13.05.2015

AUCH UNTERGEHEN WILL GELERNT SEIN


Französische Straße / früher Mitte / heute Neue Mitte

Eine Berliner Taxifahrerin klagt gegen die Kreditkartenpflicht, die am Freitag in Kraft getreten ist und vorsieht, dass Fahrer EC-Karten und mindestens drei gängige Kreditkarten annehmen müssen. Lassen wir mal die durchaus berechtigten Fragen beiseite, warum ausgerechnet eine Kollegin klagt, von denen es in Berlin vielleicht zwei Hände voll gibt, und auch was "gängige Kreditkarten" sind und was nicht.

Kommen wir gleich zum, meiner Meinung nach, eigentlichen Problem, und das sind die EC-Karten. Die sind nämlich, zumindest meines Wissens nach, alles andere als sicher. Hat der Fahrgast beispielsweise nicht genug Geld auf dem Konto, oder storniert er ganz und gar die Zahlung nachträglich, wozu er das Recht hat, hat die Taifirma oder im dümmsten Fall gar der Taxifahrer höchstpersönlich ein Problem.

Ich weiß, wovon ich rede, denn ich bin selbst schon mal drei Monate lang dreißig Euro hinterhergelaufen. Und dabei hatte ich alles richtig gemacht: mir den Personalausweis zeigen lassen, die Adresse des Fahrgastes notiert und die Unterschrift verglichen. Dass ich letztendlich an mein Geld kam, habe ich ausschließlich dem Berliner Polizeibeamten zu verdanken, der den zahlungsunwilligen Kunden mehrfach deswegen anrief. Ansonsten wäre die Angelegenheit im Sande verlaufen, der Typ hätte nie gezahlt, einfach weil Anwalt oder auch nur Inkasso viel zu aufwendig und vor allem zu teuer sind.

Doch zurück zu der Kollegin und ihrer Begründung, warum sie keine Karten annehmen möchte. Es sind die zusätzlichen Kosten, die ihrer Meinung nach nicht durch den Zuschlag von 1,50€ gedeckt seien. Dazu muss man wissen, dass es in jeder Taxizentrale Vordrucke gibt, ähnlich den Taxiquittungen, die keinen Cent kosten. Man braucht dann nur noch etwas Zeit, um die paar Ziffern da einzutragen und das Ganze vom Fahrgast unterschreiben zu lassen. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich mache es seit Jahren so.

Um es ganz klar zu sagen: Ich bin kein Fan von diesem Scheiß! Ganz im Gegenteil - ich halte Plastikgeld, aber auch das Leben auf Pump, sprich Dispo (das eine hat mehr mit dem anderen zu tun, als Du denkst, ist aber ein anderes Thema), für ganz großen Mist. Ich gehe sogar so weit und behaupte, dass es die sogenannte Finanzkrise, die noch keinesfalls vorbei ist, auch wenn Du das vielleicht denkst, mindestens begünstigt, wenn nicht gar verursacht hat.

Aber es geht beim Taxigeschäft nicht um private Meinungen oder gar persönliche Befindlichkeiten. In diesem Fall geht es darum, seine Kunden zu halten, damit die nicht zur Konkurrenz, woher die auch immer kommen mag, abwandern, wo sie problemlos mit Karte bezahlen können. Ich kann nicht einerseits dem Kunden den Stinkefinger zeigen, und mich danach darüber beklagen, dass er nicht mehr mit mit fahren will. Das ist schizophren.

Genauso verhält es sich übrigens mit Kollegen, wohl eher "Kollegen", die sich hartnäckig weigern, über Funk vermittelte Aufträge anzunehmen, bei dem sie den Fahrgast abholen müssen, mit der Begründung: Es könnte ja eine Fehlfahrt sein. Ein Risiko, das sie lieber den Kollegen überlassen. Das ist nicht nur unkollegial, sondern es gilt dasselbe, was für das Bezahlen mit Karte gilt. Ich wiederhole es gerne noch einmal, damit es auch wirklich jeder versteht:

Der Kunde möchte manchmal auch abgeholt werden, und wenn ich ihm permanent signalisiere "Leck mich!", dann darf ich mich nicht darüber beklagen, dass der Kunde nach Alternativen sucht. Vor allem sollten diejenigen, die keinen Bock auf Service haben, nicht über diese Alternativen herziehen, denn damit machen sie nur Eins: Sich selbst - aber auch das Taxigewerbe insgesamt - lächerlich.

Foto&Text TaxiBerlin

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