04.03.2015

AUCH ICH EIN MESSI


Gewerbehof / Putlitzbrücke
früher Moabit / heute Neue Mitte

Ich hatte schon mal erwähnt, dass die Kellerbibliothek nicht meine einzige Bücherquelle ist. Neben ihr gibt es noch jede Menge Antiquariate und natürlich die Flohmärkte bei mir im Kiez. Auf denen kenne ich alle, die mit Büchern zu tun haben, viele sogar persönlich.

Ich sollte kurz erklären, warum mir Bücher so wichtig sind. Aus vielen Gesprächen, auch im Taxi, weiß ich, dass die meisten Leute heutzutage glauben, sie würden alles im Internet finden. Ich glaube das nicht. Ganz im Gegenteil! Ich halte das für einen Irrglauben.

Einer von den Flohmarktmenschen, die sich professionell mit Büchern beschäftigen, kommt einmal im Jahr zu mir. Ich nenne ihn "Herr Büchermann", und obwohl wir uns schon ziemlich lange kennen, Siezen wir uns immer noch. Das mag den ein oder anderen jetzt irritieren, für uns ist es Ausdruck unseres gegenseitigen Respekts.

Gestern war es nun wieder so weit. In meinem Studierzimmer sah es seit Wochen aus wie auf obigem Gewerbehof. Überall standen Kisten mit aussortierten, schlechten oder einfach nur stinkenden Büchern herum, weswegen ich kaum treten konnte. Dass ich trotzdem noch schreiben konnte, grenzt geradezu an ein Wunder.

"Herr Büchermann" ist jemand, der kein Blatt vor den Mund nimmt, weswegen ich ihn schätze. Trotzdem war es eine Überraschung, als er mich ganz direkt fragte, ob ich ein Messi sei. Das Ganze wie gesagt in der Sie-Form. Ohne groß nachzudenken, bejahte ich die Frage.

Was sollte ich tun? Er hatte mich sowieso durchschaut. Keine Ahnung, ob das für alle Büchermänner, und natürlich auch -frauen, zutrifft. Mein "Herr Büchermann" kennt seine Kunden wie manch Taxifahrer seine Fahrgäste, der besser als sie weiß, wo die hingehören.

Genau wie auf obigem Foto kam "Herr Büchermann" mit seinem Transporter, dass komischerweise auch ein großes "B" allerdings für "Bücher" aufweist. Leider hatte ich nur eine Stunde Zeit für ihn, was aber vollauf genügte, um sechs Bücherkisten zu taxieren.

Natürlich habe ich nicht alle Bücher gelesen. Aber zu den meisten in den sechs Bananenkisten konnte ich "Herrn Büchermann", der auch nicht jedes Buch kennt, etwas sagen - immerhin! Ansonsten war "Herr Büchermann" froh, mal wieder draußen an der Basis, also vor Ort bei seinen Kunden zu sein. Und natürlich war auch ich froh, dass er da war, und dass ich jetzt wieder treten kann in meinem Studierzimmer.

Allzuoft findet "Herr Büchermann" seine Bücher nämlich genau dort, wo auch ich sie finde - in der Kellerbibliothek! Warum erzähle ich diese Geschichte und was hat sie mit Taxifahren in Berlin zu tun, fragst Du dich nicht ganz zu Unrecht. Ich will es Dir sagen, allerdings erst morgen, denn jetzt muss ich los und für Nachschub für den nächsten Besuch von "Herrn Büchermann" sorgen.

Foto&Text TaxiBerlin

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