23.06.2015

STAU AM HANDWASCHBECKEN


Taxifahrer-Toilette am Taxiparkplatz / Flughafen Tegel (TXL)

Lange habe ich einen Bogen gemacht um die neue/alte Toilette für Taxifahrer direkt neben der "Pilotenbude", wie der kleine Imbiss (ebenfalls nur für Taxifahrer) liebevoll genannt wird, ohne recht zu wissen warum. Geiz war jedenfalls nicht im Spiel. Das kannst du mir glauben. Dafür lege ich meine Hand ins Handwaschbecken Feuer.

(Dazu muss man wissen, dass das neue Taxifahrer-Klo am Flughafen, genauso wie das alte, seit einiger Zeit gebührenpflichtig ist. Zwischenzeitlich war die Benutzung eine Zeitlang kostenneutral gewesen, wahrscheinlich um die Taxifahrer anzufüttern.)

Es war vor allem ein Gefühl, das mich einen Bogen um die Taxifahrer-Toilette machen ließ, das ich nicht näher benennen konnte - bis gestern. Da musste ich rein in den neuen/alten Toiletten-Container, denn die Zeit war knapp und die dreißig Cent gut angelegt, hoffte ich. Die beiden Boxen waren wie immer besetzt, dafür hatte ich das zwei Meter lange Pullerbecken aus Edelstahl ganz für mich alleine.

Das Problem kam dann am Handwaschbecken, denn dort gab es einen Stau, und der hatte seinen Grund. Und weil ich der Erste in der Reihe war, konnte ich genau sehen, warum es sich am Handwaschbecken staute. Vom Toilettenmann Ali, dem Einzigen, der den Stau hätte auflösen können, in dem Moment natürlich keine Spur.

(Vor gut einem halben Jahr hatte sich Toilettenmann Ali bei mir beklagt, dass das Handwaschbecken zu klein wäre. Ich hatte an dieser Stelle darüber berichtet. Ob er mittlerweile größere bekommen hat, konnte ich nicht fragen. Er war ja nicht da.)

Genau genommen gab es nicht einen sondern zwei Gründe für den Stau am Handwaschbecken, und das waren die beiden Füße des Kollegen, wohl besser "Kollegen", vor mir. Wie er die beide nacheinander in das Becken kriegte, ist mir immer noch ein Rätsel. Irgendwie hat er es geschafft, und ich bin dabei gewesen, genauer: Ich stand direkt davor. Kein schöner Anblick, aber was sollte ich tun. Ich hatte nun einmal bezahlt, und so nahm ich auch das mit.

Mangels Toilettenmann diskutierte ich das Thema mit meinem nächsten Fahrgast, einem fitten älteren Herrn von Mitte Achtzig, der zum Sprachkurs in Frankreich war. Der meinte, dass das doch noch gar nichts wäre. "Ekel Alfred" hätte beim Abendbrot seine Füße in der Schüssel gewaschen, in der eben noch der Kartoffelsalat gewesen wäre. Das ganze an Silvester! Und niemand konnte das verhindern.

Zurück am Flughafen konnte Toilettenmann Ali, der wieder an seinem Arbeitsplatz war, das, mehr oder weniger, bestätigen. Auch er könne nicht Nein sagen, wenn Taxifahrer ihre Füße bei ihm waschen wollen. Schließlich sei auch gerade Ramadan. Und wenn es nach ihm ginge, er hätte keinen neuen Flughafen sondern große Moschee gebaut.

Sicherlich, im Nachhinein lässt sich das immer leicht sagen. Aber möglicherweise wäre das die Lösung gewesen: Eine Moschee mit Flughafen. Beide hätten längst ihren Betrieb aufgenommen!

Foto&Text TaxiBerlin

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