03.03.2015

TAXIFAHREN ALS HOBBY


Graffito / Boxhagener Straße
früher Friedrichshain / jetzt Friedrichshain-Kreuzberg

Taxifahren ist ein Hobby von mir, das stimmt wirklich! Ich weiß, das hört sich komisch an, aber nur für denjenigen, der keine Hobbys hat, oder dessen Job mit seinem Hobby nichts zu tun hat. Ich meine, wer kann schon behaupten, dass er mit seinem Hobby Geld verdient? Jetzt mal ehrlich! Ich kann das nicht nur, nein, ich hab' damit sogar schon 'ne Million gemacht!

Denn das, was ich gestern geschrieben habe, stimmt wirklich! In den vergangenen zwanzig Jahren, in denen ich mit dem Taxi auf den Berliner Straßen unterwegs war, habe ich eine Million eingenommen. Vielleicht soll ich lieber "hätte" sagen. Denn dazu hätte ich all die Jahre Vollzeit arbeiten müssen, was ich niemandem empfehlen kann.

Ich meine, Vollzeit Taxifahren, wie blöd ist das denn?!? Aber gut, auch ich war so verrückt und habe das ein paar Jahre gemacht. Ich weiß also wovon ich rede. Wobei, wenn ich es mir Recht überlege, ist das wohl bei jedem Job so. Man verblödet einfach mit der Zeit.

Bei mir ist es nun so, dass ich sowieso draußen auf der Straße wäre, denn die Straße ist mein zu Hause. Klar habe ich auch 'ne Wohnung, aber dort sterben bekanntlich die meisten Leute. Also was will ich da? Obwohl, wenn ich's mir recht überlege, sterben heutzutage die meisten Leute im Krankenhaus oder im Heim.

Ein Grund mehr, die Straße mein zu Hause zu nennen, und nicht das Krankenhaus oder das Heim und auch nicht meine Wohnung. Am Liebsten bin ich zu Fuß unterwegs, weil man da am meisten sieht. Man war übrigens nur wirklich da, wo man auch zu Fuß war, aber das nur nebenbei.

Mit Fahrrad geht natürlich auch, und neuerdings auch im Winter. Mit dem Fahrrad ist man aber schon zu schnell, da entgeht einem einiges. Das kannst Du selbst leicht überprüfen. Geh' mal eine bestimmte Strecke zu Fuß, die Du vorher mit dem Fahrrad oder gar mit dem Auto abgefahren bist.

Ich hab' es gemacht und obiges Graffito fotografiert, an dem ich mit dem Fahrrad vorbeigefahren bin. Das ist aber nicht immer so. Es kommt auch vor, dass ich, um Fotos zu machen, zu Fuß oder mit dem Fahrrad an bestimmte Orte zurückkehre, an denen ich vorher mit dem Taxi vorbeigefahren bin.

Insbesondere mit dem Taxi ist man immer viel zu schnell unterwegs, selbst wenn man nur mit den erlaubten dreißig oder fünfzig Stundenkilometern fährt. Dafür hat man Fahrgäste, und die Fahrgäste haben einen. Und das ist für mich ein wichtiger Punkt, vielleicht sogar der wichtigste, der gegen Uber und seine Fahrer spricht.

Ein Taxifahrer, der lange genug unterwegs ist, kennt seine Stadt, er kann seinen Fahrgästen zu allem etwas erzählen. Wie soll das ein Uber-Fahrer können, der zwar seine Fahrgäste findet, aber dafür mit Navi fahren muss. Und die, also seine Fahrgäste, müssen sowieso auf ihn warten, weil sie die Fahrt bereits bezahlt haben.

Es kommt auch vor, das sind die ganz besonderen Höhepunkte, dass man von seinen Fahrgäste noch was lernen kann. Mir ging es einmal mit einem älteren Herrn aus New York so, der zum Schöneberger Rathaus wollte. Dort angekommen erzählte er mir, wie das damals war, als Kennedy seine bekannte Rede hielt, von der er als Journalist in die Heimat berichtete.

Natürlich gibt es, neben der hohen Geschwindigkeit, weitere Nachteile, die gegen das Auto allgemein und für das Fahrrad fahren und dem zu Fuß gehen sprechen. Beispielsweise die schmutzige Luft in der stinkenden Kiste, auch Taxi genannt. Ich sage das nicht als Gutmensch, der an seine Umwelt denkt, oder an seine Fahrgäste. Nein, ich denke dabei nur an mich.

Neben der schlechten Luft seien noch die vielen Menschen erwähnt, denen man auf der Straße begegnet. Keine Ahnung, wie viele das genau sind, man müsste sie wirklich mal zählen, aber es sind eindeutig zu viele. Hinzu kommen Nachts die ganzen Lichter, was, zusammengenommen, zu einer Reizüberflutung führen kann.

Das kann einem zu Fuß nicht, oder nur ausnahmsweise passieren. Auch deswegen, ich komme jetzt zum Schluss, fahre ich nicht mehr Vollzeit Taxi. Die restliche Zeit brauche ich einfach, um zu Fuß oder mit dem Fahrrad auf der Straße, aber nicht nur da, es gibt schließlich auch noch Seen und Parks, unterwegs zu sein, oder einfach nur an Orte zurückzukehren, an denen ich mit dem Taxi vorbeigefahren bin.

Foto&Text TaxiBerlin

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