01.06.2015

"BÜRGERLICHE WELT IN KLEIN"


Das Geld und der Tod

Angekündigt war mir eine ganz normale "Catering-Fahrt", bei der Essen zu einer sonntäglichen Nachmittags-Party nach Zehlendorf gebracht werden sollte. Zu der Fahrt gekommen bin ich, das nur nebenbei, durch meine Funkzentrale, weswegen ich mich auch nicht beklage, denn ich wusste, worauf ich mich einlasse. Ich erwähne das nur, weil es heute nicht mehr selbstverständlich ist, dass Taxis Leute, oder in dem Fall eben Leute mit Essen, irgendwo abholen.

Ich fahre alles, naja - so gut wie, und natürlich nur des Geldes wegen, was zur Folge hat, dass ich bei der Arbeit keinen Spaß mehr habe, was sich gestern ändern sollte, und das kam so: Der jungen Dame, die mir mit ihren tausend Taschen voll Essen einstieg, hatte kurzfristig die Praktikantin abgesagt, weswegen sie auch alleine war. Alleine war sie aber mit dem Buffet für die Party überfordert, denn einige Sachen mussten vor Ort noch zubereitet werden, aber die Zeit war knapp und sie war immer noch alleine, ich erwähnte es bereits.

Kurz darauf stand ich mit umgebundener Schürze in einer großen Zehlendorfer Küche unweit der Ecke Goethe/Schiller, belegte Brote und backte Kuchen. Zwischendurch war ich am ständigen Händewaschen, was mir aus einem früheren Leben noch vertraut war, und am Aufräumen, was gar nicht mein Ding ist. Meine Instruktionen erhielt ich übrigens von der talentierten Roxana vom gleichnamigen Catering, die ihr Glück nicht fassen konnte, kurzfristig einen so kompetenten Ersatz gefunden zu haben, und das auch noch im Taxi!

Zum Schluss fand ich mich auf der Terrasse hinter der Villa und vor einem großen Garten sitzend wieder, vor mir eine Tasse Kaffee und ein Stück Möhrenkuchen. Zu meiner rechten saß ein Anwalt, dann kam ein Journalist und dann ein Arzt usw., links von mir eine Dame aus der Nachbarschaft, die mir von ihrer Puppen und Puppenstuben Ausstellung erzählte, die den Namen dieses Beitrag trägt, noch bis Ende August in Britz läuft, und wo ich unbedingt hingehen müsste.

Ob ich das schaffe, konnte ich nicht versprechen. In dem Moment war ich damit beschäftigt, der Konversation am Tisch zu folgen, bei der es um ewige Baustellen und betrügerische Schlüsseldienste ging. Und obwohl es in Zehlendorf war, erinnerte es mich an Partys im Berlin der Neunziger, wo es ganz normal war, dass die Putzfrau neben dem Juristen saß. Dass einzige, was sich seither geändert hat, ist nicht etwa, dass es solche Partys nicht mehr gibt, sondern nur, dass ich als Taxifahrer sozusagen die Rolle der Putzfrau übernommen habe, womit ich gut leben kann, auch mit wenig Geld und im Friedrichshain.

Geld ist bekanntlich nicht alles! Das wichtigste im Leben ist, Dinge zu tun, die einem Spaß machen, was mir der gestrige Nachmittag einmal mehr bewies. Offen und spontan zu sein, kann dabei helfen, muss aber nicht. Es gibt im Leben keine Garantie. Manchmal bringen einen auch so unangenehme Sachen wie Funkaufträge und Küchenhilfe weiter. Was sich daraus ergibt, weißt du erst, wenn du es machst.

Foto&Text TaxiBerlin

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