03.04.2015

WARUM DAS TROTZDEM EIN TAXIBLOG IST, OBWOHL KEINE GESCHICHTE - KEINE EINZIGE! (OBWOHL, WENN ICH'S MIR RECHT ÜBERLEGE, MAN SOLL BEKANNTLICH NIEMALS NIE SAGEN, SOLLTE ICH VIELLEICHT DOCH NICHT GANZ SO RIGOROS SEIN) - MIT "STIEG MIR NEULICH EINER EIN ..." BEGINNT UND WARUM DAS EINE SERIE IST, DIE LEIDER FORTGESETZT WIRD (TEIL DREI)


Hol es dir!

Mit meinem Taxi habe ich in meiner nunmehr über zwanzig Jahre andauernden Kariere auf den Berliner Straßen und Plätzen nicht nur meine erste Million gemacht, sondern ganz nebenbei auch während einhunderttausend Fahrten irgendwas zwischen zweihundert- und dreihunderttausend Personen befördert, was ich im zweiten Teil meiner neuen Serie mit dem zugegeben nicht ganz einfach zu merkenden Titel für jeden nachvollziehbar ausgerechnet habe.

In den vielen Jahren habe ich eine persönliche Entwicklung vollzogen, die leider der allgemeinen Entwicklung in unserer Stadt völlig konträr gegenübersteht. Hm, wie erkläre ich das jetzt am besten? Vielleicht so: Mit dem Alter lässt bekanntlich unser Geschmacksinn nach, was an sich schon keine schöne Sache ist. Kommt dann noch hinzu, wie in unserem Fall, dass die Dinge an sich, übrigens egal ob biologisch oder konventionell angebaut, immer fader schmecken, dann ist die ganze Geschichte eine riesengroße Sauerei.

Übertragen aufs Taxi heißt das nicht weniger, aber auch nicht mehr, dass die Fahrgäste in den letzten Jahren insgesamt farbloser und langweiliger geworden sind, ich aber in derselben Zeit, wenn man so will, erfahrener und wissender. Dass an meiner Entwicklung durchaus Fahrgäste ihren Anteil hatten, habe ich nicht nur erwähnt, sondern mich auch bedankt. Aber das ist sozusagen Geschichte.

Für diese bedauernswerte Entwicklung gibt es mehrere Gründe. Ich fange mal damit an, dass es immer weniger Berliner nicht nur in Berlin, sondern auch im Taxi gibt. Der Berliner, das ist bekannt, ist eine aussterbende Spezies, und mit ihm stirbt leider auch der Berliner Humor aus. Was anstelle des Berliners im Taxi sitzt, ist schwer auf einen Nenner zu bringen. Ich versuche es trotzdem. Da sind die Nomaden, die heute hier sind, und morgen dort, aber nirgendwo wirklich. Dann natürlich die Hedonisten, die immer nur eines wollen, Party machen, und die deswegen, das nervigste, immer gut drauf sein müssen. Zum Schluss noch die, die gestern gekommen sind und mir heute meine Stadt erklären wollen. Gähn ... Verzeihung!

Darüber hatte ich bereits mehrfach geschrieben und dem ist auch nichts hinzuzufügen. Nur, was bleibt dann noch, worüber es zu schreiben lohnt? Dass der eine Fahrgast gegähnt, der andere gerülpst, der nächste gepupst und der letzte vielleicht ganz und gar noch ins Taxi gekotzt hat? Soll ich darüber schreiben? Für wen? Willst Du das wirklich lesen? Also ich nicht! Aber was bleibt sonst noch? Hm, darüber muss ich erstmal nachdenken. Vorher möchte ich noch einmal ausdrücklich betonen, dass es selbstverständlich auch heute noch Fahrten gibt, über die es etwas zu berichten gibt. Es gibt sie zweifellos, und ich schreibe über sie. Aber sie sind rar geworden.

Es sind ihrer, für alle Statistiker, ein bis maximal zwei im Monat, der Rest sind Mitläufer bzw. Mitfahrer, oder auf Taxideutsch: Durchläufer, die ich gerne denen überlasse, die sonst gar nichts zu erzählen haben. Ich weiß, das hört sich im ersten Moment irgendwie arrogant an, ist aber gar nicht so gemeint. Denn, und jetzt mal ganz ehrlich und Hand aufs Herz: Wer nach so vielen Jahren im Taxi mit täglichem Kundenkontakt keine bessere Geschichten zu erzählen weiß, als seine Fahrgäste, der hat irgendwas verkehrt gemacht. Und genau darum geht es in diesem Blog: Um die besseren Geschichten!

Wird leider fortgesetzt ...

Foto&Text TaxiBerlin

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