09.03.2015

WOHNEN UND STERBEN IN BERLIN


Boxhagener Ecke Weichselstraße
früher Friedrichshain / heute Friedrichshain-Kreuzberg

Das kann dir schneller passieren, als Du denkst, dass Du eines Tages plötzlich hinter Gittern aufwachst. Das heißt nicht automatisch, dass Du im Knast bist. Das nicht. Aber zumindest irgendwie eingegrenzt. Oder ausgegrenzt, je nach Sichtweise. Was Du in der Regel auf jeden Fall definitiv hast, ist eine Baustelle vor der Tür.

Das muss nicht immer nur schlecht sein. Auch das nicht. Im Leben mancher Leute passiert nichts und auf so einem Bau ist immer etwas los. Für eine Bau-Chronik ideal. Nicht zu vergessen die vielen Bauarbeiter, die dort arbeiten. Man versteht sie zwar nicht, aber das ist auch nicht so wichtig, Schließlich sind sie zum Arbeiten da.

Und wird mal nicht gearbeitet, was auch auf einer solchen Baustelle mal vorkommt, wenngleich nicht so häufig wie auf den Straßenbaustellen, wo es Alltag ist, dann hast Du einen Riesenspielplatz direkt vor der Tür, mit aufgeschütteten Sandbergen (rechts im Bild), wo Du im Winter Schlitten fahren kannst, wenn es ihn denn noch geben würde, den Winter.

Wen es auf jeden Fall noch gibt, das ist der Mond. Und der scheint, so lange er noch scheint, bekanntlich jedem, egal ob er vor oder hinter Gittern sitzt. Nicht verschweigen sollte ich vielleicht, dass es auf der Baustelle einen Wachschutz gibt. Und wenn Du ja gerade keinen Job hast, könntest Du möglicherweise dort anfangen.

Die Aufnahme (Foto) entstand gestern Abend. Das sonnige Wochenende war vorbei und die Arbeitswoche hatte so gut wie begonnen, da fiel mir ein, dass Montag, also heute, der Tag ist, wo sich die meisten Menschen das Leben nehmen. Nicht unbedingt im Taxi, aber rein statistisch. Das soll übrigens mit der Arbeit und dem Konsum zusammenhängen.

Am Wochenende arbeiten die meisten nicht und konsumieren können sie auch nicht, sieht man mal vom Flohmarkt ab. Gut, manche arbeiten auch am Wochenende, aber sie sind in der Minderzahl. Und konsumieren lässt sich auf dem Flohmarkt auch nur bedingt. Die Auswahl ist beschränkt und in der Regel sind die Sachen gebraucht.

Bei den Leuten, die an der Baustelle wohnen, kommt Montags noch der Baubeginn dazu, denn am Wochenende ruht hier die Arbeit, auch wenn die Arbeiter gar nicht von hier sind. Bei mir im Hinterhof wurde vor nicht allzu langer Zeit auch mal, vielleicht nicht gebaut, aber immerhin renoviert, was aufs selbe hinausläuft, nämlich jede Menge Lärm und Dreck. Ich weiß also, wovon ich schreibe.

Da bei mir der Wochenrhythmus umgedreht ist, ich also am Wochenende arbeite und in der Woche ruhe, nervt so eine Baustelle, wo von Montag bis Freitag gebaut oder wegen mir auch nur renoviert wird, natürlich doppelt. Trotzdem, und das ist die gute Nachricht, bin ich durch meinen umgedrehten Rhythmus halbwegs vorm Selbstmord geschützt, vorausgesetzt, man glaubt der Statistik.

Foto&Text TaxiBerlin

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