19.06.2015

SOMMER AUF DEM SOFA


Irgendwo im Friedrichshain / jetzt Friedrichshain-Kreuzberg

Immer, wenn ich nicht Taxi fahre, und das ist oft, sitze ich auf dem gelben Sofa bei mir im Park und lese, denke nach, und manchmal fotografiere ich auch. Gelegentlich kommen auch Leute vorbei und wir quatschen ein wenig. Wenn es eins gibt, was ich im Taxi gelernt habe, dann ist das quatschen. Gut, zuhören natürlich auch. Aber quatschen können ist existenzieller. Das ist wie Selbstverteidigung!

Manchmal - nicht immer! Ich meine, die meisten sind ja harmlos. Die wollen gar nicht angequatscht werden, sondern einfach nur ihre Ruhe haben. Dann sage ich natürlich auch nichts - ist ja klar. Eigentlich will ich auch nur meine Ruhe haben bei mir im Taxi. Sonst hätte ich gleich sonstwo arbeiten können, beispielsweise wo immer irgendwas los ist.

Im Taxi ist die meiste Zeit nichts los. Auch bei mir im Taxi. Im Prinzip ist das wie Einzelhaft. Oder wegen mir Einsamer Wolf. Was dir lieber ist. Klar, ich kann lesen oder Musik hören. Das kann ich, und nicht zu knapp. Ich will mich auch gar nicht beklagen. Aber manchmal geht einem diese Isolation schon schwer auf die Nerven. Gerade Nachts. Da denke ich manchmal, ich wäre ganz allein auf der Welt.

Ich bin mir nicht sicher, ob du verstehst, was ich meine. Ich weiß auch selbst keine Lösung. Eigentlich wäre es ganz schön, wenn ständig jemand an meiner Seite wäre, mit dem ich quatschen könnte, wenn mir danach ist. Andererseits schweige ich auch gerne mal. Schweigen zu zweit geht auch, alleine ist aber einfacher.

Wenn ich mir gar nicht mehr zu helfen weiß, unterhalte ich mich auch über das Wetter. Dann weiß ich aber selbst, hoppla, jetzt musst du aufpassen, damit du nicht der Affe wirst, der in seinem Käfig vor sich hin wippt, wenn du verstehst, was ich meine. Nichts gegen das Wippen im Taxi. Ich habe das auch schon mal ausprobiert. Aber schöner ist es schon auf dem Sofa, und die Sonne scheint ...

Foto&Text TaxiBerlin

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