt lassen. Um Sieben wimmelte es vorm Kitty, wie der Kit Kat Club auch genannt wird, von tätowierten Muskelprotzen. Die waren dort auf jeden Fall in der Mehrheit, und darauf kommt es an.

Was das zu bedeuten hätte, konnte mir der junge Gay erklären, der, nicht nur, aber wohl auch wegen den Typen mit den Tattoos jetzt besser den Heimweg antrat. Die Muskelprotze kämen zum "Restefi**en". Das Verrückte sei, dass sie in der Regel auch fündig werden, und zwar deshalb, weil um die Uhrzeit immer auch die weiblichen "Gegenspieler" auftauchen würden. Das meinte zumindest der Gay aus Pankow in der Vergangenheit beobachtet zu haben.

Leider hatte ich keine Zeit, das Erscheinen der Gespielinnen von den Muskelprotzen abzuwarten, obwohl mich das als jemand, der auf der Suche nach einer Mehrheit ist, der er eventuell angehören könnte, persönlich ausgesprochen interessiert hätte, aber mein Gay musste nunmal nach Pankow, und zwar schnell, weswegen ich hier nur seine Kurzbeschreibung wiedergeben kann: Groß, Blond und viel Silikon.

Foto&Text TaxiBerlin

14.08.2015

TAXI BERLIN TRIFFT TAXI TEUFEL / TAXI BERLIN MEETS TAXI DEVIL (TEIL DREI / PART THREE)


Taxi Toilet / Southern California / Almost Mexico

Although my soul is still in Southern California where I felt - thanks Taxi Devil - like home, I'm just coming back from my first taxi shift here in Berlin. This shift was "tote Hose"- as we say in German - and what means in English "dead pants". But I have to write about it because I promised my colleague from Southern California what was in the past Mexico.

Bevor I write a bit more about my first taxi shift today I want to tell my fellow Germans, that I will of course also again write in German in the future. But with the language it's a little bit like with the soul. Bove are moving slow. Don't became angry or mad my fellow Germans about me and my bad English. Be happy that I'm not writing in Russian because my Russian is even worse.

Back to my first shift in Berlin and to Tegel Airport where I was ten times today with my taxi because in the city was as I already wrote "tote Hose". That's why I was in Tegel so often - but not only. I was there also because of the Taxi Toilet where you have to pay to go in. There I had a Déjà-vu because one more time it was a colleague in front of me washing his feet in the hand washing basin.

First of all it is dangerous because the basin is high. Then I had to wait to wash my hands in the same basin after the man before me finished his job with his feet there. So I told him about what I saw in the US. I mean the big basin next to the small for the hand washing. The man was really interested in my story even he was busy washing his feet in the small basin in the small toilet at Tegel Airport.

Finally I had to show him the photo above what is still in my small camera which I have always with me. All my colleagues at Tegel Airport became really crazy about it. Now they are thinking about to have such a big basin for their feet in our Taxi Toilet too. Maybe outside because there is not enough space inside. The story could become really interesting. So you better stay tuned!

Foto&Text TaxiBerlin

13.08.2015

TAXI BERLIN TRIFFT TAXI TEUFEL / TAXI BERLIN MEETS TAXI DEVIL (TEIL ZWEI / PART TWO)


Taxi Toilet / Southern California / Almost Mexico

Taxi Devil, my colleague from Southern California, did not know me, as I told you, but we share a lot of things. Fo example we need from time to time to go to the toilet what is called here bathroom ore restroom. Well, this sounds maybe not like an very interesting thing. But it can be very interesting, if you go there with the right person.

I already was in Richard Nixon's Toilet, but this only by the way. When we came into Taxi Devil's Toilet I was not sure, what is this big basin in the middle of the photo for. My first idea was, it's for people with big hands to clean them. Then I thought it's maybe to wash your feet. I know, it sounds weird, but people do this in Berlin!

Finally it's very easy. The big basin is for pee. The next thing what was interesting for me: To use the toilet is almost always free over there. For example you can go to a restaurant and ask. Mostly they let you go to their toilet. But don't forget: They have also the right to refuse their service to anybody. In a Berlin Taxi it's different!

Foto&Text TaxiBerlin

12.08.2015

TAXI BERLIN TRIFFT TAXI TEUFEL / TAXI BERLIN MEETS TAXI DEVIL (TEIL EINS / PART ONE)


Taxi Devil / Southern California / Almost Mexico

First of all I have to explain to my fellow Germans why I'm writing one more time in English. It's very easy to understand. It is because I'm big in the US. Why? I can't say. You have to ask them - not me! Maybe it's because a prophet is never accepted in his own land. Hypocrites are preferred always and everywhere.

Next I have to tell my fellow Germans something very important. If you want to go like me to the US, you need to have a return ticket. I had one of course. I did not know I needed it before I went, however, it was no surprise for me. A guest has every right, but one obligation: To leave! It's everywhere like this.

My colleague Taxi Devil from Southern California I met at the Los Angeles airport - where else?! I did not know him and he did not know me before, what is a perfect condition to become friends I think. Finally we spent almost one week together. What we did I'll tell after I overcome the jet leg. Promise. Stay tuned!

Foto&Text TaxiBerlin

02.08.2015

KREATIVES BETTELN


Alter Schule

Eigentlich wollte ich schon auf meinem Weg nach Amerika sein. Schließlich bin ich eingeladen. Gerade noch rechtzeitig, also kurz vor meiner Abfahrt, fiel mir allerdings auf, dass ich gar kein Geld habe für Amerika - weder Dollar noch Euros. Was sollte ich tun? Für eine Bettelaktion im Internet war es zu spät.

Da ist man auf der Straße klar im Vorteil. Dort gibt es nur Cash. Naja, meistens zumindest. Im Netz braucht man immer Wochen Vorlauf und am Ende kommt oft auch gar nichts bei rum, weil der Markt übervoll ist. Die Straße ist auch voll. Keine Frage. Aber mit etwas Kreativität geht's schon. So viel kann ich schon mal verraten.

Ich weiß nicht, ob ich es schon erwähnt habe. Ich bin auch einer dieser Kreativen in Berlin. Zumindest einmal in meinem Leben wollte ich einer Mehrheit angehören. Das hat auch geklappt. Im Prinzip. Innerhalb dieser Mehrheit gehöre ich aber dann schon wieder zu einer Minderheit, und zwar den Kreativen Alter Schule.

Was sind nun Kreative Alter Schule? Hm, das ist wirklich mal eine gute Frage. Lass mich mal überlegen. Es gibt ja keine dummen Fragen. Nur dumme Antworten. Aber was ist nun die Antwort auf diese Frage? Was meint Kreativer der Alten Schule genau? Ehrlich gesagt, ich komme gerade nicht drauf.

Obwohl das gar nicht typisch Kreativer Alter Schule ist, dass er etwas sagt, was er nicht erklären kann. So viel weiß ich schon mal. Aber reicht das aus, um einen Kreativen Alter Schule genau zu beschreiben? Vermutlich eher nicht. Aha, jetzt fällt's mir ein. Ein Kreativer Alter Schule ist sehr sehr alt.

Sehr sehr alt meint in dem Moment wirklich extrem alt. Im Prinzip Steinalt. Also aus der Steinzeit. So alt, wie nur wirklich Kreative werden. Das heißt im Umkehrschluss, dass ein sehr sehr Alter bereits ein Kreativer sein muss. So ist das. Das eine ist ohne dem anderen nicht zu haben. Ich hoffe, Du verstehst, was ich meine.

Was meine kreative Sammelaktion Alter Schule angeht, so war sie ein großer Erfolg, was aber keine Überraschung ist. Echte Kreativität zahlt sich immer aus. Das wichtigste ist, dass man NICHT NUR EINEN Spendentopf hat. Ich kann das nicht erklären. Es soll mit "Teile und Herrsche" zusammenhängen. Was an den Töpfen draufsteht, ist zweitrangig. Witzig sollte es aber irgendwie schon sein ...

Foto&Text TaxiBerlin

01.08.2015

FREMDSCHÄMEN


TaxiBerlin beim FREMDSCHÄMEN

FREMDSCHÄMEN hat es 2010 immerhin zum "Wort des Jahres" geschafft, wenn auch nur in Österreich, und bedeutet, dass man sich für etwas peinliches, was ein anderer getan hat, an dessen Stelle schämt. Der Kollege, wohl besser "Kollege", ist zwar noch dabei, etwas ziemlich peinliches zu tun, aber mit dem FREMDSCHÄMEN kann man nicht rechtzeitig beginnen, und das nicht nur in Österreich.

Es geht mal wieder um den armen Sascha, der neulich noch seine Seele erst an Springers WELT und dann an BILD verkauft hat, obwohl er mit denen niemals nie etwas zu tun haben wollte. Ganz im Gegenteil - nur in Ruhe lassen sollten sie ihn. Offensichtlich haben die das jetzt ihrerseits getan. Über eine weitere Zusammenarbeit und eventuelle Zahlungen ist zumindest bisher nichts bekannt geworden.

Das ist möglicherweise auch der Grund, warum sich der arme Sascha mal wieder auf den Internet-Strich begeben muss, wo er bereits ein Abo hat. Der aktuelle Anlass ist nicht bekannt. Dass er Geld für die Beerdigung seiner Mutter braucht, ist ausgeschlossen, denn die ist bereits beigesetzt, so weit man weiß auch ohne seine Kohle.

Möglicherweise geht es diesmal um ein Spiel, das dem armen Sascha noch fehlt. Oder ganz und gar ein Buch, das er noch nicht gelesen hat und sich nicht leisten kann. Auch das soll schon vorgekommen sein. Angeblich soll er auch nichts anzuziehen haben. Zumindest weiß das Netz etwas über einen Bedarf an Schuhen beim armen Sascha.

So weit, so bekannt, zumindest im Internet, und keinesfalls ein Grund, sich in irgendeiner Art und Weise FREMDSCHÄMEN zu müssen. Der Grund fürs FREMDSCHÄMEN ist ein anderer. Dieses Wochenende will der arme Sascha nach eigenen Angaben mal so richtig ranklotzen und in vier Schichten achthundert Euro Umsatz schaffen.

Um es kurz zu machen: achthundert Euro Umsatz schaffen andere Taxifahrer in drei Schichten. Kein Scheiß, ich weiß wovon ich rede, ich bin lange genug im Geschäft, um das zu wissen. Sicherlich, es ist nicht einfach. Aber, und darauf kommt es an, es ist zu schaffen.

Der arme Sascha hat für den selben Umsatz vier Nächte eingeplant. Warum vier Nächte, kann nur vermutet werden. Möglicherweise macht er immer noch keine Funkaufträge, weil das Risiko zu groß für ihn ist, dass die Fahrgäste bereits weg sind, bevor er sie findet. Kann auch sein, dass er den Flughafen nicht findet. Man weiß es nicht.

Bekannt dagegen Dank Internet, ist, dass man für den armen Sascha spenden kann, für den Fall, dass er sein anspruchsvolles Ziel von achthundert Euro Umsatz in vier Nächten verfehlt. Es soll sich auch schon der ein oder andere Spender gefunden haben. Ich gehöre nicht zu ihnen. Ich warte erstmal ab und übe mich im FREMDSCHÄMEN.

Foto&Text TaxiBerlin