19.04.2015

IM TAXI MIT TUVIA TENENBOM



Tuvia kam vom "Yoga in English", und obwohl die Fahrt nicht weit war, kamen wir ins Gespräch. Tuvia, wer ihn nicht kennt, ist bekannt geworden durch sein Buch "I Sleep in Hitler's Room", womit, wenn ich es recht verstehe, Deutschland gemeint ist, und was auf Deutsch "Allein unter Deutschen" heißt. Warum der Titel so übersetzt wurde, konnte mir selbst Tuvia nicht erklären, der sich diesmal nicht als Deutscher ausgab, was er sonst gerne tut.

Tuvia, so viel kann ich gleich mal verraten, geht es ausgezeichnet, was von jemandem, der ständig in "Hitler's Room" schlafen muss, nicht unbedingt zu erwarten gewesen ist. Tuvia ist in Israel geboren und lebt eigentlich in den USA. Ich bin mir nicht sicher, ob ich erwähnen darf, dass Tuvia Jude ist. Andererseits, wenn ich es nicht tue, das habe ich aus Tuvias Büchern gelernt, mache ich mich auch wiederum verdächtig.

Die Kernaussage von Tuvias "I Sleep in Hitler's Room" alias "Allein unter Deutschen" ist, dass SIE, also ALLE Deutschen, "antisemitisch und rassistisch bis ins Mark" sind. An anderer Stelle spricht Tuvia von ACHTZIG Prozent der Deutschen, was damit zusammenhängt, erklärt mir Tuvia, der sich selbst gerne als "Trockenen Intellektuellen" (nicht "Trockener Alkoholiker" - Kleines Wortspiel!) bezeichnet, dass er kein Deutsch sondern Jiddisch spricht, was zu 80 Prozent Deutsch ist, wenn ich es richtig verstanden habe.

In dem Punkt konnte ich Tuvia auf jeden Fall beruhigen, und zwar deswegen, weil ich ja nur halber Deutscher bin, wenn überhaupt, weswegen man die 80 Prozent schon mal halbieren kann, womit wir bei, übern Daumen gepeilt, 40 Prozent "Antisemit und Rassist" für mich wären. Wie es sich jetzt verhält, wenn zum Beispiel meine deutsche Vorfahren Kommunisten gewesen wären, wollte ich von Tuvia wissen, und ob ich da ein wenig Prozentabzug bekäme?

Und dann ist wirklich was witziges passiert. Erst einmal wollte Tuvia ganz genau wissen, wer von meinen deutschen Vorfahren Kommunist war, wie lange in der Partei, inwieweit überzeugt, ob im Widerstand oder im Exil usw. ... Und plötzlich holt Tuvia seinen Taschenrechner raus, fängt an zu rechnen und kommt auf einen Wert von 8,7 % Antisemit und 6,9 % Rassist, was zusammen 15,6 % für mich machen, womit ich, wenn ich ganz ehrlich sein soll, gut leben kann.

Das Finale war mehr oder weniger erwartbar, denn ich wusste bereits aus seinen Büchern, dass Tuvia gerne spart, beispielsweise beim Übergepäck, aber auch bei Stadtführungen und selbst beim Essen. Zugegeben, und wie ich bereits eingangs erwähnte, es war keine weite Fahrt. Um genau zu sein, war es schon eine ziemlich kurze Strecke, aber eben keine Kurzstrecke, worauf Tuvia bestand.

Dann hätte er aber einer Taxe winken müssen, und die hätte dann auch für ihn halten müssen (was in dieser kleinen Straße und nach "Yoga in English" nicht zu empfehlen ist), und mich nicht bestellen dürfen. So sind nun mal die Spielregeln in "Hitler's Room" alias "Germany" - Antisemit hin und Rassist her ...

Foto&Text TaxiBerlin

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