12.02.2015

"IN NEUKÖLLN HERRSCHT EINE ANDERE STRASSENVERKEHRSORDNUNG" (FORTSETZUNG)


1. Unfall / Anfang der Nuller Jahre

Wenn ich mir das obige Foto von meinem ersten Unfall vor etwa fünfzehn Jahren anschaue, muss ich sagen, dass der Schaden am Fahrzeug eigentlich nicht schlimmer war als der von vor einen Jahr, wie von mir gestern behauptet. Dafür war der Unfallhergang zweifellos spektakulärer. Naja, zumindest ein wenig. Es war ziemlich genau dieselbe Jahreszeit, also irgendwie Jahresanfang und Winter. Dazu muss man wissen, dass die Winter damals noch richtige Winter waren, also Winter, die ihren Namen verdienten, auch und gerade in Berlin, mit Minusgraden und Frost über längere Zeiträume.

Ich fuhr, so weit ich mich erinnere war es später Abend, den Kottbusser Damm Richtung Kottbusser Tor, als die Ampel Höhe Maybachufer auf Rot umschaltete. Also genau dort, wo sich gleich der Unfall ereignen wird, an dem ich, ich möchte es noch einmal wiederholen, völlig unschuldig war. Schuld, das ist bekannt, sind immer die andern. Und das waren in dem Fall vier junge ausländische Mitbürger, die mir in einem geschlossenes schwarzes BMW-Cabrio, ein Mietwagen, wie sich später herausstellte, auf der Kottbusser Brücke entgegenkamen. Auch ihre Ampel schaltete auf Rot, nur befanden sie sich eben auf der Brücke, und die war vereist, weswegen sie ihren Wagen nicht, so wie ich, rechtzeitig zum Halten bringen konnten.

Nein, das schöne schwarze BMW-Cabrio geriet komplett außer Kontrolle, drehte sich einmal um 180 Grad, um sich final mit seinem rechten Hinterteil bei mir vorne links reinzudrehen. Die jungen Männer und ich blieben zum Glück unverletzt. Da das Taxi nicht mir gehörte, musste ich die Polizei rufen, so sind die Spielregeln. Die vier jungen Männer telefonierten auch, allerdings nicht mit der Polizei, sondern mit ihren Leuten. Und so war es keine Überraschung, dass ich, bevor die Polizei eintraf, von den vier jungen Männern und mehreren ihrer Verwandten umringt war, die mir einen Deal ohne Polizei vorschlugen, was aber sowieso nicht ging, selbst wenn ich gewollt hätte, weil das Taxi, ich erwähnte es, nicht mir gehörte.

Das erste, was ich mir von der Polizei anhören musste, war ein dummer Spruch der Art, dass ich blöder Taxifahrer wohl nicht aufgepasst hätte und deswegen dem Fahrzeug vor mir, also dem BMW, hinten reingefahren wäre. Ich konnte es dem Polizisten gar nicht verdenken, denn genauso musste es jemand deuten, der den Unfallhergang nicht mit eigenen Augen gesehen hatte. Ehrlich gesagt hatte auch ich schon an dieses Szenario gedacht. Normalerweise hätte ich auch schon längst versucht Zeugen zu finden, was aber unter den gegebenen Umständen schwierig war. Ich war, wie gesagt, umringt von etwa zehn ausländischen Mitbürgern, die die Straße für den Basar nahmen, wogegen ich prinzipiell nichts habe. Ganz im Gegenteil! Letztendlich ist das ganze Leben ein einziger Basar.

Die Lage war nach dem Eintreffen der Polizei also verfahrener als am Anfang, weil selbst DIE offensichtlich nur das Eine für möglich hielt, und zwar, dass ich mit meinem Taxi dem BMW-Cabrio hinten drauf gefahren bin. Auf gut Deutsch: Ich war am Arsch. Vielleicht wäre es ja doch besser gewesen, sich auf einen Deal mit den ausländische Mitbürgern einzulassen, fragte ich mich bereits, als plötzlich ein junger Mann auftauchte, dessen Fahrzeug am anderen Ende der Brücke hielt, weswegen ich es nicht gesehen hatte, und das von dem sich um 180 Grad drehen BMW gestreift wurden war und dabei eine ziemliche Schramme an der Fahrerseite hinterlassen hatte. Ich bin mir nicht sicher, ob ich erwähnen darf, dass der Mann Deutscher war. Aber egal! Wichtiger ist sowieso, dass seinen beiden Kindern im Auto nichts passiert war, und dass ich am Ende einen glaubhaften Zeugen für den wirklichen Unfallhergang hatte.

Foto&Text TaxiBerlin

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