31.05.2015

NEUES AUS DER HIPPIE FREIEN ZONE


Wühlischstraße
früher Friedrichshain / heute Friedrichshain-Kreuzberg

Seitdem mein Kiez neulich zur "Hippie Freien Zone" erklärt wurde, gibt es den Hippie hier nur noch "to go" ...

Foto&Text TaxiBerlin

30.05.2015

DER BERÜHMTE KARTON


So sieht er aus!

Wer kennt ihn nicht, den berühmten Karton, der vom LKW gefallen ist. Aber wer hat ihn schon mal gesehen? So sieht er aus! Alles was du tun muss, um ihn zu finden, ist, auf der Straße unterwegs sein ...

Foto&Text TaxiBerlin

29.05.2015

IM SWINGER CLUB MIT BOB DYLAN


Das Roulette der Straße, oder:
Man weiß nie, was als nächstes passiert ...

Steffen heißt er und er legt allerhöchsten Wert darauf, dass ihm der Laden nicht gehört sondern er ihn nur leitet, damit es da keinen Ärger mit dem Eigentümer gibt. Er stieg mir ein, ich weiß nicht wo, und bei mir lief, das weiß ich, mal wieder Bob Dylan im Taxi, und obwohl der Song neu, also von Bobbys letzter CD vom Februar war, erkannte Steffen den Meister sofort.

Gut, das ist jetzt keine so große Überraschung, denn Steffen ist in meinem Alter, und Leute in meinem Alter kennen Bob Dylan, zumindest die aus dem Osten. Wo genau Steffen herkommt, habe ich vergessen, er hat auf jeden Fall auch mal in Dresden gewohnt, sich zum Glück aber nicht diesen grässlichen Dialekt angewöhnt, weswegen wir uns wohl auch so gut verstanden.

Bei ihm, also beim Steffen im Laden, würde auch manchmal Musik vom Meister laufen. Dann kam eingangs genannter Punkt ins Spiel, und danach dann gleich der Hinweis, dass sein Laden, der ihm nicht gehört aber den er leitet, manchmal kocht er da auch, fällt mir gerade noch ein, ein Swinger Club in Berlin ist, und zwar im Wedding.

Und genau das konnte ich mir nicht vorstellen! Oder kannst Du das? Bob Dylan im Swinger Club im Wedding? Nee, oder?!? Doch, doch, beharrte Steffen, das gibt es, und ich könne mich gerne persönlich davon überzeugen, was ich auch tat, und da ich am Wochenende immer arbeite, musste ich unter der Woche hin, und das war gestern.

Den Swinger Club im Wedding gibt es wirklich, und an der Tür begrüßte mich mein gewesener Fahrgast Steffen, der, ich erwähnte es bereits, den Laden leitet. Als erstes zeigte mir Steffen den Club. Das war nicht uninteressant, auch weil noch andere Gäste anwesend waren. Ohne da weiter ins Detail zu gehen, kann ich sagen, dass der Laden extrem sauber und ordentlich ist. Ist ja auch Deutschland.

Als nächstes nahm ich an der Bar Platz, wo Steffen kleine Teller mit Oliven und Käse drapiert hatte, die sehr lecker schmeckten und vom Türken waren, wie er mir glaubhaft versicherte. Zu dem Zeitpunkt lief noch kein Bob Dylan, das muss ich der Ehrlichkeit halber sagen, aber immerhin elektronischer Tango, was nicht unangenehm war. Die nächste Überraschung war, das bei Steffen im Kühlschrank mein Lieblingsbier aus Bayern stand.

Gut, bayrisches Bier gibt's mittlerweile fast überall in Berlin. Aber noch nirgendwo habe ich den Edelstoff vom Augustiner in kleinen Flaschen gesehen. Möglicherweise ist der Swinger Club im Wedding nicht nur der einzige Swinger Club, in dem Bob Dylan gespielt wird, was zu diesem Zeitpunkt aber erst noch bewiesen werden musste, sondern auch der einzige mit 0,3-er Flaschen Edelstoff.

Steffen war ganz alleine gestern Abend, weswegen er immer was zu tun hatte. Klar, die meisten Gäste kommen alleine klar, aber manchmal ist eben auch Hilfestellung notwendig, beispielsweise für frische Handtücher und Laken zu sorgen. Irgendwann hatten sich alle irgendwohin zurückgezogen, und das war der Moment für Steffen die Musik zu wechseln und den Meister aufzulegen.

Dem Wohlbefinden der Gäste tat das keinen Abbruch, ganz im Gegenteil, was man der Geräuschkulisse entnehmen konnte, deren Ah's und Oh's nur noch zunahmen, während Bobby seine Songs langhin trällerte, und es einem so vorkam, als gäbe es keine bessere Musik als die von Bob Dylan für einen Swinger Club.

Es ist aber nicht nur die Musik, sondern beim Meister sind es immer auch Worte wie "How does it feel?", "Don't think twice" oder "Don't criticize what you don't unterstand!", die, und wenn ich nicht dabei gewesen wäre, ich hätte es nicht geglaubt, auch hervorragend zum Kuscheln, Knutschen und auch zum Kopulieren passen.

Natürlich glaubt mir das jetzt mal wieder keiner, woran ich auch selber Schuld bin mit meinem Untertitel "Unwahre Geschichten ..." Diese allerdings ist aus dem wahren Leben, und Du kannst sie sogar überprüfen. Du findest den Swinger Club Avarus in der Seestraße 50 im fünften Stock in Berlin Wedding. Und wenn Du hingehst, dann grüße unbedingt Steffen von mir. Ein toller Typ!

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28.05.2015

OST FEELING INCLUSIVE


Nur echt in Ost-Berlin

Es soll Leute geben, und das ist auch gut so, die nicht wissen, warum sie nach Berlin kommen sollen. Das klingt für uns hier in Berlin natürlich unvorstellbar, selbst wenn es die Wahrheit wäre, weswegen wir uns auch keine Gedanken machen, was wir denen antworten könnten. Viel wichtiger, das ist aber nur meine private Meinung, ist sowieso die Frage, wann jemand kommen soll.

Auf diese Frage gibt es nur eine Antwort: An einem Brückentag! Aber eigentlich an einem Feiertag, der dem Brückentag vorangeht, manchmal folgt er ihm auch, da muss man aufpassen. Der Feiertag ist deswegen wichtig, weil es da, und nur da, das Ost-Feeling umsonst gibt. Ich war dabei, besser: ich stand davor, und zwar mit dem Taxi. Ich weiß wovon ich rede.

Es war letzten Montag. Da konnte man sich richtig anstellen, an eine Schlange, in Ost-Berlin. Gut, heute ist das die Neue Mitte, aber wer weiß schon so genau, was die Neue Mitte ist? Mit Ost-Berlin kann jeder was anfangen. Der Tränenpalast war auch nicht weit. Was war jetzt gleich nochmal der Tränenpalast? Egal - Hauptsache anstehen.

Ganz genau war es im Bahnhof Friedrichstraße. Ich hatte gestern schonmal darüber geschrieben. Und zwar vorm Supermarkt. Da gab es sogar gleich zwei Schlangen! Eine links vom Pfeiler, und eine rechts von ihm. Obwohl es nur einen Eingang gibt, also zum Supermarkt jetzt. Eine Schlange war für die Linken, und die andere für die Rechten - Ordnung muss sein.

Eingekauft wurde dann wieder zusammen. Das ist wichtig, auch des Feelings wegen. Das Hausbesetzer-Feeling gibt es übrigens in der Rosenthaler, fällt mir gerade ein. Gefühl, wie Feeling auch auf Deutsch heißt, ist total wichtig. Für die Produktbindung. Was das Produkt ist, fragst Du Einfältiger. Na, Berlin, man ...

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27.05.2015

BITTE NICHT VORM AUFSTEHEN !


Reif für's Asyl

Tausendmal hab ich den Leuten gesagt, sie sollen mich bitte sehr nicht vorm Aufstehen anrufen - und was machen sie? Genau das! Gut, beide Anrufe waren wichtig, sehr sogar. Und beide hatten auch irgendwie miteinander zu tun.

Beim ersten Anruf war mein Bürgermeister am Apparat. Also jetzt nicht der von Berlin, sondern der vom fernen Bulgarien, wohin ich mich immer zurückziehe, wenn ich genug Geld mit dem Taxifahren in Berlin gemacht habe. Berlin ist, wenn man so will, nur mein Büro.

Der Grund für den Anruf vom Bürgermeister war die bevorstehende Wahl. In Bulgarien läuft das mit der Wahlwerbung noch ein bisschen anders, was mir, wenn ich ganz ehrlich sein soll, auch besser gefällt. Leider musste ich meinem Bürgermeister absagen, aus dem einfachen Grund, weil ich noch nicht genug Kohle zusammen habe, jetzt nicht um ihn zu wählen, sondern um nach Bulgarien zu kommen.

Der zweite Anruf war von meinem einzigen Leser, einem älteren Herrn und schlauen Fuchs aus Reinickendorf, der alle meine Beiträge nicht nur liest sondern auch versteht. Und da ihm die letzten mal wieder gut gefallen haben, schlug er mir vor, in die Politik zu gehen. Er ging dabei so weit, mir sogar die Kanzlerschaft anzutragen.

Er, also der ältere Herr und schlaue Fuchs aus Reinickendorf, würde auch einen Posten in meiner Regierung übernehmen, und zwar der des Seniorenbeauftragten. Immerhin eine Sorge weniger. Bleibt eigentlich nur das Problem, dass ich nicht in die Politik sondern nur Taxifahren in Berlin will. In die Politik kriegen mich keine zehn Pferde - vorher mach ich 'n Eselasyl in Bulgarien auf!

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EINKAUFSFAHRT MIT HINDERNISSEN


Großer stinkender Haufen

Seitdem die Supermärkte immer länger geöffnet haben, kann man nicht sicher sein, dass die Einkaufsfahrt wirklich zur nächsten Tankstelle geht. Immer öfter ist es auch einfach nur der Supermarkt an der Ecke, der gerade vor und auch nach Feiertagen sehr voll sein kann. Manchmal, wie gestern am Bahnhof Friedrichstraße, kommt man da erst gar nicht rein, einfach weil er überfüllt ist.

Gelegentlich kommt man auch aus anderen Gründen nicht rein in den Supermarkt. Nichts gegen Hunde, Gott bewahre. Aber Allah sein Prophet sah das schon anders. Und manchmal bin auch ich nicht mehr meiner Meinung. Klar, diese kleinen stinkenden Haufen nerven. Aber über die konntest Du wenigstens noch problemlos drüber weg steigen. Bei den großen stinkenden Haufen ist das schon schwieriger ...

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26.05.2015

BLACK BOX TAXI BULGARIA


Ehrliches Taxi Bulgaria

Iwo, der Kollege aus Bulgarien, hatte eigentlich überlegt in Berlin Taxi zu fahren, dann aber doch Abstand davon genommen. Anfangs dachte ich, dass das an den vielen Straßen liegt, die er hier hätte lernen müssen. Dabei stimmt das gar nicht. Der Grund, warum Iwo lieber in Bulgarien Taxi fährt, ist, dass die Leute dort ehrlicher sind.

Das hört sich erstmal völlig verrückt an, auch für meine Ohren, weswegen Iwo und ich auch regelmäßig miteinander telefonieren, um der Sache auf den Grund zu gehen. Heute war es wieder so weit, aber nicht nur das. Iwo hatte meinen gestrigen Beitrag gelesen, sah aber das Problem, wie er sagte, ganz woanders.

Auch in seinem Land ist es ganz normal, dass die Leute auf die Zeitungen, die Reichen, korrupte Politiker und die Mafia schimpfen. Wenn sie aber eingeladen werden, egal ob zum Essen oder zum Interview, nehmen auch sie die Einladung natürlich an, das ist klar. Im Unterschied zu Deutschland reden sie danach aber nur Gutes über die Zeitung, den Reichen, den Politiker oder eben die Mafia.

Das wäre ja auch nur menschlich, denn der Mensch will beachtet werden, und das nach Möglichkeit von Leuten mit Geld oder mindestens mit Einfluss, denn er ist nun mal gierig, zumindest die meisten. Aber dann gehört es sich auch, danach gut davon zu reden, immerhin hat man zu Essen, manchmal auch Geld, oder eben, im Falle eines Interviews, immerhin Fragen gestellt bekommen, die man beantworten durfte.

In Deutschland wäre das anders, da war sich Iwo sicher. Aber nicht einfach nur anders, sondern vor allem unehrlicher. Dort, also hier, wollen die Leute auch wahrgenommen werden oder zumindest für irgendwas Geld einstreichen. Wird ihnen dieser Wunsch erfüllt, beissen sie aber noch in die Hand, die ihnen diesen Wunsch erfüllt hat, und das versteht Iwo nicht.

Denn sie haben so viel dafür getan, endlich von dieser Hand wahrgenommen und beachtet zu werden. Über diese Hand im Nachhinein zu schimpfen, mag in Deutschland Mode sein, und mit der Mode zu gehen, ist auch nur menschlich, aber eben nicht ganz ehrlich. Was ich dazu gesagt habe? Erst einmal gar nichts! Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr muss ich Iwo Recht geben, was ich aber gar nicht schlimm finde - ganz im Gegenteil!

Mir war diese Heuchelei hierzulande auch schon aufgefallen, hatte sie aber fälschlicherweise unter dem Begriff "Balkanisierung" abgehakt. Dass ausgerechnet der Balkan uns in diesem Punkt einen Schritt voraus sein soll, ist sicherlich unangenehm. Andererseits, und das ist die gute Nachricht, haben wir offensichtlich mehr mit dem Balkan gemein, als gemeinhin gedacht, denn auch unser Verhalten ist an erster Stelle eines: menschlich. Meint zumindest Iwo ...

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25.05.2015

BLACK BOX TAXI BERLIN


Doof oder Nicht-Doof?

Das Taxi war schon immer eine Art Black Box, weil man nie wusste, wer einem da einsteigt. Seit langem ist es schon so, dass ich als Fahrer es selbst dann nicht weiß, wenn der Fahrgast (respektive die Fahrgästin) einige Zeit im Taxi sitzt und ich mich mit ihm (respektive ihr) unterhalte.

Diese Entwicklung nahm vor vielen Jahren ihren Anfang, und zwar damit, dass alle nur noch cool und gut drauf sein wollten. Das geht nunmal am einfachsten, wenn man sich dumm stellt, was zugegeben eine sehr verkürzte Darstellung einer etwas längeren Entwicklung ist. Irgendwann kippte das allerdings, was dazu führte, dass heutzutage keiner mehr unterscheiden kann, ob sich jemand nur dumm stellt oder wirklich dumm ist.

Nachdem ich genau diese Problematik über Jahre in meinem Taxi anhand von Tausenden von Probanden untersucht habe, kann ich heute mit überraschenden Ergebnissen an die Öffentlichkeit treten. Der Versuchsaufbau war denkbar einfach. Ich fragte alle meine Fahrgäste dieselben Fragen, allen voran, ob sie sich selbst für dumm halten oder sich nur dumm stellen.

Letztgenannte Frage wurde selbstverständlich anonym gestellt, aber auf jeden Fall so, dass sie den anderen Antworten derselben Person zuordbar blieb. Das Ergebnis ist mehr als verblüffend! Egal ob sich jemand dumm stellt oder wirklich dumm ist - die Antworten auf die Fragen sind immer dieselben.

Zur Beruhigung aller kann ich sagen, dass es unter Taxifahrern nicht besser aussieht. Der arme Sascha beispielsweise, ein "Kollege" aus Marzahn, aber eigentlich aus Stuttgart, der gestern der BILD noch artig ein Interview gab, kann heute schon nicht mehr für die Sicherheit von Kai Diekmann in seinem Taxi garantieren. Was ist passiert? Man müsste die Black Box vom armen Sascha fragen ...

Kai Diekmann, für alle denen es wie mir geht, ist der Chef von BILD.

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24.05.2015

IM TAXI MIT ROBERT ZIMMERMANN


Vorm Seniorenheim

Robert Zimmermann, den meisten besser bekannt als Bob Dylan, lebt nicht nur noch, sondern hat auch noch heute Geburtstag. Der im Sternzeichen des Zwilling geborene "Greatest Songwriter Of Modern Times" wird 74 Jahre alt und wohnt, wenn er nicht gerade irgendwo auf der Welt ein Konzert gibt, in seinem eigenen Altersheim in Santa Monica eine halbe Stunde nördlich von Los Angeles.

Im Februar erschien Bob Dylans letzte Scheibe mit Coverversionen von Frank Sinatra Songs. Die Idee dazu hat Dylan seit den Siebzigern, das einzige Interview dazu gab er jetzt dem US-amerikanischen Seniorenmagazin AAPR. Die Songs klingen weder nach Dylan noch nach Sinatra, weswegen sie oft und gerne bei mir im Taxi laufen.

Dort "All Along The Watchtower" oder "Knocking On Heaven's Door" zu spielen, finde ich reizlos, denn die kennt jeder. Du musst Sachen auflegen, von denen keiner weiß, dass sie von Dylan sind. Zumindest mache ich das so. Bei meinen Fahrgästen kommt das meist gut an.

Das Mädchen letzte Nacht, das gut und gerne Dylans Enkeltochter hätte sein können, war da eine Überraschung, denn sie erkannte den Meister sofort. Das hinge mit ihren Eltern zusammen, erklärte sie mir, die viel Dylan hörten, und von denen die Weisheit stammt:

Wenn Du einen Song hörst, der dir gefällt, aber nicht weißt, von wem er ist, kannst Du mit ruhigem Gewissen behaupten, er sei von Dylan, denn in den meisten Fällen hast Du recht.

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23.05.2015

PIPPI LANGSTRUMPF WIRD SIEBZIG


Graffito (unvollendet) / Detail

Pippi Langstrumpf wird 70 (siebzig!) Jahre alt. Wer sie nicht kennt, und das sind nicht wenige, der sollte auf jeden Fall eines wissen, und zwar dass "Ich mach' mir die Welt, wie sie mir gefällt" von Pippi Langstrumpf stammt, und von keiner anderen.

Genau genommen ist der Spruch aber von Arthur, und zwar der Schopenhauer, von dem Pippi auch die Haare hat, also die abstehenden. Die rote Farbe ist von ihr - immerhin. Der Arthur hat sogar ein ganzes Buch über das Thema geschrieben, und das heißt "Die Welt als Wille und Vorstellung".

Es ist nichts ungewöhnliches, dass Frauen Ideen von Männern aufgreifen, auch wenn es manchmal ein paar Jahre dauert. Bei Descartes, der noch vor Arthur "Ich denke, also bin ich." feststellte, war es beispielsweise Juliane Werding mit "Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst".

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"KIEZ HYPNOSE"


Petersburger Platz
früher Friedrichshain / jetzt Friedrichshain-Kreuzberg

Beim Taxifahren gibt es nichts, was es nicht gibt, wobei ich nicht weiß, ob das auch für Fahrer zutrifft, die keine Aufträge annehmen, wo sie die Leute irgendwo abholen müssen, weil ihnen das Risiko zu groß ist, dass die Fahrgäste nicht mehr da sind, wenn sie, also die Fahrer, dort eintreffen. Was ich mit Sicherheit sagen kann, ist, dass gerade sie, nochmal die Fahrer, dabei 'ne Menge lernen könnten.

Beispielsweise wie sie den begreiflichen Ärger über eine mögliche Fehlfahrt, der offizielle Überbegriff für Fälle, wo der Fahrgast bereits weg ist, wenn der Fahrer endlich am Abholort eingetroffen ist, überwinden können, und zwar durch Hypnose. Ob es sich dabei vielleicht nur um eine Suggestion handelt, die sich schon am nächsten Tag in Luft auflöst, konnte ich leider nicht genau herausfinden.

Das lag aber nicht an mir, sondern am Fahrgast, der immerhin noch vor Ort war, als ich ihn von seiner Hypnose am Petersburger Platz abholte. Die wirkte allerdings nur bis zur Landsberger Allee, wo er sich mächtig zu ärgern begann, was wiederum keine Überraschung war, weil genau dort der Prenzlauer Berg beginnt, was bereits ein anderer Kiez ist, und die Hypnose nicht umsonst Kiez Hypnose heißt.

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22.05.2015

DIE LETZTEN IHRER ART


Ein Fahrradkurier bei der Arbeit

Nur selten gehe ich mit Fahrgästen mit. Gut, kommt natürlich auch auf den Fahrgast (respektive Fahrgästin) drauf an. Einmal war ich mit Fahrgästen essen - im Hühnerhaus am Görlitzer Park. Das war ganz OK, auch weil die Fahrt danach nach Potsdam ging.

Gestern bin ich nun, nein nicht im Hühnerhaus, sondern in einer, wie soll ich mich ausdrücken, ich sage mal Räucherhöhle gelandet. Zu der, also zu der Räucherhöhle, später mehr. Irgendwie hing alles mit dem Slogan "Dichter in die Produktion" zusammen, aber wie genau, das würde hier zu weit führen.

Der Begriff Räucherhöhle lässt vermuten, dass dort geraucht wurde. Und so war es auch, was ich wiederum gar nicht mehr gewohnt bin. In dem Punkt bin auch ich schon im Neuen Berlin angekommen. Die Räucherhöhle hatte immerhin eine Lüftung, die aber nur mäßig funktionierte, und war durch eine Tür vom Schankraum getrennt, wo aber auch geraucht wurde.

Mit denen, die vorlasen, ging es mir ungefähr so wie mit meinen Fahrgästen. Die meisten da sind ja irgendwie Durchläufer. (Nicht verwechseln mit Mitläufer! Das sind wieder andere!) Und so war es gestern Abend auch. Entweder war's zu lang, nicht witzig oder einfach nur langweilig. Der Fahrradkurier stach zumindest dadurch heraus, weil er seine Texte abgeschrieben hatte, und zwar bei keinem geringeren als Robert Weber.

Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es um diese zehn Texte, die der Fahrradkurier abgeschrieben haben soll, und die der eigentliche Urheber, Robert Weber, gestern auch selbst zum Vortrag brachte, was zweifellos ein Höhepunkt des Abends war. Eine Ähnlichkeit mit den Texten vom Fahrradkurier konnte ich zwar nicht feststellen, aber vielleicht ist das gerade die Kunst beim Abschreiben.

Zum Schluss trat dann noch ein Dichter-Fossil ans Mikro, genau genommen nahm er es in die Hand, was bis dahin arglos auf dem Tisch gelegen hatte, und weswegen die, die vorlasen, immer so komisch noch vorne gebeugt am Tisch sitzen mussten, aber das nur nebenbei. Das Fossil hört auf den Namen Papenfuß und ist gemeinhin dafür bekannt, dass nur er selbst seine Texte versteht. Das war gestern anders, soviel kann ich auf jeden Fall sagen.

Papenfuß, der letzte seiner Art, leitete nach seinem Vortrag das Finale des Abends ein, und zwar den Verkauf eines selbstgedruckten Heftes des Fahrradkuriers für genau zwölf Eurocent, zu bezahlen in Kupfermünzen. Der Verkauf erfolgte nur während eines Musiktitels, der wiederum genau 3:12 Minuten lang war.

Was in diesen gut drei Minuten los war, das kann sich niemand vorstellen, der nicht dabei gewesen ist. Früher hätte man wohl gesagt, die Schlacht ums kalte Buffett hat begonnen. In dem Fall gab es aber nichts zu essen, und auch nichts zu rauchen, sondern was schön zurecht Gemachtes zum Lesen. Es kam jedenfalls, und deswegen überhaupt dieser Beitrag, richtig Bewegung in die Räucherhöhle, und mit Sicherheit mehr, als die Lüftung sonst macht.

Zum Schluss wie versprochen noch etwas zur Räucherhöhle selbst. Der ein oder andere wird sie kennen, es ist die alte/neue Baiz in der Schönhauser Allee, die gestern noch in der Torstraße war. Ob es sie morgen noch gibt, ist ungewiss. Falls ja, dann wohl eher als Museum, wo die Allerletzten ihrer Art zu bestaunen sind.

Foto&Text TaxiBerlin

21.05.2015

"SASCHAS WELT" JETZT AUCH BEI "BILD"


Potsdamer Straße / früher Tiergarten / heute Neue Mitte

Der arme Sascha hat es wirklich nicht leicht. Nie und nimmer wollte er etwas mit BILD und Konsorten zu tun haben. Ganz im Gegenteil! Nur in Ruhe lassen sollte Springer&Co ihn, damit er in Ruhe in Berlin Taxi fahren und im Internet darüber schreiben kann. Und falls sie es doch wagen sollten, über ihn, also den armen Sascha, zu schreiben, wollte er jedes Wort prüfen lassen und, soweit ich mich erinnere, gegebenenfalls sogar gerichtlich dagegen vorgehen.

Mit dem Prüfen lassen ist das so eine Sache, und vor Gericht gehen kostet Geld. Das konnte der Sascha natürlich nicht wissen - damals! Sowieso ist es viel besser, wenn man gleich selber für die Springer-Presse schreibt. Dann kann man nämlich auch viel einfacher prüfen, was die so über einen schreiben und kassiert, wenn man sich nicht allzu blöd anstellt, auch noch ein bisschen Geld.

Geld ist dem Sascha, der eigentlich nur gemocht werden möchte, wichtig, weswegen er besonders gerne über Geld schreibt. Du als Leser musst allerdings erstmal welches löhnen, wenn Du erfahren willst, was der Sascha via BILD der Welt wissen lässt. DIE WELT selbst bietet es noch kostenlos an. Vielleicht schaust Du erstmal da vorbei, es gibt auch ein paar bunte Bilder zu sehen vom armen Sascha.

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20.05.2015

HEUTE KAUFEN UND MORGEN TRINKEN


Im Bioladen

Ich habe mich lange gefragt, wer wohl (neben mir) der Gegenspieler der Party People sein könnte, die im Taxi (aber nicht nur hier) vor allem dadurch negativ auffallen, dass sie immer so gut drauf sind. Heute bin ich fündig geworden, und zwar in einem Berliner Bio-Laden. Alleine deswegen hat sich der Besuch dort gelohnt, auch wenn das Angebot insgesamt nicht ganz meinem Geldbeutel entspricht.

Du musst wirklich mal reingehen in einen Bio-Laden und dir die Leute ansehen. Vor allem die alten Bio-Läden sind einen Besuch wert. In den neuen Bio-Läden passt man sich bereits seinem Publikum an und stellt immer mehr hippe Leute ein. In den alten ist das zum Glück noch anders. Dort sind die Verkäufer angestaubt und blass, und die Verkäuferinnen grundsätzlich ganz schön schlecht drauf.

Da ist die Welt sozusagen noch in Ordnung - zumindest für mich! Überzeugt hat mich neben dem Personal auch das Angebot, auch wenn ich es mir, ich erwähnte es eingangs, nicht leisten kann. Mit dem "Bier von gestern", dass demnächst dort "Neu!" sein wird, wie mir die super schlecht gelaunte Verkäuferin versicherte, würde ich es deswegen so handhaben: Heute kaufen und morgen trinken!

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UND WAS IST MIT ARM UND FETT?


Theaterwerbung / Detail

Eigentlich sollte ich etwas über den Streik bei der Bahn schreiben, der gerade mal wieder gestartet ist. Da ich aber über den Bahnstreik an dieser Stelle schon alles geschrieben habe, was ich dazu zu sagen habe, kann ich mich heute mal obigem Plakat widmen.

Das Plakat (für alle Nicht-Berliner) gehört zu dem Berliner Event-Theater HAU, was für "Hebbel am Ufer" steht, und ich erfahre von ihm, da alle drei genannten Eigenschaften auf mich zutreffen, dass ich privilegiert bin, wovon ich noch gar nichts wusste.

Bisher dachte ich immer, dass man für Privilegien etwas tun muss, beispielsweise anderen in ein bestimmtes Loch kriechen. Ich bin mir nicht sicher, wie es sich mit "arm" und "fett" verhält, und ob man damit auch schon privilegiert ist oder sich nur zum Opfer macht.

Sowohl bei "arm" als auch bei "fett" scheint es mir so 'ne und so 'ne zu geben. Also es gibt welche, die sind es einfach, und dann gibt es welche, die sind es, in dem sie etwas dafür tun, was auch ein aktives Nichts-Tun sein kann, wenn Du verstehst, was ich meine.

Genau diese aber, also die aktiv etwas fürs "arm" und "fett" sein Tun, und sei es nur Nichts-Tun, würden dann rausfallen, denn, das haben wir gerade gelernt, heutzutage muss man für Privilegien nichts mehr tun, was ich, wenn ich's mir recht überlege, grundsätzlich begrüße.

Wobei "begrüßen" nicht das richtige Wort ist. Mir fällt aber gerade auch nichts besseres ein. Hm, lass mich mal überlegen ... Vielleicht sollte ich einfach das sagen, was ich immer sage, wenn mir jemand ein Geschenk macht, womit sie nichts anzufangen weiß:

Mal was anderes!

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19.05.2015

HIPPIE FREIE ZONE MIT GEHWEG SCHÄDEN


Oder- Ecke Finowstraße / früher Friedrichshain
heute Friedrichshain-Kreuzberg

Dass es mal so weit kommen könnte, dass ich aus meinem eigenen Kiez raus soll, wer hätte das gedacht. Auch wenn ich nicht genau weiß, ob ich mit Hippie gemeint bin oder nicht, so fühle ich mich doch von dem Schild angesprochen, und darauf kommt es an.

Zum Hippie fehlen mir ohne Frage die langen Haare, die die Hippies einst trugen. Möglicherweise ist das heute aber schon wieder ganz anders, ich bin da ehrlich gesagt nicht auf dem laufenden, schließlich werden selbst Hippies älter und auch ihre Haare im Alter dünner.

Obwohl ich mir nicht sicher bin, ob ich nun ein Hippie bin oder nicht, so lebe ich doch wie einer. Damit meine ich nicht meinen Lebensstil, sondern ausschließlich meine Wohnsituation. In dem Zusammenhang fiel auch schon einmal der Begriff "Berliner Boheme Bude".

Aber ich will in diesem Punkt keinen unnötigen Neid schüren. Hohe Decken oder gar Stuck habe ich keinen, da kann ich den einen und auch den anderen gleich mal beruhigen. Glaub mir, es würde dir nicht gefallen. Ich sage nur "Unsanierter Berliner Altbau".

Zu dem passen zweifellos die Gewegschäden, die es in meinem Kiez, zum Glück muss man sagen, jede Menge gibt. Warum da nun jemand ausgerechnet die Hippies raus haben will aus dem Kiez, aber die Gehwegschäden bleiben sollen, das ist sein Geheimnis.

Überhaupt bleibt die Frage, wer da genau eine "Hippie Freie Zone" fordert. Falls er mitliest: Hippie wird am Ende mit "ie" geschrieben! Und noch was: Mach soviel Zonen, wie du willst, wenn es dir Spaß macht. Ich bleibe im Kiez! Mich musst du raustragen - Vastehste?!?

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17.05.2015

WASCHEN MIT ANGELA


Wichertstr. / früher Prenzlauer Berg / heute Pankow

Wegen den vielen Krisen, private eingeschlossen, war sie einige Zeit nicht zum Waschen gekommen. Mir war es recht, auch weil es für mich, der ich bisher "nur" der einzig anerkannte Berliner Shopping Guide bin, sozusagen die Feuertaufe als Washing Guide war.

Shopping Guide ist natürlich aufregender, auch weil Du da mit in die Umkleide darfst. Ab einem bestimmten Alter kann das allerdings auch ein Nachteil sein. Der größte Unterschied ist aber, dass es mit dem Waschen wesentlich schneller geht als mit dem Einkaufen.

Natürlich läuft die Uhr beim Waschen weiter. Das ist ja klar. Aber wenn der Frau plötzlich einfällt, ihre Wäsche zu Hause zu trocken, dann kommst Du als Washing Guide, was den Umsatz angeht, schnell in den Bereich einer Kurzstrecke, wenn Du verstehst, was ich meine.

Bei Angela (Foto) war das zum Glück nicht der Fall. Dafür ist Angelas Wohnung auch viel zu klein. Da kann sie auf keinen Fall auch noch ihre Wäsche trocken. Eigentlich kann sie dort noch nicht einmal wohnen. Aber seitdem ihr Männe ausgezogen ist, geht das irgendwie.

Als Washing Guide musst Du vor allem darauf achten, dass die Wäsche richtig sortiert ist: Buntwäsche kommt in die blaue und Weisswäsche in die gelbe Tüte. Zum Schluss brauchst Du sie dann nur noch hochzutragen. Auch deswegen ist getrocknete Wäsche besser.

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TAXIFAHREN UND SEINE FOLGEN


Taxifahren bei Nacht

Taxifahren, das ist weitgehend unbekannt, kann auch zur Droge werden. Fakt ist, dass viele Taxifahrer aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr vom Taxifahren loskommen. Es soll sogar schon den Fall gegeben haben, wo der Taxifahrer einen dazu berechtigten Beamten regelrecht angefleht hat, ihm endlich den Taxischein abzunehmen, damit der nicht mehr Taxifahren kann.

Dieser Fall ist so ausgegangen, das sagt zumindest die Überlieferung, dass der Beamte, ein Berliner Polizist, der am Flughafen Tegel seinen Dienst tut und namentlich nicht genannt werden will, dem Taxifahrer den Taxischein nicht abnahm, denn damit konnte er ihn mehr quälen, als wenn er seiner Bitte entsprochen hätte.

Berliner Beamte sind auch nur Menschen. Apropos Menschen: Bei mir äußert sich das jahrelange Taxifahren dadurch, dass ich am liebsten alleine, also ohne Menschen sprich Fahrgäste an Bord, durch die Gegend fahre. Ich weiß, das hört sich hart an, ist aber die Wahrheit: Ich habe durchs Taxifahren eine Fahrgastallergie entwickelt.

Eine Fahrgastallergie, da kann ich alle gleichmal beruhigen, ist eine Allergie wie jede andere. Sicherlich hast auch Du irgendeine Allergie (heutzutage sind die Leute so empfindlich, dass jeder mindestens eine hat). Dann weißt Du also auch, das es ein einfaches Gegenmittel gibt, und das besteht darin, sich vom Allergen fernzuhalten.

Nun ist das mit dem Fernhalten von Fahrgästen beim Taxifahren so eine Sache. Leider habe ich bisher noch keine Firma gefunden, die mich fürs rumfahren ohne Fahrgäste bezahlen würde. Meine Lösung, wenigstens im Taxi den Fahrgast auf Distanz zu halten, stößt zwar auf grundsätzliches Verständnis, ist aber in der Praxis nicht umsetzbar.

Und deswegen wähle ich diesen Weg, um Dich und auch die Welt darüber zu informieren. Meine Krankheit ist übrigens weder mein Wunsch, noch mein Wille. Um es ganz klar zu sagen: Nicht ich bin schuld, sondern meine Krankheit! Und seitdem ich die Diagnose kenne, vergeht kein Tag, an dem ich nicht zum lieben Gott bete, dass das auch auch mal irgendjemand wissenschaftlich bestätigt.

Nach Möglichkeit natürlich ein Wissenschaftler, der vielleicht ganz und gar herausfindet, dass auch diese Krankheit, wie übrigens viele andere auch, genetisch bedingt ist. Genetisch bedingt klingt überzeugend, tut keinem weh, und demzufolge kann auch jeder damit leben, also ich meine, sowohl ich als auch der Fahrgast.

Der, also der Fahrgast, könnte dann auch gleich beim Betreten meines Taxis auf meine Erkrankung hingewiesen werden, beispielsweise durch einen Aufkleber oder durch ein Hinweisschild. Möglicherweise könnte man langfristig aber schon viel früher ansetzen. Eine meiner Ideen ist, dass der Fahrgast nur mit reizarmer und frisch gewaschener Kleidung in ein Taxi einsteigt.

Frisch gewaschene Kleidung macht natürlich nur Sinn, wenn dem Fahrgast auch an der Pflege seines eigenen Körpers etwas liegt. Oft ist es nur der Mundgeruch, der eine Allergie auslöst, weswegen Zähneputzen vor jeder Taxifahrt obligatorisch sein sollte. Fernziel ist, dass nur Nichtraucher und Nichttrinker Taxen benutzen dürfen.

Ich weiß, das klingt alles erstmal ziemlich utopisch. Aber war es mit dem Rauchverbot im Taxi seinerzeit nicht genauso!?! Und, was auch der entscheidende Unterschied zu der eingangs geschilderte Geschichte mit dem Polizisten am Flughafen Tegel ist:

Niemand möchte den Fahrgast in irgendeiner Art und Weise quälen. Es geht ausschließlich um das Wohl des Taxifahrers, was letztendlich auch in seinem, also im Interesse des Fahrgastes ist.

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16.05.2015

JUNGE LEUTE VON HEUTE


Immer gut drauf oder auch nicht

Zum Glück gibt es heutzutage diese Geräte, die einem immer öfter von Fahrgästen gezeigt werden, weil das Display dem Fahrer das Fahrziel anzeigt. Das mussten die Leute früher noch auswendig lernen. Beim Aussprechen brachen sie sich dann gerne mal die Zunge ab, was aber auch witzig sein konnte. Das gibt es heute nicht mehr.

Für die Zunge ist das natürlich viel besser, weil sie dann nicht mehr abgebrochen werden kann. Und witzig sein will heute sowieso keiner mehr. Witzig ist, glaube ich, gerade uncool. Sowieso sind die Leute heutzutage immer gut drauf. Wozu sollten sie dann noch witzig oder gar geistreich sein. Das wäre nun wirklich des Guten zu viel.

Es gibt aber auch andere Gründe, warum eine Zunge in Gefahr kommen kann, beispielsweise der Alkohol. Der kann andererseits die Zunge aber auch lösen, was nicht immer schlecht sein muss. Viele Menschen werden dann erst richtig witzig oder gar geistreich. Einige wenige, das sind aber Ausnahmen, sagen dann sogar die Wahrheit.

Bei anderen ist es wiederum besser, wenn sie im Taxi nichts oder nicht viel sagen, nachdem sie zu sehr dem Alkohol zugesagt haben. Dann kannst Du sie nämlich auch besser beobachten. Jetzt nicht überwachen oder so, das können andere besser, sondern nur gucken, wie es ihnen geht, damit Du notfalls rechts ranfahren kannst.

Denn manchmal sind Menschen, die immer gut drauf sind, gar nicht gut drauf. Das passiert auch gerne mal im Taxi, insbesondere wenn es fährt. Und (jetzt kommt der eigentlich wunde Punkt!) dann hilft auch kein Smartphone. Zumindest wurde mir noch nie eins unter die Nase gehalten, auf dessen Display "Bitte anhalten - muss kotzen" stand.

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14.05.2015

TAXIBERLIN GOES TAXIBEFREIUNGSPARTY


In Neukölln

Einmal im Jahr gehe auch ich als bekennender Partymuffel "abzappeln", und das war gestern. Der Grund war die Firmenaufgabe meines bisherigen Chefs, weswegen das Event auch unter dem zugegeben etwas sperrigen Titel "Taxibefreiungsparty" lief. Ihn, also meinen gewesenen Chef, habe ich, wie sollte es anders sein, im Taxi kennengelernt. Das ist jetzt gut drei Jahre her, er kam damals von irgendeiner Party, aber von einer anderen.

Mein alter Chef, das gleich vorneweg, ist eine Seele von Mensch und könnte als mein großer Bruder durchgehen, wenn mein großer Bruder, also der richtige jetzt, nicht so wäre wie er nunmal ist, und weswegen ich besser bei seinem Vornamen bleibe, also den von meinem gewesenen Chef, und der ist Thomas. Ich war damals auf der Suche nach einer neuen Firma, und Thomas auf der nach einem neuen Fahrer.

Dass er in dem Zusammenhang von "Betreutem Fahren" sprach, was es in seiner Firma geben würde, ließ mich hellhörig werden. Genau so etwas suchte ich. Wobei "genau" nicht das richtige Wort ist. Genau genommen wusste ich gar nicht, was ich genau suchte - was anderes halt. Und da kam mir Thomas gerade recht.

Thomas ist nicht nur eine Seele von Mensch, sondern war auch eine Seele von Chef, der sich um seine Fahrer kümmerte, weswegen "Betreutes Fahren" keine Übertreibung ist. Noch besser hat mir nur sein Büro (Foto) über den Dächern von Neukölln gefallen. Leider würde ich mehr Zeit in seinen Taxen als in seinem Büro verbringen, meinte Thomas, der sich wie gesagt, sehr um seine Fahrer bemühte.

Und so kam es dann auch. Ich verbrachte viel Zeit in Thomas seinen Taxen, aber auch einige Zeit in meinen Auszeiten, was aber ein anderes Kapitel ist. Eine Sache gab es allerdings, in der Thomas und ich unterschiedlicher Ansicht waren, und das waren genau seine Taxen. Ich sag's mal so: Das "zu viel", das er sich um seine Fahrer kümmerte, entsprach dem "zu wenig", das er für seine Taxen tat.

Das war aber nicht der Grund, warum Thomas Anfang des Jahres hinschmiss. Thomas hatte einfach keinen Bock mehr auf Chef sein, mit 24h Erreichbarkeit und diesem ganzen Scheiß, und wer möchte es ihm verdenken?!? Thomas fährt jetzt zwei Schichten die Woche und macht die restliche Zeit, was er will. Was das ist oder sein soll, weiß er noch nicht genau, aber ihm wird schon was einfallen.

Erstmal machte er besagte "Taxibefreiungsparty" gestern Abend. Bevor es losging mussten alle, die mal für ihn gearbeitet haben, und das waren so einige, auf sein Neuköllner Dach steigen, um die Sonne in West-Berlin untergehen zu sehen. Danach wurde sogleich die Tanzfläche eröffnet. Thomas' Frau hatte dazu einen speziellen "Taxibefreiungspartymusikmix" in ihrem Computer vorbereitet.

Normalerweise ist das der wunde Punkt einer jeden Party, zumindest hierzulande, und weswegen ich nur äußerst ungerne auf eine gehe. Alle sitzen den ganzen Abend am Tisch rum und quatschen und quatschen und quatschen ... Nicht so gestern! Da sprangen plötzlich auch ältere Kollegen auf die Tanzfläche, die ich bisher nur vom Abhängen am Flughafen Tegel kannte, um "abzuzappeln" wie junge Hirsche und eben nicht wie alte Taxifahrer.

Deswegen kann man wohl auch hier, zwar nicht von "Betreutem Fahren", aber immerhin von "Betreutem Partymachen" sprechen. Das Einzige, was störte, waren die die vielen Ordner (Foto oben) von Thomas' gewesener Taxifirma im Dachgebälk über der Tanzfläche, die er dem Finanzamt wegen zehn Jahre aufbewahren muss. Vielleicht war das aber genau der Grund, der alle so wild tanzen ließ ...

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13.05.2015

AUCH UNTERGEHEN WILL GELERNT SEIN


Französische Straße / früher Mitte / heute Neue Mitte

Eine Berliner Taxifahrerin klagt gegen die Kreditkartenpflicht, die am Freitag in Kraft getreten ist und vorsieht, dass Fahrer EC-Karten und mindestens drei gängige Kreditkarten annehmen müssen. Lassen wir mal die durchaus berechtigten Fragen beiseite, warum ausgerechnet eine Kollegin klagt, von denen es in Berlin vielleicht zwei Hände voll gibt, und auch was "gängige Kreditkarten" sind und was nicht.

Kommen wir gleich zum, meiner Meinung nach, eigentlichen Problem, und das sind die EC-Karten. Die sind nämlich, zumindest meines Wissens nach, alles andere als sicher. Hat der Fahrgast beispielsweise nicht genug Geld auf dem Konto, oder storniert er ganz und gar die Zahlung nachträglich, wozu er das Recht hat, hat die Taifirma oder im dümmsten Fall gar der Taxifahrer höchstpersönlich ein Problem.

Ich weiß, wovon ich rede, denn ich bin selbst schon mal drei Monate lang dreißig Euro hinterhergelaufen. Und dabei hatte ich alles richtig gemacht: mir den Personalausweis zeigen lassen, die Adresse des Fahrgastes notiert und die Unterschrift verglichen. Dass ich letztendlich an mein Geld kam, habe ich ausschließlich dem Berliner Polizeibeamten zu verdanken, der den zahlungsunwilligen Kunden mehrfach deswegen anrief. Ansonsten wäre die Angelegenheit im Sande verlaufen, der Typ hätte nie gezahlt, einfach weil Anwalt oder auch nur Inkasso viel zu aufwendig und vor allem zu teuer sind.

Doch zurück zu der Kollegin und ihrer Begründung, warum sie keine Karten annehmen möchte. Es sind die zusätzlichen Kosten, die ihrer Meinung nach nicht durch den Zuschlag von 1,50€ gedeckt seien. Dazu muss man wissen, dass es in jeder Taxizentrale Vordrucke gibt, ähnlich den Taxiquittungen, die keinen Cent kosten. Man braucht dann nur noch etwas Zeit, um die paar Ziffern da einzutragen und das Ganze vom Fahrgast unterschreiben zu lassen. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich mache es seit Jahren so.

Um es ganz klar zu sagen: Ich bin kein Fan von diesem Scheiß! Ganz im Gegenteil - ich halte Plastikgeld, aber auch das Leben auf Pump, sprich Dispo (das eine hat mehr mit dem anderen zu tun, als Du denkst, ist aber ein anderes Thema), für ganz großen Mist. Ich gehe sogar so weit und behaupte, dass es die sogenannte Finanzkrise, die noch keinesfalls vorbei ist, auch wenn Du das vielleicht denkst, mindestens begünstigt, wenn nicht gar verursacht hat.

Aber es geht beim Taxigeschäft nicht um private Meinungen oder gar persönliche Befindlichkeiten. In diesem Fall geht es darum, seine Kunden zu halten, damit die nicht zur Konkurrenz, woher die auch immer kommen mag, abwandern, wo sie problemlos mit Karte bezahlen können. Ich kann nicht einerseits dem Kunden den Stinkefinger zeigen, und mich danach darüber beklagen, dass er nicht mehr mit mit fahren will. Das ist schizophren.

Genauso verhält es sich übrigens mit Kollegen, wohl eher "Kollegen", die sich hartnäckig weigern, über Funk vermittelte Aufträge anzunehmen, bei dem sie den Fahrgast abholen müssen, mit der Begründung: Es könnte ja eine Fehlfahrt sein. Ein Risiko, das sie lieber den Kollegen überlassen. Das ist nicht nur unkollegial, sondern es gilt dasselbe, was für das Bezahlen mit Karte gilt. Ich wiederhole es gerne noch einmal, damit es auch wirklich jeder versteht:

Der Kunde möchte manchmal auch abgeholt werden, und wenn ich ihm permanent signalisiere "Leck mich!", dann darf ich mich nicht darüber beklagen, dass der Kunde nach Alternativen sucht. Vor allem sollten diejenigen, die keinen Bock auf Service haben, nicht über diese Alternativen herziehen, denn damit machen sie nur Eins: Sich selbst - aber auch das Taxigewerbe insgesamt - lächerlich.

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12.05.2015

BERLIN GIBT ZU WENIG GELD AUS


Rathausstraße / früher Mitte / heute Neue Mitte

"Berlin gibt zu wenig Geld aus" - diese Aussage ist deswegen bemerkenswert, weil sie vom Landesrechnungshof kommt, der sich normalerweise mit Schlampereien, Verschwendungssucht und Behördenversagen beschäftigt. Die Prüfer, die gestern ihren jüngsten Bericht vorgestellt haben, kommen zu dem Schluss: "Die öffentlichen Straßen Berlins befinden sich in einem besorgniserregenden Zustand."

Genau genommen betrifft das nicht nur die Straßen, sondern auch die Brücken in Berlin. Deshalb fordert der Rechnungshof dringend ein "systematisches Erhaltungsmanagement", womit an erster Stelle die Erfassung und Zustandsbewertung der Straßen gemeint ist. Sollte sich Berlin weiterhin so wie bisher um seine Straßen kümmern, sieht der Rechnungshof Mobilität und wirtschaftliche Entwicklung gefährdet.

Das sind klare Worte, wenngleich von unerwarteter Stelle. Auch ich war nicht faul in Sachen Straßen in der Vergangenheit. Und da die Lage offensichtlich noch dramatischer ist, als von mir angenommen, erlaube ich mir an die von mir bereits vor einiger Zeit ins Leben gerufene Protestaktion "Bauhelme gegen Baustellen" zu erinnern.

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11.05.2015

ÜBER HARDCORE IM VERKEHR


Straße des 17. Juni / früher Tiergarten / heute Neue Mitte

"Hardcore" gibt es nicht nur beim Verkehr der Geschlechter, sondern auch im Straßenverkehr, was selbst mir, der ich meinte, schon alles zu kennen, irgendwie neu war. Anfangs dachte ich noch, meine Unkenntnis hätte damit zu tun, dass obige Maschine den Rockern aus Russland gehört. Dabei stimmt das gar nicht, denn die "Nachtwölfe" hatten ihre Motorräder irgendwo in West-Deutschland angemietet.

"Hardcore" im Straßenverkehr hat demzufolge nichts direkt mit den russischen Rockern zu tun. Was genau "Hardcore" dabei meint, hat sich mir ehrlich gesagt nicht wirklich erschlossen. Es kann eigentlich nur das ständige "Aufheulen" der Motoren gewesen sein, was wiederum zu regelmäßigem "Aufstönen", jetzt nicht der Darsteller, sondern der Passanten am Samstag auf dem 17.Juni führte.

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09.05.2015

Zweimal "Umsonst und draußen" heute in Berlin



2.Mai / Schönhauser Allee / früher Prenzlauer Berg / heute Pankow

"Umsonst und draußen" war früher, also in den Neunzigern, hier "jang und jäbe". Leider ist diese schöne Berliner Tradition etwas aus der Mode gekommenen, und sicherlich bin ich als Taxifahrer auch nicht ganz die richtige Person, an "umsonst und draußen" zu erinnern, weil meine Dienstleistung heute "drinnen und gegen cash" stattfindet.

Ich weiß, "Umsonst und draußen" ist genau genommen ein Kind der Siebziger, das im Berlin der Neunziger eine heute kaum vorstellbare Wiederbelegung erfuhr, an die sich viele nicht mehr erinnern können, auch weil das Kind schon seit Jahren tot ist. Heutzutage bedeutet "umsonst" zumindest für die meisten automatisch "nichts Wert".

Ob dem wirklich so ist, findest Du am besten selbst heraus. Heute hast Du gleich zweimal Gelegenheit dazu, einmal um 14Uhr, das andere mal um 18Uhr, das erste mal am Sowjetischen Ehrenmal an der Straße des 17.Juni im ehemaligen West-Berlin, und das zweite mal im sogenannten Rosengarten im Treptower Park. Und beide sind selbstverständlich auch für dich - "Umsonst und draußen".

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08.05.2015

IM TAXI MIT TSETSKA TSACHEVA


Im Goldenen Saal

Natürlich kennst Du Tsetska Tsacheva nicht. Das ist auch keine Überraschung. Aber mach dir nichts draus. Niemand kennt Tsetska Tsacheva. Gut, es gibt ein paar Ausnahmen. Norbert Lammert zum Beispiel kennt Tsetska Tsacheva, zumindest seit gestern, denn da hat ihn seine bulgarische Amtskollegin mit genau diesem Namen besucht, und zwar exakt um 10:30 Uhr in Raum 2 N 037 im Reichstagsgebäude.

Mit Bulgaren respektive Bulgarinnen im Reichstag muss man, das sagt die Geschichte, vorsichtig sein. Die sind dort allenfalls wohlgelitten. Das liegt daran, dass einer von ihnen das Ding schonmal angesteckt haben soll, was aber nicht bewiesen werden konnte, und weswegen der Genosse, nach dem hier in Berlin früher die Straße benannt war, die heute Danziger heißt, freigesprochen werden musste - damals.

Die deutschen Parlamentarier haben es gestern trotzdem vorgezogen, Tsetska Tsacheva nach dem Treffen im Reichstag direkt in den feuersicheren Goldenen Saal bringen zu lassen, damit sie dort in Ruhe Angela Merkel Posen üben kann, was ihr, wie man sieht (Foto), auch ganz gut gelang. Tsetska Tsacheva ist zwar (noch) keine Kanzlerin, aber dafür die erste bulgarische Parlamentspräsidentin überhaupt.

Obwohl die Fahrt vom Reichstag zum Goldenen Saal nicht weit war, kamen Tsetska Tsacheva und ich ins Gespräch. Für sie, also für Tsetska Tsacheva, gibt es prinzipiell zwei Kategorien von Menschen. Die einen, die nur die Lage konstatieren, und die anderen, die die Lage darüber hinaus verändern wollen. Zu welcher Kategorie Tsetska Tsacheva sich selbst zählt, dürfte klar sein. Es ist die zweite.

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber für mich klingt das erstmal so, als wäre es nichts besonderes. Das sah auch Tsetska Tsacheva so. Allerdings, und das ist der Punkt, zumindest laut Tsekska Tsacheva, gelte es in Bulgarien, wo sie herkommt, immer noch als kollektive Gewissheit, dass man nichts verändern kann, was mit den Türken zusammenhinge, die lange im Land waren und den Spruch "nur einen gesenkten Kopf trifft kein Schwert" hinterlassen haben.

Bevor Tsetska Tsachevas Kopf eines Tages ein Schwert trifft, muss ja kein türkisches sein, schlug ich vor, solle sie besser Karriere im Ausland machen, wie viele ihrer Landsleute. woran sie auch schon gedacht hätte, wie sie mir bestätigte, beispielsweise auch in Berlin. Ob allerdings als Taxifahrerin, das konnte sie nicht genau sagen. Sofia, wo sie wohnt, hat ja nicht so viele Straßen wie Berlin.

Ich machte ihr damit Mut, dass es in Berlin niemand gibt, der so gut Angela Merkel nachmachen kann und ihr dabei auch noch so ähnlich sieht. Und, das war das Argument, was Tsetska Tsacheva letztendlich überzeugte, wir hier vielleicht bald eine neue Angela Merkel brauchen würden. Allerdings, das gab ich ebenfalls sogleich zu bedenken, könnte ihr Name, Tsetska Tsacheva, ein Problem sein.

Das weißt Du, mein lieber Leser, aber besser als ich. Wie gefällt dir der Name Tsetska Tsacheva? Kannst Du Tsetska Tsacheva überhaupt aussprechen? Und wenn ja, wie kommt dir Tsetska Tsacheva über die Lippen und, was noch wichtiger ist, wie klingt Tsetska Tsacheva in deinen Ohren? Hört sich Tstetska Tschacheva nach jemand an, die etwas verändern kann, oder willst Du das vielleicht gar nicht?

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07.05.2015

MOBIL TROTZ STREIK


So geht es

Nachdem ich bisher vor allem meine Sympathien mit den Streikenden zum Ausdruck gebracht habe, ist es an der Zeit, dass ich mich nun den Betroffenen des Streiks zuwende. Die sind nicht nur in der Mehrheit, sondern haben mehrheitlich auch gerade viel Zeit. Mancherorts soll es schon so sein, dass sich Betroffene gar nicht mehr vor die Tür trauen, weil sie nur noch den Weg von ihrem zu Hause zum Bahnhof oder zur Haltestelle kennen und sonst nichts weiter.

Und wenn dort, also am Bahnhof oder an der Haltestelle, tote Hose ist, was sollen sie dann noch draußen? Richtig - Nichts! Das ist nur logisch und folgerichtig. Dieser Umstand, aber das nur nebenbei, ist auch das eigentliche Problem. Nicht etwa, dass manch einer nicht zur Arbeit kommt, denn produziert wird bei uns bekanntlich schon lange nichts mehr. Ein Bahnstreik in China wäre jedenfalls viel schlimmer.

Das eigentliche Problem ist, dass die Leute, die nicht mehr vor die Tür gehen, auch nicht mehr konsumieren. Denn dazu müssten sie ja ihre Wohnung verlassen, was sie aber nicht mehr tun, obwohl, und da hat die Lokführer-Gewrkschaft recht, es genug alternative Verkehrsmittel gibt. Und hier greift meine Idee der Mobilität trotz Streik an. Pfeif auf die Bahn, nimm dir einen Esel und mach Schluss mit dem Russisch-Roulette auf den Gleisen vor deiner Haustür!

Der Esel ist sowohl bio- als auch ökologisch, bringt dich überall hin (und nicht nur zum Bahnhof oder zur Haltestelle!), und trägt dir auch deine Einkäufe nach Hause. Außerdem äpfelt er mehrmals täglich, was dir den Kompost und die teure Pflanzenerde erspart. Aber nicht nur das! Du bist dann auch nicht mehr so alleine, hast jemand, an den Du dich anlehnen kannst, der dich nicht verlässt, wenn Du mal nicht gut drauf bist, vorausgesetzt, Du hast das Tier gut angebunden.

Wo Du ihn anbinden sollst, fragst Du, der Du in der Stadt wohnst. Auch hier hast Du Glück, denn es ist Frühling überall im Lande, und so kannst Du deinen Esel überall anbinden. Sicherlich stehen vor deiner Tür oder im Park um die Ecke schon andere Tiere, dann ist auch dein Esel nicht mehr alleine. Alleine mit Menschen ist manchmal nämlich auch nicht einfach. Wer weiß das besser als ein Taxifahrer ...

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06.05.2015

GENERALSTREIK - JETZT DOCH SPÄTER


Streikender mit Nachwuchs

Hatte ich gestern vormittag noch den "Generalstreik - jetzt!" gefordert, muss ich heute bereits zurückrudern, was natürlich nicht leicht ist, insbesondere mit dem Taxi. Aber ich muss es machen, denn ich wurde zurückgepfiffen, und zwar gleich gestern nachmittag. Und das nicht etwa von irgendwem, sondern von meiner Krankenkasse, meinem Arzt und auch von meinen ganzen Therapeuten.

Sicherlich möchtest Du wissen, warum ich zurückgepfiffen wurde. Das ist ganz einfach. Also wie ich schon schrieb, bin ich im Moment arbeitslos, was schlimm genug ist. Das kann ich dir gleichmal sagen. Nun, und das ist das besondere an meiner Situation, bin ich aber erst an zweiter Stelle arbeitslos, denn an erster Stelle bin ich krank, was noch schlimmer ist als arbeitslos. Nur, dass Du es weißt.

Ich bin, wenn Du so willst, ein kranker Arbeitsloser, was so mit das schlimmste ist, was einem heutzutage passieren kann. Schlimmer dran sind eigentlich nur noch Behinderte. Und bevor sich jetzt jemand aufregt, kann ich gleich hinzufügen, dass ich das sagen darf, weil ich bis vor kurzem selber einer war. Deswegen bin ich ja krank und arbeitslos, aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Genauso wie der Generalstreik hierzulande verboten ist, ist es natürlich auch für einen kranken Arbeitslosen nicht erlaubt, daran teilzunehmen. Und darauf wurde ich gestern nachmittag von mehreren Seiten hingewiesen. Zum Glück habe ich aber eine solche Krankheit, manche sagen auch Störung, dass ich eigentlich doch an einem Generalstreik teilnehmen dürfte, wenn ich denn wollte.

Das bestätigte mir mein Anwalt, und der muss es wissen. Er ist übrigens der beste Taxi-Anwalt der Stadt und heißt nicht umsonst "Wohlfahrt". Das Problem im Moment ist, dass es, so wie es aussieht, wohl keinen Generalstreik gibt. Aber, und das möchte ich zum Schluss ausdrücklich betonen: Es liegt nicht an mir! Ich bin zu allem bereit! Was ich brauche, und darauf warte ich noch, ist ein "Streik-Fahrplan".

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05.05.2015

GENERALSTREIK - JETZT !


Auch ein Grund

Warum ich gerade jetzt laut über einen Generalstreik nachdenke, hat verschiedene Gründe. Als erster ist da natürlich der Bahnstreik zu nennen, an den man sich nur dranhängen braucht, was die Sache um vieles einfacher macht. (Mit dranhängen meine ich aber nicht, jetzt extra mit dem Taxi rauszufahren! Ich erwähne das nur für die wenigen Begriffsstutzigen unter meinen Lesern.)

Ein weiterer Grund ist auch, dass es lange keinen Generalstreik hierzulande gegeben hat. Das Internet sagt, dass der letzte, der in Frage kommt, ein Generalstreik gewesen zu sein, der 17.Juni war. (Jetzt nicht der im Tiergarten, sondern der von 1953 in der DDR!) Aber das ist auch schon wieder über 60 Jahre her. Der mit über 12 Millionen Menschen größte Streik in Deutschland war 1920 zu Zeiten der Weimarer Republik, also vor knapp 100 Jahren.

Ein wichtiger Grund für einen Generalstreik ist zweifelsohne unser Geheimdienst, der bald sein neues Domizil in der Neuen Mitte beziehen wird, sozusagen als Belohnung dafür, dass er seinem Partner aus Amerika jahrelang freie Hand bei der Überwachung gelassen hat. Was der genau getrieben hab, ist leider nicht bekannt, aber keine seiner Operationen soll sich gegen einen von uns gerichtet haben.

Das glaube ich gerne. Oder anders gesagt: Ich habe in meinem Taxi nichts von einer möglichen Überwachung mitbekommen, was vielleicht auch an meinem überschaubaren Einkommen liegt. Irgendwie habe ich immer noch die Vorstellung, dass man erst ab einem bestimmten Vermögen ins Visier gerät, was aber nicht mehr stimmen muss. Was einen verdächtig macht, weiß letztendlich keiner so genau, und kann auch keiner wissen, weil es ja geheim ist.

Allgemein bekannt dagegen ist, dass ich gekündigt bin, genauer gesagt: entlassen, oder mit einem anderen Wort: arbeitslos. Ich habe bereits mehrfach darüber geschrieben. Das hat zur Folge, dass ich viel Zeit habe, und wenn ich ganz ehrlich sein soll, ist mir auch irgendwie langweilig, und da käme mir so ein kleiner Generalstreik gerade recht. Möglicherweise geht es dir genauso. Dann schließ dich doch an, und fordere auch Du den "Generalstreik - jetzt!"

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04.05.2015

DAS ENDE


Am Ostbahnhof / auch mal Hauptbahnhof
 jetzt Friedrichshain-Kreuzberg / früher nur Friedrichshain

Ich weiß nicht, wer es mitbekommen hat, aber das Ende vom 1.Mai wurde eingeläutet - zumindest in Kreuzberg. Ganz genau geht es um das MyFest, das offensichtlich seine Schuldigkeit getan hat, denn der diesjährige 1.Mai blieb weitgehend ruhig in Kreuzberg. Andererseits hatte das MyFest in den letzten Jahren immer mehr Ähnlichkeit mit der Love Parade - das stimmt auch.

Natürlich will niemand in Berlin eine Katastrophe wie bei der Love Parade 2010 in Duisburg. Das ist klar. Die Frage ist, ob man dann nicht besser auch den Karneval der Kulturen absagt, der immer mehr der Love Parade gleicht. Oder, noch besser, gleich ganz Berlin dicht macht?!? Das meine ich absolut ernst! Denn Berlin ist nichts weiter eine riesige permanente Love Parade.

Allerdings, und das ist das entscheidende, die Love Parade in ihrer Endphase. Man merkt das auch auf den Berliner Straßen und Plätzen, wo die Stimmung zunehmend aggressiver wird, was vor allem mit den vielen Besuchern zu tun hat, die uns Jahr für Jahr mehr und mehr heimsuchen. Im letzten Jahr gab es bei uns beispielsweise 52 Verkehrstote. Im Jahr zuvor waren es nur 37!

Ich habe diese Zahlen nicht nur irgendwo abgeschrieben, wie alle anderen das tun, sondern es sind meine eigenen Erfahrungen, denn ich bin in letzter Zeit viel mit dem Fahrrad und auch zu Fuß unterwegs. Und das überall in der Stadt! Ich muss sagen, dass ich mich noch nie so bedroht gefühlt habe in Berlin. Bedroht von sinnlos beschleunigenden Sportfahrzeugen, Kopfhörer tragenden Fahrradfahrern oder auch nur unaufmerksamen Fußgängern.

Ich schreibe diesen Beitrag aber nicht völlig uneigennützig. Offensichtlich leben wir in einer Endzeit, nicht nur in Berlin, und da möchte ich rasch noch obiges Foto ENDE an den Mann bringen, bevor sich wieder irgendwelche Leute im Internet daran bedienen - kostenlos, versteht sich. Und wenn es dir jetzt auch in den Fingern juckt, natürlich nur, weil Du irgendein Ende verkünden willst, schreibst Du besser vorher taxi.berlin(ät)gmx.de

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03.05.2015

GEBET GEGEN DIE ARBEIT (MICHAEL STEIN)



Schönhauser Allee / früher Prenzlauer Berg / heute Pankow

Im Moment bin ich, ich schrieb gestern darüber, arbeitslos, und so soll es auch bleiben. Natürlich bei vollem Lohnausgleich - versteht sich! Aber Geld ist nicht alles im Leben. Außerdem fühle ich mich gar nicht arm, obwohl ich so gut wie keine Kohle habe. Denn mit dem Reichtum ist es wie mit der Schönheit - sie kommen von innen!

Mir geht es eher so, dass Arbeit meinem inneren Reichtum im Weg steht, weil sie mir die Zeit raubt, und zwar egal ob am Tage oder in der Nacht, wo ich meistens unterwegs bin. Außerdem bringt mir Arbeit oft schlechte Laune und macht auch meine Fahrgäste zu Krüppeln und Idioten, wie sie nicht müde werden zu betonen.

Schriftlich festgehalten hat das für uns alle Michael Stein in seinem Gebet gegen die Arbeit, was auch ich, seitdem ich keine Arbeit mehr habe, mehrmals am Tage bete. Selbst am heutigen Sonntag, wo die Arbeit eigentlich ruhen soll, bete ich, dass ich nie wieder arbeiten muss. Und wenn Du mitbeten willst, dann sprich mir nach:

Arbeit!
Geißel der Menschheit!
Verflucht seist du bis ans Ende aller Tage!
Du die du uns Elends bringst und Not,
uns zu Krüppeln machst und zu Idioten,
uns schlechte Laune schaffst und unnütz Zwietracht säest,
uns den Tag raubst und die Nacht -
verflucht seist du
verflucht und nochmal:
verflucht!
In Ewigkeit
Amen

Gebet MichaelStein
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02.05.2015

TANZ DEN ARBEITSLOSEN


Arbeit kann warten

Ich hatte es gestern bereits erwähnt, dass ich heute zur machtvollen Demonstration der Arbeitslosen in die Schönhauser Allee gehe, aber nicht etwa um zu demonstrieren (das überlasse ich anderen!), sondern um zu tanzen. In dem Zusammenhang erwähnte ich auch, dass ich ein neuer Arbeitsloser bin, und das kam so:

Ich hatte mal wieder die Idee, mit dem Taxifahren aufzuhören und was ganz anderes zu machen. Irgendwie, frag mich nicht wie, muss mein neuer Chef von meinen Gedanken Wind bekommen haben. Man nennt das auch Gedankenübertragung. Und während ich noch so überlegte, was ich denn anderes machen könnte, war ich auch schon gekündigt, wobei gekündigt nicht das richtige Wort ist.

Denn eine Kündigung bedarf normalerweise der Schriftform. Aber wo es keinen schriftlichen Vertrag gibt, sondern nur ein "Handshake", was aber ausreicht, auch hierzulande, gibt es natürlich auch keine schriftliche Kündigung, das ist klar. Um ganz genau zu sein, erfuhr ich von meiner Kündigung durch meine Krankenkasse, die mir mitteilte, dass mein Arbeitgeber mich bei ihr abgemeldet hätte.

So etwas kommt vor. Taxiunternehmer sind auch nur Menschen, die überall etwas sparen wollen. Nicht nur Taxifahrer. Aber ich bin nicht traurig - ganz im Gegenteil! Ich wollte ja sowieso was anderes machen, weiß nur noch nicht genau was, aber das wird sich finden.

Zum Glück gibt es im Moment die vielen Demonstrationen, wo ich hingehen kann. Und obwohl ich gar nicht demonstrieren sondern nur tanzen will, habe ich für die heutige schon zwei Transparente vorbereitet, kann mich im Moment aber nicht entscheiden zwischen: "Inhalte überwinden" und "Politisch korrekt und Moralisch flexibel".

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01.05.2015

MEIN ERSTER UND ZWEITER MAI


Auf dem Mariannenplatz und auf der Schönhauser Allee

Immer zum 1.Mai (Und nur zum 1.Mai!) verlasse ich meine reich bestuckte Friedrichshainer Wohnung und begebe mich auf den Mariannenplatz in Kreuzberg, aber nicht etwa um zu Demonstrieren. Nein, das Demonstrieren überlasse ich anderen, die mehr davon verstehen. Ich bin kein Demonstrant, ich bin ein Tänzer!

Ich gehe nur zum Tanzen auf den Mariannenplatz. Einstimmen lasse ich mich immer von der Orgelmusik in der Sankt Thomas Kirche - so auch heute. Danach stürze ich mich direkt ins Getümmel, und da, also im Getümmel, haben es mir die Kurdischen Weisen angetan.

Da muss man natürlich aufpassen, dass man ja bei den richtigen landet, denn auch bei den Kurden gibt es "Judäische Volksfront" und "Volksfront von Judäa", und einer von beiden ist der Spalter. Wer genau, das vergesse ich jedes Jahr aufs Neue. Es ist auch nicht so wichtig, denn getanzt wird bei beiden, und darauf kommt es an.

Für morgen bin ich auch bereits gebucht, und zwar zum "Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen", zu denen ich ganz offiziell gehöre. Auch hier werde ich das Demonstrieren anderen überlassen, in dem Fall denen, die schlimmer von der Arbeitslosigkeit betroffen sind als ich, und das sind so einige. Ich bin ja noch ein ganz neuer Arbeitsloser.

Was ich mir auf keinen Fall entgehen lasse, ist die "Bolschewistische Kurkapelle", die ab etwa 16Uhr den Mittelstreifen der Schönhauser Allee in Höhe der neuen "Baitz" rocken soll, zumindest wenn man den Angaben von Robert Weber trauen darf. Ich bin gespannt, ob sie mit den Kurdischen Weisen mithalten kann, aber vor allem, ob es auch wie heute in Kreuzberg einen schönen Ringelpietz mit Anfassen gibt.

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NOCHMAL "SASCHAS WELT"


Torstraße / früher Wilhelm-Pieck-Straße

Nicht nur, weil "Saschas Welt" ein voller Erfolg war, gibt es heute eine Fortsetzung, aber auch. Der aktuelle Anlass ist ein Beitrag auf Saschas privater Seite, indem er der Welt wissen ließ, warum er am heutigen 1.Mai lieber arbeiten geht als zu demonstrieren.

(Apropos "Welt": Du findest seine Privatseite, indem Du von dem Interview, das er der verhassten Springerpresse geben musste, auf seine Taxiseite gehst, und dich von dort sozusagen durchfragst.)

Erst einmal geht Sascha des Geldes nicht mehr demonstrieren sondern lieber arbeiten, was verständlich ist. Wer Sascha kennt, weiß, dass Geld für ihn ein großes Thema ist, wenngleich er selbst nur über Klein- und Kleinstbeträge schreiben kann, was ihn, auch das ist verständlich, zusätzlich wurmt. Das ist nämlich auch ein Grund, warum er in Marzahn wohnt und nicht in Kreuzberg oder Mitte.

Nun wurde in dem Aufruf zu der Demonstration, die jetzt leider ohne Sascha stattfinden muss, ausgerechnet über sein Marzahn geschrieben, dass es "ohne Charme" sei, was, wer schonmal da war, weiß das, zweifellos der Wahrheit entspricht. Nun ist das aber nichts besonderes, und schon gar kein Grund, plötzlich kein Linker mehr zu sein, denn bekanntlich hat auch der Prenzlauer Berg von heute keinen Charme mehr, auch wenn manch einer das anders sehen mag.

Saschas eigentliches Ziel, so schreibt er zumindest, ist, dass durch die Gentrifizierung von Kreuzberg und Friedrichshain mehr Linke nach Marzahn ziehen müssen, damit er dort nicht mehr so alleine ist, und was ein weiterer Grund ist, warum er nicht zur Demo nach Kreuzberg kommen kann. Dieses Ansinnen, so irre es klingen mag, finde ich absolut folgerichtig. Jeder ist bekanntlich sich selbst der Nächste.

Es gibt eigentlich nur einen Punkt, indem ich dem Sascha widersprechen muss, und das sind die stuckverzierten Decken, die er als Marzahner Linker den Linken in Friedrichshain und Kreuzberg neidet. Da empfiehlt es sich, auch einmal die kleine Marzahner Welt zu verlassen und sich ein paar Wohnungen in Friedrichshain und Kreuzberg anzusehen. Ist übrigens vom Ostbahnhof, wo der Sascha am liebsten steht, nur ein Katzensprung, aber das nur nebenbei.

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VOM HAUSBESETZER ZUM HAUSBESITZER


Rosenthaler Straße / früher Mitte / heute Mitte

Den Geheimtip von vorgestern gibt es wirklich, und zwar in der Hausnummer 6 in der Rosenthaler Straße. Es ist nicht irgendein Geheimtip, sondern der eines extremst erfahrenen Taxifahrers, wenn nicht gar des extremsten, aber wir wollen auf dem Teppich oder besser auf der Straße bleiben, wo wir schließlich hingehören.

Mein Geheimtipp ist das Berlin Feeling der Neunziger, dass auch Du heute noch haben kannst, und zwar ganz umsonst - so wie es eben damals war. Du musst einfach nur in den leerstehenden Plattenbau in der Rosenthaler Straße gehen. Die Tür steht wie gesagt offen, und ich habe mich darum gekümmert, dass das auch am heutigen Tag der Arbeit und das gesamte Wochenende so bleibt, was nicht ganz billig war, aber was tut man nicht alles für seine Besucher ...

Von drinnen, was wie gesagt umsonst ist, kannst Du dir dann, ich erwähnte es bereits, das Haus ansehen, in dem sich einmal der "Eimer" befand, falls dich das interessiert. Was Du auf jeden Fall kannst, ist, dir die Wohnungen im Plattenbau ansehen, bevor das alle anderen können (man nennt das heutzutage auch "Preview"!), denn, auch das erwähnte ich bereits, die werden gerade saniert.

Mein Tip, also der geheime, mit dem Neunziger Feeling ist demzufolge "nur" temporär, wie so ziemlich alles im Leben. Auch wenn Du für den Hausbesetzer ein bisschen spät dran bist, so kannst Du doch immerhin noch Hausbesitzer werden. Und wenn es selbst dafür nicht reichen sollte, dann wirst Du eben Wohnungsbesitzer. Ist doch auch schön! Und ich fahre dann immer mit meinen Taxi bei dir vorbei, natürlich nur mit Tempo 30 - versprochen!

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