28.02.2015

DAS HALAL VIP TAXI


Logo / Erster Entwurf

Das HALAL-Taxi ist kein neuer Trend, sondern die logische Weiterentwicklung der Ausbildung zum VIP-Fahrer. Das Logo (Foto) erinnert ein wenig an den Aufkleber "Kurzstrecke, gerne!", den es vor etwa zehn Jahren in Berlin gab. Der Grund dafür war, so weit ich mich erinnere, dass Kurzstrecken den meisten Ärger machten, woran sich bis heute trotz Aufkleber nichts geändert hat.

Halal, das wissen viele nicht, bezieht sich nicht nur auf die Zubereitung von Speisen bei Muslimen. Halal bezeichnet alle Dinge und Handlungen, die im Islam erlaubt oder zulässig sind. Das Gegenteil von Halal ist übrigens Haram, wovon sich auch der Harem, "der verbotene Ort", ableitet, aber das nur nebenbei.

Bevor wir zum HALAL-VIP-Taxi kommen, ein Wort zu Halal zubereiteten Speisen. Mittlerweile ist es in Berlin so, dass in vielen Justizvollzugsanstalten und auch in einigen Schulen nur noch Halal Essen angeboten wird. Das mag den ein oder anderen überraschen, entspricht aber den Tatsachen.

Ich persönlich habe nichts dagegen Halal zu speisen. Ganz im Gegenteil. Mein Grundsatz ist: Es wird gegessen, was auf auf den Tisch kommt! Außerdem denke ich, dass es an der Zeit ist, dass auch mal wieder Mehrheiten den Ton angeben, nachdem dies in der Vergangenheit allzu oft Minderheiten taten. Nicht zu vergessen ist bei der Geschichte natürlich der wirtschaftliche Aspekt. Für ein paar Hansels rechnet es sich einfach nicht Haram zu kochen.

Doch zurück zur Ausbildung zum VIP-Fahrer. Wer an ihr teilgenommen hat, weiß, worauf dort bisher das größte Augenmerk gelegt wurde. Richtig, auf den Augenkontakt zum Fahrgast. Das ist jetzt nicht wirklich neu, insbesondere für alte Hasen der Straße wie mich, aber manch einem musste es wohl mal gesagt werden. Der Blick in die Augen des Fahrgastes und ein freundliches "Hallo" oder wegen mir auch "Guten Tag" sind das A und O des VIP-Taxis.

Nun ist es aber so, dass es im Islam mit dem Blickkontakt so seine eigenen Regeln hat. Bei einer Frau mit Burka, bisher hatte ich einen solchen Fall noch nicht, dürfte der Blickkontakt schwierig sein. Wie es ist, wenn ein Paar einsteigt, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Darf ich der Frau in die Augen sehen, oder nur dem Mann?

Was feststeht, das betrifft jetzt aber nur Taxifahrerinnen, ist, dass die dem muslimischen Fahrgast nicht in die Augen schauen sollte, sondern besser den Blick senken. Auch die Hand sollte sie ihm nicht reichen (die Frau ist bekanntlich unrein), aber das tut man auch als Taxifahrer nur in Ausnahmefällen.

Um genau zu wissen, was alles im Taxi Halal und was Haram ist, gibt es seit Neuestem die Weiterbildung zum HALAL-VIP-Fahrer. Den ersten Entwurf für den Aufkleber verstehe ich schonmal so, dass es immer nur 100% Halal gibt. Kein 50%, kein 75%, kein 99% und mit Sicherheit auch kein Halal-Light. Wer es genau wissen will, geht zur Weiterbildung. Ich bin gespannt auf den ersten Erfahrungsbericht.

Foto&Text TaxiBerlin

27.02.2015

ERSTER BERLINER ERLEBNIS FRIEDHOF


So sieht er aus

Ich kann es nicht oft genug wiederholen: Es kommt im Leben nicht darauf an, einem Trend hinterherzulaufen. Das kann jeder. Es spielt auch keine Rolle, wie vielen Trends man hinterhergelaufen ist. Das mag Statistiker interessieren, die in Klicks und Likes leben. Zugegeben, die Welt ist voll von ihnen - leider. Aber die Wahrheit ist auch, dass sie spätestens morgen schon vergessen sind.

Nachdem ich vor ziemlich genau einem Jahr den Trend des Friedhoffrühstücks erfolgreich "gesettet" habe, war klar, dass da noch mehr kommen wird. Gut, möglicherweise war es dir nicht klar. Aber insbesondere ein erfolgreicher Trendsetter darf auf Mehrheitsbefindlichkeiten keine Rücksichten nehmen. Das sollte sich jeder merken, der auch Trendsetter werden will.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass ich damit eine kleine Minderheit anspreche. Die meisten wollen heutzutage Spießer werden, wogegen überhaupt nichts einzuwenden ist. Ganz im Gegenteil! Je mehr Leute Spießer werden, umso mehr laufen einem neuen Trend hinterher. So, und nur so, musst du das als Trendsetter sehen.

Doch genug der Vorrede. Mein neuester Trend, oder vielleicht sollte ich besser Coup sagen, ist der Erlebnisfriedhof, wenn mann so will: Das ganzheitliche Friedhoffrühstück. Kennt noch jemand das Wort "ganzheitlich"? Leider ist es in der letzen Zeit etwas aus der Mode gekommen, oder wurde einfach, was ich für wahrscheinlicher halte, durch den Begriff "nachhaltig" verdrängt.

Keine Sorge, "ganzheitlich" und "nachhaltig" meinen dasselbe und sind garantiert korrekt, auch politisch. Nicht ganz korrekt ist, dass ich dir die Adresse vom Ersten Berliner Erlebnisfriedhof nicht verraten kann. Das hat nichts mit dir zu tun. Der Erlebnisfriedhof ist einfach noch ein Geheimtip. Ich kann dir aber versichern, dass Du genug Zeit haben wirst, auch diesem Trend hinterherzulaufen.

Foto&Text TaxiBerlin

VON LEEREN FLASCHEN UND BESETZTEN TAXEN


Schlesisches Tor / früher Kreuzberg / heute Friedrichshain-Kreuzberg

Ich hatte es neulich schonmal erwähnt, dass ich ein guter Flaschensammler wäre. Das hängt damit zusammen, dass ich eine gute Nase habe. So weiß ich zum Beispiel immer, wo Fahrgäste sind. Gut, nicht immer, aber meistens. (Vielleicht sollte ich besser in der Vergangenheitsform schreiben, weil ich, ich erwähnt es bereits, erstmal keine Kontaktsportarten machen darf, zu denen Taxifahren nunmal dazugehört, aber das nur nebenbei.)

Es soll Taxifahrer geben, wohl besser "Taxifahrer", ich kenne sie nur vom hören/sagen, die gar keine richtigen Taxifahrer sind, und doch schon was besseres sein wollen. Ich weiß, das klingt irre, aber solche Leute gibt es wirklich, und nicht zu knapp. Das liegt daran, dass sich viele nach oben und nicht nach unten orientieren. Nach unten treten sie im dümmsten Fall "nur".

Ich will mich jetzt nicht besser machen, wie ich bin, aber bei mir scheint das wirklich anders zu sein. Lange habe ich überlegt, woran das liegen könnte und ob ich es öffentlich machen soll. Ich meine, im Internet wird so viel geschrieben, was niemanden interessiert, und wenn es wirklich mal wichtig ist, wie hier, dann ließt es wieder keiner. Aber darauf kann ich keine Rücksicht nehmen.

Dass ich heute Taxi fahre (auch wenn ich gerade pausiere, weil Taxifahren zu den besagten Kontaktsportarten zählt) und auf vieles verzichte (keine Angst liebe Tränendrüsen!), was ich nicht brauche, liegt daran, dass ich eigentlich immer alles hatte, sieht man mal von einigen Nebensächlichkeiten wie der gestern erwähnten Muttermilch ab. Aber dafür gab es eben Gerstensaft. War auch gut.

Das ist letztendlich auch der Grund, warum ich allen Menschen wünsche, dass sie auch mal alles haben sollen. Natürlich auch die Muttermilch, ist ja klar. Aber auch den Gerstensaft. Vergesst mir den Gerstensaft nicht! Auf jeden Fall denke ich, dass, wenn alle mal alles gehabt haben, dann alle wissen, worauf sie alles verzichten können.

Was mich angeht, so muss sich keiner Sorgen machen. Ganz im Gegenteil. Das Leben kann so einfach sein und ist im Prinzip wie Taxifahren: Irgendwie kommst Du durch und findest deinen Weg. Und sollte es irgendwann mal keine Taxis und keine Taxifahrer mehr geben, dann suchst Du dir was anderes. Irgendwas findet sich immer. Und wenn's "nur" leere Flaschen sind.

Foto&Text TaxiBerlin

26.02.2015

KEINE KONTAKTSPORTARTEN (FORTSETZUNG)


Keine Kontaktsportart!

Hatte ich gestern Beispiele für Kontaktsportarten gegeben, was da wären Sex, Taxifahren, Fasching und Karneval, komme ich heute zu dem, was erlaubt ist. Dazu muss man wissen, dass es um die linke Schulter geht, ich aber - zum Glück - Rechtshändler bin. Ich rede jetzt nicht von harten Sachen. Nein, harte Sachen trinke ich nicht.

Für harte Sachen bin ich zu weich. Also innen meine ich. Eine harte Schale habe ich, das schon. Aber der Schnaps soll in den Körper rein, bei mir zumindest. Deswegen halte ich mich lieber an Bier und wegen mir noch Wein. Und erlauben kann ich mir das, weil ich gerade kein Taxifahren kann, denn das ist bekanntlich eine Kontaktsportart.

Manche zählen Trinken bereits zu den Kontaktsportarten. Das kann man durchaus machen, ich will es gar nicht bestreiten. Das hängt davon ab, was man trinkt, beispielsweise besagte harte Sachen, aber auch, wo man trinkt. Ich zum Beispiel, so viel kann ich verraten, trinke immer nur unter Aufsicht. Sozusagen "Betreutes Trinken".

Du willst wissen, wie das zusammengeht, wo ich doch gestern noch behauptet habe, ich würde von einer Tasse schwarzem Tee und zwei Scheiben Graubrot am Tag leben. Ich will es dir sagen.

Grundsätzlich: Schuld sind immer die Anderen! Das musst Du dir merken. Das stimmt immer. Außerdem kommt man damit viel einfacher durchs Leben - auch und gerade im Taxi.

An allem sind natürlich immer die Eltern Schuld. Das solltest Du dir auch merken. Denn die, also die Eltern, haben einen einfach so ins Leben geworfen, und zwar mit einem Klaps auf den Hintern. Oder hat man dich vorher gefragt, ob Du leben willst? Also mich nicht!

Wenn dir nichts besseres einfällt, schieb's einfach auf deine schlimme Kindheit, das wirkt garantiert. Bei mir war es beispielsweise so, dass ich nicht mit Muttermilch sondern mit Gerstensaft aufgezogen wurde. "Betreutes Trinken" wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt.

Und das war damals auf jeden Fall noch eine Kontaktsport. Das kannst Du mir glauben! Und deswegen bin auch froh, dass die Kindheit vorbei ist. Naja, so richtig erwachsen wird man wohl nie. Sag jetzt bitte nicht, Du wüsstest nicht, was ich meine. Wirklich nicht? Dann versuch Du heute mal an eine gut gefüllte Mutterbrust ranzukommen!

Foto&Text TaxiBerlin

25.02.2015

KEINE KONTAKTSPORTARTEN


Kein Sex! Kein Taxi!

Damit meine neue Schulter nicht gleich wieder so aussieht wie meine alte, darf ich zwölf Wochen lang keine Kontaktsportarten machen. Da ich nicht wusste, was Kontaktsportarten sind, habe ich heute meinen Physiotherapeuten gefragt. Demnach ist Sex eindeutig eine Kontaktsportart, was zu erwarten war, aber eben auch Taxifahren.

Das mit dem Sex stimmt mich nicht gerade heiter, was Du dir sicherlich denken kannst. Dafür ist das mit dem Taxifahren eine gute Nachricht, und so gleicht es sich wieder aus. Mein Physiotherapeut muss es wissen, denn der macht gerade seinen Master. Den haben nur ganz wenige Physiotherapeuten in Deutschland, und damit kann er sogar ins Ausland gehen, sagt er.

Dass ich auch ohne Master ins Ausland gehen kann, habe ich erstmal für mich behalten, denn im Moment kann ich nicht, selbst wenn ich wollte. Reisen ist genau betrachtet auch eine Art Kontaktsportart, insbesondere die nervigen Kontrollen und die überfüllten Flieger. Doch genug der Luxusprobleme!

Richtige Probleme haben die Griechen, die, wie auch ich im Moment, keine Kohle haben. In weiser Voraussicht habe ich bereits vor Wochen angefangen meine Ernährung runterzufahren. Du wirst lachen, aber man kann wirklich von einer Tasse schwarzem Tee und zwei Scheiben Graubrot am Tag leben.

Aber ich will mich nicht beklagen. Das können andere besser, denen ich es gerne überlasse, also das mit dem Klagen. In Griechenland werden zu bestimmten Anlässen, beispielsweise eine Beerdigung, professionelle Klageweiber bestellt. Das liegt daran, dass die Griechen immer nur lachen und gar nicht wissen, was traurig sein ist.

Was dem Griechen seine Klageweiber ist dem Deutschen sein Fasching. Dann muss er zum Lachen mal nicht in den Keller gehen. Die fleischfreie Zeit nach dem Karneval kommt mir übrigens gerade recht. Ansonsten halte ich mich von beidem fern. Fasching und Karneval sind ja letztendlich auch nur Kontaktsportarten.

Foto&Text TaxiBerlin

24.02.2015

FAHRGÄSTE IM TAXI


Auf dem Weg von Mitte nach Mitte

Was wäre Taxifahren ohne Fahrgäste? Richtig, am Schönsten! Das geht aber der Verkäuferin genauso. Bei der ist es auch am Schönsten ohne Kunden, habe ich mir sagen lassen. Und das sogar im Taxi! Denn, Du wirst lachen, ich bin prinzipiell ein kommunikativer Typ. Dass eine Verkäuferin Taxi fährt, ist keine Selbstverständlichkeit mehr, heutzutage. Nein, es ist eher so, dass es durchaus erwähnenswert ist, wenn einem mal eine Verkäuferin ins Taxi steigt.

Mit einer Verkäuferin an Bord kann es fast so schön sein wie ohne Fahrgäste. Da musste sogar die Verkäuferin lachen. Gut, ich konnte nicht mehr lesen. Aber auch lesen ist nicht alles. Und die Verkäuferin liest schließlich auch nicht. Dafür kannte sie sich mit Geschäften aus, ist schließlich auch was. Sie arbeitet für eine bekannte Drogeriemarktkette, so viel darf ich verraten.

Dass die Filiale im "Ring-Center" bei mir um die Ecke bei Insidern "Bums-Bude" heißt, war mir ehrlich gesagt neu. Das liegt aber nicht daran, dass da ständig gebumst wird. Nein, so ist es dann doch nicht. Dass die Filiale "Bums-Bude" genannt wird, hat andere Gründe, auf die ich an dieser Stelle aber nicht eingehen möchte. Ist schließlich ein Taxi-Blog.

Das Schöne an einheimischem Taxipublikum wie die Verkäuferin, ist, dass die Fahrt mal nicht zu einem blöden Hotel, Café oder Restaurant in Mitte geht. Nein, das sind ganz andere Fahrten. Fahrten, die es eigentlich gar nicht mehr gibt. Beispielsweise von Blankenburg nach Rahnsdorf. Weiß noch einer, wo Blankenburg ist? Oder gar Rahnsdorf?

Natürlich fährt die Verkäuferin nicht jeden Tag mit dem Taxi. Das kann sie nicht bezahlen. Ein weiterer Vorteil von Einheimischen ist auch, dass sie genau wissen, wo sie hin wollen. Denn das ist dort, wo sie wohnen, und wo, wie bei der Verkäuferin, der Mann und die Kinder bereits mit dem Abendessen warten. Danach duschen und ins Bett, sie ist durch. Obwohl, oft hat sie nach dem Duschen Lust ...

Ich wünschte ihr auf jeden Fall noch einen schönen Abend.

Die junge Frau auf dem Foto, wer bis hierher gelesen hat, wird es bereits ahnen, ist natürlich nicht die Verkäuferin. Ehrlich gesagt, weiß ich selbst nicht, wer sie ist. Und das, obwohl sie mir doch im Taxi saß. Aber stimmt das wirklich? Ich bin mir gar nicht mehr sicher. Das liegt daran, dass wir außer dem Fahrziel kein Wort gewechselt haben. Wie denn auch, das Handy ist schließlich wichtiger. Und das, also das Fahrziel, war schon klar, bevor sie es mir überhaupt nennen konnte - irgendein blödes Café in Mitte.

Foto&Text TaxiBerlin

23.02.2015

WIR WOLLEN DIE SPIELE - ICH NICHT!


Brandenburger Tor / früher Mitte / heute Neue Mitte

Nein zu Olympia ist nicht neu. Berlin hat sich Anfang der Neunziger schon einmal vergeblich um die Spiele bemüht. Viele unserer Besucher und auch der Nachgezogenen wissen das nicht mehr. Berlin hat bereits damals nicht die Spiele bekommen, also warum heute?

Das Wort WIR suggeriert, dass es sich um eine Mehrheit handelt, die die Spiele haben will, und viele Menschen möchten dazugehören - zur Mehrheit. Ich verstehe das sehr gut, und nicht nur, weil es allgemein menschlich ist. Auch ich würde gerne öfters zur Mehrheit dazu gehören, was aber regelmäßig daran scheitert, dass ich mir die Mehrheit vorher immer etwas genauer ansehe.

WIR WOLLEN DIE SPIELE! - damit bewirbt Berlin sich diesmal um die Olympischen Spiele. Ich wurde natürlich mal wieder nicht gefragt. Gut, auch ich könnte jetzt einfach mitmachen bei dieser Farce und sagen: JA, ICH AUCH! Ich weiß, es gibt selbst ein paar Taxifahrer, die gerne zur Mehrheit gehören, und die Spiele in Berlin wollen.

Meist sind das "Kollegen", deren Service so mies ist, dass sie nicht mal für die Konkurrenz aus dem Internet arbeiten könnten, selbst wenn sie es wollten, weil sie den Fahrgast oder den Ort, wo der sich befindet, nicht finden würden, und ihn somit auch nicht abholen können, was aber bei Uber&Co dazugehört, beim Taxi leider nicht.

Eine Rolle, warum sich immer genug Mitmenschen finden, die zur Mehrheit dazugehören möchten, ist zweifellos Geld. Gerade bei Taxifahrern liegt das, denke ich, auf der Hand. Ein paar Tage ein paar Euro mehr - will ich! Was danach kommt? Interessiert mich nicht!

Natürlich hätte auch ich gerne mehr Geld. Verdienen tue ich es ja schon lange, nur kriegen tue ich es eben nicht. Und das wäre eine prima Gelegenheit, endlich, wenn auch über einen kleinen Umweg, doch noch da ran zu kommen, was mir eh schon lange zusteht!

Ich kann mich an dieser Stelle nur wiederholen: GELD IST NICHT ALLES! Und wer jetzt immer noch nicht weiß, wo das Geld besser angelegt ist als bei Olympia, auch der sollte NEUKÖLLN IST ÜBERALL vom Noch-Neuköllner Bürgermeister Heinz Buschkowsky lesen. Ich sage nur: BILDUNG, BILDUNG UND NOCHMAL BILDUNG!

Foto&Text TaxiBerlin

22.02.2015

"IN NEUKÖLLN HERRSCHT EINE ANDERE STRASSENVERKEHRSORDNUNG" (FORTSETZUNG)


Überall in/ist Neukölln

Immer wieder werde ich von Fahrgästen gefragt, ob es das nur in Neukölln gäbe. Die Rede ist vom Parken in zweiter Reihe. Ich meine jetzt nicht das Anhalten, um den Fahrgast ein- und aussteigen zu lassen. Das mache ich auch. Das ist, denke ich, legitim. Das ist auch kein Parken sondern eben Halten, weil ich sogleich weiter fahre.

Hm, schwer zu sagen, ob es das wirklich nur in Neukölln gibt. Wenn ich's mir Recht überlege, kenne ich das auch vom Balkan und natürlich auch aus der Türkei, wenngleich nicht aus Istanbul. Das hängt wohl mit den Straßen zusammen. Die sind dort so eng, dass man nicht in zweiter Reihe halten und die Tür öffnen kann.

Fällt mir gerade noch folgende Geschichte ein. Bevor ich vor vielen Jahren dass erste Mal mit dem Wagen nach Istanbul fuhr, fragte ich einen Freund, der damals in Nord-Neukölln wohnte und der schon mal in Istanbul war, wie das denn dort so wäre. Nach kurzem Überlängen meinte er: "Das ist wie Neukölln - nur nicht so türkisch!"

Er sollte Recht behalten. Aber wie gesagt: Das mit in zweiter Reihe halten und erstmal ein Schwätzchen machen - das kenne ich auch vom Balkan. Oft steckt der Kopf von dem, der draußen steht, im stehenden Fahrzeug, was aber nicht schlimm ist. Schlimmer ist, wenn den sein Arsch, der sich draußen befindet, so dick ist, dass man nicht vorbei kommt. Du wirst lachen, aber alles schon erlebt ...

In Neukölln ist es nun so, dass die Polizei, wenn sie denn an dem in zweiter Reihe parkenden Auto vorbei kommt, einfach weiter fährt, wofür ich nach vielen Jahren auf der Straße vollstes Verständnis habe. Dem Bürgermeister von Neukölln geht es übrigens genauso.

Die Polizei fährt aber nicht etwa weiter, was Du vielleicht denkst, weil sie wichtigeres zu tun hätte. Das mag im Einzelfall stimmen, ist aber nicht der eigentliche Grund. Wer jetzt wissen will, warum die Polizei wirklich weiter fährt, dem empfehle ich das Buch "Neukölln ist überall" des noch Neuköllner Bürgermeisters Heinz Buschkowsky.

Foto&Text TaxiBerlin

21.02.2015

"VERKEHRSTEILNAHME DURCH PARKEN"


Mit besten Grüßen vom Polizeipräsidenten

Da ich, ich hatte darüber geschrieben, wegen Schulter gerade aus dem Verkehr gezogen bin, wie man so schön sagt, ist es natürlich schwer, mir, was meine Teilnahme an ebendiesen angeht, irgendetwas vorzuwerfen. Das dachte ich zumindest bis gestern. Heute musste ich jedoch feststellen, dass der Herr Polizeipräsident und seine Mannen durchaus Mittel und Wege haben, oder mit anderen Worten: kreativ genug sind, mir selbst dann etwas vorzuwerfen.

Was ist passiert? Um ehrlich zu sein: Ich weiß es selbst nicht. Beim ersten Lesen dachte ich an einen Scherz. Dann, dass man sich bei der Polizei sorgt, ich könnte, wenn ich zu oft rausgehe, zu viel schlechte Luft einatmen, was ja auch stimmt. Endlich stieß ich auf den Hinweis in Klammern: "Verkehrsteilnahme durch Parken". (Wichtige Hinweise der Polizei stehen immer in Klammern, aber das nur nebenbei.)

Gut, dachte ich, das ist ja prinzipiell möglich, dass man selbst beim Parken am Verkehr teilnimmt. Ich will das wirklich nicht kategorisch ausschließen. Mit ein wenig Phantasie ist das durchaus machbar, und als Taxifahrer verfüge ich über genug Phantasie. Wie sollte ich sonst all die Fahrziele finden, die selbst die Fahrgäste nicht mal kennen. Nur, und damit möchte ich schließen, wie soll ich beim Parken am Verkehr teilnehmen, wenn ich nicht mal ein Fahrzeug habe?

Foto&Text TaxiBerlin

20.02.2015

FÜR DIE FRAUENQUOTE IM TAXIGEWERBE


Forderung am Flughafen Tegel

Es fing, glaube ich, alles damit an, dass es plötzlich einen Toilettenmann anstelle einer Toilettenfrau gab. Ich rede vom Toilettenhaus für Taxifahrer direkt neben der "Pilotenbude", wie der kleine Imbiss (ebenfalls nur für Taxifahrer) am Flughafen Tegel von Insidern liebevoll genannt wird. Unmittelbar nach dem Betreiberwechsel, wie das immer so ist, war der Eintritt dort noch frei. Aber nicht nur das! Am Anfang gab es auch noch Rosenwasser für die Kunden - ebenfalls umsonst!

Nun mussten sich die Frauen vom Flughafen Tegel natürlich etwas einfallen lassen. Das war ja klar! Aber was? Gut, es hat etwas gedauert. Man, Verzeihung - frau, musste sich erstmal positionieren. Dafür ist ihre Forderung jetzt umso klarer. Obwohl, wenn ich's mir recht überlege, würde ich an deren Stelle noch einen Schritt weiter gehen (wenn schon, denn schon) und die Frauenquote für die Berliner Stadtreinigung (BSR) gleich mitfordern. Letztendlich ist die BSR nichts anderes wie Taxifahrer und Toilettenfrau in Personalunion.

Den zweiten Satz mit der Ökonomie (Foto) verstehe ich ehrlich gesagt nicht ganz. Ist es denn nicht mehr so, wie uns immer gesagt wurde, dass Frauen weniger Geld für die selbe Arbeit bekämen? Und wäre es dann, rein ökonomisch natürlich nur, nicht sinnvoller, mehr Frauen einzustellen? Gut, der Mann geht später in Rente, was wiederum für ihn spricht. Aber dafür stirbt er bekanntlich auch früher. Komisch, dass sich noch nie jemand darüber beklagt hat. Ob das daran liegt, dass es die Männer und nicht die Frauen betrifft?

Wie gesagt, ich verstehe das mit der Ökonomie nicht ganz, und ich weiß auch nicht, wie die Frauenquote bei der BSR aussieht. Was ich mit Sicherheit weiß, ist, dass es das im Taxigewerbe nicht gibt. Da bekommt jeder, egal ob Taxifahrer oder Taxifahrerin, das, was auf der Uhr steht. Aber nicht nur deswegen begrüße ich die Frauenquote im Taxigewerbe. Nein, ich könnte mir sogar vorstellen, dann auch wieder mehr Taxi zu fahren. Käme natürlich auf auch die Frauen drauf an, die da hinterm Lenkrad sitzen ...

Foto&Text TaxiBerlin

19.02.2015

HEUTE: HIPSTER IM ANGEBOT


Das Paar für 49,95

Sie sehen nicht nur alle gleich aus: "irgendwie individuell", sondern auch Du kannst einen von ihnen haben. Ach, was sage ich, nimm am Besten gleich ein Paar, denn das ist gerade im Angebot. Das ganze Hipster-Paar kostet nur 49,95€! Also wer da nicht zuschlägt, der ist selbst dran Schuld. Ich hab mir gleich zwei Paar zugelegt. Mehr hab ich nicht in mein Taxi bekommen. Denn, das muss der Wahrheit wegen gesagt sein: So schön wie auf dem Bild laufen die nicht immer! Um ganz ehrlich zu sein, sind diese Hipster 'ne ganz schön faule Bande. Aber wen interessiert's, solange sie im Angebot sind ...

Foto&Text TaxiBerlin

18.02.2015

ERSTES DOLMUŞ TAXI IN BERLIN


Friedrichstraße / früher Mitte / heute Neue Mitte

Gut, ich würde jetzt nicht gleich so weit gehen und angesichts dieses Schildes im Taxi eines Kollegen von einer Turkisierung des Berliner Taxigewerbes sprechen. Das wäre nun wirklich des "Guten" zu viel. Obwohl man da auch vorsichtig, aber vor allem wachsam sein muss. Alles was auf "-isierung" endet, ist immer auch ein schleichender Prozess. Ich denke da beispielsweise an die "Globalisierung".

Der türkische Kollege am Friedrichstadtpalast versicherte mir, dass er mit dem Schild lediglich ein Stück Heimat in sein Berliner Taxi holen wolle. Natürlich fährt er auch weiterhin dort hin, wo seine Kundschaft hin will, und keine vorbestimmte Route, wie das Dolmuş Taxi in der Türkei, und wie sein Schild hinter der Windschutzscheibe vermuten lässt.

Es sei denn, die Fahrgäste wissen nicht wo sie hin wollen.

Du wirst lachen, aber das kommt öfter vor als man denkt. Und in dem Fall kann ich den Kollegen nicht nur verstehen, nein, ich finde seinen Ansatz sogar prinzipiell richtig und nachahmenswert. Ich meine, bevor ich mir anfange Gedanken zu machen oder mir gar meinen schönen Kopf zerbreche, wo die Herrschaften denn hinwollen könnten, fahre ich einfach eine bestimmte Strecke, und die sagen dann nur noch, wo ich anhalten soll, damit sie aussteigen können.

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17.02.2015

ZURÜCK AUF DER STRASSE


Erste Gehversuche unter Belastung

Hatte ich bisher überwiegend positiv über meine zweite Schulter-OP geschrieben, mal abgesehen von den höllischen Schmerzen, Au-A Au-A, die nur mit tausend verschiedenen Medikamenten und Unmengen an Alkohol zum runterspülen, zu ertragen sind, möchte ich Dir nun doch, mein lieber Leser und meine liebe Leserin, der Du dich vielleicht schon mit dem Gedanken trägst, dich auch recht bald mal unters Messer zu legen, die ganze Wahrheit sagen.

Ich will jetzt nicht wie gestern beim türkischen Bäcker an der Ecke meine ganze Leidensgeschichte wiederholen. Nur soviel: Da man die drei zerrissenen Bänder meiner linken Schulter nicht ein zweites Mal flicken konnte, selbst ein Dr. Frauenschuh nicht, musste er mir eine Sehne aus dem linken Knie entnehmen, was aber nur fünf Minuten gedauert hat. Dazu muss man wissen, dass es in Deutschland immer dieselbe Seite sein muss - Ordnung muss sein.

Was in Deutschland auch nicht geht, in Amerika schon, ist, eine Tiersehne, beispielsweise vom Schwein zu verwenden. Ob das jetzt mit dem Islam zusammenhängt, der seit kurzem zu Deutschland gehört, ist in dem Moment unwichtig, weil sich der Moslem in mir, ich sage nur: Belagerung von Berlin, äh - Verzeihung, Wien, sowieso nicht auf die Schweinesehne eingelassen hätte, selbst wenn es möglich gewesen wäre.

Das hat nun den Nachteil, dass ich seit der OP das linke Bein ein wenig nachziehe. Man sieht das ganz gut auf obigem Foto, wo ich (rechts) in Begleitung meines Physiotherapeuten (links) und meines Masseurs (Mitte) erste Schritte unter Belastung auf dem Bürgersteig ganz in der Nähe einer großen Straße bei mir im Kiez unternehme.

Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich das mit dem Nachziehen des linken Beines mit der Zeit geben wird. Der umgekehrte Fall ist allerdings auch möglich, und das ist genau das, was ich meinen lieben Lesern und auch meinen lieben Leserinnen unbedingt wissen lassen wollte. Die Rede ist von der völligen Versteifung des linken Knies. Das ist der Preis, den ich im dümmsten Fall zahle, um wieder eine schöne Schulter zu haben, die ich auch meinen Fahrgästen zeigen könnte.

Ob es dazu kommt, steht allerdings noch in den Sternen. Prinzipiell kann man auch mit einem steifen linken Knie Taxifahren, vorausgesetzt es ist ein Automatik-Fahrzeug, was eine Taxe aber sowieso immer sein sollte. Sollte dieser Fall eintreten, und das ist die gute Nachricht, heißt das aber nicht, dass ich automatisch nur noch mit dem Bleifuß fahre, weil der wäre dann ja links.

Sollte, was wir nicht hoffen, der schlimmste Fall eintreten, und zwar dass ich nicht mehr Taxi fahren kann, so müssen sich weder meine lieben Leser, noch meine lieben Leserinnen ernsthafte Sorgen machen. Zum Glück bin ich lange genug auf der Straße unterwegs, um einen ausreichenden Fundus sowohl an Geschichten, als auch an Bildern angehäuft zu haben, der, selbst wenn ich weiter so fleißig Tagebuch schreibe wie bisher, mindestens bis 2033 reicht.

Foto&Text TaxiBerlin

16.02.2015

DAS VOLK IST TOT - ES LEBE DAS VOLK


Beim selbsternannten Autonomen
(Was weiß der schon vom Volk!?!)

Um dem Volk auf's Maul zu schauen, muss man nicht immer gleich Taxifahren, nein, ein einfacher Gang raus auf die Straße reicht vollkommen aus. Beispielsweise zum türkischen Bäcker an der Ecke, der seine tiefgefrorenen Schrippen immer so schön aufbäckt.

Ich entschied mich, zur aufgebackenen Schrippe eine Bockwurst mit Senf und einen Softdrink zu nehmen, weil das nach einem kompletten Frühstücksmenü klang und für nur zwei Euro im Angebot war.

Damit setzte ich mich zu einer älteren Dame an den Tisch, die, das glaube ich zumindest, immer dort sitzt. Vielleicht kennst Du dieses Gefühl auch, dass du denkst, bestimmte Leute gehören irgendwie zum Inventar. Und genau dieses Gefühl hatte ich hier.

Und so war ich nicht überrascht, von der älteren Dame angesprochen zu werden, schließlich saß ich an ihrem Wohnzimmertisch. Da ich, wenn ich nicht an meinem neuen Arbeitsplatz bin, diese blöde Schlinge am Arm tragen muss, die selbst die Alte nicht übersehen konnte, hatten wir auch gleich ein Thema: meine Schulter.

Ich machte es einfach wie meine Fahrgäste, nachdem sie von mir gefragt wurden, was denn passiert ist, wenn sie mir mit Krücken oder ähnlichem ins Taxi steigen: Ich erzählte meine komplette Leidensgeschichte, von Anfang an, da musste die Alte jetzt durch, sie hatte es nicht anders gewollt.

Zum Glück konnte sie nicht weg, zumindest nicht so schnell, weil sie einen von diesen Rollis mit Einkaufskorb hatte, mit denen die Alten vormittags im Supermarkt einkaufen gehen, damit sie einem nachmittags dort nicht im Weg rumstehen, und der stand weit weg.

Bald hatte ich mich so in meine Leidensgeschichte reingesteigert, dass ich gar nicht zum Essen kam. Zum Glück hatte ich auch hier die ältere Dame, eine gute Frau aus dem Volk, die schon einige Stürme des Lebens miterlebt hat, und die mich immer wieder ermahnte, endlich meine Wurst zu essen, damit ich etwas im Leibe habe.

Wurst essen konnte ich jetzt aber gerade gar nicht, höchstens mal am Softdrink nuckeln, denn ich näherte mich in meinem Vortrag der Entscheidung oder besser, dem großen Finale, und zwar der Frage: Zweite Schulter-OP - ja oder nein?

An der Stelle legte ich eine Pause ein, und die Spannung in der kleinen türkischen Bäckerei bei mir an der Ecke steigerte sich bis unter die Decke. Mittlerweile hatte sich eine kleine Traube von Volk um unseren Tisch versammelt, die aufmerksam zuhörte. Zugegeben, es waren überwiegend Alte, aber sowohl Männer als auch Frauen waren vertreten. Die Genderquote stimmte also, obwohl immer behauptet wird, Männer sterben früher.

Gerade als ich das erste Mal in meine kalte Wurst beißen wollte, meldet sich die Alte aus dem Volk, genau die, die zum Inventar der türkischen Bäckerei gehört, mit folgendem Satz zu Wort:

Ist doch selbstverständlich, dass Sie sich noch einmal operieren lassen. Sie sind doch ein so attraktiver Mann!

Gut, die Alte war gefühlte Hundert, aber ich bin auch schon fast halb so alt. Und jünger werden wir bekanntlich alle nicht. Aber dieser Satz, also der letzte jetzt, der tat so gut, das kannst Du dir nicht vorstellen, wenn Du ihn nicht selbst gehört hast.

Nun wollten natürlich noch alle wissen, wer das Wunder der zweiten OP vollbracht hat. Mann und auch Frau weiß ja nie wofür es gut ist, und sicher ist sicher. Nachdem ich den Namen meines Arztes genannt hatte, fiel der nächste denkwürdige Satz, den das Volk der Alten, das um mich stand, wie aus einem Munde murmelten:

Frauenschuh? Das kann man sich merken!

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15.02.2015

BERLINER BÄR FÜR TEHERANER TAXI



Berlinale Gewinner 2015

Das Schöne an meinem neuen Arbeitsplatz ist nicht etwa, dass andere für mich arbeiten. Dieser Punkt verunsichert mich eher. Denn wo soll das hinführen, wenn ich andere für arbeiten lasse? Stehen die, die für mich arbeiten, vielleicht eines Tages bei mir vor der Tür und wollen, dass ich jetzt für sie arbeite? Oder, noch schlimmer, wollen die irgendwann ein größeres Stück vom Kuchen? Möglicherweise sogar das, was ihnen für ihre Arbeit zusteht? Nicht auszudenken!

Zurück zum Schönen an meinem Arbeitsplatz, und das ist zweifellos der Umstand, dass ich nun noch mehr Zeit habe, als ich bisher schon hatte, als mein Arbeitsplatz noch im Taxi war. Für manche ist Zeit nur Geld. Für mich ist es mehr, beispielsweise Lesen, Nachdenken und Filme schauen. Zum Karneval gehe ich ja so oder so nicht.

Zur Berlinale schon eher, wenn das mit dem Ticketkauf nicht so barock wäre, wie es eben ist. Selbst wenn man im Internet Eintrittskarten reserviert, muss man sich hinterher immer noch stundenlang anstellen. Hat man aber Schulter, so wie ich, wird man in der Regel nach vorne gelassen, so als wäre man schwanger. Das ist eigentlich das Allerschönste an meiner Situation.

Und so hatte ich eben nicht nur Glück, dass ich den diesjährigen Berliner Gewinner schon sehen durfte, sondern auch Schulter. Ich möchte nicht zuviel verraten über den Taxifilm aus Teheran, denn auch Du solltest ihn dir unbedingt anschauen, nur soviel: Natürlich ist es an erster Stelle ein politisches Signal, dass ausgerechnet ein Film aus dem Iran gewinnt, denn die Berlinale war immer politisch.

Hinzu kommt, dass der Film auch die allerwichtigste Voraussetzung erfüllt, um überhaupt gewinnen zu können. Gemeint ist damit, dass sich der Hauptcharakter, also der Taxifahrer, nicht als arme und bemitleidenswerte Person präsentiert. Das ist nicht selbstverständlich heutzutage, insbesondere wenn er Taxifahrer ist.

Nehmen wir beispielsweise das Buch "Taxi" von Karen Duve. Das Buch hatte grundsätzlich die besten Chancen auf alle möglichen Preise, denn die Hauptfigur ist eine Frau. Im Prinzip das, was in dem Film der Iran ist, aber das nur nebenbei. Nur, die Frau im Buch, vermutlich Karen Duves Alter Ego, kommt irgendwie mit dem Leben nicht klar, weswegen sie Taxi fährt. Sorry, aber so gewinnt man keine Preise, selbst als Frau nicht.

Video YouTube
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MEIN NEUER ARBEITSPLATZ


Helikopterstuhl Marke "Centura"

Auf diesem grünen Teil sitze und arbeite ich nun Tag für Tag, auch Sonntags. Genau genommen lasse ich arbeiten, und zwar an meinem linken Arm. Den muss ich dazu in die dafür vorgesehene Schiene (rechts im Bild) legen. Diese wird dann samt Arm in eine bestimmte Höhe gehoben, derzeit maximal 90 Grad, und danach wieder gesenkt und dann wieder gehoben und wieder gesenkt ....

Steuern lässt sich das alles schön mit der rechten Hand, denn der rechte Arm liegt ebenfalls in einer Schiene (links im Bild), die allerdings unbeweglich ist, und an deren Ende sich das Steuerelement mit dem roten Knopf (ganz links im Bild) befindet. Das ist der allerwichtigste Knopf, und zwar der zum Ein- und Ausschalten, alle anderen fasse ich vorsichtshalber überhaupt gar nicht an, denn ich wurde ausdrücklich gewarnt.

Man kann nämlich den Höllenstuhl auch so einstellen, dass der Arm schnell wie ein Propeller bewegt wird. Das würde dann ungefähr so aussehen, als würde jemand seinen Schwanz rotieren lassen, was aber nicht das schlimmste ist. Schlimmer wäre zweifellos, wenn ich zusammen mit dem grünen Teil abheben und zum Fenster (verdeckt im Hintergrund) rausfliegen würde.

Foto&Text TaxiBerlin

14.02.2015

MEINE ALTE SCHULTER


Schulter / links / alt

"Schön ist anders!" meinte Dr. Frauenschuh, der Schulterspezialist in Berlin-Moabit, beim Anblick meiner alten Quasimodo-Schulter (Foto). Dass er selbst diese, das Ergebnis einer vorherigen OP korrigierende, Operation vor Jahren über sich hat ergehen lassen müssen, die er nun seinerseits mir angedachte, machte mir Mut. Außerdem, dass er laut Internet 800 Schultern im Jahr macht. Keine Ahnung, wie er das hinkriegt. Aber bei mir fragt schließlich auch keiner, wie ich 100.000 Kilometer im Jahr schaffe ...

Was war nun überhaupt passiert mit meiner Schulter, und warum musste sie ein zweites Mal operiert werden? Auf jeden Fall ist es nicht beim Taxifahren passiert, so viel kann ich schon mal sagen. Passiert ist es beim Fussballspielen, was ich gar nicht kann. Der Tag fing eigentlich ganz gut an. Vormittags hatte ich zum zweiten Mal mein Ja-Wort gegeben und mir für den Rest des Tages frei genommen. Es war Wallpurgisnacht und da spiele ich traditionell mit Freunden Fussball. Traditionen können manchmal ganz schön blöd sein.

Aus dem Spiel wurde Ernst, wie das manchmal so ist im Leben, und mein Gesicht näherte sich plötzlich mit hoher Geschwindigkeit dem nicht vorhandenen Rasen. Zum Glück war meine Schulter dazwischen, die nach dem Aufprall ziemlich genau so aussah wie nach der ersten OP (Foto), nur ohne Narbe. Das lag aber nicht daran, dass irgendwas gebrochen gewesen wäre. Nein, es waren "lediglich" die drei Bänder zwischen Schlüsselbein und einem anderen Knochen gerissen, dessen Name mir gerade nicht einfällt.

(Im Fachjargon nenn man das "Tossy III", d.h. komplette Luxation im AC-Gelenk mit vollständiger Ruptur der Bänder, was zu einem nicht zu übersehenden Hochstand des Schlüsselbeinendes führt.)

Ich hatte bereits meine Skepsis gegenüber gewissen Traditionen zum Ausdruck gebracht, insbesondere wenn diese ausgerechnet an dem Tag fortgeführt werden sollen, an dem man sein Ja-Wort gibt. Nun war auch noch Wallpurgisnacht, und die Straßen genauso voll wie die Notaufnahme des Krankenhauses im Kiez. Da ich mich aber einmal bis dorthin durchgearbeitet hatte, entschied ich kurzerhand, die erste OP auch gleich dort machen zu lassen, nachdem ich zuvor direkt beim Operateur angefragt hatte, ob er sich die auch zutraut.

Das war angeblich der Fall. Aber im Taxi ist es nicht anders. Auch dort sagt der Fahrer im Zweifelsfall erstmal JA, selbst wenn er das Fahrziel nicht wirklich kennt. Und so war es wohl auch hier, was zum bekannten Resultat führte (nochmal Foto). Hinzu kommt, dass das Krankenhaus im Kiez auch nicht mehr das ist, was es mal war. Auch hier wird gebaggert und gebaut, und zwar auf beiden Seiten des Bettenhauses, was dem Heilungsprozess ungemein förderlich ist.

Meine zweite OP, die der ersten folgte wie im Taxi der eine Fahrgast dem anderen, war übrigens im beschaulichen Dahlem, was ich wirklich wärmstens empfehlen kann, obwohl es an dem Tag ausnahmsweise mal kalt war. Man kommt da übrigens ganz bequem hin, auch ohne Taxi, beispielsweise mit der U-Bahn. Aussteigen muss man Podbielskiallee, aber das nur nebenbei. Ich kenne die Gegend ganz gut, weil ich mich dort vor Jahren als Student herumgetrieben habe, weswegen Taxifahrten nach Dahlem insbesondere Nachts, wenn ich normalerweise fahre, die absolute Ausnahme sind.

Zum Schluss noch ein Wort zu den Schwester. Die sind in Dahlem, das muss ich zugeben, mit wenigen Ausnahmen, älteren Semesters. Wer knackige Krankenschwestern sehen will, der darf auf keinen Fall nach Dahlem gehen. Dafür gibt es dort aber Schwester Renate, eine resolute Frau, die zwar ihre besten Jahre hinter sich hat, dafür aber, wie man so schön sagt, eine Seele von Mensch ist. Das kann ich ohne Übertreibung sagen. Niemand hat mir jemals so schön die Stullen geschmiert wie Schwester Renate, denn das kriegst du alleine nicht hin nach einer Schulter-OP. So viel sei verraten, denn über die üblen Schmerzen zu schreiben, möchte ich meinen Lesern ersparen.

Foto&Text TaxiBerlin

13.02.2015

MEINE NEUE SCHULTER


Schulter / links / neu

Meine beiden schwerwiegendsten Verletzungen habe ich mir, wie ich bereits schrieb, nicht beim Taxifahren, sondern beim Fahrradfahren und beim Fussballspielen zugezogen. Beide Unfälle, sowohl der mit dem Fahrrad, als auch der beim Fussball, waren an sich nicht spektakulär, eher unglücklich. Der mit dem Fahrrad ereignete sich in Kreuzberg, um genau zu sein in der Skalitzer kurz vorm Kotti. Ich kam aus Schöneberg, es war ein wunderschöner sonniger Tag, ich war guter Dinge und fuhr mit meinem Rad der auf Straße, weil es in der Skalitzer in dem Bereich keinen Fahrradweg gibt.

Mit meiner guten Laune war es vorbei, als sich plötzlich die Tür eines parkenden Autos öffnete und mich vom Rad holte. Der junge Mann hatte noch etwas im Auto gesucht, bevor er die Tür aufriss, ohne vorher nochmal in den Rückspiegel geschaut zu habe. So etwas passiert, auch im Taxi. Ich versuchte mich irgendwie über meinen Hintern so abrollen zu lassen, um dem hinter mir fahrenden LKW nicht direkt unter die Vorderachse zu geraten. Das war auch schon der Fehler, denn mein Hintern war damals noch nicht so dick wie heute, obwohl böse Zungen ihn heute gerne dicker machen, als er in Wahrheit ist, aber das nur nebenbei.

Zum Glück ist das Kreuzberger Urbankrankenhaus nicht weit. In der dortigen Notaufnahme ging es recht balkanisch zu, was mir aber nichts ausmachte, weil ich auch schonmal in einer Notaufnahme in Bulgarien war. Dagegen herrschen in Kreuzberg geradezu paradiesische Verhältnisse. Außerdem hatte ich noch Glück im Unglück, was will man mehr, das Becken war nur an- und nicht durchgebrochen. Schmerzhaft war es trotzdem, daran änderten auch die Krücken nichts, die man mir verpasste, und mit denen ich wesentlicher langsamer als sonst in den vierten Stock kam, in dem ich damals wohnte, weswegen ich das Licht im Treppenhaus spätestens im zweiten nochmals anschalten musste.

Es gibt zweifellos schlimmeres als das Treppenlicht, das ein zweites Mal angeschaltet werden muss. Und das Gute daran, wenn etwas nur angebrochen ist, wie bei dem Fahrradunfall, ist, dass sie dich nicht aufschneiden. Dafür musste ich nach meinem zweiten Unfall beim Fussball gleich zwei mal unters Messer. So gleicht sich letztendlich alles aus. Der Grund, warum meine Schulter (Foto) ein zweites Mal operiert werden musste, wie es dazu kam und was genau passiert ist, das erfährt der interessierte Leser morgen.

Foto&Text TaxiBerlin

12.02.2015

"IN NEUKÖLLN HERRSCHT EINE ANDERE STRASSENVERKEHRSORDNUNG" (FORTSETZUNG)


1. Unfall / Anfang der Nuller Jahre

Wenn ich mir das obige Foto von meinem ersten Unfall vor etwa fünfzehn Jahren anschaue, muss ich sagen, dass der Schaden am Fahrzeug eigentlich nicht schlimmer war als der von vor einen Jahr, wie von mir gestern behauptet. Dafür war der Unfallhergang zweifellos spektakulärer. Naja, zumindest ein wenig. Es war ziemlich genau dieselbe Jahreszeit, also irgendwie Jahresanfang und Winter. Dazu muss man wissen, dass die Winter damals noch richtige Winter waren, also Winter, die ihren Namen verdienten, auch und gerade in Berlin, mit Minusgraden und Frost über längere Zeiträume.

Ich fuhr, so weit ich mich erinnere war es später Abend, den Kottbusser Damm Richtung Kottbusser Tor, als die Ampel Höhe Maybachufer auf Rot umschaltete. Also genau dort, wo sich gleich der Unfall ereignen wird, an dem ich, ich möchte es noch einmal wiederholen, völlig unschuldig war. Schuld, das ist bekannt, sind immer die andern. Und das waren in dem Fall vier junge ausländische Mitbürger, die mir in einem geschlossenes schwarzes BMW-Cabrio, ein Mietwagen, wie sich später herausstellte, auf der Kottbusser Brücke entgegenkamen. Auch ihre Ampel schaltete auf Rot, nur befanden sie sich eben auf der Brücke, und die war vereist, weswegen sie ihren Wagen nicht, so wie ich, rechtzeitig zum Halten bringen konnten.

Nein, das schöne schwarze BMW-Cabrio geriet komplett außer Kontrolle, drehte sich einmal um 180 Grad, um sich final mit seinem rechten Hinterteil bei mir vorne links reinzudrehen. Die jungen Männer und ich blieben zum Glück unverletzt. Da das Taxi nicht mir gehörte, musste ich die Polizei rufen, so sind die Spielregeln. Die vier jungen Männer telefonierten auch, allerdings nicht mit der Polizei, sondern mit ihren Leuten. Und so war es keine Überraschung, dass ich, bevor die Polizei eintraf, von den vier jungen Männern und mehreren ihrer Verwandten umringt war, die mir einen Deal ohne Polizei vorschlugen, was aber sowieso nicht ging, selbst wenn ich gewollt hätte, weil das Taxi, ich erwähnte es, nicht mir gehörte.

Das erste, was ich mir von der Polizei anhören musste, war ein dummer Spruch der Art, dass ich blöder Taxifahrer wohl nicht aufgepasst hätte und deswegen dem Fahrzeug vor mir, also dem BMW, hinten reingefahren wäre. Ich konnte es dem Polizisten gar nicht verdenken, denn genauso musste es jemand deuten, der den Unfallhergang nicht mit eigenen Augen gesehen hatte. Ehrlich gesagt hatte auch ich schon an dieses Szenario gedacht. Normalerweise hätte ich auch schon längst versucht Zeugen zu finden, was aber unter den gegebenen Umständen schwierig war. Ich war, wie gesagt, umringt von etwa zehn ausländischen Mitbürgern, die die Straße für den Basar nahmen, wogegen ich prinzipiell nichts habe. Ganz im Gegenteil! Letztendlich ist das ganze Leben ein einziger Basar.

Die Lage war nach dem Eintreffen der Polizei also verfahrener als am Anfang, weil selbst DIE offensichtlich nur das Eine für möglich hielt, und zwar, dass ich mit meinem Taxi dem BMW-Cabrio hinten drauf gefahren bin. Auf gut Deutsch: Ich war am Arsch. Vielleicht wäre es ja doch besser gewesen, sich auf einen Deal mit den ausländische Mitbürgern einzulassen, fragte ich mich bereits, als plötzlich ein junger Mann auftauchte, dessen Fahrzeug am anderen Ende der Brücke hielt, weswegen ich es nicht gesehen hatte, und das von dem sich um 180 Grad drehen BMW gestreift wurden war und dabei eine ziemliche Schramme an der Fahrerseite hinterlassen hatte. Ich bin mir nicht sicher, ob ich erwähnen darf, dass der Mann Deutscher war. Aber egal! Wichtiger ist sowieso, dass seinen beiden Kindern im Auto nichts passiert war, und dass ich am Ende einen glaubhaften Zeugen für den wirklichen Unfallhergang hatte.

Foto&Text TaxiBerlin

11.02.2015

"IN NEUKÖLLN HERRSCHT EINE ANDERE STRASSENVERKEHRSORDNUNG"


Hermann- Ecke Karl-Marx-Straße / früher Neukölln / heute Neukölln

Zwanzig Jahre bin ich nun schon mit der Taxe in Berlin "on the road". In diesen zwanzig Jahren hatte ich dort zwei Unfälle im Taxi, also ziemlich genau ein Unfall in zehn Jahren und etwa einer Million gefahrener Kilometer. Schuld an den Unfällen waren übrigens immer die anderen, aber das nur nebenbei. Obiges Foto zeigt das Taxi nach meinem zweiten Unfall vor gut einem Jahr. Bei meinem ersten Unfall vor etwa fünfzehn Jahren sah die Taxe noch schlimmer aus. Und obwohl in beiden Fällen, zumindest was das Fahrzeug angeht, ein Totalschaden vorlag, blieb ich völlig unverletzt. Verletzt habe ich mich immer nur beim Sport, genauer beim Fahrradfahren und beim Fußballspielen. Doch dazu in einem anderen Beitrag mehr.

Zurück zu meinen zwei Unfällen im Taxi. In beiden Fällen waren die Unfallverursacher junge Männer mit Migrationshintergrund. Im ersten Fall dauerte es nicht lange und ich war von mehreren Verwandten des Unfallverursachers umringt, die mir "Lass uns das so klären!", was ohne Polizei meint, vorschlugen, worauf ich nicht eingehen konnte, alleine schon, weil die Taxe gar nicht mir gehörte. Beim zweiten Unfall war der junge Mann plötzlich verschwunden, nachdem ich ihn darauf hingewiesen hatte, dass er bei Rot gefahren sei, um bald darauf mit einem vermeintlichen Zeugen aufzutauchen, der genau das Gegenteil gesehen haben wollte. Da der Zeuge, ebenfalls ein ausländischer Mitbürger, der deutschen Sprache nicht mächtig war, bot sich der Unfallgegner freundlicherweise Weise an, dessen Aussage gegenüber der mittlerweile eingetroffenen Polizei auch noch zu übersetzen, was letztendlich aber nichts brachte, weil der vermeintliche Zeuge von der Polizei, zu Recht, nicht Ernst genommen werden konnte, und zwar deswegen, weil er zum Unfallzeitpunkt gar dort war, wo er hätte sein müssen, um das gesehen zu haben, was er gesehen haben wollte. So weit so gut.

Dass es zwischen beiden Unfällen einen weiteren Zusammenhang geben könnte als den, dass der Unfallverursacher jeweils ein Mensch mit Migrationshintergrund war, ist mir erst am Sonntag klar geworden. Und das hängt mit einem Buch zusammen, dass ich auf dem Flohmarkt fand. Sonntag ist bei mir immer Flohmarkttag. Das Buch ist übrigens neu. Dazu muss mann wissen, dass nur ein Viertel der gekauften Bücher auch wirklich gelesen werden. Ich habe zumindest gleich angefangen damit. Aber was muss ich da auf Seite 63 lesen? "In Neukölln herrscht eine andere Straßenverkehrsordnung." Und das stimmt! Das kann ich bestätigen, denn beide Unfälle waren in Neukölln. Letzterer an Hermann- Ecke Karl-Marx-Straße am Hermannplatz, der erste am Kottbusser Damm Ecke Maybachufer direkt vor der "Ankerklause". Beide Ecken sind zwar hart an der Grenze zu Kreuzberg, aber eben immer noch - Neukölln.

Doch damit nicht genug. Auch zu einer anderen These im Buch fiel mir sogleich ein Beispiel ein. Der Autor behauptet, dass viele Alteingesessene den Neuköllner Norden in den Neunzigern verlassen hätten, weil sie sich dort nicht mehr zu Hause fühlten. Meine Berliner Oma, der liebe Gott hab sie selig, ist '93 von der Friedelstraße (geht von der Sonnenallee ab), in der sie viele Jahre (genauer Jahrzehnte) gelebt hatte, an den Stadtrand kurz vor Großbeeren gezogen. Wie heißt dieses Buch, das zwar gekauft aber oft nicht gelesen wird, und vor allem, von wem ist es, wird sich der ein oder andere jetzt fragen. Beginnen wir mit letzterem. Geschrieben hat das Buch kein geringerer als der noch amtierende Neuköllner Dorfschulze, wie man den Bürgermeister früher nannte. Sein Titel ist "Neukölln ist überall", und, da ich noch nicht durch bin mit dem Buch, kann ich nichts darüber sagen, ob Heinz Buschkowsky, so heißt der Bürgermeister von Neukölln, das noch als Warnung oder bereits als Drohung gemeint hat.

Foto&Text TaxiBerlin

10.02.2015

AUF DER STRASSE MIT HENRY MILLER


Big Sur / Kalifornien / USA

Was als kleiner Ausflug von meiner Serie "Die besten Berliner Toiletten" gedacht war, ist nun doch etwas mehr geworden, andererseits nicht genug, um daraus gleich eine neue mit dem Titel "Die besten Toiletten weltweit" zu starten. Auch deswegen kam mir Henry Miller gerade recht. Henry hat fast zehn Jahre als Aussteiger in Big Sur verbracht, wo sein erstes zu Hause das Lokal "Nepenthe" war, und wo Anfang des Jahres obige Aufnahme entstand.

Ausnahmsweise soll es heute mal nicht um die gewaltigen verchromten Armaturen (Foto) gehen, die die Amis an ihren Pullerbecken haben und von denen ich ein bekennender Fan bin. Manch einer ist Fan von Bayern München, ich bin Fan von amerikanischen Armaturen - warum denn nicht?! Ich kann es nicht oft genug wiederholen: Diese Armaturen sind so robust, dass man sie auch mit dem Fuß betätigen kann, vorausgesetzt man bekommt das Bein hoch genug. Die Benutzung, sowohl der Toilette als auch der Armatur, ist übrigens kostenlos, aber das nur nebenbei.

Doch zurück zu Henry Miller, der in Big Sur bald seine eigene Hütte in den Bergen bezog, vom Pazifik getrennt durch den Highway 1, der kurz zuvor fertiggestellt wurde, und der hier nur eine schmale Gebirgsstraße ist, auf der man besser nicht schneller wie 20-30 m/h fährt. Dass Henry etwas über Straßen geschrieben hat, mag den ein oder anderen überraschen. Henry hat auch nicht den Highway 1 am Pazifik gemeint, sondern eine Straße in New York, wo er aufwuchs.

Was Henry Miller über die Straße schreibt, ist an erster Stelle eine Metapher für, und eine Hommage an den Ort, an dem ich Tag für Tag das Geld auflese, mit dem ich meine Rechnungen bezahle, und die Geschichten (er)finde, die diesen Blog am Laufen halten:

Auf der Straße lernt man, was die Menschen wirklich sind; unter anderen Umständen oder später erfindet man sie. Was nicht auf der offenen Straße ist, ist falsch, abgeleitet, das heißt Literatur.
(Henry Miller, "Der vierzehnte Bezirk", 1936)

Foto&Text TaxiBerlin

09.02.2015

DIE KRIMINELLEN MACHENSCHAFTEN DER FLUGHAFENPFANDFLASCHENSAMMLER


... und verknacken Flaschensammler

Ich fahre überall in der Stadt, finde auch den Flughafen und mich dort sogar zurecht. Wahrscheinlich würde ich dort auch viele Pfandflaschen finden, deren man sich, weil sie angeblich unsere Sicherheit bedrohen, vor dem Check in irgendwie entledigen muss. Ich denke, ich wäre ein guter Flaschensammler, weil ich auch ein guter Taxifahrer bin. Das ist eine Frage der Nase, und die habe ich.

Genauso wie ich eine gute Nase habe, habe ich einen gesunden Menschenverstand. Das ist nicht selbstverständlich heutzutage, wo der gesunde Menschenverstand so eine Sache geworden ist. Gerne wird der gesunde Menschenverstand schon mal mit Stammtisch gleichgesetzt. Und Stammtisch ist natürlich immer negativ, das ist ja klar. Obwohl, auch hier gibt es Ausnahmen. Wenn der Stammtisch mal Recht hat, das soll vorkommen, ist er plötzlich kein Stammtisch mehr, sondern Volksmund. Aber auch da muss man jetzt vorsichtig sein.

Was man, denke ich, auf jeden Fall mit Gewissheit sagen kann, ist, dass das Verschwinden des gesunden Menschenverstandes mit dem Verschwinden von Empathie, also Mitgefühl, einhergeht. Da werden mir die meisten von euch sicherlich recht geben, auch wenn niemand diesen Zusammenhang wirklich erklären kann. Die 97 Anzeigen gegen Flaschensammler am Flughafen sind da nur ein Beispiel für dieses "Zusammenfallen". Ich erwähne sie auch nur, weil ich, wie gesagt, nicht nur den Flughafen finde, sondern mich dort auch zurechtfinde.

Die 97 Anzeigen wurden übrigens aufgrund einer Online-Petition, manchmal sind die auch für etwas gut, die immerhin 57.000 Unterstützer fand, vor zwei Tagen zurückgezogen. So weit, so gut. Das Bemerkenswerte kommt jetzt. Bisher hat kein einziges bedeutsames Medium darüber berichtet, das dafür bekannt wäre, sich für sozial benachteiligte Menschen in unserem Land einzusetzen. Die Einzigen, die bisher darüber geschrieben haben, waren "Das Hamburger Abendblatt", "Die Welt" und "Bild".

PS: Berichtet haben auch noch "Stern" und "MoPo".

Foto&Text TaxiBerlin

08.02.2015

SCHLIMMER ALS PARTY PEOPLE


Karl-Marx-Allee / früher Mitte / heute neue Mitte

Ich hatte bereits vor ein paar Tagen angedeutet, dass es schlimmeres gibt als Party People. Je mehr ich seither darüber nachgedacht habe, desto unsicherer wurde ich, ob das denn auch stimmt, weswegen ich das Thema hier auf meiner Seite vorsichtshalber nicht mehr angefasst habe. Dass es prinzipiell Leute gibt, die schlimmer sind als Party People, darüber dürfte generelle Einigkeit herrschen. Die Frage ist auch eher, ob Party Hopper eine eigene Personengruppe darstellen, oder ob sie nicht einfach nur eine Untergruppe der Party People sind, ähnlich der Frage, ob Gender ein eigenes Studienfach ist, das ein eigenes Institut braucht, wie beispielsweise in Berlin, oder ob Gender nur ein Teilgebiet der Soziologie ist, wenn überhaupt.

Vielleicht sollte ich zum Verständnis erst einmal erklären, was Party Hopper sind und inwieweit sie sich von den Party People unterscheiden oder zumindest abgrenzen. Party Hopper, das kann ich ohne zu übertreiben sagen, wissen grundsätzlich immer alles besser. Beispielsweise dass es "Börgenheym" heißt, und eben nicht "Berghain", oder wegen mir auch "Alexanderturm" und nicht "Fernsehturm", obwohl der schon wieder viel zu weit weg ist. Denn, um zum Kern des Party Hoppers zu kommen, der Party Hopper hat es vor allem Eines: Nicht weit! Der Party Hopper will, im Gegensatz zum Party People, nicht immer nur in den nächsten Club, sondern darüber hinaus auch in den nächstgelegenen, also genau in den, der am nächesten zu dem Club ist, aus dem er gerade kommt, also beispielsweise vom "Café Moskau" (Foto) zum "Kit Kat" - geschätzte Entfernung 500, gefühlte 50 Meter. (Immer auf dem kürzesten Weg, aber das ist ja klar.)

Das wäre an sich kein Problem. Um es ganz klar zu sagen, ich bin keiner von diesen Typen, die sich über kurze Fahrten beklagen. Nur, der Fahrgast muss auch zu einer kurzen Fahrt passen. Keine Sorge, er muss mir jetzt nicht die Füße küssen. Aber, um auch hier ganz klar zu sein, ein gottverdammter Klugscheißer und eine kurze Fahrt passen einfach nicht zusammen. (Aus welchem Film war gleich noch mal gottverdammter Klugscheißer?) Nicht etwa, weil ein gottverdammter Klugscheißer auch im Taxi nichts weiter ist als ein gottverdammter Klugscheißer. Das an sich ist schlimm genug. Aber mit einem gottverdammten Klugscheißer klärst Du nicht die Sache mit dem "Börgenheym" und dem "Alexanderturm". Das wird für den gottverdammten Klugscheißer immer das "Börgenheym" und der "Alexanderturm" bleiben. Also wozu dann die Taxifahrt?

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07.02.2015

"ALLES NUR WEGEN SO'N BISSCHEN BEISCHLAF!"


Boxhagener Str. / früher Friedrichshain
heute Friedrichshain-Kreuzberg

Manche Geschichten sind einfach zu schön, um wahr zu sein, andere zu traurig, um hier nicht erzählt zu werden. Was sie verbindet, ist das Zuhören können, denn der Fahrgast wird nichts von sich preisgeben, wenn der Fahrer dazu keine prinzipielle Bereitschaft signalisiert, da kann die Situation noch so anonym sein, wie das im Taxi in der Regel der Fall ist.

Ein häufig angesprochenes Thema im Taxi ist, zumindest Nachts, der Sex. Was musste ich da nicht schon alles erfahren?! Beispielsweise, dass es wirklich Leute gibt, die jahrelang keinen hatten, was ich mir immer gar nicht vorstellen kann, also für mich jetzt. Es soll aber in der Tat so sein, ich habe keinen Grund, an den Aussagen meiner Fahrgäste zu zweifeln.

Zum Beispiel neulich der junge Mann, kaum älter als ich, dessen Frau ihn vor einem Jahr verlassen hat und der seitdem keine andere Frau hatte. Er vermisse den Sex gar nicht, weil er erstmal über das Ende der Beziehung hinwegkommen müsse, die immerhin fast zehn Jahre andauerte. Hinzu kommt, dass der Alkohol, dem er seit der Trennung immer öfter zuspreche, die Sache auch nicht einfacher mache.

Der Alkohol, das kann ich bestätigen, ist ein echter Sexkiller. Das sagen mir oft auch Frauen, die die ganze Nacht im Club von angetrunkenen oder gar besoffenen Typen angequatscht wurden. Betrunkene Frauen sind aber mindestens genauso schlimm, auch, aber nicht nur, weil sie gerne mal den Spieß, in dem Fall die Geschichte, umdrehen.

Aktueller Negativhöhepunkt in Sachen Sex war zweifellos vorletzte Nacht eine Frau in den besten Jahren, wie man so schön sagt, die sich gar nicht mehr daran erinnern konnte, wann sie das letzte Mal mit einem Mann im Bett war und die sich bereits darauf freut, bald in die Wechseljahre zu kommen, dann habe der ganze Zirkus ein Ende.

Meine Lieblingsgeschichte in Sachen Sex ist seit Jahren die mit der alten Dame, die Weihnachten bei ihrem Enkelsohn verbrachte, mit dessen frisch angetrauter Ehefrau sie nicht klar kam, so etwas soll vorkommen, weswegen ihr knapper Kommentar über den gerade geschlossenen Bund der Ehe lautete: Und das alles wegen so'n bisschen Beischlaf!

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EINFACH MAL ZUHÖREN



Hans-Joachim Maaz im Interview

Es ist immer ein gutes Gefühl zu den Guten zu gehören. Das ist klar. Wer ist schon gerne der Böse? Aber ist es nicht auch so, dass die Guten oft die größten Langweiler sind? Wer schaut sich schon Filme an, wo es nur Gute und keinen einzigen Bösen gibt? Also ich nicht!

So weit ich es verstehe, glauben die Guten, dass sich das Problem Pegida&Co erledigt hat. Ich denke das nicht. Ganz im Gegenteil. Ich bin mir relativ sicher, dass das nur ein Anfang war, und ein recht bescheidener dazu. Aber ich bin kein Prophet - Gott bewahre!

Eines der vielen Dinge, die ich im Taxi gelernt habe, ist zuzuhören. Das war ein jahrelanger Prozess und ist oft auch nicht einfach. Nicht einfach haben es manchmal auch Menschen wie Hans-Joachim Maaz, der vor einiger Zeit schon mal bei mir im Taxi saß und der wirklich was zu sagen hat, sich auch Gehör zu verschaffen.

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06.02.2015

DIE BESTEN BERLINER TOILETTEN (EINE SERIE)


"Nordring" / Greifenhagener Ecke Stargarder
früher Prenzlauer Berg / heute Pankow

Nach Jahren mal wieder eine Eckkneipe, vor denen uns unser Taxilehrer immer gewarnt hatte, lange lange ist es her. Trotzdem kann ich mich bis heute an seinen Rat erinnern: Immer erst reingehen und schauen, ob der Fahrgast überhaupt noch transportfähig und niemals die Uhr vorher anschalten. Das bringt nix, nur Ärger.

Das mit der Transportfähigkeit schien klar zu gehen, auch wenn der Fahrgast nicht mehr ganz so frisch aussah, was aber am vielen Rauch in der Kneipe lag. Natürlich musste er vorher noch sein Bier austrinken, Ordnung muss sein. Das verstand ich, immerhin hatte ich auch nur eine knappe Minute bis zur angegebenen Ecke gebraucht.

Ich nutzte den Moment, um mal gepflegt pullern zu gehen. Zum Glück hatte ich meine kleine Kamera dabei, sonst wäre meinen Lesern wirklich was entgangen. Da ich weder Bier noch Wein getrunken hatte, tat ich mich schwer mit der Entscheidung und nahm, sicher ist sicher, schlussendlich die Box (nicht im Bild).

Dann konnte es auch schon losgehen. Die dreißig Cent für die Toilette musste ich natürlich nicht bezahlen, obwohl man sich darüber hätte streiten können, ob ich nun Kneipengast bin oder nicht. Die Bedienung, eine dralle Blonde übrigens, drückte aber ein Auge zu. Alleine deswegen kann ich den Laden empfehlen.

Als mein Fahrgast und ich endlich im Taxi saßen, überraschte der mich noch mit der Ankündigung, dass es auch nicht weit ginge. Super, dann habe ich gleich wieder Zeit für mich. Ich erwähnte es bereits, dass ich so ein Typ bin, der vor allem eines will - seine Ruhe ...

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HOTEL MAO BERLIN


In Maobit natürlich ...

Während alle auf die Islamisten schauen, hat niemand mehr die Chinesen im Blick. Oder woran liegt es, dass bisher noch keinem aufgefallen ist, dass die ihrem großen Vorsitzenden ausgerechnet in Berlin ein ganzes Hotel gewidmet haben? An mir liegt es jedenfalls nicht, ich habe sofort reagiert, und bin sogleich weiter gefahren, um möglichst zeitnah hier darüber berichten zu können.

Diese Verantwortung habe ich, wie jeder andere übrigens auch, schließlich bin auch ich ein Mitglied der Gesellschaft, und nicht irgendeins, nein, natürlich ein nützliches, dem das Wohlergehen unseres Gemeinwesens eine Herzensangelegenheit ist.

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05.02.2015

VERSCHMUTZTE OBERFLÄCHEN


Taxi vor der Wäsche / Detail

Früher waren Taxifahrer alles Individualisten. Mittlerweile bin ich mir nicht sicher, ob das noch stimmt. Mir persönlich kommen Taxifahrer heute, selbst in Berlin, immer uniformer vor. Keine Ahnung, woran das liegt, und ob das überhaupt zutrifft. Klar, ich bin lange genug "on the road", um das beurteilen zu können. Andererseits könnte es auch nur so ein Gefühl sein, und Gefühle kommen und gehen bekanntlich.

Fakt ist, dass es auch in Berlin in den letzten Jahren eine Entwicklung hin zum Individuellen gab, böse Zungen sagen auch hin zu mehr Oberfläche. Das kann die teure Eigentumswohnung sein, aber auch der eigene Schrebergarten. Im Taxigewerbe drückt sich das durch Spezialisierungen auf Wochenenden oder bestimmte Jahreszeiten aus. Einige Kollegen wollen gleich immer fahren, die Alleinfahrer.

Wie dem auch sei, wir wissen es nicht genau. Aber die Oberfläche, selbst wenn sie gar nicht mehr als solche zu erkennen ist, scheint das verbindende Element zu sein. Ich hatte glaube noch nicht erwähnt, dass ich ein großer Fan von verbindenden Elementen bin, wahrscheinlich weil sie immer schwerer zu finden sind heutzutage.

Zum Glück gab's heute bei der Taxiwäsche die Auflösung. Geld, was viele Menschen vielleicht denken, ist nicht das Einzige, was uns noch verbindet. Nein, in der Tat sind es auch die vielen verschmutzten Oberflächen, sozusagen die Uniformen von heute, die uns verbinden.

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04.02.2015

DIESE EIGENTÜMLICHE MISCHUNG AUS NUTTEN- UND NORMALEN SCHUHEN


High Hehls auf Fußmatte

Es war keine Überraschung, dass die junge Frau, nachdem ich bereits hier darüber geschrieben hatte, ihre unmöglichen Schuhen ausgerechnet bei mir im Taxi liegen ließ, denn es gibt im Leben keine Zufälle. Ihre High Hehls, fangen wir "am Besten" mit den Schuhen an, waren eine eigentümlich Mischung aus Nutten- und normalen Schuhen. Das Besondere daran war, dass sie eigentlich aus einem normalen Club kam. Aber was ist heute schon noch normal ...

Bevor ich zur Begleitung der jungen Frau komme, sie war nicht alleine im Club gewesen, noch ein Wort zur Kleidung im Allgemeinen. Es soll Leute geben, die behaupten allen Ernstes, dass Frau sich auf keinen Fall der Männer wegen so kleidet. (Die Rede ist vom kurzen Schwarzen und eben diesen unmöglichen Schuhen.) Das würde dann bedeuten, sie tut es für sich selbst und/oder für ihre Freundin/nen.

Und da das die Sache nun nicht wirklich besser macht, kommt man dann doch wieder auf den Mann zurück. Es kann nur so sein, ein anderer Grund will mir partout nicht einfallen. Und es stimmt ja auch, der Mann steht auf, nennen wir es mal figurbetonte Kleidung und hohe Schuhe, aber eben, und jetzt kommt der Haken, nicht auf diese eigentümliche Mischung aus Nutten- und normalen Schuhen.

Kommen wir nun zur Begleitung der jungen Frau, die diese Schuhe bei mir im Taxi liegen ließ: einer weiteren jungen Frau und einen jungen Mann, alle drei nicht mehr ganz Herr ihrer Sinne. Kaum saßen sie bei mir im Taxi, begangen die beiden Frauen sich anzubrüllen, aber nicht etwa, weil sie Streit hatten, nein, es war offensichtlich ihre "normale" Konversationslautstärke. Das Problem war auch eher mein rechtes Ohr, was der Konversation als Bande diente, weil das eine Mädel vorne neben mir saß und das andere hinter ihr.

Nachdem ich bereits um etwas mehr "piano" gebeten hatte, um mich zumindest halbwegs aufs Fahren konzentrieren zu können, passierte unerwartetes. Auch der junge Mann, der bisher so gut wie nicht vorhanden war, sagte den beiden, sie sollen etwas leiser sein. Das hätte er besser nicht getan. Denn nun bestand keine Chance mehr, bei den beiden in Sachen Lautstärke Gehör zu finden. Das war klar, das hätte ich ihm vorher sagen können. OK, er hatte es gut gemeint, aber gut gemeint ist eben nicht gut gemacht. Diese offensichtliche männliche Verschwörung musste natürlich bekämpft werden!

Und hier schließt sich, zumindest meiner Meinung nach, der Kreis zu den Schuhen. Ich meine, wer so eigenartige Schuhe trägt, muss einfach auch ein eigenartiger Mensch sein. Ich vergaß zu erwähnen, dass die Schuhe der anderen jungen Frau genauso bescheuert aussahen, sie diese aber nicht im Taxi vergaß, weil sie kein zweites Paar zum wechseln dabei hatte wie ihre Freundin.

Was nun machen mit den Schuhen? Immerhin war Wochenende und das Fundbüro geschlossen. Andererseits: Möglicherweise brauchte das Mädel die Schuhe ganz dringend für die nächste Party. Zum Glück kann man Fundsachen auch jederzeit an der jeder Wache abgeben. Dass ich gerade an einer am anderen Ende der Stadt (also j.w.d.) vorbeifuhr und natürlich sofort anhielt, um genau dort die Schuhe abzugeben, war, glaube ich, Schicksal ...

Foto&Text TaxiBerlin

ICH ARME SAU


Empfang "Berliner Verlag" / Karl-Liebknecht-Straße
früher Mitte / heute Neue Mitte

Anfang der Woche bekomme ich oft meinen "moralischen", wie man so "schön" sagt. Das hängt damit zusammen, dass ich nur am Wochenende arbeite, und dieses Wochenende besonders schmerzhaft schlimm für mich war. Das hat nichts damit zu tun, dass ich kein Geld hätte. Geld hatte ich noch nie! Das ist also nichts Neues für mich. Neu ist, dass ich auch keine Freunde habe. Reale schon, den einen und auch den anderen, aber eben keine virtuellen! Und genau die virtuellen sind heutzutage viel wichtiger als die realen.

Diese Erkenntnis hat einiges mit einem Gespräch zu tun, das ich am Sonntag mit einem Fahrgast führte. Dazu muss man wissen, dass ich normalerweise mit niemanden rede. Ich bin einer von diesen Typen, der vor allem Eines will - seine Ruhe! Genau deswegen fahre ich auch Taxi. Und die eine Fahrt pro Stunde überfordert mich dann auch immer regelmäßig. Es ist wirklich ein Segen (Danke liebes Taxigeschäft!), dass oft einfach nicht mehr drin ist.

Aber ich will mich nicht beklagen. Es gibt Kollegen, aber vor allem wohl "Kollegen", die nach eigenen Angaben viel ärmer sind als ich. Mag sein, dass manch einer von ihnen sich ärmer macht, als er in Wirklichkeit ist. Aber verdient nicht gerade dieser arme Arme unser besonderes Mitgefühl? Wer sagte gleich noch mal, dass derjenige, der sich selbst erniedrigt, erhöht werden möchte? Egal! Aber vielleicht sollte ich, bevor ich zu dem Gespräch mit dem Fahrgast komme, irgendwas an dem Titel dieses Beitrags ändern ...

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02.02.2015

DIE DINOSAURIER UNTER DEN TAXIFAHRERN


Viel Masse, wenig Hirn

Es gibt sie wirklich, und sie sind auch noch nicht ausgestorben, die Rede ist von den Dinosauriern unter den Taxifahrern. Ja, Dinosaurier ist denke ich das richtige Wort, auch optisch. Den Dinosaurier unter den Taxifahrern muss man sich ungefähr so vorstellen:

Irgendwie schafft er es Tag für Tag laut vor sich hin schnaufend immer wieder aufs Neue zu seinem Taxi und dann dort auch hinein zu kommen, was zweifellos der schwierigere Teil ist. Es könnte einem fast leid tun, also das Taxi jetzt, aber es gibt eben auch im Taxigewerbe und selbst in schwierigen Zeiten eine soziale Verantwortung.

Sitzt der Dinosaurier erst einmal in seinem Taxi, ist der Bahnhof, die einzige Taxihalte, die er kennt, auch schon im Visier. Möchtest Du mal beim Dinosaurier mitfahren, sowas soll vorkommen, beispielsweise zum Flughafen, musst Du dich also erstmal zum Bahnhof begeben.

Sicherheitshalber wirfst Du vorher einen Blick in den Stadtplan, damit Du später auch am richtigen Flughafen ankommst und es auch dort keine bösen Überraschungen gibt. Das Allerbeste ist aber, wenn Du einfach vorher schon mal am Flughafen vorbei fährst.

Der Dinosaurier kann nichts dafür. Er hat, bezogen auf seine Größe, nur eben ein sehr kleines Hirn. Das wächst auch nicht mehr. Da kann er Taxifahren noch und nöcher. Im dümmsten Fall wird es sogar noch kleiner, prozentual meine ich, und zwar wegen dem Fettansatz.

Deswegen hab bitte Verständnis, wenn der Dinosaurier dich nicht von zu Hause abholen kann. Das hat nichts mit dir zu tun. Wo kämen wir hin, wenn jeder plötzlich einen Dinosaurier vor seine Haustür bestellen kann. Und was bliebe übrig von der Service-Wüste?

Die hat sich der Dinosaurier unter den Taxifahrern schließlich über viele Jahre hart erarbeitet. Deswegen wettert er auch gerne gegen die Konkurrenz aus dem Netz, die plötzlich alles anders machen will, übrigens auch im Netz, aber das nur nebenbei. Dabei denkt er gar nicht an sich und was aus ihm wird, wenn bald alle Fahrgäste von zu Hause abgeholt werden, er aber nur den Bahnhof kennt.

Die Dinosaurier sind schon einmal ausgestorben. Das darf kein zweites Mal passieren! Vor allem jetzt, wo auch Knut schon tot ist. Und deswegen müssen wir alle aufpassen auf die letzten ihrer Art in unseren Reihen, denn ändern werden die sich nicht mehr.

Auch den Alten in unserer Mitte gilt schließlich unsere besondere Aufmerksamkeit. Und deswegen gibt es seit Neuesten neben dem "Betreutem Wohnen" für unsere vielen Senioren auch etwas für die Dinosaurier unter den Taxifahrern: "Betreutes Fahren".

Foto&Text TaxiBerlin

DSK UND ICH


Ich und DSK

Dominique Strauss-Kahn, abgekürzt DSK, dessen was weiß ich wievielter Prozess heute beginnt, und ich sind Freunde. Das ist mir gerade jetzt eben klar geworden, und deswegen dieser Beitrag. Und dass, obwohl ich DSK gar nicht kenne. Ich meine, nicht persönlich. Ich kenne DSK nur aus dem Internet. Das muss reichen. Ich meine, wie viele Leute kennen sich heutzutage nur aus dem Internet, und die sind auch Freunde. Und was die können, das kann ich schon lange. So oder so ähnlich muss ich wohl gedacht haben, als ich vor wenigen Minuten mein Laptop anschaltete, obwohl ich, wenn ich ganz ehrlich sein soll, nur nicht schlafen konnte.

Es beginnt mit seinem Namen, genauer: mit der Abkürzung seines Namens, DSK, wo jeder sofort weiß, wer gemeint ist. Und wer nicht, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen. Das ist doch ein schönes Ausscheidungskriterium. Die Welt kann manchmal so einfach sein, insbesondere früh um halb Vier. Ja oder Nein. Schwarz oder Weiss. Und so weiter und so fort - Du weißt, was ich meine. Manch einer fragt sich vielleicht, was ich genommen habe. Ich kann es dir sagen, es war was kleines Blaues. Aber es hilft nicht. Es muss gesagt sein.

Neulich habe ich irgendwo gelesen, dass Michel H., der Autor von "Unterwerfung" und anderer Aufklärungsromane selbst einen DSK vorhergesehen hat. Und das stimmt! Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das jetzt für Michel H. oder für DSK spricht. Auf jeden Fall sieht DSK heute viel besser aus als Michel H. Ob nun ausgerechnet heute, wo sein Prozess beginnt, das weiß ich natürlich nicht. So gut kenne ich ihn nun auch wieder nicht. Neulich hat er mir zwar noch was ins Ohr geflüstert (Foto), aber da habe ich mehr auf sein Fell und dessen Zeichnung, ein schwarzes Kreuz, geachtet als auf seine Worte, was möglicherweise ein Fehler war.

OK, DSK kann auch ein ganz schönes Arschloch sein. Das muss man schon sagen. Früher, also zu bestimmten Zeiten früher, hätte man ihn bestimmt kastriert. Obwohl, an Kindern hat er sich doch nicht vergriffen, oder? Vergriffen ist glaube ich das Stichwort. Verwählen darf sich jeder. aber wenn sich jemand vergreift, dann ist er gleich kriminell. Dabei kann vergriffen auch nur bedeuten, dass etwas nicht "avaible" ist. Und was soll daran bitte sehr kriminell sein? Es ist höchstens blöd, und zwar für den, der nicht das bekommt, was er gerade haben will, weil es eben vergriffen ist.

Keine Sorge, ich werde jetzt nicht um den heißen Brei drumherum schreiben, und vor allem nicht DSK, um den es hier geht, besser machen als er ist. Aber hat DSK nicht genau das gelebt, wovon die meisten Männer normalerweise nur träumen oder phantasieren. Hatte der nicht so viele Frauen, die unter anderen Umständen für eine ganze Kleinstadt gereicht hätten. Und wird uns nicht Tag für Tag der Konsum gepriesen, auch der von Sex. Gut, dass es da bei DSK oft nicht koscher zuging, ist natürlich nicht in Ordnung. Aber darum geht es hier gerade nicht. Wir sitzen auch nicht im Vorzimmer von Alice S.

Jetzt mal im Ernst: Wie viele Paare liegen genau jetzt nebeneinander, die seit Jahren keinen Sex mehr hatten. Wie viele kennen Sex nur noch aus dem Internet. Und wie viele nur noch aus dem Bordell. Oder wie viele hatten überhaupt noch nie Sex in ihrem Leben. Gut, man soll das mit dem Sex auch nicht überbewerten. Für manch einen wäre es vielleicht sogar besser, wenn die Eltern keinen gehabt hätten.

Fällt mir gerade ein. Hab ich neulich im Internet gesehen: Eine Frau, Mitte Dreißig, die sich ihre Eizellen einfrieren lässt, für bessere Tage sozusagen. Weil sie jetzt noch kein Kind will, wegen Karriere und so. Also ich bin kein Hellseher, aber wenn Du mich fragst: Die hatte mit Sicherheit seit Ewigkeiten keinen Sex mehr. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass sie noch nie welchen hatte.

Doch zurück zu DSK, meinem Freund aus dem Internet, der ab heute wieder vor Gericht steht, weil er, na sagen wir mal etwas salopp, zu viel Sex hatte, und der deswegen, hört hört, zwar unbeliebt ist in Frankreich, dem man aber trotzdem nachtrauert ...

PS: Das mit dem Einfrieren der Eizellen gibt es übrigens wirklich und heißt, Du liest richtig, "Social Freezing".

PSPS: Kann sich noch jemand an den Anfang von dem französischen Film "Das wilde Schaaf" erinnern, wo Jean Louis Trintignant höchstpersönlich und natürlich ohne Einhaltung irgendeiner
Kündigungsfrist seinen blöden Job als Bankangestellter mit der Begründung kündigt, dass er vorhabe reich zu werden und mit vielen Frauen zu schlafen, woraufhin ihn sein Chef fragt: "Wollen wir das nicht alle?" - Die Franzosen, das sag ich dir, die haben's echt drauf!

Foto&Text TaxiBerlin