04.06.2015

IM TAXI MIT KURT WOLFF NOCHMAL


Auf Daunenpapier!

Dass man am nächsten Tag dasselbe träumt, kommt so selten vor, dass es alleine deswegen schon erwähnenswert ist. Genau genommen war es nicht derselbe Traum, sondern seine Fortsetzung. Wir, also Kurt Wolff und ich, hatten mittlerweile den Nollendorfplatz erreicht, wo wir kurz anhielten, weil noch jemand zusteigen sollte, und weswegen ich mir notieren konnte, was Kurt Wolff sagte:

"Man verlegt entweder Bücher, von denen man meint, die Leute sollen sie lesen, oder Bücher, von denen man meint, die Leute wollen sie lesen. Verleger der zweiten Kategorie, das heißt Verleger, die dem Publikumsgeschmack dienerisch nachlaufen, zählen für uns nicht - nicht wahr? ... Für solche Verlagstätigkeit braucht man auch weder Enthusiasmus noch Geschmack. Man liefert die Ware, die gefragt wird. Man muss also wissen, was auf Tränen- oder Geschlechts- oder andere Drüsen wirkt ... usw."

Plötzlich passierte merkwürdiges, und zwar klingelte ein Handy. Da es nicht meins war, konnte es nur das von Kurt Wolff sein, der offensichtlich in der neuen Zeit angekommen war. Am anderen Ende war die Person, auf die wir warteten, die aber nicht kommen konnte, weswegen für Kurt Wolff auch hier am Nollendorfplatz die Fahrt zu Ende war, was ich sehr traurig fand, denn ich hätte mich noch stundenlang mit ihm unterhalten können. Kurt Wolff muss es ähnlich gegangen sein. Jedenfalls gab er mir, während er bezahlte, noch etwas mit auf den Weg, was sinngemäß lautete, dass der, der auch nur auf die Quote schielt, die Schere schon im Kopf hätte.

Worte Kurt Wolff
Foto&Text TaxiBerlin

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