14.05.2015

TAXIBERLIN GOES TAXIBEFREIUNGSPARTY


In Neukölln

Einmal im Jahr gehe auch ich als bekennender Partymuffel "abzappeln", und das war gestern. Der Grund war die Firmenaufgabe meines bisherigen Chefs, weswegen das Event auch unter dem zugegeben etwas sperrigen Titel "Taxibefreiungsparty" lief. Ihn, also meinen gewesenen Chef, habe ich, wie sollte es anders sein, im Taxi kennengelernt. Das ist jetzt gut drei Jahre her, er kam damals von irgendeiner Party, aber von einer anderen.

Mein alter Chef, das gleich vorneweg, ist eine Seele von Mensch und könnte als mein großer Bruder durchgehen, wenn mein großer Bruder, also der richtige jetzt, nicht so wäre wie er nunmal ist, und weswegen ich besser bei seinem Vornamen bleibe, also den von meinem gewesenen Chef, und der ist Thomas. Ich war damals auf der Suche nach einer neuen Firma, und Thomas auf der nach einem neuen Fahrer.

Dass er in dem Zusammenhang von "Betreutem Fahren" sprach, was es in seiner Firma geben würde, ließ mich hellhörig werden. Genau so etwas suchte ich. Wobei "genau" nicht das richtige Wort ist. Genau genommen wusste ich gar nicht, was ich genau suchte - was anderes halt. Und da kam mir Thomas gerade recht.

Thomas ist nicht nur eine Seele von Mensch, sondern war auch eine Seele von Chef, der sich um seine Fahrer kümmerte, weswegen "Betreutes Fahren" keine Übertreibung ist. Noch besser hat mir nur sein Büro (Foto) über den Dächern von Neukölln gefallen. Leider würde ich mehr Zeit in seinen Taxen als in seinem Büro verbringen, meinte Thomas, der sich wie gesagt, sehr um seine Fahrer bemühte.

Und so kam es dann auch. Ich verbrachte viel Zeit in Thomas seinen Taxen, aber auch einige Zeit in meinen Auszeiten, was aber ein anderes Kapitel ist. Eine Sache gab es allerdings, in der Thomas und ich unterschiedlicher Ansicht waren, und das waren genau seine Taxen. Ich sag's mal so: Das "zu viel", das er sich um seine Fahrer kümmerte, entsprach dem "zu wenig", das er für seine Taxen tat.

Das war aber nicht der Grund, warum Thomas Anfang des Jahres hinschmiss. Thomas hatte einfach keinen Bock mehr auf Chef sein, mit 24h Erreichbarkeit und diesem ganzen Scheiß, und wer möchte es ihm verdenken?!? Thomas fährt jetzt zwei Schichten die Woche und macht die restliche Zeit, was er will. Was das ist oder sein soll, weiß er noch nicht genau, aber ihm wird schon was einfallen.

Erstmal machte er besagte "Taxibefreiungsparty" gestern Abend. Bevor es losging mussten alle, die mal für ihn gearbeitet haben, und das waren so einige, auf sein Neuköllner Dach steigen, um die Sonne in West-Berlin untergehen zu sehen. Danach wurde sogleich die Tanzfläche eröffnet. Thomas' Frau hatte dazu einen speziellen "Taxibefreiungspartymusikmix" in ihrem Computer vorbereitet.

Normalerweise ist das der wunde Punkt einer jeden Party, zumindest hierzulande, und weswegen ich nur äußerst ungerne auf eine gehe. Alle sitzen den ganzen Abend am Tisch rum und quatschen und quatschen und quatschen ... Nicht so gestern! Da sprangen plötzlich auch ältere Kollegen auf die Tanzfläche, die ich bisher nur vom Abhängen am Flughafen Tegel kannte, um "abzuzappeln" wie junge Hirsche und eben nicht wie alte Taxifahrer.

Deswegen kann man wohl auch hier, zwar nicht von "Betreutem Fahren", aber immerhin von "Betreutem Partymachen" sprechen. Das Einzige, was störte, waren die die vielen Ordner (Foto oben) von Thomas' gewesener Taxifirma im Dachgebälk über der Tanzfläche, die er dem Finanzamt wegen zehn Jahre aufbewahren muss. Vielleicht war das aber genau der Grund, der alle so wild tanzen ließ ...

Foto&Text TaxiBerlin

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