10.04.2015

IM TAXI MIT FRITZ "JOTT" RADDATZ


Schwarzes Buch auf schwarzem Grund

Nur weil ich im Taxi viel Zeit habe, heißt das noch lange nicht, dass ich alles lese. Wenn ich mir schon nicht die Fahrgäste aussuchen kann, die ich zu befördern habe, dann zumindest die Bücher, die mir in die Taxe kommen. Dass ich mich gerade mit Fritz "Jott" Raddatz beschäftige, hat einen eher traurigen Anlass, und zwar den, dass er kürzlich verstorben ist.

"Karl Marx - Eine politische Biographie" von Fritz "Jott" Raddatz ist, soviel kann ich gleich mal verraten, für den Einstieg in die Welt von Fritz "Jott" Raddatz nicht wirklich zu empfehlen. Dafür ist das Buch viel zu anspruchsvoll, aber vor allem zu wissenschaftlich. Den 400 Seiten Biographie von Karl Marx folgen immerhin gut 100 Seiten Anhang mit Quellennachweisen und Anmerkungen.

In einer Biographie von Karl Marx erfährt man, wie sollte es anders sein, vieles über das Leben von Karl Marx, was man schon wußte, aber auch so einiges, was man noch nicht wußte, das ist in DER von Fritz "Jott" Raddatz nicht anders wie bei anderen Autoren von Biographien, es ist also als selbstverständlich anzusehen, weswegen ich darauf nicht weiter eingehe.

DAS Andere in "Karl Marx - Eine politische Biographie" von Fritz "Jott" Raddatz kommt spät, nämlich erst auf Seite 387, aber es kommt, und soll auf jeden Fall hier Erwähnung finden. Die Rede ist von einem Experiment des amerikanischen Verhaltensforschers John P. Calhoun, und zwar eines mit Mäusen. Der Zusammenhang mit Karl Marx ist mir gerade nicht präsent, spielt aber an der Stelle auch keine Rolle.

In dem Experiment von John P. Calhoun leben die Mäuse in einer quasi optimalen Umwelt, in der es genug Futter und Wasser, keine natürlichen Feinde, keine Krankheiten, keine äußeren Störfaktoren, angenehme Temperaturverhältnisse, also ideale Existenzbedingungen gibt. Es war, wenn man so will, eine blühende Landschaft, deren Bewohner sich zahlreich vermehrten. Bald spielten aber auch hier Reichtum und Statussymbole eine immer wichtigere Rolle.

Ein Statussymbol war z.B. der Besitz eines unteren Nistplatzes, von wo aus der Zugang zum Futter leichter war. Wer oben nistete, brauchte mehr Zeit und auch mehr Energie, um an Wasser und Futter zu gelangen. Die "ersten Siedler" besetzten aber, ganz im Gegensatz zu anderswo, den gesamten Lebensraum. Zwischen den "später Zugezogenen" kam es zum Kampf um Territorien und Weibchen.

Die ältere Männchen rieben sich deswegen sehr auf und starben aus. Die Weibchen wurden dagegen mehr und mehr aggressiv. Nach zweieinhalb Jahren wurden alle verbliebenen Mäuse zunehmend passiv und depressiv statt aggressiv. Sie spielten nicht mehr, zeigten kaum noch sexuelle Aktivitäten, und verließen ihre Nester nur noch zur Nahrungsaufnahme. Irgendwann hörten die Paarungen komplett auf, die Kolonie begann auszusterben, und übrig blieben 15 alte Mäuseweiber, deren Menschenalter etwa 100 Jahre entsprach.

Gruselig, oder? Und alles in einer Karl Marx Biographie! Allerdings von Fritz "Jott" Raddatz.

Foto&Text TaxiBerlin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen