29.06.2015

ERSTES FANTREFFEN DER SELBSTZAHLER


Auf dem Weg zum Golfplatz

Gestern traf ich nicht nur Doktor Motte, sondern auch meinen ersten und einzigen Fan. Er heißt Dirk*. So viel kann ich glaube ich verraten. Bisher trafen wir uns immer an der Tankstelle. Sein, also Dirks, Trick ist übrigens, zu sagen: "Dein Gesicht kommt mir bekannt vor!" Damit hat er schon die unmöglichsten Leute kennengelernt. Zum Beispiel auch mich. Wie gesagt - an der Tankstelle.

Dort, also an der Tankstelle, haben wir uns nun schon eine kleine Ewigkeit nicht mehr getroffen. Das hängt mit dem Alter zusammen, also mit meinem. Ab einem bestimmten Alter muss man nicht mehr so oft zur Tankstelle. Das "Dein Gesicht kommt mir bekannt vor!" merke ich mir trotzdem. Man weiß ja nie.

Der letzte Trick, den ich im Taxi kennengelernt habe, war der mit dem Buch. Kennt den jemand? Es war ein junger Mann, und er stieg mir früh um drei mit einem Buch ein. Was das mit dem Buch soll, wollte ich wissen. Damit lerne man besser und vor allem viel einfacher Frauen kennen, meinte er. Warum er mir alleine einstieg, dafür hatte er auch eine Erklärung, aber die habe ich schon wieder vergessen. Dafür ist das mit dem Buch hängen geblieben.

Doch zurück zu Dirk, der übrigens auch Taxi fährt, also als Fahrer, meinem ersten und einzigen Fan, den ich gestern mal wieder traf, und zwar auf dem Golfplatz. Komischerweise sind wir beide im selben Golf-Club der Selbstzahler. Mit Selbstzahler sind die gemeint, die ihre Beerdigung noch selber bezahlen. Ich weiß, das klingt irre, aber das klingen so viele normale Sache heutzutage.

Ich kann es kurz machen. Weder Dirk noch ich habe den Golf Pokal gewonnen, den wir, wenn wir ihn gewonnen hätten, auf dem Armaturenbrett unserer Taxe installieren wollten. Dazu wird es nun nicht kommen, außer wir kaufen uns einen Pokal. Das sollte kein Problem sein. Den gibt es irgendwo in der Silbersteinstraße. Dann müssten wir ihn allerdings selber bezahlen. Das ist klar.

Was den Club der Selbstzahler angeht, den gibt es wirklich, und er geht auf Nietzsche zurück, der gesagt hat "Stirb zur rechten Zeit." Übers Bezahlen hat Nietzsche nichts geschrieben, was daran liegt, dass das damals noch kein Thema war, oder "off topic", wie man heute sagen würde.

Auch wenn weder Dirk noch ich den Pokal gewonnen haben, hat sich der Besuch des Golf Turniers gelohnt. Ganz nebenbei habe ich nämlich erfahren, dass der Berliner Fritz "Jott" Raddatz auch Mitglied im Club der Selbstzahler war und seine Beerdigung demzufolge auch selbst bezahlt hat. Aber nicht nur das.

Er hat auch seinen Tot selbst bezahlt. Er ist dafür extra in die Schweiz gefahren. Vermutlich, das ist aber nur eine Vermutung, hat er "Karte und Gebiet" gelesen. Dort ist das mehr oder weniger beschrieben, wie das geht, in der Schweiz.

Leb Wohl Fritz "Jott" Raddatz! Mach' gut Dirk! Wir sehen uns bei den Dreharbeiten!**

* Dirk hat schon mal überlegt hier einen Kommentar zu hinterlassen, es aber letztendlich nie getan, weil er die Ruhe und Gelassenheit, die von meinem Blog ausgehen, nicht stören wollte. Dafür danke ich Dirk. Ein schönes Kompliment, das schwer zu toppen ist.

** Dirk plant Nachtaufnahmen mit dem Taxi. Dazu muss es aber richtig Nacht sein. Deswegen wartet er auf den Winter. Und ich warte mit.

Foto&Text TaxiBerlin

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