30.04.2015

BERLIN IST NICHT LAS VEGAS !


Manchmal aber doch !

Am Anfang war es nur so ein Gefühl, dass der Mann vom Standesamt irgendwas gegen unsere Heirat haben könnte. Komischerweise landeten wir bei unseren vier Vorgesprächen immer wieder bei ihm, dem ernsten Beamten von Zimmer 4, obwohl wir jeweils neue Wartenummern ziehen mussten, was andererseits den Vorteil hatte, dass man sich, ob man wollte oder nicht, näher kam.

Die Gesprächsatmosphäre in Zimmer 4 glich immer mehr der einer Gerichtsverhandlung, in der es gilt, ein Verbrechen aufzudecken oder zumindest ein zukünftiges zu verhindern. Er, also der ernste Beamte, erwähnte, dass ich schon einmal verheiratet war, was stimmt; und dass auch meine erste Frau eine Ausländerin gewesen sei, was auch stimmt. (Eigentlich wollte der Standesbeamte fragen: Was erlauben TaxiBerlin?, wozu ihm aber offensichtlich der Mut fehlte.)

Berliner Beamte sind eben auch nur Menschen! Immerhin erinnerte er noch daran, dass bei ihm die Ehe auf Lebenszeit geschlossen wird, was mich ehrlich gesagt etwas überraschte. Bisher dachte ich immer, das wäre nur bei den Katholiken so. Aber man lernt eben nie aus, auch auf dem Standesamt nicht. (Seine Spitze, dass meine neue Frau besser ihren alten Namen behält, weil so ein neuer Nachname, gemeint war meiner, geschäftsschädigend sein kann - geschenkt!)

Da meine zweite Frau, auch bekannt als TaxiGourmet alias Layne Mosler, und ich uns im Taxi kennengelernt haben, wollten wir auch im Taxi heiraten, was natürlich nicht ging, weil wir ja, wie der ernste Standesbeamte richtigerweise feststellte, hier in Berlin und nicht in Las Vegas sind. Das leuchtete uns ein, genauso wie uns einleuchtete, dass wir das zweifelhafte Angebot des ernsten Beamten, uns dafür höchstpersönlich zu verheiraten, leider ablehnen mussten.

Gut, die blasse Kollegin des ernsten Beamten war auch nicht gerade der Hit, aber wer einen Hit sucht, ist auf dem Standesamt sowieso verkehrt. Immerhin ließ sie sich dazu überreden, die Trauung doch im Taxi vorzunehmen. (Foto)  Das war vor etwa einem Jahr, aber darum geht es nicht. Ich schreibe diesen Beitrag, damit auch ihr wisst, wie ihr in Berlin wie in Las Vegas heiraten könnt, wenn ihr das möchtet.

Zuerst einmal müsst ihr den Termin für die Trauung auf ein Wochenende legen, an dem der ernste Beamte frei hat. Dann müsst ihr mit dem Taxi, dem U-Boot oder worin auch immer ihr heiraten wollt, direkt auf den Hof des Standesamtes fahren und (jetzt kommt das wichtigste!) der Kollegin respektive dem Kollegen glaubwürdig versichern, dass ihr alles mit dem ernsten Kollegen abgesprochen habt, den sie nicht anrufen können, um ihn zu fragen, ob das auch stimmt, weil Wochenende ist und er frei hat.

Text RumenMilkow

29.04.2015

GEHEIMTIP: NEUNZIGER FEELING IN MITTE


Rosenthaler Straße 6 oder 7
früher Mitte / heute Neue Mitte

Neulich war ich in Mitte unterwegs, was an sich keine berichtenswerte Sache wäre, weil bekanntlich alle in Mitte unterwegs sind. Warum also nicht auch ich. Ich war genau genommen in der Rosenthaler Straße unterwegs und zwar mit meinem Taxi. Ich hatte von einem Fahrgast einen Tip bekommen, dass es dort leere Wohnungen geben würde, was mir komisch vorkam.

Es gibt sie wirklich! Die genaue Hausnummer habe ich vergessen, ich glaube es war die sechs oder die sieben. Auf jeden Fall gegenüber vom ehemaligen "Eimer", falls den noch jemand kennt. Die Tür zu dem Plattenbau aus der Endphase (späte Achtziger) der DDR stand offen, so dass ich mir die Wohnungen ansehen konnte. (Foto)

Früher, also in den frühen Neunzigern, wären die Wohnungen mit Sicherheit schon lange besetzt gewesen. Nicht so heute, wo kaum noch jemand in Mitte weiß, was besetzte Häuser überhaupt sind. Auch deswegen dieser Beitrag, sozusagen an alle Hausbesetzer: Es gibt Arbeit, und das nicht irgendwo, sondern in Mitte!

Apropos Arbeit: Es wurde auch schon vorgearbeitet in der Rosenthaler und die Tapete von den Wänden gekratzt. Alleine deswegen lohnt es sich, in diesen Block, dessen Eingangstür wie gesagt offen steht, mal reinzugehen. Die Betonplatten ohne Tapete, dafür aber mit Maßen und Notizen von DDR-Bauarbeitern - das muss man gesehen haben!

Mich erinnert es an die eingekratzten Worte russischer Soldaten vom Ende des Zweiten Weltkriegs, die es im alten Reichstag zu bestaunen gibt. Aber ich komme vom Thema ab, und das Thema sind die leeren Wohnungen. Ich bin mir nicht sicher, ob sie wirklich zum Besetzen freigegeben sind, oder ob sie nicht schon jemandem gehören.

Ich vermute letzteres, aber vielleicht erkundigst Du dich besser selbst, wenn Du ein potentieller Hausbesetzer bist. Allen anderen empfehle ich, in den Block in der Rosenthaler Straße Nummer sechs oder sieben gegenüber vom ehemaligen "Eimer" zumindest mal reinzugehen, nicht nur der tapetenlosen Wände wegen, sondern vor allem wegen dem Neunziger Feeling - kostet auch nichts!

Foto&Text TaxiBerlin

28.04.2015

PRENZLAUER BERG PRENZLBERG GLÄNZLBERG


Andere Mülleimerwerbung der Berliner Stadtreinigung

Meine letzte Kundin sagte, sie lerne in letzter Zeit nur Typen kennen, die allesamt am Kollwitzplatz wohnen. Für sie war das sozusagen ein alter Hut, was für mich noch eine neue Masche ist. Bei ihrer letzten Bekanntschaft jedenfalls wusste sie bereits bestens über seine Wohnverhältnisse bescheid, bevor der scheintote Langweiler selbst darüber Auskunft geben konnte: Kollwitzplatz, Dachgeschoss, einhundert Quadratmeter, Blick auf den "Alexanderturm" ...

Was für ein Abstieg! Vom früheren Prenzlauer Berg der Boheme über den Prenzlberg der Bionade-Biedermeier zum schicken, nur leider toten Glänzlberg von heute. Aber das haben Berge so an sich, dass es auch mal bergab geht. Und runter ist keineswegs einfacher wie den Berg hoch. Das weiß ich aus Erfahrung. Runter kann auch schnell mal janz doll ins Auge gehen, was wir natürlich niemandem wünschen.

Hm, warum eigentlich nicht!?! Was ist so schlimm an einem Crash? Klar, es trifft oft die Verkehrten. Aber das ist doch heute schon so! Apropos, fällt mir dazu ein. Habe ich gerade irgendwo in der Stadt gelesen, ist leider nicht von mir, sondern von Kurt Tucholsky alias Peter Panter aus dem Jahre 1929, und hat irgendwas mit dem die Tage stattfindenden Berliner Literaturfest zu tun:

Ich sehe sie vor mir: Schluchzende Devisenhändler, Taschentuchringende Fondsmakler ... Es muss fürchterlich sein.

Foto&Text TaxiBerlin

27.04.2015

DIE UNSITTE DER GUTEN SITTE IN BERLIN MITTE


Mülleimerwerbung der Berliner Stadtreinigung (BSR)

Es ist so, wie es ist, und das solle auch ich endlich einsehen, wird mir immer wieder gesagt, neuerdings sogar von Kollegen. Natürlich haben sie Recht, keine Frage - aber ich eben auch! Das hängt mit dem Langzeitgedächtnis zusammen, das einzig schöne am Alter, das kannst Du mir glauben. Was gestern war, daran kann ich mich immer weniger erinnern. Dafür aber an vieles vor zwanzig Jahren.

Und da, also damals, war es Sitte, dass niemand Wert auf Gute Sitten legte. Ich hoffe Du verstehst! Das ist nämlich jetzt kein Wortspiel, sondern die Wahrheit. Wenn man der Berliner Stadtreinigung trauen darf, die für obiges Motto verantwortlich ist, dann ist die größte Unsitte im Berlin unserer Tage die Gute Sitte.

Ich meine, jetzt mal ganz ehrlich: Wer braucht die Gute Sitte? Brauchst Du sie? Siehst Du, ich auch nicht! Wäre es da nicht einfacher, dass die Leute, die nach Berlin kommen, sich daran gewöhnen, was hier Sitte ist, nämlich dass es keine Guten Sitten gibt?!? Überleg doch mal, was das wieder kostet!?!

Der Berliner und die Gute Sitte, das ist Ungefähr so wie Feuer und Wasser. Die Gute Sitte geht, das kann man ohne Übertreibung sagen, direkt an die Substanz des Berliners. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten: Ein Berliner mit Guten Sitten ist kein Berliner, genauso wie ein Allesfresser, der plötzlich nur noch Grünzeug frisst, kein Allesfresser mehr ist. Du verstehst, oder?

Sollte sich die Gute Sitte in Berlin durchsetzen, und so sieht es im Moment aus, dann sind wir hier bald wie der ganze blöde Rest. Was unterscheidet uns denn dann noch vom Münchner, Stuttgarter oder Hamburger? Richtig - Nichts! Und wo bitte sehr sollen sie dann alle in Zukunft die Sau rauslassen, wenn nicht in Berlin?!?

Foto&Text TaxiBerlin

26.04.2015

TAXIBERLIN ALS SHOPPINGGUIDE


Memhardstraße / früher Mitte / heute Neue Mitte

Lange habe ich überlegt, mit welchem Spruch ich für mich als Ersten Berliner Shoppingguide werben könnte. Gestern bin ich fündig geworden und zwar in Mitte, was keine Überraschung ist. Wie es aussieht, ist der Slogan schon vergeben. Ich schreibe extra "wie es aussieht", weil der Laden, an dessen Fenster er stand, zu hatte.

Also ich meine jetzt "zu" im Sinne von "dicht jemacht" und nicht von "jeschlossen". Es könnte also durchaus sein, dass der gar nicht wieder aufmacht, was aber nicht automatisch heißt, dass ich den Spruch für lau bekommen kann. Weit gefehlt! Oftmals sind sie gerade dann besonders teuer, wenn das Schiff bereits am Sinken ist.

Als Erster Berliner Shoppingguide bin ich auf alle Eventualitäten vorbereitet, nur auf eine nicht, und zwar dass irgendwas Geld kostet. In diesem Punkt bin ich irgendwie in den Neunzigern hängen geblieben, wo Geld bekanntlich keine Rolle spielte. Ich weiß, das hört sich für einen Shoppingguide nicht gerade professionell an, aber es ist schließlich nicht mein Geld, was unter die Leute gebracht werden soll.

Überhaupt bin ich ganz und gar gegen's Verkaufen, vor allem aber gegen billig Kaufen und teuer Verkaufen. Was anderes ist es ja in der Regel nicht. Ich weiß, das klingt widersprüchlich, und das ist es auch. Aber schließlich muss auch ich sehen, wo ich bleibe, oder, wie wir früher sagten: Wie ich mit dem Arsch an die Wand komme.

Zu meiner Entschuldigung muss ich sagen, dass der Kunde, aber vor allem die Kundin, an erster Stelle mein Wissen kauft, was ich mir in mehr als zwanzig Jahren, die ich auf den Berliner Straßen und Plätzen unterwegs bin, praktisch angeeignet und nicht irgendwo nachgelesen habe. Berücksichtigt man diesen Umstand, verkaufe ich mich als Erster Berliner Shoppingguide eher zu billig als zu teuer.

Übrigens, fällt mir gerade noch ein: Weiß noch jemand, wie der Spruch auf dem Foto ursprünglich hieß? Richtig! "Make Love, Not War!" Und wenn Du mich jetzt ganz ehrlich fragst, würde ich auch viel lieber "Love" als "Sale" machen. Das Problem dabei ist, dass "Love" also "Liebe" zwar im Angebot, aber nicht gerade billig ist ...

Foto&Text TaxiBerlin

25.04.2015

BERLIN BLEIBT BERLIN UND WIRD WIE ES WAR


Frankfurter Allee 
früher Friedrichshain / heute Friedrichshain-Kreuzberg

Schwer zu sagen, was der Grund ist, dass gerade so viele Sitzmöbel auf der Straße rumstehen. Vermutlich liegt's am Wetter, aber eben nicht nur. Auf jeden Fall erinnert es einen an die wilden Neunziger, wo man aber nicht etwa, so wie heutzutage, einfach an ihnen vorbeigelaufen ist, sondern auf ihnen drauf saß, natürlich mit einer Flasche Bier in der Hand, aber das versteht sich von selbst.

Vielleicht ist das mit den Sofas auf der Straße aber auch einfach nur so eine neue Mode. In der Mode kommt ja bekanntlich alles wieder, egal ob Schlaghosen, fettige Seitenscheitel oder vollgeschwitzte Nylon-Trainingsjacken. Heute wird, so meine Beobachtung, viel Wert auf ganz unwichtige Details gelegt, beispielsweise auf das richtige Mobiltelefon, die richtigen Kopfhörer oder auch nur Ohrstöpsel.

Deswegen passen diese Riesensofas eigentlich nicht so richtig zu den sonstigen Trends. Dann bleiben nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder es ist Kunst oder einfach nur Sperrmüll? Im obigen Fall tippe ich auf eine Installation, und zwar wegen dem Motto (more woman) rechts vom Sofa. Meine kreativen Hirnlappen arbeiten bezüglich ihrer Bedeutung auf Hochtouren, bisher aber ohne Erfolg.

Foto&Text TaxiBerlin

24.04.2015

ES MUSS NICHT IMMER DIE WEITE WELT SEIN


Schwarzes Brett / Flughafen Tegel (TXL)

Es muss nicht immer die weite Welt sein. Ich fahre auch gerne mal einfach so zum Flughafen. Neulich zum Beispiel, genau genommen vorgestern, war ich sogar mit dem Fahrrad dort. Das stimmt wirklich. Erstmal war das Wetter schön. Dann war ich sowieso in der Gegend wegen einem Termin. Ich habe in letzter Zeit viele Termine. Deswegen komme ich auch kaum noch zum Taxifahren.

Mein Fahrrad habe ich direkt neben der "Pilotenbude" an einem Laternenmast angeschlossen. Die "Pilotenbude" ist der kleine Imbiss für Taxifahrer gleich rechts wenn man am Flughafen reinkommt, und bevor es zum Terminal C geht. Von dort startete ich meine obligatorische Flughafenrunde, d.h. ich bin zu Fuß hoch zu dem kleinen Taschenbuchladen am Haupteingang, was am Terminal B ist, wo die Busse halten.

Die Verkäuferinnen fragen mich dort immer, ob sie mir was empfehlen können. Ich sag dann meist "Nein", weil ich ja lesen kann. Manchmal frage ich sie auch, ob ich ihnen was empfehlen soll. Aber nur wenn ich gut drauf bin, so wie vorgestern. Da erzählte der Frau, was ich so alles für Bücher lese, weswegen sie gar nicht mehr zum Verkaufen kam, was ja heutzutage das wichtigste ist.

Ich bin dann schnell weiter durchs Terminal A, was ein Kreis mit vielen Ecken ist, aber gegen den Uhrzeigersinn. Das ist wichtig! Sonst macht es keinen Sinn. Manchmal lasse ich mich von der Tante ansprechen, die jedem der vorbeikommt, eine Kreditkarte schenken möchte. Das sei alles ganz einfach und sogar kostenlos, also die Karte. Die Beratung natürlich auch. Zum Schluss habe ich ihre Karte dann doch nicht genommen. Ich habe ja gar kein Geld dafür, wo ich doch kaum noch zum Arbeiten komme.

Wo ich gerade beim Geld bin. Am Flughafen Tegel gibt es sowohl kostenfreie als auch kostenpflichtige Toiletten. Da muss man höllisch aufpassen, dass Mann und auch Frau da nicht verkehrt geht. Dass da noch keiner auf die Idee gekommen ist, einen eigenen Führer für die Toiletten rauszubringen. Das ist eine echte Marktlücke. Damit sollte sich die Tante mal beschäftigen, und nicht mit ihren Kreditkarten!

Irgendwo am Gate neun oder zehn wird es plötzlich eng. Da stehen so viel Leute mit ihren Rollkoffern, da komme ich gar nicht vorbei. Zum Glück hab' ich das Fahrrad an der "Pilotenbude" gelassen. Aber selbst ohne Fahrrad geht es nicht. Ich muss raus auf die Straße, wo eine Politessin gerade Strafzettel an die parkenden Autos verteilt. Knöllchen für parkende Rollkoffer gibt es wohl noch nicht?

Am Ende vom Terminal A darf man nicht den Abgang zum Terminal E verpassen. Das ist einfacher, wenn man, so wie ich, zurück zur "Pilotenbude" will. Bevor es rausgeht kommt man noch am Sperrgepäckschalter vorbei, wo immer die verrücktesten Leute sitzen. Die darf man auf keinen Fall verpassen, sonst war man nicht in Tegel! Und dann hat man es auch fast schon geschafft.

Ich gehe dann meist noch bei den Autovermietern vorbei und sage "Hallo", nur neulich nicht. Sonst hätte ich rausgefunden, dass man für die dortige Toilette jetzt einen Schlüssel braucht. Zurück an der "Pilotenbude" habe ich erst einmal einen Kaffee getrunken. Fast alle Taxifahrer schauen dort auf die Monitore, um zu wissen, wo sie hinmüssen. Mich interessiert das nicht. Ich weiß ja, wo ich hin will.

Neulich fragte ich einen Kollegen, was er denn auf den vielen Monitoren sehe. Er sehe, dass er überall hinfahren könne, war seine Antwort. Aber das wusste er doch schon vorher, oder? Er schaute mich "ungläubig" an, weswegen ich schnell weiter ging zum Schwarzen Brett nebenan, so wie jetzt (Foto). Und das hat sich ohne Frage gelohnt, das muss ich schon sagen. Da ist wirklich ein Fahrer samt Taxi verschwunden. In Berlin - einfach so!

Dann werde ich bei der Rückfahrt mal die Augen offenhalten ...

Foto&Text TaxiBerlin

23.04.2015

DAS TREFFEN


Marienburger Straße / früher Prenzlauer Berg / heute Pankow

Er war noch etwas verwirrt, als er mir neulich ins Taxi stieg. Das lag daran, ließ er mich sogleich wissen, dass er seinen Freund wiedergesehen habe, der viele Jahre lang keinen Kontakt zu ihm hatte. Genau genommen war der andere nicht nur irgendein Freund, sondern war sein bester Freund gewesen, aber das ist lange her.

Er könne gar nicht genau sagen, was passiert sei. Eigentlich wollte er den Freund heute fragen, was er sich dann aber nicht getraut habe, weil er Angst hatte, gleich wieder alles kaputt zu machen. Es wäre natürlich das Normalste von der Welt gewesen, den Freund von früher direkt darauf anzusprechen, das wisse er auch.

Er habe das auch schon mal versucht, vor ein paar Jahren, am Telefon - allerdings ohne Erfolg. Einmal stand er sogar vor der Tür des Freundes, um mit ihm zu reden. Der hat ihm aber nicht aufgemacht, obwohl er zu hause war. Jetzt ist der Freund zu ihm gekommen, genauer gesagt: er hat jemanden geschickt, um fragen zu lassen, ob man sich mal wieder sehen könne.

Er solle die alten Zeiten ruhen lassen, hat der Freund heute zu ihm gesagt. Dabei war es nicht so, dass die ganze Geschichte nichts mit ihm zu tun haben würde. Das wusste er von anderen, bei denen sich der Freund all die Jahre über ihn ausgelassen habe. Genaues wusste er aber nicht. Da müsse er den Freund fragen, meinten die anderen. Wie das halt immer so ist ...

Er war, wie gesagt, hin und her gerissen. Auch deswegen wollte er wohl von mir wissen, wie ich die Sache sehen würde. Was sollte ich ihm sagen? Dass es, wie so oft im Leben, kein Richtig und kein Falsch gibt? War es das, was er hören wollte? Und falls nicht, was sollte ich ihm dann sagen? Meine ehrliche Meinung? Oder was ich dafür hielt?

Er solle mal in Ruhe überlegen, wie wichtig ihm die Freundschaft unter den gegebenen Umständen sei. Immerhin habe sich der Freund gegenüber den anderen über ihn ausgelassen, vor denen er jetzt, wenn ich die Sache richtig verstanden habe, als Depp dastehe. Alleine deswegen würde ich den Freund darauf ansprechen.

Er könne das nicht, er habe Angst! Angst zu haben ist menschlich, aber wovor genau habe er Angst? Angst um die Freundschaft! Welche Freundschaft? Na die zu dem Freund? Aber das ist keine Freundschaft! Was ist es dann? Keine Ahnung - aber hält er den anderen wirklich für seinen Freund? Eigentlich nicht ...

Er habe ihn enttäuscht und enttäusche ihn immer noch. Und was ist eine Enttäuschung? Woher soll er das wissen?

Ich sagte es ihm.

Foto&Text TaxiBerlin

22.04.2015

DIE PSYCHOLOGIE VON BERLIN MITTE


Tucholskystraße / früher Mitte / heute Neue Mitte

Bis gestern musste vor allen Dingen der nach Mitte, der 'ne Galerie aufmachen wollte. Heute, ganz nach dem Motto: "Berlin - täglich neu!", ist das natürlich schon wieder ganz anders. Heute muss der nach Mitte, der 'ne Psychotherapeutische Praxis aufmachen will. Vielleicht ziehen die Therapeuten auch einfach nur den Künstlern hinterher, denn (das ist jetzt nichts Neues, das steht in jedem Handbuch für Therapeuten) Kunst ist bekanntlich Neurose.

Angesichts des güldenen Therapeutenschildes (Foto) neige ich zu der Annahme, dass die Therapeuten weniger den Künstlern sondern mehr dem Geld hinterhergezogen sind. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass in Mitte nicht nur die Therapeuten gülden sind, sondern auch ihre Psychologie, denn wenn Kleider früher Leute machten, machen Schilder heute ganze Psycho- und Philosophien.

Was heißt das jetzt für Dich, der Du vielleicht gerade in seelischer Not bist, aber nicht mit 'nem güldenen Löffel geboren wurdest? Du bist mit Sicherheit in Mitte verkehrt! Aber nicht nur, weil Du keine Kohle hast. Nein, das ist nicht der Punkt. Es ist vielmehr so, dass die Psychologie in Berlin Mitte eine ganz andere als die uns bekannte ist. Möglicherweise, das ist aber nur eine Vermutung, hat sie sogar mit der uns bekannten Psychologie rein gar nichts mehr zu tun.

Foto&Text TaxiBerlin

21.04.2015

"DU BIST EIN FI❥❥ER!"


"Fier" auf berlinerisch

Oft haben die jungen Leute von heute Probleme, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt. Warum das den beiden, die sich gerade in meiner Taxe zofften, anders war, kann ich nur vermuten. Entweder lag es daran, dass sie doch älter waren als von mir gedacht (das Alter ist heute oft schwer zu schätzen), oder dass sie Berliner waren, woran ihr Dialekt keinen Zweifel ließ.

Kaum hatten sie auf dem schwarzen Kunstleder Platz genommen und mir ihr Fahrziel genannt, ging der Disput auch schon weiter, den sie offensichtlich schon vor der Taxifahrt ausgiebig geführt hatten, weswegen ich zum Glück nur das Finale mitbekam. Sie war der Meinung, dass er "Ein Fier" sei, weil er immer mal wieder was mit 'ner anderen hat, was er nicht mehr bestreiten konnte oder wollte.

Jetzt war ich gefragt. Genauer gesagt, war sie es, die von mir (ausgerechnet von mir!) wissen wollte, was ich davon halten würde. Ich überlegte, was ich, der "Herr Taxifahrer", ihr antworten sollte. Prinzipiell gibt es da immer zwei Möglichkeiten: Entweder das, was die Leute hören wollen, oder eben das, was man wirklich denkt, was in der Regel von dem, was sie hören wollen, abweicht.

Hm, schwierig, meinte ich. Weiter kam ich nicht, denn dann musste sie schon wieder reden. Sie störe nicht so sehr, dass er was mit anderen Frauen habe, wie neulich mit Melanie, schließlich sei er ein Mann, und bei Männern ist das nunmal so. Es kotze sie nur an, dass er sie verarsche und nicht ehrlich zu ihr ist. Schließlich sehe er sich ja auch regelmäßig Pornos an, wogegen sie auch nichts habe.

Nur, mit anderen Frauen rummachen, sei eben was anderes. Aber selbst damit könnte sie leben, sie wolle bloß nichts davon mitbekommen, und ob er sich das vorstellen könne? Da er nichts sagte, fragte sie noch einmal mich, was ich davon halten würde.

Hm, was sollte ich nun dazu wieder sagen? Ich versuchte es mit der Wahrheit: Hört sich für mich nach einem praktikablen Kompromiss an, wenngleich nicht ganz sauber, aber so ist das Leben wohl nunmal ...

Foto&Text TaxiBerlin

19.04.2015

IM TAXI MIT TUVIA TENENBOM



Tuvia kam vom "Yoga in English", und obwohl die Fahrt nicht weit war, kamen wir ins Gespräch. Tuvia, wer ihn nicht kennt, ist bekannt geworden durch sein Buch "I Sleep in Hitler's Room", womit, wenn ich es recht verstehe, Deutschland gemeint ist, und was auf Deutsch "Allein unter Deutschen" heißt. Warum der Titel so übersetzt wurde, konnte mir selbst Tuvia nicht erklären, der sich diesmal nicht als Deutscher ausgab, was er sonst gerne tut.

Tuvia, so viel kann ich gleich mal verraten, geht es ausgezeichnet, was von jemandem, der ständig in "Hitler's Room" schlafen muss, nicht unbedingt zu erwarten gewesen ist. Tuvia ist in Israel geboren und lebt eigentlich in den USA. Ich bin mir nicht sicher, ob ich erwähnen darf, dass Tuvia Jude ist. Andererseits, wenn ich es nicht tue, das habe ich aus Tuvias Büchern gelernt, mache ich mich auch wiederum verdächtig.

Die Kernaussage von Tuvias "I Sleep in Hitler's Room" alias "Allein unter Deutschen" ist, dass SIE, also ALLE Deutschen, "antisemitisch und rassistisch bis ins Mark" sind. An anderer Stelle spricht Tuvia von ACHTZIG Prozent der Deutschen, was damit zusammenhängt, erklärt mir Tuvia, der sich selbst gerne als "Trockenen Intellektuellen" (nicht "Trockener Alkoholiker" - Kleines Wortspiel!) bezeichnet, dass er kein Deutsch sondern Jiddisch spricht, was zu 80 Prozent Deutsch ist, wenn ich es richtig verstanden habe.

In dem Punkt konnte ich Tuvia auf jeden Fall beruhigen, und zwar deswegen, weil ich ja nur halber Deutscher bin, wenn überhaupt, weswegen man die 80 Prozent schon mal halbieren kann, womit wir bei, übern Daumen gepeilt, 40 Prozent "Antisemit und Rassist" für mich wären. Wie es sich jetzt verhält, wenn zum Beispiel meine deutsche Vorfahren Kommunisten gewesen wären, wollte ich von Tuvia wissen, und ob ich da ein wenig Prozentabzug bekäme?

Und dann ist wirklich was witziges passiert. Erst einmal wollte Tuvia ganz genau wissen, wer von meinen deutschen Vorfahren Kommunist war, wie lange in der Partei, inwieweit überzeugt, ob im Widerstand oder im Exil usw. ... Und plötzlich holt Tuvia seinen Taschenrechner raus, fängt an zu rechnen und kommt auf einen Wert von 8,7 % Antisemit und 6,9 % Rassist, was zusammen 15,6 % für mich machen, womit ich, wenn ich ganz ehrlich sein soll, gut leben kann.

Das Finale war mehr oder weniger erwartbar, denn ich wusste bereits aus seinen Büchern, dass Tuvia gerne spart, beispielsweise beim Übergepäck, aber auch bei Stadtführungen und selbst beim Essen. Zugegeben, und wie ich bereits eingangs erwähnte, es war keine weite Fahrt. Um genau zu sein, war es schon eine ziemlich kurze Strecke, aber eben keine Kurzstrecke, worauf Tuvia bestand.

Dann hätte er aber einer Taxe winken müssen, und die hätte dann auch für ihn halten müssen (was in dieser kleinen Straße und nach "Yoga in English" nicht zu empfehlen ist), und mich nicht bestellen dürfen. So sind nun mal die Spielregeln in "Hitler's Room" alias "Germany" - Antisemit hin und Rassist her ...

Foto&Text TaxiBerlin

18.04.2015

alle reden über UBER, aber niemand über BER


"Airport Night Run" - heute auch in Kreuzberg

Heute Abend findet der neunte "Airport Night Run - Lauf entlang des beleuchteten BER" statt, dessen Strecke über die Start- und Landebahn des BER sowie über das Vorfeld mit Blick auf das Terminal, das Pier Süd und den Tower verläuft. Diesen "Run auf dem Airport" nehme ich zum Anlass, über den "Run auf den Airport" zu schreiben.

Bevor es losgeht ein kurzer Einschub zur Begriffsklärung: UBER, ganz genau UBER POP, versteht sich als innerstädtische "Mitfahrgelegenheit", was sie aber nicht sind, weil sie auf Gewinn ausgerichtet sind, von dem vor allem sie selbst profitieren. Der Fahrgast spart zwar etwas Geld, ist dafür aber auch schlechter versichert. Der Fahrer bekommt natürlich auch weniger als ein Taxifahrer, ist sozial schlechter abgesichert, und braucht dazu noch ein eigenes Auto, dafür aber keine Ortskenntnisse wie ein Taxifahrer, weswegen es für viele überhaupt erst interessant wurde.

Jetzt geht es los: Endlich, könnte man fast sagen, ist UBER, das Unternehmen aus dem fernen San Francisco und der Feind vieler Taxifahrer, auch in Berlin, zumindest vorerst, gebannt. Über Monate sah es so aus, als gäbe es innerhalb des Taxigewerbes nur ein Thema: UBER. Dabei ist das Thema ernst, sehr sogar, keine Frage. Aber, und das gilt es zu bedenken, UBER ist nur ein Kriegsschauplatz von vielen auf dem globalen Schlachtfeld von Sozialabbau (zu Lasten sozial Schwacher - versteht sich) und Umverteilung (zu Gunsten immer weniger Reicher - auch das versteht sich).

Die Folge von Umverteilung und Sozialabbau, ist, dass immer weniger Menschen von ihrer Hände Arbeit, Taxifahren ist da nur ein Beispiel, leben können, und zusätzlich "aufstocken" müssen. Auch das Gesetz zum Mindestlohn hat daran nichts prinzipiell geändert, denn, auch hier ist das Taxigewerbe nur ein Beispiel, dies wird immer wieder durch Tricks wie Wartezeit gleich Pausenzeit, also keine Arbeitszeit, ausgehebelt, und das Motto dabei ist: "Sei klüger als der Betrüger!"

Doch zurück zu UBER, die natürlich selbst dran Schuld sind, dass sie nicht nur unter Taxifahrern zum Thema Nummer Eins wurden. Da haben sie nun schon so viel Geld (der Gesamtwert des Unternehmens soll 40 Milliarden Dollar betragen), und trotzdem wissen sie sich nicht zu benehmen (Stichwort: "Ein Arschloch namens Taxi", so Uber-Chef Kalanick über das Taxigewerbe). Aber das kommt vor, nicht nur unter Taxifahrern, sondern offensichtlich auch in der sogenannten "ehrenwerten" weil "besserverdienenden" Gesellschaft.

UBER selbst bot sich als Zielscheibe aber auch geradezu an, und zwar deswegen weil UBER erst einmal weit weg ist, aber auch, weil UBER so "Big" ist, dass jeder, der etwas gegen UBER sagt oder gar schreibt, automatisch von der Größe seines Gegners profitiert konnte, und wenn auch "nur" zur Schärfung des eigenen unscharfen Profils, frei nach dem Motto: "Schau mal, der traut sich aber was!"

Nichts gegen Leute, die sich was trauen - ganz im Gegenteil! Aber was trauen sich Berliner Taxifahrer und ihre Interessenvertreter in Sachen neuer Flughafen BER? Zugegeben, der ist auch weit weg, aber eben nur zeitlich. Es wird ihn eines schönen Tages geben, und zwar direkt vor unserer Haustür. Schon heute bewältigt der alte Flughafen am Standort Schönefeld (SXF) etwa ein Viertel des gesamten Aufkommens von Berlin, was in den ersten zehn Monaten des Vorjahres immerhin gut sechs (6.000.000!) Millionen Fluggäste waren.

Gut, nicht jeder Fluggast fährt mit dem Taxi, aber so gut wie jeder, der ein Taxi nimmt, fährt nach Berlin rein, und nicht nach Zossen oder KW (Königs Wusterhausen). Nur, die Fahrer des Landkreises nehmen nicht nur einen höheren Tarif, was ihnen unbenommen sei, sondern sie haben in der Regel auch keine Ortskunde für Berlin. Meist sind die Fahrer zwar aus Berlin, nur sind sie eben auch fast alle an der vergleichsweise anspruchsvollen Ortskundeprüfung für Berlin gescheitert, weswegen sie es vorziehen mit ihrem im Landkreis zugelassenen Taxi nach Berlin reinzufahren.

Wir haben also in Schönefeld (SXF) in Sachen Ortskunde genau die Situation, die Gerichte bei UBER POP, zumindest vorerst, gestoppt haben, und zwar massenhaft Fahrer ohne Ortskunde, aber nicht etwa im Privatauto, sondern im Taxi bei höherem Tarif. Denn jetzt mal ehrlich: Warum sollte ein Fahrer sein Privatauto rausholen, in dem er schlechter abgesichert ist und darüber hinaus noch weniger verdient, wenn er auch ohne P-Schein für Berlin mit einem schicken Taxi in der Metropole unterwegs sein kann? (Nur mal nebenbei: Wenn Fahren ohne Fahr-Schein "Erschleichung einer Leistung" - also eine Straftat ist, was genau ist dann Fahren ohne Taxi-Schein?)

Ich will mich nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen, aber ich behaupte jetzt einfach mal, dass das weltweit einmalig ist, dass an einem Hauptstadtflughafen nur Taxen das Laderecht besitzen, deren Fahrer keine Ortskunde für die Hauptstadt haben. OK, es gibt ähnliche Merkwürdigkeiten auch in unserer Stadt. Beispielsweise, dass es am offiziellen Haupteingang des Flughafen Tegel, der ist am Terminal B, keine offizielle Taxihaltestelle gibt. Dabei, einige werden sich erinnern, gab es dort durchaus auch einmal eine ausgeschilderte Haltestelle für Taxis, allerdings nur bis zur Einführung der Gebührenpflicht für Taxen. Dann wurden die entsprechenden Schilder kurzerhand abgeschraubt, was aber eine andere Geschichte ist.

Für mich, der ich seit mehr als zwanzig Jahren in Berlin "on the road" bin, ist Taxifahren nicht einfach nur irgendein Job. Nein, für mich ist Taxifahren Kunst, und das meine ich Ernst! Das ist auch der Grund, warum ich solche Geschichten, wie ohne Ortskunde Taxi fahren, nicht witzig finde. Das ist ungefähr so, als wenn Leute schreiben wollen, aber die Sprache gar nicht sprechen.

Ich finde solche Geschichten traurig. Traurig vor allem für den Fahrgast, der für diesen Blödsinn auch noch bezahlen soll, aber auch traurig für die Taxifahrer vom Flughafen Schönefeld*, die, aber das ist nur eine Vermutung von mir, vielleicht sogar darauf spekulieren, dass man ihnen die Ortskundeprüfung für Berlin eines Tages erlässt, um überhaupt eine Einigung mit dem Landkreis zu erzielen. Es gab schon einmal eine ähnliche Situation, und zwar nach dem Mauerfall, als man den Berlinern Taxifahrern die Prüfung für den jeweils anderen Teil der Stadt erlassen hat.

Die Taxifahrer des Landkreises und die Berliner Taxifahrer haben, auch Dank UBER&Co, aber eben nicht nur, dasselbe Problem. Beide können immer weniger von ihrer Hände Arbeit leben, was auf gut Deutsch eine Riesensauerei ist. Gut dagegen ist, dass es beim Taxifahren, und deswegen fahre ich unter anderem auch Taxi, im Gegensatz zu vielen anderen Branchen, im Großen und Ganzen egalitär zugeht. Die von mir beschriebene Situation ist aber genau das Gegenteil davon, sie ist elitär und darüber hinaus noch unfair, denn sie bevorzugt einseitig Fahrer ohne Ortskunde denen mit.

Was die Lösung des Problems angeht, so sehe ich nach wie vor keine andere, als die von mir bereits vor Jahren formulierte. Frankfurt am Main, wo sich der Flughafen ursprünglich auch außerhalb der Stadt befand, und zwar in Mörfelden/Walldorf, hat es vorgemacht.

Seien wir realistisch und fordern das Unmögliche: Die Eingemeindung vom Flughafen BER nach Berlin!

* Mein Tip für die Fahrer vom Landkreis: Ich würde mich nicht drauf verlassen, dass man euch die Prüfung erlässt. Deswegen nutzt besser die Zeit und macht den Taxi-Schein für Berlin, wenn ihr in Berlin fahren wollt!
Foto&Text TaxiBerlin

17.04.2015

TO GO OR NOT TO GO ?


Das ist die Frage!

Der ein oder andere wird sich jetzt fragen, warum ausgerechnet ich als Taxifahrer etwas zum Thema "Gehen" im Sinne von "Laufen" (und nicht im Sinne von "Fahren", wie von englischsprachigen Fahrgästen immer wieder angenommen bzw. behauptet - Stichwort: "we go ... "), zu sagen habe. Das hängt damit zusammen, dass ich eigentlich ein "Geher" bin, also von Natur aus. Das mit dem "Fahren" hat sich irgendwie später ergeben, wurde mir also nicht in die Wiege gelegt. Ganz genau war es so, dass ich früher, also bevor ich mit dem Taxifahren anfing, sämtliche Strecken in der Stadt, die ich heute mit dem Taxi fahre, locker abgelaufen bin.

Das war eigentlich sehr schön damals, das muss ich schon sagen. Klar, manchmal nervte der Verkehr schon, dafür sind die Bürgersteige aber in der Regel breit genug, dass man sich zumindest als Fußgänger irgendwie aus dem Weg gehen kann, vorausgesetzt es funkt kein Fahrrad dazwischen, was heute viel öfter passiert. Prinzipiell ist mein Eindruck, dass früher mehr gelaufen wurde, auch in Berlin, selbst wenn sich das viele heute gar nicht mehr vorstellen können.

Viel früher, also kurz nach dem Krieg, sind die Leute sogar durch die ganze Stadt gelaufen, nur um etwas zu essen zu finden. Und wenn sie was gefunden hatten, manchmal fanden sie auch nichts, mussten sie den ganzen Weg wieder zurück, beispielsweise von Lichtenberg nach Charlottenburg und zurück. Das musst Du dir mal vorstellen!

Ich weiß, das ist schwer, also das mit dem Vorstellen, und besonders das mit dem durch die halbe Stadt wegen was zu essen, wo es heute an jeder Ecke irgendwas "to go" gibt, wogegen auch gar nichts zu sagen ist, wenn die Leute denn mit ihrem "to go" in der Hand auch mal wirklich ein Stück laufen würden. Und damit meine ich nicht die hundert Meter vom Bäcker zur nächsten Bank oder Haltestelle!

Foto&Text TaxiBerlin

16.04.2015

DIE KULTUR DER AFFEN


Auf dem Kopf stehend

Seitdem ich bekannt bin wie ein bunter Hund und auch immer öfter auf der Straße selbst ohne Taxe angesprochen werde, bekomme ich alle möglichen und auch unmöglichen Einladungen, was für mich, der zwar noch nicht zum alten Eisen aber schon zu den älteren Semestern zählt, die sich so durchs Leben schleppen, auch eine Art Déjà-vu an bessere Zeiten ist, die sowohl Berlin als auch ich mal gesehen haben. Das ist eigentlich das schönste am Alter: Das Langzeitgedächtnis!

Apropos! Fällt mir gerade ein. Ich war vor vielen Jahren schon einmal ins "Haus der Kulturen der Welt" eingeladen. Damals ging es, so weit ich mich erinnere, um afrikanische Liegemöbel. Eröffnet wurde die Ausstellung mit einem einstündigen wissenschaftlichen Vortrag, der sich in einem Satz zusammenfassen lässt: In Afrika gibt es bequeme Liegemöbel, weil die Bewohner Afrikas es gerne bequem haben.

Jetzt bin ich natürlich gespannt, was es mit der Ausstellungen "Kultur der Affen" auf sich hat. Anfangs dachte ich an einen Witz, weil ich nicht wusste, dass auch Affen eine Kultur haben. Dann dachte ich an einen Werbetrick, und dass man von dem letzten Planet-der-Affen-Film profitieren will. Zum Schluss fielen mir glücklicherweise die vielen Affen ein, die ich schon bei mir in der Taxe hatte, und spätestens dann war klar, dass das kein Witz ist. Die Ausstellung "Kultur der Affen" im "Haus der Kulturen der Welt" gibt es wirklich, genauso wie es den "Einzugs der Barbaren" nach Berlin gibt.

Foto&Text TaxiBerlin


15.04.2015

NICHTS NEUES IN DER NEUEN MITTE


Rosenthaler Str. / Mitte / Moos (Schaufensterauslage)

Alle reden von Kreuzkölln (offiziell das "Grenzgebiet" zwischen Kreuzberg und Neukölln), aber wer weiß schon, dass damit der Reuterkiez gemeint ist, der durch die Sonnenallee, den Kottbusser Damm, die Wildenbruchstraße und den Kanal begrenzt wird, und sich, wenn man genau ist, zu einhundert Prozent in Neukölln befindet.

Der Görlitzer Park, wo man hin muss, wenn man Drogen kaufen will, und wo mir das Paar, er angehender Arzt, sie studierte Mode-Designerin, von auswärts einstieg, gehört nicht mehr zu Kreuzkölln, sondern ausschließlich zu Kreuzberg (heute Friedrichshain-Kreuzberg) und trotzdem ist es die Neue Mitte. Da waren sich die beiden einig.

Normalerweise bin ich vorsichtig, wenn Leute, die neu sind, mir meine Stadt erklären wollen. Die Wohnungen am Görlitzer Park, übrigens völlig egal ob zur Miete oder zum Kaufen, sind aber wirklich teurer als in Mitte, wo sich das junge Paar auch schon Wohnungen angesehen hat, und wo schon lange gilt: Ohne Moos nichts los!

Foto&Text TaxiBerlin

14.04.2015

DER EINZUG DER BARBAREN


Jetzt auch in meiner Straße

Manchmal muss ein Titel einfach nur knallen! Und dann darf er auch geklaut sein. Das kriegt sowieso keiner mit. In diesem Fall habe ich noch etwas am Titel gearbeitet, und aus "Invasion der Barbaren" den "Einzug der Barbaren" gemacht, weil der besser zu Berlin passt, denn hier wird ja ständig ein-, aus- und umgezogen, vorausgesetzt, man kann es sich noch leisten, denn bei jeder Neuvermietung steigt ja heutzutage automatisch der Mietpreis.

Früher sind die Leute immer nur zum Monatsende- bzw. -anfang umgezogen. Das ist heute ganz anders, da wird morgens, mittags, abends umgezogen, und auch mittendrin. Und noch etwas ist anders. Heute hinterlassen die Leute dabei Dinge (Foto), die wirklich kein Mensch gebrauchen kann. Das kannst Du mit damals, also mit meinerzeit, gar nicht vergleichen. Da konntest Du dich mit den Sachen, die die Leute zurückließen, komplett neu einrichten.

So ein Einzug, und das ist vielleicht der größte Unterschied zu früher, ist heute ein schleichender und sehr subtiler Prozess. Hm, wie soll ich das jetzt wieder erklären? Vielleicht so: Also was da in meiner Straße liegt, hätte man früher sicherlich humorvoll einfach "Hausordnung" genannt. Ich beispielsweise habe gleich zwei "Hausordnungen" immer bei mir im Taxi, und zwar ist das meine Peitsche, das ist den meisten bekannt, und einen Holzhammer für die schweren Fälle.

Heute stellen die Leute nichts mehr raus, was Du noch gebrauchen könntest, und den Quatsch, den sie loswerden wollen, werfen sie dir darüber hinaus auch noch stillos vor die Füße. Aber nicht nur das! Was viel schlimmer ist, und das merke ich auch im Taxi, die Leute sind dazu auch noch völlig humorlos geworden. Aber die sind doch immer so gut drauf, höre ich dich schon sagen. Das stimmt, gut drauf sind sie, und das sogar permanent. Und vielleicht ist ihre ständige gute Laune sogar der Grund für ihre Humorlosigkeit.

Foto&Text TaxiBerlin

13.04.2015

IM TAXI MIT GÜNTER GRASS


Berliner Spezial

Günter Grass, das ist bekannt, war kein Berliner und, das muss ich der Ehrlichkeit halber zugeben, er saß auch nicht bei mir im Taxi, zumindest nicht leibhaftig, dafür aber in Form von Büchern, allerdings nicht unbedingt seinen eigenen. Günter Grass war, wenngleich kein Berliner und auch nicht in meiner Taxe, so doch immerhin schon mal essen gewesen in Berlin, und zwar mit keinem geringeren wie Fritz "Jott" Raddatz, der bekanntlich Berliner war und auch kürzlich verstorben ist. Und der, also der Fritz, erinnert sich daran in seinen "Tagebüchern in Bildern" folgendermaßen:

Den Abend sehr amüsant und berlinerisch verlebt, mit Grass à deux gegessen, was ... immer am schönsten und intensivsten ist, er ganz rührend: "Ich habe vorgesorgt, habe genug Geld bis zum Schluss, ich bin ja ein Krämer - ich habe alles in festverzinslichen Papieren angelegt, das ist nicht viel und nicht viel Gewinn, aber sicher. Also Stube und Suppe ist für mich immer da."

Im Restaurant setzte sich ein fremder Mensch neben ihn, gratulierte zum Buch, sagte: "Ich muß Ihnen mein Leben erzählen", und auf Günters (diesmal) gutmütig-väterliches Abwiegeln: "Aber ich erzähle Ihnen doch auch nicht mein Leben" sagte der Mensch: "Schon, schon - aber ich bin Ihr Buch." Einen so komischen Satz habe ich noch nie gehört. Es stellte sich auf Befragen heraus, dass er DIE RÄTTIN weder besaß noch gelesen hatte. Dafür stellte er uns seine junge Freundin vor: "Dufte Biene, Mensch, sahre ick dia ... " Berlin ist Berlin. (9.April 1986)

Zitat FritzJ.Raddatz
Foto&Text TaxiBerlin

BERLIN - DIE LETZTEN TAGE (EINE SERIE)


Vier Berliner nur 1,99

Den Berliner gibt es aktuell im Viererpack für 1,99€. Das ist das, was der Markt sagt. Das muss gar nichts mit Dir persönlich zu tun haben, nur damit wir uns richtig missverstehen. Der Banker, der mir eben im Taxi saß, war sich sicher, das hängt mit Olympia zusammen, dass vier Berliner übern Daumen aktuell soviel Wert sind wie ein Hamburger.

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Was ich weiß, ist, dass mit Berliner wirklich wir, also Du und ich, gemeint sind. Da liegt kein Irrtum vor! In Berlin gibt es nur den einen Berliner, der anderswo nicht immer wohlgelitten, und deswegen vom Aussterben bedroht ist. Ansonsten gibt es noch den Pfannkuchen, und zwar beim Bäcker an der Ecke.

Manche wissen nicht, warum es Pfannkuchen heißt, obwohl das noch relativ leicht zu verstehen ist, und zwar, um sich vom Eierkuchen abzugrenzen, der eher ein Krepp ist. Beide, sowohl der Eierkuchen als auch der Pfannkuchen, werden mittels Öl in der Pfanne zubereitet, was in Fachkreisen auch frittieren genannt wird.

Völlig unverständlich dagegen ist, warum der Pfannkuchen, dessen Ursprung das althochdeutsche Wort Krapfen ist, plötzlich Berliner heißen soll. Das versteht noch nicht einmal das Internet, das immerhin weiß, dass der Fernsehturm umgangssprachlich "Alexanderturm" heißt, was viele Berliner nichtmal wissen.

(Das mit dem Berliner kann natürlich morgen schon ganz anders sein, wie uns die Geschichte mit dem "Alexanderturm" lehrt. Es soll aber niemand sagen, dass man uns nicht vorgewarnt hätte. Wir wussten: Berlin wird anders!, und zwar - täglich neu!)

Solange das Internet aber noch kein Gebäck namens Berliner kennt, und so sah es bis eben aus, gibt es nur eine Erklärung für den Berliner, und die kommt, wie sollte es anders sein, aus dem Internet, das immerhin mit dem Berliner Pfannkuchen etwas anzufangen weiß.

Aus dem Berliner Pfannkuchen wurde, und das ist nun wiederum leicht zu verstehen, von irgendwelchen maulfaulen WeißderTeufelwas einfach der Berliner gemacht, genauso wie aus dem Prenzlauer Berg plötzlich Prenzelberg und aus der Straßenbahn die Tram wurde.

Foto&Text TaxiBerlin

12.04.2015

DIE BERLINER STERBEN AUS





Ich muss noch einmal auf Fritz "Jott" Raddatz zurückkommen, wenngleich er erst Vorgestern bei mir im Taxi war, weil Fritz "Jott" Raddatz, das weiß nicht jeder, ein Berliner war, und heute, das ist wiederum bekannt, viele von denen, die in Berlin wohnen, nicht nur keine Berliner mehr sind, was schlimm genug ist, sondern auch keinen Berliner mehr kennen. Im Falle von Fritz "Jott" Raddatz ist es auch leider zu spät, denn der ist kürzlich verstorben. Zum Glück gibt es das Internet, wo man auch posthum noch Bekanntschaften machen kann. Wobei, wenn ich ganz ehrlich sein soll, mir posthume Bekanntschaften irgendwie sympathischer sind als virtuelle. Ich kann gar nicht genau sagen, woran das liegt. Hm, vielleicht sollte ich ein Beispiel versuchen, damit es auch mir selbst klarer wird. Im Interview mit Fritz "Jott" Raddatz kommen irgendwann Peitschen ins Spiel, mit denen er als Kind Bekanntschaft gemacht hat. Ich meine, bei welcher virtuellen Bekanntschaft passiert sowas heutzutage noch?

Video YouTube
Text TaxiBerlin

WENN JEMAND KEINE AHNUNG HAT ...




Bei mir lief gerade Radio, was selten vorkommt, als er mir einstieg und sofort den Song erkannte, was mich umso mehr freute. Dann konnte es ja los gehen! Das war seine Musik, seine Zeit, da war er jung gewesen. Die Welt und sämtliche Frauen lagen ihm zu Füßen. Er machte Anstalten, im Taxi zu tanzen, was bei mir geht, weil der Beifahrersitz permanent in der Werkstadt ist.

Also alles ganz normal soweit. Wenn er sich bloß nicht so sicher gewesen wäre, von wem der Song ist. Da musste ich ihm leider widersprechen, was ich nur ungern tue. Dafür bin ich einfach zu lange im Geschäft, zu sehr Dienstleister. Und meist ist es ja wirklich so, dass man bei Leuten, denen man am liebsten widersprechen würde, einfach nur warten braucht, bis sie es selber tun.

Bei meinem Fahrgast würde das nicht passieren, das war ganz klar, dafür war er einfach nicht der Typ. Eher würde er Frau und Haus verwetten, als dass er seine Meinung ändert, weswegen ich ihm auch keine Wette anbot. Was wollte ich mit einem fremden Haus, oder gar mit einer fremden Frau anfangen? Mir fiel (in dem Moment zumindest) irgendwie nichts sinnvolles ein.

Mir ging es auch nur um die Musik. Klar, der Titel war Klasse, das sah ich genauso wie er. Aber es war eben nicht, wie er sich so sicher war, "Axel F" von Harold Faltermeyer. Da war er leider ganz verkehrt.

Und das konnte ich auch beweisen, weil ich zufällig gerade die CD von Herbie Hanckock dabei hatte, auf der "Rock it" drauf ist, und die ich kurzerhand einlegte, damit wir uns nicht weiterhin vorwerfen brauchten, dass der jeweils andere keine Ahnung hätte.

Es ist übrigens nicht dasselbe, ob jemand, der Ahnung hat, zu jemand sagt, der offensichtlich keine Ahnung hat, dass er keine Ahnung hat, als wenn jemand, der keine Ahnung hat, zu jemand sagt, der Ahnung hat, dass er keine Ahnung hätte.

Das sah sogar mein Fahrgast ein.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

11.04.2015

BERLIN - DIE LETZTEN TAGE (EINE SERIE)


Berlin, wie es mal gewesen sein wird

Das Ende ist nah! Sodom und Hastdunichtgesehn! Der Einzug der Barbaren! Nicht nur nach Berlin, nein auch ins Internet! Oder steckt mehr dahinter? Möglicherweise eine Kampagne, von langer Hand vorbereitet? Wie dem auch sei, als Chronist kann ich nur den "Ist-Stand" beschreiben. Und der ist so, dass der Fernsehturm nicht mehr Fernsehturm heißt, zumindest umgangssprachlich nicht, und darauf kommt es ja an. Der Fernsehturm heißt, und jetzt hältst Du dich, wenn Du ein Berliner bist, besser janz doll fest, wohljemerkt umgangssprachlich, nein, nicht etwa "Telespargel", das war gestern! Heute gilt bekanntlich "Berlin - täglich neu", und da heißt der Fernsehturm ganz einfach, logisch und klar: ALEXANDERTURM

Foto&Text TaxiBerlin

DIE NEUE LEICHTIGKEIT


Grellstraße / früher Prenzlauer Berg / jetzt Pankow

Ich bin neuerdings ein großer Fan von Light-Produkten, genau genommen seit Ostern, wo ich ein, wenn man so will, "Schnupperangebot" der "Katholischen Kirche im Kapitalismus" ausprobiert habe, übrigens zum Schnäppchenpreis, aber das nur nebenbei. Um es kurz zu machen, es war die "Beichte Light", ein ganz neues Produkt bei den Katholiken. Die "Beichte Light" werden viele von Euch nicht kennen, noch nicht kennen können, weil sie noch völlig neu ist. Ich kann Dir ehrlich gesagt nicht sagen, wer sie erfunden hat, möglicherweise der neue Pontifex himself. Der Erfinder der "Beichte Light" ist an dieser Stelle auch nicht so wichtig, wahrscheinlich kommt er aber später nochmal ins Spiel, wenn es um die Tantiemen also um die Gema und VG Wort geht, aber so weit sind wir noch nicht. Erst einmal muss die "Beichte Light" bekannt werden. Und genau das ist das Problem, weil die Kirche selbst keine Werbung machen darf, weswegen sie diese Aufgabe ganz bewusst ausgelagert hat, und zwar an irgendwelche Blogger wie mich, was ein ganz normaler Vorgang ist. Das ist, wie wir alle wissen, selbst beim Geheimdienst so. Nur, und das ist der Unterschied, der mich letztendlich überzeugt hat, kann es bei der katholischen Kirche keinen solchen Super-GAU geben wie beim NSA. Du willst wissen warum? Ganz einfach! Das liegt am Angebot: "Beichte Light", das ist "Hundert Prozent Absolution bei Fünfzig Prozent Wahrheit."

Foto&Text TaxiBerlin

10.04.2015

IM TAXI MIT FRITZ "JOTT" RADDATZ


Schwarzes Buch auf schwarzem Grund

Nur weil ich im Taxi viel Zeit habe, heißt das noch lange nicht, dass ich alles lese. Wenn ich mir schon nicht die Fahrgäste aussuchen kann, die ich zu befördern habe, dann zumindest die Bücher, die mir in die Taxe kommen. Dass ich mich gerade mit Fritz "Jott" Raddatz beschäftige, hat einen eher traurigen Anlass, und zwar den, dass er kürzlich verstorben ist.

"Karl Marx - Eine politische Biographie" von Fritz "Jott" Raddatz ist, soviel kann ich gleich mal verraten, für den Einstieg in die Welt von Fritz "Jott" Raddatz nicht wirklich zu empfehlen. Dafür ist das Buch viel zu anspruchsvoll, aber vor allem zu wissenschaftlich. Den 400 Seiten Biographie von Karl Marx folgen immerhin gut 100 Seiten Anhang mit Quellennachweisen und Anmerkungen.

In einer Biographie von Karl Marx erfährt man, wie sollte es anders sein, vieles über das Leben von Karl Marx, was man schon wußte, aber auch so einiges, was man noch nicht wußte, das ist in DER von Fritz "Jott" Raddatz nicht anders wie bei anderen Autoren von Biographien, es ist also als selbstverständlich anzusehen, weswegen ich darauf nicht weiter eingehe.

DAS Andere in "Karl Marx - Eine politische Biographie" von Fritz "Jott" Raddatz kommt spät, nämlich erst auf Seite 387, aber es kommt, und soll auf jeden Fall hier Erwähnung finden. Die Rede ist von einem Experiment des amerikanischen Verhaltensforschers John P. Calhoun, und zwar eines mit Mäusen. Der Zusammenhang mit Karl Marx ist mir gerade nicht präsent, spielt aber an der Stelle auch keine Rolle.

In dem Experiment von John P. Calhoun leben die Mäuse in einer quasi optimalen Umwelt, in der es genug Futter und Wasser, keine natürlichen Feinde, keine Krankheiten, keine äußeren Störfaktoren, angenehme Temperaturverhältnisse, also ideale Existenzbedingungen gibt. Es war, wenn man so will, eine blühende Landschaft, deren Bewohner sich zahlreich vermehrten. Bald spielten aber auch hier Reichtum und Statussymbole eine immer wichtigere Rolle.

Ein Statussymbol war z.B. der Besitz eines unteren Nistplatzes, von wo aus der Zugang zum Futter leichter war. Wer oben nistete, brauchte mehr Zeit und auch mehr Energie, um an Wasser und Futter zu gelangen. Die "ersten Siedler" besetzten aber, ganz im Gegensatz zu anderswo, den gesamten Lebensraum. Zwischen den "später Zugezogenen" kam es zum Kampf um Territorien und Weibchen.

Die ältere Männchen rieben sich deswegen sehr auf und starben aus. Die Weibchen wurden dagegen mehr und mehr aggressiv. Nach zweieinhalb Jahren wurden alle verbliebenen Mäuse zunehmend passiv und depressiv statt aggressiv. Sie spielten nicht mehr, zeigten kaum noch sexuelle Aktivitäten, und verließen ihre Nester nur noch zur Nahrungsaufnahme. Irgendwann hörten die Paarungen komplett auf, die Kolonie begann auszusterben, und übrig blieben 15 alte Mäuseweiber, deren Menschenalter etwa 100 Jahre entsprach.

Gruselig, oder? Und alles in einer Karl Marx Biographie! Allerdings von Fritz "Jott" Raddatz.

Foto&Text TaxiBerlin

09.04.2015

KRITIKER UNTER SICH


Ohlauer Straße / früher Kreuzberg
heute Kreuzkölln, aber eigentlich Neue Mitte

Wo stiegen sie mir gleich nochmal ein? Ich hab's wirklich vergessen. Ich denke, es war in Mitte. Obwohl, es kann auch in Kreuzkölln gewesen sein. Kreuzkölln ist ja bekanntlich die Neue Mitte. Aber eigentlich ist es auch egal, wo mir das junge Paar, also ein junger Mann und eine junge Frau einstieg, oder muss ich's umdrehen: Eine junge Frau und ein junger Mann? Egal! Sie stiegen mir auf jeden Fall ein, ich weiß nicht wo, und fingen sogleich an über ein Buch zu sprechen. Er hatte es wohl gelesen, zumindest gab er das vor, sie eher nicht. Auf jeden Fall fand er das Buch nicht gut, weil, und jetzt kommt das beste, es ihn nur ein- oder wenn's hochkommt zweimal zum Lachen gebracht hat. Sie wird das Buch jetzt natürlich nicht mehr lesen. Auch das keine Überraschung. Das Buch allerdings, die meisten von euch kennen es, weswegen ich den Titel nicht nennen brauche, und das ist jetzt wirklich zum Lachen, ist gar nicht komisch!

Foto&Text TaxiBerlin

08.04.2015

TAXIBERLIN ALS SHOPPING GUIDE


In der Umkleide

Ich bin nicht nur Taxifahrer, nein, ich bin auch Shopping Guide, auch wenn ich da weniger Aufträge habe. Da es mit denen derzeit im Taxi ziemlich mau aussieht, muss auch ich sehen, wo ich bleibe. Vorneweg kann ich sagen: Es gibt schlimmere Jobs! Als Shopping Guide habe ich mir in all den Jahren einen kleinen Stamm an Kundinnen aufgebaut, die mich zwar nicht oft, dafür aber regelmäßig nicht nur als Taxifahrer sondern eben auch als Shopping Guide buchen.

Ostermontag war es mal wieder so weit, da rief mich eine meiner Stammkundinnen ganz aufgeregt an, weil sie mal wieder nichts anzuziehen hatte. Um diese Frage gleich am Anfang geklärt zu haben: Judith Hermann war es nicht! Die hatte ich ja erst neulich im Taxi, und so etwas braucht Zeit. Das mit der Zeit ist sowieso das wichtigste bei einem Shopping Guide, zumindest, wenn man, so wie ich, einer für Frauen ist. Kann sein, dass das bei Männern anders ist, aber da kenne ich mich nicht aus.

Meine Stammkundin, nennen wir sie der Einfachheit halber Elvira, rief mich also am Montagabend an, weil sie zum orthodoxen Osterfest eingeladen ist, was kommendes Wochenende ist, und wozu sie, also Elvira, nach eigenen Angaben, nichts anzuziehen hat. Heute hatte ich nun Zeit für sie, und wir waren von 12 bis 20 Uhr unterwegs, vor allem in West-Berlin. Wer was von Mode versteht, kauft im Westen! Kannste glauben - hier spricht ein Mann vom Fach!

Als Shopping Guide, auch das ist ganz wichtig, darf man selbst auf keinen Fall "overdressed" sein, wie man auch auf obigen Bild gut erkennen kann. Ansonsten darf ein Shopping Guide aber fast alles, und natürlich darf er auch mit in die Umkleide, das ist ja klar. Auch deswegen ist es wichtig Zeit zu haben, denn vor dem Anziehen kommt immer das Ausziehen, was ich, wenn ich ganz ehrlich sein soll, am liebsten mag.

Damit es mir nicht so geht, wie dem Freund von Otto Reutter beim Blusenkauf von Frau Suse, der einfach mal Tod umfällt, habe ich als Shopping Guide immer eine große Tasche mit Proviant dabei. Auch das ist wichtig! Stell Dir vor, die müssen Dich Beine voran aus der Frauen Umkleide raustragen! Wie peinlich ist das denn?!? Dann lieber 'ne große hässliche Tasche mit was zu beißen drin!

Das Allerallerwichtigste für einen Shopping Guide ist aber, dass er bestimmte Dinge für sich behalten kann, und damit meine ich gar keine Indiskretionen. Nein, manchmal reicht es vollkommen aus, wenn man für sich behält, dass die Orthodoxen zu Ostern nichts weiter machen, als ein paarmal im Entenmarsch um ihre Kirche zu rennen und dabei ab und zu "Wahrlich - er ist auferstanden!" zu rufen, und das ganze natürlich im Dunkeln!

Foto&Text TaxiBerlin

DER E-SCHEIN


und wo Du ihn brauchst

Als leidenschaftlicher Shopper, wenngleich ohne Geld, habe ich ihn natürlich: Den E-Schein. Der E-Schein ist, wenn man so will, der kleine Bruder vom P-Schein. Den P-Schein braucht man zum Taxifahren. Mit dem E-Schein verhält es sich ein klein wenig so wie mit der russischen Seele. Niemand weiß so richtig, was sie wirklich ist und wozu wir sie überhaupt brauchen. Ganz so schwierig ist das mit dem E-Schein nicht. Den E-Schein brauchst Du nur zum Einkaufen, denn dort gibt es neuerdings nicht nur einen Fahrsteig, in den es zügig einzufahren gilt, sondern auch Ampeln an den Kassen.

Foto&Text TaxiBerlin

07.04.2015

"SASCHAS WELT"


Taxi Café / Sonnenallee Ecke Hobrechtstraße
früher Neukölln / heute Neukölln

"Kollege" Sascha hat der "Welt" ein Interview gegeben, in dem es um sein Buch geht, Gratulation nochmal - auch von dieser Stelle, was er fleißig auf seinen Seiten bewirbt, doch leider ohne einen Link zum Interview, wofür er, wer ihn kennt, weiß das, einfach zu schüchtern ist. Einen anderen Grund kann ich mir nicht denken, denn auch die Fotos vom Springer Fotografen erscheinen mir äußerst gelungen.

Obwohl, wenn ich's mir recht überlege, war da mal irgendwas auf seinem Blog. Hm, ich kann mich gerade nur dunkel daran erinnern, und das, obwohl es doch in roter Schrift war. Vielleicht liegt es an der Länge des Textes, der sich über mehrere Zeilen erstreckte, und der sich, glaube ich zumindest, an die Kollegen der Springer Presse richtete, und dass sie ihn bloß in Ruhe lassen sollen - den Sascha.

Und selbst wenn es so wäre, was ist so schlimm daran, man kann seine Meinung ja auch mal ändern, warum denn nicht. Das passiert tagtäglich, und auch mir ist es schon passiert. Gestern zum Beispiel: Da wollte ich dem Sascha ein paar aufmunternde Worte schreiben, und dann habe ich es doch erst heute getan, was aber auch egal ist, weil er weder die von heute noch die von gestern veröffentlicht.

Foto&Text TaxiBerlin

SHOPPEN ODER STERBEN


Anstrengender als Arbeit

Vier Tage ohne Einkaufen - es war die Hölle! Dazu muss man wissen, dass ich ein leidenschaftlicher Shopper bin. Da ich aber kaum arbeite und auch sonst kein Geld habe, komme ich von meinen täglichen Shopping-Touren meist ohne Einkäufe zurück. Ich nenne es auch "Therapeutisches Schoppen", und das ist, ob Du es glaubst oder nicht, anstrengender als richtig Einkaufen!

Foto&Text TaxiBerlin

06.04.2015

WO EINST DIE BÜCHER AUF DIE WAAGE KAMEN


Niederbarnimstraße / früher Friedrichshain
heute Friedrichshain-Kreuzberg

Es hat etwas gedauert, bis ein neuer Mieter gefunden wart, und zwar für den Ort, wo einst Bücher nach Kilogramm verkauft wurden, was aber vor allem daran lag, dass der Verkaufsraum nicht besonders groß ist und die sich anschließenden Berliner Zimmer für ein zu erwarten gewesenes neues In-Café im Kiez nicht wirklich eignen, oder einfach unseren "Berlin - täglich neu" eintreffenden Besuchern nicht mehr zuzumuten sind. Immobilie ist eben nicht gleich Immobilie, selbst im "Szenebezirk" nicht. Umso größer ist die Freude, übrigens auch bei allen Nichtrauchern im Kiez, dass pünktlich zu Ostern ein Fachhandel für E-Zigaretten an besagtem Ort seine Pforten öffnete, der dazu noch den vielversprechenden Namen "Die Grüne Lunge" trägt, was mich, warum auch immer, an "unbefleckte Empfängnis" denken lässt.

Foto&Text TaxiBerlin

05.04.2015

"BERLIN IST EIN GEDICHT"



Berlin ist ein Gedicht
Und anschnallen im Taxi Pflicht
Nicht alles ist immer nur Rosa
Manches aber besser als Prosa

Berlin ist ein Gedicht
Und manches endet vor Gericht
Wahrlich kein schöner Ort
Drum überlege gut jedes Wort

Berlin ist ein Gedicht
Und misst nicht nach Gewicht
Es muss sich vor allem reimen
Am besten ohne zu schleimen

Berlin ist ein Gedicht
Das übers Knie man bricht
Nur echt mit Bier in der Flasche
Und von Freund ALDI die Tasche

Berlin ist ein Gedicht
Über das ein jeder spricht
Du hast es noch nicht gehört?
Dann bist Du hier verköhrt!

Foto&Lyrics TaxiBerlin

04.04.2015

"BERLIN IS IN GERMANY"


Das Schild zum Film

"Berlin is in Germany" ist ein Film von Hannes Stöhr, in dem ein verhinderter Berliner Taxifahrer die Hauptrolle spielt - aber nicht nur das. "Berlin is in Germany" ist auch eine Metapher, sich bestimmte Dinge und Entwicklungen mit einem gewissen Abstand anzusehen. Dieser Abstand kann sowohl räumlich sein, als auch zeitlich.

Ich komme drauf, weil ich neulich einen Fahrgast hatte, der nicht nur zehn Jahre, wie der Hauptcharakter im Film, sondern gleichmal zwanzig Jahre im Knast saß. Nach eigenen Angaben wegen Drogen, er soll 'ne große Nummer in der Szene gewesen sein, aber vielleicht hatte er auch noch anderes auf dem Kerbholz, wer weiß?

Auf jeden Fall wollte er in seine alte Stammkneipe im Prenzlauer Berg. Ich hatte ihn vorgewarnt, dass sich seither viel verändert hat, und vorsorglich angeboten, vor der Kneipe zu warten. Das sei nicht nötig, er kenne doch den Laden, aber wenn ich unbedingt wolle ...

Es dauerte keine zwei Minuten, da saß er bereits schon wieder bei mir im Taxi. Das ganze Spiel wiederholte sich dann noch sechs/sieben Mal. Was war bloß mit seiner Stadt los? Er verstand die Welt nicht mehr! Und dann die Leute, die da drin sitzen in den Kneipen.

Ob ich die kennen würde? Nicht persönlich, aber irgendwie schon. Das seien auch ganz andere Leute. Früher hätten da normale Leute drin gesessen, aber jetzt? Er stand, das kann ich ohne Übertreibung sagen, regelrecht unter Schock. Er konnte auch nicht, so wie früher, Ordnung schaffen in den Läden. Auch er war älter geworden.

Was sollte, was konnte ich ihm vorschlagen? Du wirst lachen, aber mir fiel nichts ein. Und dabei dachte ich immer, meine Stadt zu kennen. Vielleicht gibt es sie auch gar nicht, die Kneipe, in der es noch so aussieht wie vor zwanzig Jahren, mit den selben Leuten, die dort sitzen, wo sie immer sitzen, am Stammtisch halt, und nicht im Knast.

Kennst Du sie? Ich nicht! Mein Fahrgast schon gar nicht, denn der saß ja die letzten zwanzig Jahre. Er verstand seine Stadt nicht mehr. Wie denn auch, wenn sie unsereiner schon nicht versteht. Jetzt wollte er nur noch eins, nach hause, was ich gut verstand. Während der Fahrt würde ich versuchen, ihm das neue Berlin zu erklären. Mal sehen, wie weit ich komme, immerhin wohnt er Friedrichshagen.

Foto&Text TaxiBerlin

03.04.2015

WARUM DAS TROTZDEM EIN TAXIBLOG IST, OBWOHL KEINE GESCHICHTE - KEINE EINZIGE! (OBWOHL, WENN ICH'S MIR RECHT ÜBERLEGE, MAN SOLL BEKANNTLICH NIEMALS NIE SAGEN, SOLLTE ICH VIELLEICHT DOCH NICHT GANZ SO RIGOROS SEIN) - MIT "STIEG MIR NEULICH EINER EIN ..." BEGINNT UND WARUM DAS EINE SERIE IST, DIE LEIDER FORTGESETZT WIRD (TEIL DREI)


Hol es dir!

Mit meinem Taxi habe ich in meiner nunmehr über zwanzig Jahre andauernden Kariere auf den Berliner Straßen und Plätzen nicht nur meine erste Million gemacht, sondern ganz nebenbei auch während einhunderttausend Fahrten irgendwas zwischen zweihundert- und dreihunderttausend Personen befördert, was ich im zweiten Teil meiner neuen Serie mit dem zugegeben nicht ganz einfach zu merkenden Titel für jeden nachvollziehbar ausgerechnet habe.

In den vielen Jahren habe ich eine persönliche Entwicklung vollzogen, die leider der allgemeinen Entwicklung in unserer Stadt völlig konträr gegenübersteht. Hm, wie erkläre ich das jetzt am besten? Vielleicht so: Mit dem Alter lässt bekanntlich unser Geschmacksinn nach, was an sich schon keine schöne Sache ist. Kommt dann noch hinzu, wie in unserem Fall, dass die Dinge an sich, übrigens egal ob biologisch oder konventionell angebaut, immer fader schmecken, dann ist die ganze Geschichte eine riesengroße Sauerei.

Übertragen aufs Taxi heißt das nicht weniger, aber auch nicht mehr, dass die Fahrgäste in den letzten Jahren insgesamt farbloser und langweiliger geworden sind, ich aber in derselben Zeit, wenn man so will, erfahrener und wissender. Dass an meiner Entwicklung durchaus Fahrgäste ihren Anteil hatten, habe ich nicht nur erwähnt, sondern mich auch bedankt. Aber das ist sozusagen Geschichte.

Für diese bedauernswerte Entwicklung gibt es mehrere Gründe. Ich fange mal damit an, dass es immer weniger Berliner nicht nur in Berlin, sondern auch im Taxi gibt. Der Berliner, das ist bekannt, ist eine aussterbende Spezies, und mit ihm stirbt leider auch der Berliner Humor aus. Was anstelle des Berliners im Taxi sitzt, ist schwer auf einen Nenner zu bringen. Ich versuche es trotzdem. Da sind die Nomaden, die heute hier sind, und morgen dort, aber nirgendwo wirklich. Dann natürlich die Hedonisten, die immer nur eines wollen, Party machen, und die deswegen, das nervigste, immer gut drauf sein müssen. Zum Schluss noch die, die gestern gekommen sind und mir heute meine Stadt erklären wollen. Gähn ... Verzeihung!

Darüber hatte ich bereits mehrfach geschrieben und dem ist auch nichts hinzuzufügen. Nur, was bleibt dann noch, worüber es zu schreiben lohnt? Dass der eine Fahrgast gegähnt, der andere gerülpst, der nächste gepupst und der letzte vielleicht ganz und gar noch ins Taxi gekotzt hat? Soll ich darüber schreiben? Für wen? Willst Du das wirklich lesen? Also ich nicht! Aber was bleibt sonst noch? Hm, darüber muss ich erstmal nachdenken. Vorher möchte ich noch einmal ausdrücklich betonen, dass es selbstverständlich auch heute noch Fahrten gibt, über die es etwas zu berichten gibt. Es gibt sie zweifellos, und ich schreibe über sie. Aber sie sind rar geworden.

Es sind ihrer, für alle Statistiker, ein bis maximal zwei im Monat, der Rest sind Mitläufer bzw. Mitfahrer, oder auf Taxideutsch: Durchläufer, die ich gerne denen überlasse, die sonst gar nichts zu erzählen haben. Ich weiß, das hört sich im ersten Moment irgendwie arrogant an, ist aber gar nicht so gemeint. Denn, und jetzt mal ganz ehrlich und Hand aufs Herz: Wer nach so vielen Jahren im Taxi mit täglichem Kundenkontakt keine bessere Geschichten zu erzählen weiß, als seine Fahrgäste, der hat irgendwas verkehrt gemacht. Und genau darum geht es in diesem Blog: Um die besseren Geschichten!

Wird leider fortgesetzt ...

Foto&Text TaxiBerlin

02.04.2015

DER TROSTPREIS


Ein Geschenk meiner Krankenkasse

Normalerweise versuche ich Anwälte, Ordnungshüter und auch Ärzte zu meiden, was mir viele Jahre lang auch ganz gut gelungen ist, nur im letzten Jahr nicht. Da hatte ich so viele Termine, die meisten davon bei Chirurgen, wie in den zehn Jahren davor zusammen nicht. Das muss wohl auch meiner Krankenkasse aufgefallen sein.

Auf jeden Fall hatte ich heute obiges Schild von ihr bei mir im Kasten. Dem beiliegenden Schreiben entnehme ich, dass ich es beim krankenkasseninternen Wettbewerb, bei dem es darum geht, wer sich innerhalb eines Jahres am häufigsten unters Messer legt, immerhin auf Platz Vier geschafft habe, wofür es obigen Trostpreis gibt.

Foto&Text TaxiBerlin

01.04.2015

WAS MACHT DAS BETT UNTER DER BRÜCKE?


Friedrichstraße / S-Bahnhof / Unterführung
früher Mitte / heue Neue Mitte

Das Bett unter der Brücke am Bahnhof Friedrichstraße gibt es schon lange, ohne dass sich jemand daran stören würde. Was genau dahinter steckt, kann selbst ich nicht sagen, obwohl ich schon mindestens tausend Mal mit dem Taxi an ihm vorbeigefahren bin. Die neben dem Bett aufgestellten Protesttafeln deuten auf eine Verbindung zu Rumänien hin, und die rumänische Botschaft ist auch gleich um die Ecke in der Dorotheenstraße.

Warum auch ich nichts weiß über diese Verbindung, ist einfach erklärt. Jegliche Rumänien-Connection geht mir ehrlich gesagt sonstwo vorbei, weil ich durch Rumänien immer nur durchfahre, und das aus gutem Grund. Mich interessiert auch nicht, warum sich diese Leute plötzlich schwarz/goldene Bettwäsche leisten können. Aber in diesem Punkt stehe ich schon wieder alleine da.

Denn genau das ärgert dich, dass es da jemand gibt, der keinem Trend und auch keiner Mode folgt. Er sammelt nichts, er kauft nichts und er verkauft auch nichts - noch nicht mal Gras! Er ist einfach nur da. Und selbst das ist er oft nicht, denn die meiste Zeit ist er weg. Und trotzdem, und das ärgert Dich am meisten, kann er sich schwarz/goldene Bettwäsche leisten, und - das allerschlimmste - sie auch noch einfach so auf den Bürgersteig legen.

Foto&Text TaxiBerlin