04.04.2015

"BERLIN IS IN GERMANY"


Das Schild zum Film

"Berlin is in Germany" ist ein Film von Hannes Stöhr, in dem ein verhinderter Berliner Taxifahrer die Hauptrolle spielt - aber nicht nur das. "Berlin is in Germany" ist auch eine Metapher, sich bestimmte Dinge und Entwicklungen mit einem gewissen Abstand anzusehen. Dieser Abstand kann sowohl räumlich sein, als auch zeitlich.

Ich komme drauf, weil ich neulich einen Fahrgast hatte, der nicht nur zehn Jahre, wie der Hauptcharakter im Film, sondern gleichmal zwanzig Jahre im Knast saß. Nach eigenen Angaben wegen Drogen, er soll 'ne große Nummer in der Szene gewesen sein, aber vielleicht hatte er auch noch anderes auf dem Kerbholz, wer weiß?

Auf jeden Fall wollte er in seine alte Stammkneipe im Prenzlauer Berg. Ich hatte ihn vorgewarnt, dass sich seither viel verändert hat, und vorsorglich angeboten, vor der Kneipe zu warten. Das sei nicht nötig, er kenne doch den Laden, aber wenn ich unbedingt wolle ...

Es dauerte keine zwei Minuten, da saß er bereits schon wieder bei mir im Taxi. Das ganze Spiel wiederholte sich dann noch sechs/sieben Mal. Was war bloß mit seiner Stadt los? Er verstand die Welt nicht mehr! Und dann die Leute, die da drin sitzen in den Kneipen.

Ob ich die kennen würde? Nicht persönlich, aber irgendwie schon. Das seien auch ganz andere Leute. Früher hätten da normale Leute drin gesessen, aber jetzt? Er stand, das kann ich ohne Übertreibung sagen, regelrecht unter Schock. Er konnte auch nicht, so wie früher, Ordnung schaffen in den Läden. Auch er war älter geworden.

Was sollte, was konnte ich ihm vorschlagen? Du wirst lachen, aber mir fiel nichts ein. Und dabei dachte ich immer, meine Stadt zu kennen. Vielleicht gibt es sie auch gar nicht, die Kneipe, in der es noch so aussieht wie vor zwanzig Jahren, mit den selben Leuten, die dort sitzen, wo sie immer sitzen, am Stammtisch halt, und nicht im Knast.

Kennst Du sie? Ich nicht! Mein Fahrgast schon gar nicht, denn der saß ja die letzten zwanzig Jahre. Er verstand seine Stadt nicht mehr. Wie denn auch, wenn sie unsereiner schon nicht versteht. Jetzt wollte er nur noch eins, nach hause, was ich gut verstand. Während der Fahrt würde ich versuchen, ihm das neue Berlin zu erklären. Mal sehen, wie weit ich komme, immerhin wohnt er Friedrichshagen.

Foto&Text TaxiBerlin

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