14.02.2015

MEINE ALTE SCHULTER


Schulter / links / alt

"Schön ist anders!" meinte Dr. Frauenschuh, der Schulterspezialist in Berlin-Moabit, beim Anblick meiner alten Quasimodo-Schulter (Foto). Dass er selbst diese, das Ergebnis einer vorherigen OP korrigierende, Operation vor Jahren über sich hat ergehen lassen müssen, die er nun seinerseits mir angedachte, machte mir Mut. Außerdem, dass er laut Internet 800 Schultern im Jahr macht. Keine Ahnung, wie er das hinkriegt. Aber bei mir fragt schließlich auch keiner, wie ich 100.000 Kilometer im Jahr schaffe ...

Was war nun überhaupt passiert mit meiner Schulter, und warum musste sie ein zweites Mal operiert werden? Auf jeden Fall ist es nicht beim Taxifahren passiert, so viel kann ich schon mal sagen. Passiert ist es beim Fussballspielen, was ich gar nicht kann. Der Tag fing eigentlich ganz gut an. Vormittags hatte ich zum zweiten Mal mein Ja-Wort gegeben und mir für den Rest des Tages frei genommen. Es war Wallpurgisnacht und da spiele ich traditionell mit Freunden Fussball. Traditionen können manchmal ganz schön blöd sein.

Aus dem Spiel wurde Ernst, wie das manchmal so ist im Leben, und mein Gesicht näherte sich plötzlich mit hoher Geschwindigkeit dem nicht vorhandenen Rasen. Zum Glück war meine Schulter dazwischen, die nach dem Aufprall ziemlich genau so aussah wie nach der ersten OP (Foto), nur ohne Narbe. Das lag aber nicht daran, dass irgendwas gebrochen gewesen wäre. Nein, es waren "lediglich" die drei Bänder zwischen Schlüsselbein und einem anderen Knochen gerissen, dessen Name mir gerade nicht einfällt.

(Im Fachjargon nenn man das "Tossy III", d.h. komplette Luxation im AC-Gelenk mit vollständiger Ruptur der Bänder, was zu einem nicht zu übersehenden Hochstand des Schlüsselbeinendes führt.)

Ich hatte bereits meine Skepsis gegenüber gewissen Traditionen zum Ausdruck gebracht, insbesondere wenn diese ausgerechnet an dem Tag fortgeführt werden sollen, an dem man sein Ja-Wort gibt. Nun war auch noch Wallpurgisnacht, und die Straßen genauso voll wie die Notaufnahme des Krankenhauses im Kiez. Da ich mich aber einmal bis dorthin durchgearbeitet hatte, entschied ich kurzerhand, die erste OP auch gleich dort machen zu lassen, nachdem ich zuvor direkt beim Operateur angefragt hatte, ob er sich die auch zutraut.

Das war angeblich der Fall. Aber im Taxi ist es nicht anders. Auch dort sagt der Fahrer im Zweifelsfall erstmal JA, selbst wenn er das Fahrziel nicht wirklich kennt. Und so war es wohl auch hier, was zum bekannten Resultat führte (nochmal Foto). Hinzu kommt, dass das Krankenhaus im Kiez auch nicht mehr das ist, was es mal war. Auch hier wird gebaggert und gebaut, und zwar auf beiden Seiten des Bettenhauses, was dem Heilungsprozess ungemein förderlich ist.

Meine zweite OP, die der ersten folgte wie im Taxi der eine Fahrgast dem anderen, war übrigens im beschaulichen Dahlem, was ich wirklich wärmstens empfehlen kann, obwohl es an dem Tag ausnahmsweise mal kalt war. Man kommt da übrigens ganz bequem hin, auch ohne Taxi, beispielsweise mit der U-Bahn. Aussteigen muss man Podbielskiallee, aber das nur nebenbei. Ich kenne die Gegend ganz gut, weil ich mich dort vor Jahren als Student herumgetrieben habe, weswegen Taxifahrten nach Dahlem insbesondere Nachts, wenn ich normalerweise fahre, die absolute Ausnahme sind.

Zum Schluss noch ein Wort zu den Schwester. Die sind in Dahlem, das muss ich zugeben, mit wenigen Ausnahmen, älteren Semesters. Wer knackige Krankenschwestern sehen will, der darf auf keinen Fall nach Dahlem gehen. Dafür gibt es dort aber Schwester Renate, eine resolute Frau, die zwar ihre besten Jahre hinter sich hat, dafür aber, wie man so schön sagt, eine Seele von Mensch ist. Das kann ich ohne Übertreibung sagen. Niemand hat mir jemals so schön die Stullen geschmiert wie Schwester Renate, denn das kriegst du alleine nicht hin nach einer Schulter-OP. So viel sei verraten, denn über die üblen Schmerzen zu schreiben, möchte ich meinen Lesern ersparen.

Foto&Text TaxiBerlin

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