18.04.2015

alle reden über UBER, aber niemand über BER


"Airport Night Run" - heute auch in Kreuzberg

Heute Abend findet der neunte "Airport Night Run - Lauf entlang des beleuchteten BER" statt, dessen Strecke über die Start- und Landebahn des BER sowie über das Vorfeld mit Blick auf das Terminal, das Pier Süd und den Tower verläuft. Diesen "Run auf dem Airport" nehme ich zum Anlass, über den "Run auf den Airport" zu schreiben.

Bevor es losgeht ein kurzer Einschub zur Begriffsklärung: UBER, ganz genau UBER POP, versteht sich als innerstädtische "Mitfahrgelegenheit", was sie aber nicht sind, weil sie auf Gewinn ausgerichtet sind, von dem vor allem sie selbst profitieren. Der Fahrgast spart zwar etwas Geld, ist dafür aber auch schlechter versichert. Der Fahrer bekommt natürlich auch weniger als ein Taxifahrer, ist sozial schlechter abgesichert, und braucht dazu noch ein eigenes Auto, dafür aber keine Ortskenntnisse wie ein Taxifahrer, weswegen es für viele überhaupt erst interessant wurde.

Jetzt geht es los: Endlich, könnte man fast sagen, ist UBER, das Unternehmen aus dem fernen San Francisco und der Feind vieler Taxifahrer, auch in Berlin, zumindest vorerst, gebannt. Über Monate sah es so aus, als gäbe es innerhalb des Taxigewerbes nur ein Thema: UBER. Dabei ist das Thema ernst, sehr sogar, keine Frage. Aber, und das gilt es zu bedenken, UBER ist nur ein Kriegsschauplatz von vielen auf dem globalen Schlachtfeld von Sozialabbau (zu Lasten sozial Schwacher - versteht sich) und Umverteilung (zu Gunsten immer weniger Reicher - auch das versteht sich).

Die Folge von Umverteilung und Sozialabbau, ist, dass immer weniger Menschen von ihrer Hände Arbeit, Taxifahren ist da nur ein Beispiel, leben können, und zusätzlich "aufstocken" müssen. Auch das Gesetz zum Mindestlohn hat daran nichts prinzipiell geändert, denn, auch hier ist das Taxigewerbe nur ein Beispiel, dies wird immer wieder durch Tricks wie Wartezeit gleich Pausenzeit, also keine Arbeitszeit, ausgehebelt, und das Motto dabei ist: "Sei klüger als der Betrüger!"

Doch zurück zu UBER, die natürlich selbst dran Schuld sind, dass sie nicht nur unter Taxifahrern zum Thema Nummer Eins wurden. Da haben sie nun schon so viel Geld (der Gesamtwert des Unternehmens soll 40 Milliarden Dollar betragen), und trotzdem wissen sie sich nicht zu benehmen (Stichwort: "Ein Arschloch namens Taxi", so Uber-Chef Kalanick über das Taxigewerbe). Aber das kommt vor, nicht nur unter Taxifahrern, sondern offensichtlich auch in der sogenannten "ehrenwerten" weil "besserverdienenden" Gesellschaft.

UBER selbst bot sich als Zielscheibe aber auch geradezu an, und zwar deswegen weil UBER erst einmal weit weg ist, aber auch, weil UBER so "Big" ist, dass jeder, der etwas gegen UBER sagt oder gar schreibt, automatisch von der Größe seines Gegners profitiert konnte, und wenn auch "nur" zur Schärfung des eigenen unscharfen Profils, frei nach dem Motto: "Schau mal, der traut sich aber was!"

Nichts gegen Leute, die sich was trauen - ganz im Gegenteil! Aber was trauen sich Berliner Taxifahrer und ihre Interessenvertreter in Sachen neuer Flughafen BER? Zugegeben, der ist auch weit weg, aber eben nur zeitlich. Es wird ihn eines schönen Tages geben, und zwar direkt vor unserer Haustür. Schon heute bewältigt der alte Flughafen am Standort Schönefeld (SXF) etwa ein Viertel des gesamten Aufkommens von Berlin, was in den ersten zehn Monaten des Vorjahres immerhin gut sechs (6.000.000!) Millionen Fluggäste waren.

Gut, nicht jeder Fluggast fährt mit dem Taxi, aber so gut wie jeder, der ein Taxi nimmt, fährt nach Berlin rein, und nicht nach Zossen oder KW (Königs Wusterhausen). Nur, die Fahrer des Landkreises nehmen nicht nur einen höheren Tarif, was ihnen unbenommen sei, sondern sie haben in der Regel auch keine Ortskunde für Berlin. Meist sind die Fahrer zwar aus Berlin, nur sind sie eben auch fast alle an der vergleichsweise anspruchsvollen Ortskundeprüfung für Berlin gescheitert, weswegen sie es vorziehen mit ihrem im Landkreis zugelassenen Taxi nach Berlin reinzufahren.

Wir haben also in Schönefeld (SXF) in Sachen Ortskunde genau die Situation, die Gerichte bei UBER POP, zumindest vorerst, gestoppt haben, und zwar massenhaft Fahrer ohne Ortskunde, aber nicht etwa im Privatauto, sondern im Taxi bei höherem Tarif. Denn jetzt mal ehrlich: Warum sollte ein Fahrer sein Privatauto rausholen, in dem er schlechter abgesichert ist und darüber hinaus noch weniger verdient, wenn er auch ohne P-Schein für Berlin mit einem schicken Taxi in der Metropole unterwegs sein kann? (Nur mal nebenbei: Wenn Fahren ohne Fahr-Schein "Erschleichung einer Leistung" - also eine Straftat ist, was genau ist dann Fahren ohne Taxi-Schein?)

Ich will mich nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen, aber ich behaupte jetzt einfach mal, dass das weltweit einmalig ist, dass an einem Hauptstadtflughafen nur Taxen das Laderecht besitzen, deren Fahrer keine Ortskunde für die Hauptstadt haben. OK, es gibt ähnliche Merkwürdigkeiten auch in unserer Stadt. Beispielsweise, dass es am offiziellen Haupteingang des Flughafen Tegel, der ist am Terminal B, keine offizielle Taxihaltestelle gibt. Dabei, einige werden sich erinnern, gab es dort durchaus auch einmal eine ausgeschilderte Haltestelle für Taxis, allerdings nur bis zur Einführung der Gebührenpflicht für Taxen. Dann wurden die entsprechenden Schilder kurzerhand abgeschraubt, was aber eine andere Geschichte ist.

Für mich, der ich seit mehr als zwanzig Jahren in Berlin "on the road" bin, ist Taxifahren nicht einfach nur irgendein Job. Nein, für mich ist Taxifahren Kunst, und das meine ich Ernst! Das ist auch der Grund, warum ich solche Geschichten, wie ohne Ortskunde Taxi fahren, nicht witzig finde. Das ist ungefähr so, als wenn Leute schreiben wollen, aber die Sprache gar nicht sprechen.

Ich finde solche Geschichten traurig. Traurig vor allem für den Fahrgast, der für diesen Blödsinn auch noch bezahlen soll, aber auch traurig für die Taxifahrer vom Flughafen Schönefeld*, die, aber das ist nur eine Vermutung von mir, vielleicht sogar darauf spekulieren, dass man ihnen die Ortskundeprüfung für Berlin eines Tages erlässt, um überhaupt eine Einigung mit dem Landkreis zu erzielen. Es gab schon einmal eine ähnliche Situation, und zwar nach dem Mauerfall, als man den Berlinern Taxifahrern die Prüfung für den jeweils anderen Teil der Stadt erlassen hat.

Die Taxifahrer des Landkreises und die Berliner Taxifahrer haben, auch Dank UBER&Co, aber eben nicht nur, dasselbe Problem. Beide können immer weniger von ihrer Hände Arbeit leben, was auf gut Deutsch eine Riesensauerei ist. Gut dagegen ist, dass es beim Taxifahren, und deswegen fahre ich unter anderem auch Taxi, im Gegensatz zu vielen anderen Branchen, im Großen und Ganzen egalitär zugeht. Die von mir beschriebene Situation ist aber genau das Gegenteil davon, sie ist elitär und darüber hinaus noch unfair, denn sie bevorzugt einseitig Fahrer ohne Ortskunde denen mit.

Was die Lösung des Problems angeht, so sehe ich nach wie vor keine andere, als die von mir bereits vor Jahren formulierte. Frankfurt am Main, wo sich der Flughafen ursprünglich auch außerhalb der Stadt befand, und zwar in Mörfelden/Walldorf, hat es vorgemacht.

Seien wir realistisch und fordern das Unmögliche: Die Eingemeindung vom Flughafen BER nach Berlin!

* Mein Tip für die Fahrer vom Landkreis: Ich würde mich nicht drauf verlassen, dass man euch die Prüfung erlässt. Deswegen nutzt besser die Zeit und macht den Taxi-Schein für Berlin, wenn ihr in Berlin fahren wollt!
Foto&Text TaxiBerlin

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