24.07.2015

TAXI TEHERAN IN BERLIN


Oranien Ecke Adalbert / früher Kreuzberg
heute Friedrichshain-Kreuzberg

Gestern lief "Taxi Teheran" auch in Berlin an. Der Taxi-Film, der auf der letzten "Berlinale" im Februar dieses Jahres den "Goldenen Bären" gewonnen hat. Der iranische Regisseur Jafar Panahi hat, da ihm das Regie führen verboten ist, sich einfach selbst vor die Kamera gesetzt, und zwar als Taxifahrer in einem Taxi in Teheran.

Jafar Panahi ist also kein Taxifahrer und der Film auch keine Doku, als welcher er daherkommt, sondern eine "Fake-Doku", die neben dem taxifahrenden Regisseur mit ziemlich genau zehn Protagonisten auskommt, sieht man einmal von den beiden Goldfischen ab, die fast Opfer von Jafars Fahrkünsten geworden wären, und natürlich auch von den beiden Einbrechern, die am Schluss des Film Jafars teure Kameras aus dem abgestellten Taxi stehlen.

Gleich der erste Fahrgast bemerkt, dass Jafar kein richtiger Taxifahrer ist, denn er hat so gut wie keine Ortskenntnisse, weswegen der Fahrgast weiterhin anmerkt, dass er, also Jafar, wohl "ganz unten" angekommen sei, was nicht ganz zutrifft, denn Jafar hat "nur" Berufsverbot als Regisseur und sitzt "noch" nicht im Knast.

Bald darauf wird Jafar ein blutüberströmter Mann samt angehender Witwe, beide waren auf dem Motorrad unterwegs gewesen und haben einen Unfall gehabt, ins Auto "geworfen". Der Mann macht im Taxi sein Testament, was mittels Smartphone aufgenommen wird. Endlich sind die Dinger auch mal zu etwas gut. Der Mann stirbt dann doch nicht, und ich realisiere langsam, dass es keine echte Doku ist.

Aufgenommen wurde das Testament übrigens mit Jafars Smartphone und zwar von Omid, einem fliegenden Händler von Raubkopien, dessen Dienste auch schon einmal Jafar in Anspruch genommen hat. Fliegende Händler von Schwarzkopien gibt es nicht nur in Teheran, man trifft sie auch in Sofia, der bulgarischen Hauptstadt, auch wenn es dort eigentlich nichts gibt, was wirklich verboten wäre.

Zwischendurch steigt noch die Nichte von Jafar zu. Das Zusteigen scheint in Teheraner Taxis üblich zu sein. Von der Nichte erfahren wir, was, was Filme machen angeht, offiziell erlaubt und was verboten ist. Krawatte tragende Männer sollen nicht gefilmt werden, ebenso Männer mit persischen Namen. Das Leben soll so gezeigt werden, wie es ist, außer es ist schlecht, dann natürlich nicht.

Am Schluss des Films werden wie gesagt die teuren Kameras aus Jafars Taxi geklaut, und zwar von zwei behelmten Dieben auf einem Motorrad. Jafar hatte das Auto am Ende einer Sackgasse abgestellt, um seine Nichte irgendwo abzugeben. Zum Glück hatte Jafar vorher die Speicherkarten aus den Kameras entfernt.

Mir wurde in Berlin auch schon mal wegen einem einfachen Handy, worauf es der Dieb abgesehen hatte, die Scheibe eingeschlagen. Ich hatte mein Taxi nur kurz Adalbert Ecke Oranien abgestellt, um mir beim türkischen Bäcker einen Kaffee zu holen. Das war zwar Nachts, aber an der Ecke gibt es auch Nachts wesentlich mehr Verkehr als in der Sackgasse, wo Jafar sein Taxi am Tage abgestellt hat.

Die "taz" bemerkt noch folgende "signifikante Unterschiede": In Teheran haben die Autos noch nicht die dreisten Ausmaße von SUVs wie in westlichen Metropolen. Und, noch wichtiger! Die Begegnungen in "Taxi Teheran" bieten einen Querschnitt durch den Alltag.

Genau das fehlt, beispielsweise auch in Berlin. Hier sitzen ausschließlich Touristen, Business-Typen oder Party People im Taxi. Ein Querschnitt durch die Gesellschaft sieht anders aus. Alleine deswegen ist "Taxi Teheran" sehenswert - auch und gerade in Berlin.

Foto&Text TaxiBerlin

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