15.02.2015

BERLINER BÄR FÜR TEHERANER TAXI



Berlinale Gewinner 2015

Das Schöne an meinem neuen Arbeitsplatz ist nicht etwa, dass andere für mich arbeiten. Dieser Punkt verunsichert mich eher. Denn wo soll das hinführen, wenn ich andere für arbeiten lasse? Stehen die, die für mich arbeiten, vielleicht eines Tages bei mir vor der Tür und wollen, dass ich jetzt für sie arbeite? Oder, noch schlimmer, wollen die irgendwann ein größeres Stück vom Kuchen? Möglicherweise sogar das, was ihnen für ihre Arbeit zusteht? Nicht auszudenken!

Zurück zum Schönen an meinem Arbeitsplatz, und das ist zweifellos der Umstand, dass ich nun noch mehr Zeit habe, als ich bisher schon hatte, als mein Arbeitsplatz noch im Taxi war. Für manche ist Zeit nur Geld. Für mich ist es mehr, beispielsweise Lesen, Nachdenken und Filme schauen. Zum Karneval gehe ich ja so oder so nicht.

Zur Berlinale schon eher, wenn das mit dem Ticketkauf nicht so barock wäre, wie es eben ist. Selbst wenn man im Internet Eintrittskarten reserviert, muss man sich hinterher immer noch stundenlang anstellen. Hat man aber Schulter, so wie ich, wird man in der Regel nach vorne gelassen, so als wäre man schwanger. Das ist eigentlich das Allerschönste an meiner Situation.

Und so hatte ich eben nicht nur Glück, dass ich den diesjährigen Berliner Gewinner schon sehen durfte, sondern auch Schulter. Ich möchte nicht zuviel verraten über den Taxifilm aus Teheran, denn auch Du solltest ihn dir unbedingt anschauen, nur soviel: Natürlich ist es an erster Stelle ein politisches Signal, dass ausgerechnet ein Film aus dem Iran gewinnt, denn die Berlinale war immer politisch.

Hinzu kommt, dass der Film auch die allerwichtigste Voraussetzung erfüllt, um überhaupt gewinnen zu können. Gemeint ist damit, dass sich der Hauptcharakter, also der Taxifahrer, nicht als arme und bemitleidenswerte Person präsentiert. Das ist nicht selbstverständlich heutzutage, insbesondere wenn er Taxifahrer ist.

Nehmen wir beispielsweise das Buch "Taxi" von Karen Duve. Das Buch hatte grundsätzlich die besten Chancen auf alle möglichen Preise, denn die Hauptfigur ist eine Frau. Im Prinzip das, was in dem Film der Iran ist, aber das nur nebenbei. Nur, die Frau im Buch, vermutlich Karen Duves Alter Ego, kommt irgendwie mit dem Leben nicht klar, weswegen sie Taxi fährt. Sorry, aber so gewinnt man keine Preise, selbst als Frau nicht.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

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