31.01.2015

MEIN INSTRUMENT


Das Horn

"Ja, ja, das stimmt!" konnte ich meinem Fahrgast nur bestätigen, der gehört hatte, dass in Berlin jeder Taxifahrer ein Instrument spielt, um hinzuzufügen "... und meins ist das Horn!", was ich ihm natürlich sogleich vorspielen musste, woraufhin ihm plötzlich einfiel, dass das angeblich in Mannheim so ist. Typen steigen einem manchmal ein ...

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30.01.2015

SCHLECHTE NACHRICHTEN AUS NEW YORK


Mit dem Taxi auf dem Weg nach Manhatten

Neulich in Amerika habe ich es mir nicht nehmen lassen, mit dem Taxi von Queens rüber nach Manhattan zu fahren. Das kann ich auch jedem nur empfehlen, wegen mir auch zu Fuß. Zu Fuß ist mit Sicherheit das Beste, habe ich schon mal gemacht.

Da ich sowieso nicht zu meinem Privatvergnügen in Amerika war, dachte ich, ich könnte diese Taxifahrt gleich noch für meine Leser und natürlich auch für alle Kollegen und "Kollegen" mitnehmen. Taxifahren ist in Amerika generell günstiger, und Taxifahren in New York kostet etwa 2/3 von dem, was es in Berlin kostet.

Und trotzdem gibt es auch hier Menschen, die es nicht billig genug haben können, und lieber mit Uber&Co fahren. Dazu muss man wissen, dass die New Yorker Yellow Cabs keinen Funk haben, und dass man sie deswegen auch nicht zu sich nach Hause bestellen kann.

Wer sich von zu Hause abholen lassen möchte, weil er zum Beispiel mit viel Gepäck zum Flughafen will, musste deswegen bereits in der Vergangenheit bei der Konkurrenz, dem Limousinenservice anrufen, der etwas teurer ist als die Yellow Cabs.

Viele von diesen Leuten, die früher beim Limousinenservice anriefen, rufen heute bei Uber&Co an. So weit, so klar, denke ich. Die Welt ist voll von Leuten, die so arm sind, dass ihnen nichts weiter übrig bleibt, als selbst noch aus den Netz den letzten Cent herauszupressen.

Aber jetzt kommt das Neue, das gleichzeitig die schlechte Nachricht ist, die, auch das nichts Neues, aus der Neuen Welt kommt. Wer in New York über Uber&Co eine Mitfahrgelegenheit bestellt, dem kann es passieren, dass plötzlich ein Yellow Cab vor der Tür steht.

Das bestätigte mir unser Fahrer, der selbst auch für Uber&Co fährt. Dazu braucht er nur ein Smartphone, was eigentlich für den New Yorker Taxifahrer verboten ist. Natürlich darf die Garage, für die er das Taxi fährt, nichts davon wissen, das dürfte klar sein.

Aber genau wegen der Garage, dem Eigentümer des Taxis, muss er auch für Uber&Co fahren, wenn es passt. Denn die Garage verlangt einen festen Betrag pro Schicht von ihm. Und die Garage interessiert dabei nicht, wie viel darüber hinaus für ihn, den Fahrer, übrig bleibt.

Es kann also wirklich passieren, dass er noch Geld mitbringen muss für die Garage, wenn es mal richtig schlecht läuft, weswegen es auf den Straßen von Big Apple, was das Gebaren der Yellow Cabs untereinander angeht, recht kannibalisch zugeht.

Gut, so weit sind wir in Berlin noch nicht. Dafür hat hier fast jeder Taxifahrer bereits jetzt schon ein Smartphone an Bord. Der Schritt, nebenbei für Uber&Co zu fahren, ist somit nur ein kleiner. Schwierig ist er eigentlich nur für den, der, aus welchen Gründen auch immer, die Leute nicht von zu Hause abholt.

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29.01.2015

NEULICH BEIM DOKTOR


Im Arztregal

Normalerweise meide ich Ärzte, Juristen und auch Polizisten wie der Teufel das Weihwasser. Aber manchmal muss es doch sein, da muss ich hin, da geht es nicht anders. So auch neulich, wo ich mal was Neues ausprobieren wollte. Ich meine, wenn ich schon so selten gehe, dann muss es ja nicht immer derselbe sein. Deswegen ein neuer Arzt, natürlich mit neuer Schwester, das ist ja klar, bei denen ich mich sogleich gut aufgehoben fühlte, was nicht nur an der Postkarte (Foto) lag, die bei ihm im Regal stand, und die von mir hätte sein können. War sie aber nicht, weil ich ja noch nie bei ihm war. Auf jeden Fall war mein neuer Doc ganz meiner Meinung, seine Schwester übrigens auch, dass Gesundheit nicht nur körperliches, nein, auch geistiges und soziales Wohlbefinden ist. Der Rest waren dann eigentlich nur noch Terminabsprachen: Wann und wie lange?

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28.01.2015

LASS DOCH DEIN GELD FÜR DICH ARBEITEN


Lass andere strampeln!

Lass doch einfach mal Dein Geld für Dich arbeiten! Lange, viel zu lange, habe ich mich schwer getan. Ich wollte einfach nicht glauben, dass es wirklich funktioniert. Gestern nun habe ich es ausprobiert und ich muss sagen, es war ein voller Erfolg.

Ich habe einfach etwas Geld, es waren ein zehn und ein zwanzig Euro Schein, in die Taxe gelegt und bin nach Hause gegangen. Als ich zwölf Stunden später zurückkam, waren die beiden Scheine weg. An ihrer Stelle lag nur noch ein Schein, was sich erstmal blöd anhört.

Aber das war es gar nicht, denn der eine Schein war ein fünfzig Euro Schein. Mein Geld hat also wirklich für mich gearbeitet und in zwölf Stunden immerhin zwanzig Euro gemacht. Das musst Du dir mal vorstellen! Genial, oder!?!

OK, das ist vom Mindestlohn noch weit entfernt, und der gilt seit Anfang des Jahres auch im Taxi. Es soll wirklich Leute geben, die an den Mindestlohn im Taxigewerbe glauben. Irgendwo habe ich gelesen, dass selbst Taxifahrer an ihn glauben sollen, was ich gar nicht glauben kann. Können die alle nicht rechnen?

Doch zurück zu den zwanzig Euro, die mein Geld in zwölf Stunden gemacht hat, was immerhin ein Anfang ist. Und der Mindestlohn gilt zum Glück nicht für's Geld, selbst wenn es arbeitet. Ich persönlich finde das unfair, aber ich glaube auch nicht an den Mindestlohn.

Wenn ich mir mein Geld so ansehe, dann bin ich mir sicher: Das kann mehr! Vielleicht könnte ich mein Geld etwas antreiben bei der Arbeit, das ließe sich sicherlich einrichten, beispielsweise mit der Peitsche, die ich als Mann vom Balkan immer bei mir trage.

Ich denke, ich sollte es mal ausprobieren. Was habe ich zu verlieren? Eigentlich nur meine Ketten, oder? Obwohl, wenn ich's mir recht überlege, immerhin meinen Einsatz von dreißig Euro. Hinzu kommt, dass seit einiger Zeit viele falsche Fünfziger unterwegs sind - auch im Taxi ...

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27.01.2015

ALLEIN MIT BOB DYLAN IM TAXI



Allein mit Bob Dylan und Band

"Der ist doch schon tot!" war er sich sicher. Dazu muss ich sagen, dass bereits ein kurzes "Hä?" meinerseits ausreichte, um meinen Fahrgast zu verunsichern. Sein nächster Satz: "Aber verdient hätte er's." machte alles nur noch schlimmer.

Zur Strafe musste er sich die ganze Fahrt über Bob Dylan anhören, den ich immer dann in meinem Taxi höre, wenn ich gerade keine Klassik höre, und das war gestern. Gut, Bobby, wie ich ihn nennen darf, nachdem er in den wilden Neunzigern schon mal bei mir mitgefahren war, lange ist es her, hat seine Höhen und Tiefen. Aber wer hat die nicht?!

Dass Dylan Anfang der Neunziger so gut wie tot war - reden wir nicht darüber. Dafür hat er '97 in "Love Sick" auf dem Album "Time out off Mind" mit einem einzigen Satz das Berliner Lebensgefühl beschrieben, nachdem "Alles ist möglich" sich gerade verabschiedet hatte:

I'm walkin' through the streets that are dead.

Das musst Du erstmal nachmachen. Das sah auch mein Fahrgast ein. Aber nicht nur das. Sozusagen zur Wiedergutmachung kaufte er gleich zwei Bob Dylan CDs bei mir ein. Dazu muss man wissen, dass ich nicht nur Taxifahrer, sondern auch "Independent Dylan Dealer" bin.

Dabei geht es mir nicht nur ums Geld. Das ist nicht einfach "Kaufen/Verkaufen", was ich mache. Nein, das ist richtige Kunst! Das liegt nicht daran, dass das alles Original-CDs sind, wenn auch nur aus der Ukraine, die ich in meinem Taxi regelmäßig an den Mann und auch an die Frau bringe. Original ist auch in der Ukraine Original! Naja, meistens. Jedenfalls ist das hier der Fall.

Nein, der Punkt ist ein anderer. Ich verkaufe ein Produkt, würde jetzt der Fachmann sagen, von dem ich selbst hundertprozentig überzeugt bin. Und wer kann das schon von sich behaupten, heutzutage, wo mindestens neunzig Prozent der angebotenen Sachen Schrott sind. Du glaubst mir nicht? Dann geh mal in den nächsten Buchladen!

Aber zurück zu mir: Ich verkaufe in meinem Taxi, wie gesagt, was richtig Gutes. Das ist die Kunst! Und ich mache das nicht etwa, weil Bobby schon mal bei mir mitgefahren ist. Nein, so ein billiger Typ bin ich nicht. Da hätte er schon alleine für mich spielen müssen (Video), ja, dann vielleicht ...

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26.01.2015

OBERFAUL UND UNVERBUNDEN oder WARUM BETTELLISTEN IM INTERNET WIRKLICH ARM SIND


"Oberfall Dank App" / Werbung / Detail

Immer mehr Menschen, insbesondere junge, kommen in unsere Stadt, um hier mal in aller Ruhe auf ihr Smartphone starren zu können. Viele von ihnen bekommen deswegen von Berlin gar nichts mehr mit. Keine Ahnung, was mit denen los ist. Was ich mit Gewissheit sagen kann, ist, dass sich diese Krankheit mehr und mehr ausbreitet, und dass diesen Leuten die virtuelle Welt offensichtlich wichtiger ist als das, was sie mit ihren eigen Augen sehen und mit ihren eigenen Händen anfassen können.

Das ist umso schlimmer, wenn man berücksichtigt, dass es im Netz immer mehr Menschen gibt, die dort nichts anderes zu tun haben, als immer und überall irgendwas abzugrabbeln. Manche gehen sogar so weit und bezeichnen sich selbst als arm, um gleich darauf eine Wunschliste aus dem Ärmel zu zaubern. Das Problem dabei ist: Sie sind gar nicht arm. Vielleicht geistig, aber will das beurteilen.

Gehen wir davon aus, wovon ich Tag für Tag und Nacht für Nacht bei meinen Fahrgästen in meinem Taxi ausgehe, dass wir es auch hier mit gesunden und erwachsenen Menschen zu tun haben. Warum machen sie sich kleiner, in dem geschilderten Fall ärmer, als sie sind? Was ist der Grund? Wie konnte es nur so weit kommen mit ihnen?

Sicherlich, die Gründe sind mannigfaltig und äußerst individuell. Wie sollte es anders sein in einer mehr und mehr individualisierten Welt. Aber vor allem sind die Gründe wohl persönlich. Wenn jemand sich kleiner macht als er ist, dann hat er es offensichtlich nötig, sich kleiner zu machen als er ist. Das selbe gilt für ärmer.

Bei Bettellisten geht es immer auch ums Haben und ums mehr Haben wollen. Wozu sonst eine Bettelliste? Nichts prinzipiell gegen's Haben! Auch ich habe so einiges, beispielsweise eine eigene Meinung. Aber wenn jemand immer mehr haben will, und das nach Möglichkeit umsonst, darf die Frage erlaubt sein: Was steckt dahinter?

Was wirklich dahinter steckt, weiß, wenn überhaupt, derjenige am Besten, der nicht genug haben kann. Meine Vermutung, das ist aber nur eine Vermutung, ist, dass Nichts dahinter steckt. Einfach aus dem Grund, dass, wo Nichts ist, auch Nichts dahinter stecken kann.

Dass mit dem Nichts, da stimme ich zu, hört sich erstmal hart an. Und das ist es auch. Aber ich gehe noch einen Schritt weiter und behaupte, dass bei ihnen anstelle des Nichts eine generelle Unverbundenheit mit dem Leid anderer anzutreffen ist.

Ich will ein Beispiel nennen, damit es klarer wird, was ich meine. Jemand, der es nicht nötig hat, möchte immer mehr haben und sammelt deswegen leere Flaschen. Dass er damit wirklich Armen, die auf das Flaschenpfand angewiesen sind, auch noch ihre Almosen nimmt, das kann der sich gar nicht vorstellen. (Deswegen finde ich übrigens die Almosenregelung im Islam gut, aber das nur nebenbei.)

Mit der Unverbundenheit einher, ich komme jetzt langsam zum Schluss, geht meiner Beobachtung nach immer eine gewisse Faulheit. Dass mann mittlerweile sogar mit dem Begriff "Oberfaul" wirbt, habe ich heute zum ersten Mal gesehen. (Deswegen auch dieser Beitrag.) Physische Faulheit, und damit möchte ich abschließen, ist immer verbunden mit einer geistigen Trägheit.

Das ist unvermeidbar.

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MEIN TIPP FÜR DAS UNWORT DES JAHRES: "GEMEINSCHAFTLICHER SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH"


"Liebe in Berlin" / Werbung / Detail

Ich habe mal wieder was gelernt. Diesmal nicht im Taxi, sondern von unserer in letzter Zeit so viel gescholtenen Presse. Genauer gesagt von dieser Seite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), und zwar folgendes: Wenn zwei Typen einer Schwangeren erst in den Bauch stechen und danach bei lebendigem Leibe verbrennen, so geschehen am vergangenen Donnerstag in einem Waldstück in Adlershof, dann ist das nicht nur "gemeinschaftlicher Mord", nein, es ist auch "gemeinschaftlicher Schwangerschaftsabbruch".

Ich bin sehr gespannt, ob es "gemeinschaftlicher Schwangerschaftsabbruch" zum Unwort des Jahres schafft. Das Potential dazu hat es auf jeden Fall. Aber das Jahr hat gerade erst angefangen, und da kann noch einiges passieren - sprachlich.

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25.01.2015

DAS PERFEKTE HOTEL FÜR DEN UNTERGANG


Realsatire

Mit Untergang kennen wir uns aus in Berlin, da macht uns so schnell keiner was vor. Laut Eigenwerbung ist das TITANIC DELUXE BERLIN dafür "das perfekte Hotel". Wer's eilig hat mit dem Untergehen, muss allerdings derzeit noch ins TITANIC COMFORT MITTE ausweichen, denn das TITANIC DELUXE BERLIN macht erst Mitte Februar auf. Für alle die, die mit dem Untergehen noch etwas warten können, ist für den Herbst ein drittes Haus der TITANIC HOTEL GRUPPE in Berlin geplant.

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24.01.2015

DIE MINDESTLOHNLÜGE


"Pause auf Arbeit"

Es soll Kollegen (wohl eher "Kollegen") geben, die an den Mindestlohn im Taxigewerbe glauben. Aber gut, an irgendetwas muss der Mensch halt glauben. Die Realität sieht anders aus. Da die meisten Fahrer die für den Mindestlohn erforderlichen zwanzig Euro pro Stunde nicht einfahren, bleibt nur eins, und zwar an der Uhr zu drehen. Und so kommt es, dass beispielsweise dieser Kollege vor mir am Halteplatz mit eingeschalteter Fackel ("Taxisprech" für das gelbe Schild auf dem Dach) offiziell frei, also bei der Arbeit ist, laut seinem Taxameter aber gerade Pause (klein und in roter Schrift, ungefähr Bildmitte) macht.

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23.01.2015

"GOTT IST DOOF." - NUR WELCHER?


ZITTY / Cover / Detail

Bevor ich mich gleich mit meiner Taxe ins Berliner Wochenende stürze, noch ein Wort zum Cover der aktuellen Ausgabe des Berliner Stadtmagazins ZITTY. Ich tue dies aus einem gewissen Verantwortungsgefühl gegenüber meiner Stadt, denn die ZITTY lese ich schon seit Jahren nicht mehr. Das liegt daran, dass ich selbst kaum noch weggehe, und die wenigen Male, wenn es passiert, mich auch ohne dem Stadtmagazin zurechtfinde. Zum großen Teil liegt das am Taxifahren, das kann ich durchaus mal so sagen, wo ich regelmäßig mit Informationen aus erster Hand versorgt werde, was sich anzuschauen lohnt und was nicht. (Das meiste der "offiziellen Kultur" ist nicht der Rede wert, auch das soll nicht unerwähnt bleiben.) Außerdem bin ich sowieso eher ein Mann des Wortes, dem seine Bibliothek sein "Ein und Alles" ist. Als solcher bin ich auch ganz einverstanden, dass da auf dem Cover der Bleistift angekreuzt wird. Auch damit, dass Gott doof sein soll, kann ich gut leben, wobei ich mich dann aber schon frage, welcher Gott jetzt genau gemeint ist, und ob sich nicht gleich wieder jemand beleidigt fühlt, weil er das Kreuz an der verkehrten Stelle gesetzt sieht?

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DIE ZUKUNFT DES TAXIGEWERBES


Zukünftige "Pilotenbude" / Alt Moabit Ecke Stromstraße
früher Tiergarten / heute Neue Mitte

Die Tage der "Pilotenbude", wie der kleine Imbiss für Taxifahrer am Flughafen Tegel (TXL) von Insidern liebevoll genannt wird, sind gezählt - so oder so. Und ihre Zukunft sieht ziemlich genau so aus, wie obiger offener Container für Obdachlose in dem kleinen Park an der Stromstraße zwischen Alt Moabit und Turmstraße. Die gelbe Farbe kann übernommen werden.

Diese düstere Zukunftsaussicht betrifft übrigens nicht nur die "Pilotenbude", sondern das gesamte Taxigewerbe. Das kann man, denke ich, ohne zu übertreiben, sagen. Das hängt jetzt nicht nur mit Uber&Co zusammen, aber auch, sondern hat mehr mit der Atomisierung und mit der Unverbundenheit der einzelnen Atome untereinander zu tun. Mit anderen Worten: Jeder ist sich selbst der Nächste. Oder: Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht.

In diesem Zusammenhang kann ich nur wiederholen, dass die, die heute am lautesten schreien, oder auch schreiben, die ersten sein werden, die morgen für Uber&Co fahren. Das war schon immer so, und ich sitze lange genug hinterm Lenkrad, um mich an genügend Beispiele erinnern zu können. Sicherlich, einige werden sich wohl für den neuen Job ein Navi zulegen müssen, um den Fahrgast auch abholen zu können, denn nur so funktionieren Uber&Co.

Gegenüber dem Taxigewerbe, wie wir es bisher kannten, ist das sogar ein Fortschritt, denn dort konnte sich der Fahrer auch irgendwo hinstellen und warten, bis der Fahrgast zu ihm kommt. Das wird es in Zukunft nicht mehr geben, und darauf sollte sich der Taxifahrer und angehende Uber&Co-Fahrer einstellen.

Und was das Navi angeht, das kann man auch erbetteln, zum Beispiel im Internet. Damit kennen sich die jungen Leute von heute aus. Sie sind die neuen Rad-, besser Trittbrettfahrer, weil sie selbst zum Treten zu faul oder zu doof sind. Sie orientieren sich immer nach Oben, an den Besserverdienenden, obwohl ihnen FDP-Wähler offiziell der größte Graus sind.

Sie sind Heuchler bis ins Mark (und auch in Euro) und haben nur "virtuelle Freunde", weswegen sie sich auch nicht zusammentun können. Mit wem denn? Und deswegen müssen auch immer andere ran. Ihr "Strampeln nach unten", das ist die "gute Tat", die sie den wirklich Armen überlassen.

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"ICH HÄTTE NICHTS ZU BEREUEN" - NACHTRAG


Luxemburger Str. / früher Wedding / heute Neue Mitte

Hatte ich vorgestern noch behauptet, dass ich ernsthaft darüber nachdenke, zum Islam überzutreten, muss ich heute bereits ernsthafte Bedenken bezüglich meiner Konversion anmelden, was aber nicht daran liegt, dass ich plötzlich was gegen das Patriarchat oder gar gegen die Vielweiberei hätte. Ganz und gar nicht! Wie ich bereits schrieb, habe ich auch nichts gegen fünfmal beten am Tag einzuwenden. Zur Not würde ich einfach einmal mehr zum Flughafen Tegel fahren, den ich, im Gegensatz zu manchem Kollegen, ohne Probleme finde. Dort weiß ich, wo ich beten kann. Gut, ohne Alkohol würde ich mich schon schwer tun. Das muss ich schon zugeben. Auch ohne Schweinefleisch, aber nicht so sehr wie ohne Alkohol. Der Punkt ist aber ein anderer. Und zwar geht es um die Frage, ob ich wirklich einer Religion angehören möchte, wo die Leute nach einem Attentat ihren Ausweis im Fluchtauto liegen lassen. Dazu muss ich sagen, dass ich selbst zwar kein reiner aber dafür ein umso genauerer Deutscher bin, der sogar noch nach einem Banküberfall im dunklen Wald blinken würde, weil ich das einfach so gelernt habe. Weil mich das aber selbst ankotzt, bin ich auf der Suche nach etwas Neuem. Und genau das scheint mir nun nicht mehr gegeben zu sein, weswegen ich ernsthaft überlege, Allah sei mir gnädig, ob der Islam, der damit nicht in Abrede gestellt sein soll, das nicht, das kann ich nur immer wieder betonen, der Islam ist Klasse, keine Frage, aber wie gesagt, ich habe meine Bedenken, über die man sicherlich reden kann, mit Sicherheit, Muslime sind ja für ihre Toleranz bekannt, vielleicht war das auch nur ein dummes Versehen, das lässt sich sicherlich alles aufklären, bestimmt kann man die fragen, also die Attentäter, die bekommen doch sicherlich einen ordentlichen Prozess, ob die wirklich ihren Ausweis im Auto liegen lassen haben, ist ja nur eine einfache Frage, dürfte also kein Problem sein, oder ... ?

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22.01.2015

GESTERN ABEND IM ARTEMIS


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Gestern Abend war es nun so weit. Das letzte freie Feld in meinem Bonusheft (ich hatte an dieser Stelle über das neue Bonussystem des Artemis für Taxifahrer berichtet) war abgestempelt, und somit die Bahn frei für einen kostenfreien Eintritt in den Neubau an der Halenseestraße mit dem großen Parkplatz vor der Tür. Ich wollte keine Zeit verlieren und dem geschenkten Gaul so bald wie möglich ins Maul schauen, was sich letztendlich als Fehler erwies.

Das lag aber nicht daran, dass man einem geschenkten Gaul niemals ins Maul schauen soll, sondern ist eher der gerade stattfindenden "Grünen Woche" geschuldet, zumindest auf den ersten Blick. Es war nicht zu übersehen, dass hier mit der Frauenquote etwas nicht stimmte, denn auf drei Männer kam "nur" eine Frau, wenn überhaupt. Die meisten der Männer waren Ausländer, wovon ich schon von Fahrgästen gehört hatte, und keine Besucher der Messe. Die Bauern, die ich in den anwesenden deutschen Rentnern vermutetet, machten nach den Ausländern immerhin den zweitgrößten Männeranteil aus.

Bevor ich gleich ans "Eingemachte" gehe, noch das hier vorab. Dieser Bericht über meinen Besuch im Artemis versteht sich als Update von Thomas Brussigs (Autor der "Sonnenallee") Milljöh-Studie "Berliner Orgie" von vor acht Jahren aus der Sicht eines Berliner Taxifahrers. Genauso wie Brussig habe auch ich im Artemis "nichts gemacht", sondern nur geschaut. Naja, nicht ganz - doch dazu später mehr!

Am "Check Inn" bekam ich von zwei nicht mehr ganz so jungen Damen ein Rosa-Bändchen verpasst. Ich war jetzt also offiziell "Mit-Glied" im Club. Warum mein Bändchen ausgerechnet Rosa war, das fragte ich mich später, als ich sah, dass es auch andere Farben für diese Bänder gab. Meine erste Vermutung, manchmal sind die ersten Gedanken gar nicht so verkehrt, war, dass sie in mir einen Gay sahen, womit sie gar nicht soo daneben lagen, zumindest am gestrigen Abend.

Neben dem Bändchen, das verschlusssicher mit kleiner Schraube und Kontermutter aus schwarzem Plastik am rechten Handgelenk befestigt wurde, bekam ich noch einen Schlüssel mit einem verschließbaren Armband in blau daran, welches ich am linken Handgelenk befestigen würde. Vorher ging ich mit ihm eine halbe Treppe höher zu einem kleinen verschließbaren Kästchen in Sichtweite der beiden Damen an der Rezeption, wo ich meine Wertsachen (Geld, Handy, etc.) verstaute. Dann ging es weiter in den Umkleidebereich, wo ein Spind für meine Sachen bereitstand, an dem derselbe Schlüssel passte.

Spinde gab es etwa 500, genauso viele wie Kästchen für Wertsachen. Da das Artemis, wie eingangs beschrieben, gestern Abend gut besucht war, war es beim Auskleiden recht eng. Auf jeden Fall enger als auf meinem letzten Arbeitsplatz, wofür die Spinde dort aber nicht so schön waren wie hier. Nachdem ich alle meine Sachen im Spind verstaut hatte, zog ich den hauseigenen, blassrosa Bademantel und die ebenfalls hauseigenen, desinfizierbaren blauen Badelatschen an.

Das war sozusagen die "Club-Uniform", wobei es eine kleine Minderheit unter den Männern gab, die gleicher waren, und bessere, weiße Bademäntel trugen. Die zahlreich vorhanden Frauen trugen in der Regel nichts, wenn man mal von den obligatorischen High Heels und vielleicht noch einer dekorativen Halskette absieht.

Bei den Frauen, die, ebenfalls wie eingangs erwähnt, zahlenmäßig in der Minderheit waren und dementsprechend "gut" zu tun hatten, waren wiederum die jüngeren Semester, ich sagen mal zwischen zwanzig und dreißig, am zahlreichsten vertreten. Sie sprachen viel italienisch, was mir nun gar nicht liegt, aber auch rumänisch, bulgarisch und sogar deutsch war zu hören.

Meistens unterhielt sich Mann und Frau aber auf englisch, was auch an diesem Ort der Welt die universelle Sprache zu sein scheint. Trotz des vielen englischen, das kann ich an dieser Stelle schon mal verraten, habe ich in Sachen Sprachen gestern Abend etwas dazu gelernt. Lange habe ich mich gefragt, was das wohl für Landsleute sind, die mir ins Taxi steigen und sowohl russisch als auch türkisch sprechen. Jetzt weiß ich es: Es sind Menschen aus Moldawien, wo neben russisch und türkisch auch viel rumänisch gesprochen wird.

Obwohl die Frauen "gut" zu tun hatten (wenngleich nicht alle), dauerte es nicht lange, da wurde ich auch schon direkt von einer angesprochen und zwar mit "Sex?" - "Nein, so heiße ich nicht!" war meine knappe Antwort, woraufhin die junge Frau weiter zog. Den Rentner neben mir übersah sie geflissentlich. Keine Ahnung, woran das lag. Sie wird wohl ihre Gründe haben, dachte ich bei mir.

Ich nutzte den Moment, um mich etwas umzuschauen im Artemis. Im Inneren wirkt der Neubau kleiner als von Außen, das muss man schon sagen. Im Hochparterre befindet sich neben der Umkleide noch eine Bar, wo geraucht werden darf, und was zweifellos das Herzstück des Artemis darstellt. Daran an schließt sich ein separates Kino und der Speiseraum mit Küche. Ich erfuhr, dass es bis zwei Uhr Morgens warmes Essen gibt, natürlich inclusive der 80 Euro, die außer mir jeder hier gelöhnt haben dürfte. (Die alkoholfreien Getränke sind übrigens auch allesamt umsonst, aber das nur nebenbei.)

Das war wohl auch der Grund, warum ich mich mit dem Essen etwas schwer tat. Es gab Salat, den man sich selber zusammenstellen und "dressieren" konnte, und zwei warme Gerichte: Putenbrust mit Kartoffelbrei und Soße, und Fleischbällchen Halal mit Reis. (Auch bei den warmen Gerichten galt Selbstbedienung.) Passend dazu gab es bald darauf in der Bar türkische und arabische Tanzmusik zu hören. Ich vergaß zu erwähnen, dass arabische und türkische Männer die eindeutig größte Minderheit unter der Mehrheit der vielen ausländischen Besucher des Artemis bildeten.

Im Sommer kann man von der Kantine hinaus auf die Terrasse gehen, die gestern mit einem improvisierten Zelt, Heizschirm und Sitzmöglichkeiten zum Essen vollgestellt war. Die Terrasse wäre übrigens, das erscheint mir noch ein wichtiges Detail zu sein, sowohl von vorbeifahren Autos der Stadtautobahn als auch von Zügen Richtung Wannsee problemlos einsehbar, wenn sie denn alle nicht so schnell vorbeifahren würden.

Nach dem Essen soll man bekanntlich ruhen, weswegen ich mich in den Keller begab, wo ich auf einer der am Pool bereitstehenden Liegen ein kleines Nickerchen machte. Hier wurde man nicht angesprochen, zumindest nicht von Frauen, aus dem einfachen Grund, weil es hier keine gab. Die wenigen, die sich hierher verirrten, kamen, um an der Bar unweit des Pools einen Drink zu nehmen und Pause von ihrer Arbeit zu machen.

Und so kam es, dass ich, nachdem ich wieder aufwachte, dann doch "etwas machte", was gar nicht geplant war. Ich ging in die Sauna, und zwar direkt in die richtige, die heiße. (Es gibt auch eine nicht so heiße und ein Hamam, ein türkisches Bad, was aber extra kostet, und zwar 50 Euro für 40 Minuten.) In der heißen Sauna lagen jede Menge Handtücher herum, was mich zu dem Schluss kommen ließ, dass das alles keine Saunagänger sind hier, sondern irgendetwas anderes. (Bevor ich es vergesse: Man konnte sich auch von männlichen Masseuren massieren lassen, was aber auch wieder extra kostete. Soweit ich mich erinnere war es genauso viel wie das Hamam.)

In der Sauna kam ich mit einem jungen Berliner Türken ins Gespräch, der nicht älter wie zwanzig war und Fussball in einem Zweitligaverein unserer Stadt spielt, den ich nicht kannte. Aufmerksam lauschte er meinen Ausführungen über die Unmöglichkeit, sein Handtuch in der Sauna einfach so liegen zu lassen. Ihm konnte das nicht passieren, denn er war gleich ohne Handtuch gekommen. Offensichtlich war er aber der Typ Türke, der sich auch mal was sagen lässt, und dass sogar von einem Taxifahrer. Auf jeden Fall nahm er sogleich ein paar der herumliegenden Handtücher und setzte sich darauf.

Nun war es an mir, etwas von ihm zu lernen. Er war heute Abend schon dreimal mit einer Frau "auf Zimmer" gewesen und für einmal reiche es noch - sein Geld. Das lag aber nur daran, dass die Frauen bei ihm kein Glück mit dem "Nachködern" hatten, er also immer nur den Grundbetrag von 60 Euro für die halbe Stunde, "Vorspiel ohne inclusive", zahlt und keine Extras in Anspruch nimmt. Das "Nachködern" sei übliche Praxis, klärte er mich auf. So neu war das dann doch nicht für mich, denn ich hatte schon von Fahrgästen von dieser Praxis gehört.

Nach der Sauna ging es zum Duschen, dann ins Eisbecken und danach in den Pool. Um den Pool herum lagen immer noch die selben Typen wie am Anfang, als ich in den Keller kam. Vielleicht ist ja wirklich was dran, dass Männer hierher kommen und gar "nichts machen" (zumindest nichts mit Frauen), außer am Pool herumzuliegen. Ich würde es jetzt zumindest nicht mehr komplett ausschließen wollen.

Da ich jetzt tanzen wollte, ging ich wieder hoch in die Bar, wo aber nicht getanzt wurde. Dafür wurde ich nun mehrfach von Frauen angesprochen, was daran lag, dass sich die Frauenquote mittlerweile auch hier dem politisch korrekten Ideal von 1:1 angenähert hatte, ohne es jedoch zu erreichen. Es ging auf Mitternacht und viele Männer, allen voran die Rentner, hatten das Artemis verlassen. (Später tanzten dann doch noch ein paar Frauen an der Stange, was aber außer mir niemanden wirklich zu interessieren schien. Jedenfalls war ich der Einzige, der den Frauen applaudierte. Möglicherweise lag es an der Musik lag. Es war stinknormale Popmusik aus dem Siebzigern und keine Musik aus dem Harem.)

So unglaublich es klingen mag, aber es stimmt wirklich, ich guckte bei den Frauen immer nur auf die Schuhe. Die meisten Frauen trugen diese unmöglichen, ich muss sie wirklich so nennen, "Nuttenschuhe", die vollständig aus Plastik und/oder Gummi bestanden. Die konntest Du durch die Bank weg vergessen. Eine halbwegs sinnvolle Konversation war nur mit den wenigen Frauen möglich, die ganz normale Schuhe trugen.

Für manch einen mag das Zufall sein, für mich war es das nicht. Da bin ich zu sehr Spezialist für Konversation, die über dem Small Talk hinausgeht. Ich meine, hoch waren sie beide, sowohl die Nutten- als auch die normalen Schuhe. Es gab also keinen wirkliche Grund, dieses unmögliche Gemisch aus Plastik und Gummi an den Füßen zu tragen, außer dem, dass die Frauen mit den "Nuttenschuhen" ihre Dienstleistung und somit auch ihre Kunden nicht wirklich ernst nahmen. (Dazu muss man wissen, dass "Nuttenschuhe" genauso teuer wie normale Schuhe sind.)

Bevor ich ein weiteres und letztes Mal runter in den Keller zur Sauna ging, schwirrte noch mal die kleine Bulgarin von vorhin bei mir vorbei. Sie war eine der wenigen Frauen, die normale High Heels und dazu schwarze Strümpfe trug, durch die man nicht durchsehen konnte, weil sie so derb waren, wie man sie auf bulgarischen Dörfern trägt, aber das nur nebenbei. Sie beschwerte sich bei mir, ausgerechnet bei mir, dass es für sie alles andere als gut lief in dieser Nacht. Das klang für mich im ersten Moment unglaubwürdig, weil gerade als ich kam, Frauen Mangelware waren.

Im Gespräch stellte sich heraus, dass sie keinen Bock hatte mit einem der Rentner auf's Zimmer zu gehen, was ich verstand. Welche junge Frau möchte schon mit einem alten Knacker Sex haben? Aber es gibt nun mal immer mehr Alte, und das ist ein großes Problem. (In dem Moment ihres, der kleinen Bulgarin aus der Hauptstadt Sofia, die Katharina hieß.) Andererseits, das soll wirklich stimmen, wollen viele von den Alten nur reden. Aber das weiß man eben nicht vorher.

Was sie nicht sagte, was aber einige ihrer Bemerkungen vermuten ließen, war, dass sie auch keine große Lust hatte mit einem Araber oder Türken auf's Zimmer zu gehen. Das ist aber letztendlich nur eine Vermutung. Was ich mit Gewissheit sagen kann, ist, dass Katharina mir leid tat. Sie tat mir leid als Mensch, weniger als Frau. Und sie tat mir deswegen leid, weil ich an mein eigenes Geschäft denken musste, wo es oft auch nicht so gut läuft, und wo ich auch gerne manche von der Beförderung ausschließen möchte, genauso wie Katharina manch einem ihren Service verweigert. (Katharina hat diese Möglichkeit, ich habe sie nicht, denn ich habe die Pflicht zur Beförderung.)

All das dachte ich in dem Moment, als sie neben mir stand und sich sozusagen bei mir ausheulte. Was konnte, was sollte ich ihr sagen, um sie irgendwie aufzuheitern oder zumindest abzulenken? Mit meinen eigenen Problemen und Problemen wollte ich ihr nicht kommen. Und so fiel mir nichts anderes ein, als ihre normalen High Heels und ihre derben schwarzen Strümpfe zu loben. Da musste sie auch schon wieder lachen ...

PS: Die Schuhe der Männer sind noch schlimmer als die der meisten Frauen. Es empfiehlt sich wirklich, seine eigenen mitzubringen.

PSPS: Das Wichtigste wieder ganz vergessen. Nachdem sie ausgelacht hatte und bevor sie weiterging, sagte Katharina noch "Kartoffel" zu mir.

Foto&Text TaxiBerlin

21.01.2015

"ICH HÄTTE NICHTS ZU BEREUEN"


Reinickendorfer Ecke Gerichtstraße / früher Gesundbrunnen /
heute Neue Mitte

Das Schönste für mich am Taxifahren ist, dass man genug Zeit hat zum Lesen. Es gibt keinen anderen Job, wo man während seiner Arbeitszeit so viel lesen kann. Gut, manchmal hat man auch Fahrgäste. Neulich zum Beispiel, da hatte ich einen, der die Attentate von Paris für gerechtfertigt hielt.

Zum Glück leben wir in einem freien Land, wo jeder seine Meinung haben und auch sagen darf. Ich hörte mir seine Argumente an, und sie kamen mir schlüssig vor. Das hängt wohl damit zusammen, dass ich lange genug auf der Straße unterwegs bin, was aus mir einen professioneller Versteher gemacht hat.

Ich verstehe eigentlich alles. Beispielsweise auch die Sache mit der Seife. Die verstehe ich total. Wenn einem eine Seife nicht gefällt, dann ruft er irgendwo an, und dann gibt es die Seife nicht mehr. Ich meine, was bringt es denn, weiter Sachen anzubieten, die einfach zu gefährlich sind. Da hat doch keiner was davon.

Ich hatte ganz vergessen zu erwähnen, dass ich im Taxi auch viel Zeit zum Nachdenken habe. So habe ich viel über Michels neues Buch "Unterwerfung" nachgedacht, in dem der Hauptcharakter überlegt zum Islam zu konvertieren, und das mit den Worten "Ich hätte nichts zu bereuen" endet. (Ich hoffe, ich habe jetzt nicht zuviel verraten!)

Naja, auf jeden Fall ziehe ich diese Möglichkeit für mich auch ernsthaft in Betracht. Das mag jetzt vielleicht unglaubwürdig klingen, aber jetzt mal im Ernst: Möchte ich wirklich in einem Land leben, dass sich frei nennt, wo dann aber doch Karikaturen nicht ausgestellt werden dürfen und Seife nicht mehr angeboten wird?

Es tut mir leid, aber dafür habe ich kein Verständnis. Das ist für mich Heuchelei. Dann wegen mir gleich Islamischer Staat. Da weiß man wenigstens, woran man ist. Hauptsache ist für mich sowieso, dass ich auch weiterhin in meinem Taxi lesen und nachdenken kann.

Und überhaupt: Welche Freiheit meinen sie? Die zum Konsum? Nein Danke! Trifft für mich sowieso nicht zu. Gut, ich könnte jetzt auch eine Bettelliste ins Netz stellen. Ja, das könnte ich. Das ginge bestimmt. Aber ich bin da irgendwie zu faul und auch noch nicht würdelos genug, weswegen ich es anderen überlasse.

Gut, fünf Mal am Tag beten, würde mir bestimmt nicht leicht fallen. Ohne Schweinefleisch könnte ich aber sicherlich leben, ohne Alkohol schon weniger. Aber was soll's, ich wollte sowieso aufhören mit dem Trinken. Gegen das Patriarchat habe ich persönlich nichts einzuwenden. Warum sollte ich? Und dass ich als Mann mehrere Frauen haben darf, sollte sowieso selbstverständlich sein.

Foto&Text TaxiBerlin

DEUTSCHLAND IMMER RECHTER


Flughafen Tegel (TXL) / Gate 5

Es stimmt wirklich: Deutschland erlebt einen Rechtsruck! Das ist nicht zu übersehen. Man sieht das klarer, wenn man, so wie ich, mal für ein paar Tage im Ausland war. Dann fällt einem allerdings auch auf, dass der Rechtsruck keine Sache der Straße ist, wie behauptet, sondern von ganz Oben kommt.

Beispielsweise vom "Bundesministerium für Gesundheit", welches sich ganz offiziell damit brüstet, Herrn Hitler zu stärken. Wenn ich's mir recht überlege, ist das aber nicht's wirklich Neues. Kommen doch große Umwälzungen in Deutschland - leider muss man sagen - nahezu ausnahmslos von Oben.

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19.01.2015

WO DU IN ZUKUNFT BESSER DEINE SEIFE KAUFST


Budapester Straße 4 / früher Tiergarten Süd / heute Neue Mitte

Als Taxifahrer kommt man rum. OK - nicht jeder. Aber wer, der sieht so einiges. Der weiß mehr, und manchmal auch ganz geheime Sachen. Dies scheint mir ein solcher Fall zu sein, weswegen ich nicht sicher bin, ob ich überhaupt darüber schreiben soll, oder besser: darf.

Heutzutage muss man bereits beim Seife kaufen extrem vorsichtig sein. Selbst auf die Straße zu gehen, kann heute böse ausgehen. Wer wüsste das besser, als ein erfahrener Taxifahrer. Der weiß zum Beispiel auch, wo Du in Zukunft besser deine Seife kaufst!

PS: Die Geschichte mit der Seife könnte übrigens, wenn sie nicht wahr wäre, aus Michels neuem Buch stammen.

Foto&Text TaxiBerlin

"SIND SIE DAS BERÜHMTESTE TAXI VON BERLIN?"


Flughafen Tegel (TXL) - berühmtestes Taxi von Berlin freie Zone

Sie waren wegen der Modemesse in Berlin, und deren Besucher sind bekanntlich nicht immer unbedingt die Hellsten. Bei den Beiden war das ein klein wenig anders. Sie wussten zumindest, was sie nicht wollten, was im Normalfall mehr ist, als man erwarten kann.

Normalerweise wollen die Leute immer das Größte, das Beste oder mindestens das Teuerste. Dass das bei den Beiden anders sein würde, konnte ich nicht wissen, als ich ihre Frage wahrheitsgemäß verneinte. Gut, ich hatte im letzten Jahr etwas an meinem Bekanntheitsgrad gearbeitet. Aber das berühmteste Taxi von Berlin? Weiß Gott nicht!

Naja, auf jeden Fall hatte ich plötzlich diese Beiden gutaussehenden Frauen bei mir im Taxi, zu denen ich mal wieder wie Maria zum Kinde gekommen war, und wir kamen ins Gespräch, wie man halt so ins Gespräch kommt. Ich erfuhr, dass das berühmteste Taxi von Berlin ernannt wurde, und zwar von sich selbst, was ich ganz interessant fand, weil ich von einer solchen Möglichkeit noch nie gehört hatte.

Im Gespräch stellte sich heraus, dass für mich der Zug, berühmtestes Taxi von Berlin zu werden, definitiv abgefahren ist, aber nicht etwa deswegen, weil ich es bisher versäumt hatte, mich selbst zu ernennen. Es liegt vielmehr daran, dass ich mehr als eine Taxihalte in Berlin kenne, den Flughafen Tegel finde und meine Fahrgäste auch von zu Hause (oder von wo auch immer) abhole. Das mache das berühmteste Taxi von Berlin (warum auch immer) nämlich nicht.

Hm, das kam mir doch reichlich merkwürdig vor. Dass hieße ja dann, sozusagen im Umkehrschluss, dass das berühmteste Taxi von Berlin niemals für Uber&Co arbeiten könne, weil bei denen die Fahrgäste immer irgendwo abgeholt werden müssen, was mir die beiden nach kurzem Überlegen bestätigten. Plötzlich erschien der Umstand, dass das berühmteste Taxi von Berlin so oft und so leidenschaftlich gegen die Konkurrenz aus dem Internet anschreibt, in einem anderen Licht.

Ich war mir nicht sicher, ob das jetzt eine gute oder eine schlechte Nachricht war. Aber unabhängig davon: Was hatten die beiden genau und vor allem persönlich gegen das berühmteste Taxi von Berlin? Sie versicherten mir, dass es auf keinen Fall daran liegen würde, dass das berühmteste Taxi von Berlin Scheiße aussieht, auch wenn das Aussehen in der Modebranche, in der sie tätig sind, oft Alles ist.

Was war es dann, dass sie ausgerechnet das berühmteste Taxi für ihre Beförderung ausschlossen? Ich fand das irgendwie unfair, weil das Taxi, egal ob berühmtestes oder nicht, seinerseits die Pflicht zur Beförderung hat, der Fahrgast aber die freie Taxiwahl. Das berühmteste Taxi von Berlin tat mir jetzt irgendwie leid.

Komischerweise ging es den Beiden genauso, weswegen sie dem berühmtesten Taxi von Berlin auch schon Geld gespendet hätten, was mich wiederum etwas beruhigte. Gut, Geld ist nicht alles und wird auch oft überbewertet - gerade heute. Aber wenn jemand in Not ist, dann muss gezahlt geholfen werden. Das ist klar!

Unklar war immer noch, warum die beiden auf keinen Fall mit dem berühmtesten Taxi fahren wollten. Die Antwort war unerwartet einfach: Sie wollten zum Flughafen Tegel, den das berühmteste Taxi von Berlin bekanntlich nicht kennt, und hatten keine Lust auf Experimente ...

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18.01.2015

MICHELS NEUES BUCH


So sieht es auch ...

Bevor ich mich am Freitag vom Flughafen direkt zu meinem Taxi begab, habe ich im einzigen Presseshop in TXL das letzte Exemplar von "Unterwerfung" erworben, dem neuesten Buch von Michel H., welches genau an diesem Tag auf Deutsch erschienen war. Ich hatte das in diesem Beitrag nicht erwähnt, weswegen ich es hier nachhole. Bevor ich zum Lesen kam, musste ich aber erstmal aufs Neue mit den vielen Knöpfen im Taxi klarkommen. Das passiert mir regelmäßig, wenn ich ein paar Tage nicht gefahren bin.

Das war wohl auch der Grund, dass ich noch keine meiner Klassik-CDs eingelegt hatte, sondern das Radio einschaltete. Der Kollege Tagfahrer hatte dort einen dieser unmöglichen Sender für mich hinterlassen, deswegen wechselte ich zu Info-Radio, was ich, wie eigentlich so gut wie alle hiesigen Radio-Sender, nicht mehr hören kann. Das Umschalten hat sich aber gelohnt.

Das lag nicht daran, dass der Hörer etwa über Michels neues Buch informiert worden wäre. Das wäre wirklich etwas viel verlangt - auch vom Info-Radio. Das Buch, in dem es um einen zukünftigen französischen Präsidenten muslimischen Glaubens geht, ist in Frankreich genau am Tag des Pariser Attentats erschienen, was es nicht automatisch zu einem guten Buch macht. Das Timing ist allerdings bemerkenswert, um nicht das in meinem letzten Beitrag benutzte Wort Schicksal zu bemühen.

Wenn auch nicht direkt, so hatte das Interview im Info-Radio doch etwas mit dem Thema des Buches zu tun. Interviewt wurde übrigens Frank Richter, immerhin Direktor der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Was das Interview so interessant macht, ist nicht nur die angenehme Stimme des katholischen Pfaffen aus Sachsen. Nein, es ist auch das, WAS Frank Richter sagt. Am Besten Du hörst es Dir selbst mal an.

Nachdem ich Michels neues Buch durchgelesen habe, kann ich sagen, dass es dort eine Menge Parallelen zum Interview gibt. Dazu muss man aber das Interview auch bis zu Ende hören, wo es um das Problem eines Mannes geht, eine Frau zu finden. Ich möchte nicht zuviel verraten, aber genau darum geht es in Michels neuem Buch auch. Der Rest ist zwar auch lesenswert, letztendlich aber nur dazu da, die "Löcher" dazwischen "zu stopfen".

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17.01.2015

DIE KUNST DER IMPROVISATION


Improvisierter Mülleimer am Flughafen Tegel / Gate 5

Es war nicht mein Wunsch, nach Amerika zu fliegen. Ich hatte aber auch nichts direkt dagegen. Es gibt ein paar Dinge, die finde ich gut an Amerika. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, möchte ich die Landschaft und den Umstand erwähnen, dass in Amerika das menschliche Bedürfnis allgemein als Menschenrecht anerkannt und deswegen kostenneutral ist. Will sagen: Die Toiletten sind in der Regel unentgeltlich, sauber und groß.

Groß ist so einiges in Amerika. Wer schon mal da war, weiß das, so dass ich mir auch hier weitere Details sparen kann. Vielleicht noch soviel zu meiner aktuellen Reise, der fünften in den vergangenen vier Jahren: Ich bin zu ihr gekommen, wie Maria zum Kinde. Man kann es auch Schicksal nennen. Das ist keine Übertreibung.

Mit dem Schicksal ist es aber so eine Sache, was sicherlich auch daran liegt, dass manches Schicksal nicht wirklich schön ist. Aber gegen das Schicksal ist bekanntlich kein Kraut gewachsen. Wir Menschenkinder können es annehmen, oder es eben lassen. Aus Erfahrung weiß ich, dass Annahme die bessere Wahl ist. Aber das ist nur meine persönliche Meinung.

Bevor ich weiter so kryptisch daherrede, zurück zu meiner Reise. Der Januar ist eine gute Zeit, nach Amerika zu fliegen, und zwar aus zwei Gründen. Zum Einen, weil das Taxigeschäft in Berlin im Januar traditionell im Keller ist. (Daran ändert auch die "Grüne Woche" nichts, denn Bauern haben bekanntlich kein Geld, und schon gar nicht zum Taxi fahren.) Zum Anderen, weil in Amerika, genauer gesagt in manchen Teilen von Amerika, für uns Berliner jetzt Sommer ist. OK, diesmal gab es sogar in Süd-Kalifornien zwei Regentage, obwohl es, zumindest laut diesem Song, dort niemals regnet.

Was das Wetter angeht, so gilt dasselbe, was für das Schicksal gilt: Nimm es so, wie es ist, oder lass es bleiben. Ändern kannst Du es sowieso nicht. Aber auch bei Regen kann man in Kalifornien eine Menge Sachen machen, zum Beispiel Taxiabenteuer. Ja, ich bin in Kalifornien Taxi gefahren, so irre das klingen mag, und ich werde demnächst an dieser Stelle darüber berichten. Ohne zu übertreiben, kann ich sagen, dass sich das Dranbleiben lohnt.

Vom Flughafen Tegel (TXL) habe ich mich direkt in meine Taxe und mit ihr auf die Berliner Straßen begeben. Eines konnte ich sogleich feststellen: Die Talsohle des Januargeschäfts ist noch nicht durchschritten. Für eine andere Erkenntnis habe ich etwas länger gebraucht: Es gibt schlimmeres als Party People! Was es ist, auch das erfährt der interessierte Leser demnächst auf dieser Seite.

Zum Schluss möchte ich noch mein letztes Quiz auflösen. Mit dem "Bikini-Haus" war der "Fastdäne" ganz nah dran, es zu lösen. Allerdings befindet sich die abgebildete Herren-Toilette nicht in einem der von ihm genannten Hotels sondern in der "Monkey Bar" im zehnten Stock. Leider muss ich da ganz genau sein, denn auch ich habe nichts zu verschenken, auch keine Kurzstrecke.

Zum Thema "Monkey" fällt mir "last but not least" noch folgendes ein: Als ich meine Ausbildung zum Taxifahrer vor über zwanzig Jahren absolvierte, hat uns unser Taxilehrer noch vor dem "Island Monkeys", also den "Inselaffen", gewarnt. Gemeint waren die vielen Bauarbeiter von den britischen Inseln, die es damals in Berlin gab, denn die waren es nicht gewohnt, dass die Kneipen hier nicht um elf, wie auf der Insel, schließen, was zur Folge hatte, dass sie, wenn sie einem nach elf Uhr ins Taxi stiegen, garantiert hackedicht waren.

Lange, lange ist es her. Und auch wenn sich das mit den "Island Monkeys" und der Warnung vor ihnen heute irgendwie unschön anhört: War 'ne schöne Zeit - damals!

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FLIEGEN GESTERN UND HEUTE


"Großer Berliner Funkturm", auch bekannt als "Alexanderturm"

Fliegen ist anstrengend geworden, das muss ich schon sagen. Früher war Fliegen etwas exklusives. Heute fliegt jeder - leider. Nichts gegen jeden, aber es sind ihrer wirklich zu viel. Und zu viele Leute auf zu engen Raum machen aggressiv und krank. Im Prinzip das bekannte Großstadtphänomen - nur in Miniatur.

Aber nicht nur deswegen versuche ich das Fliegen möglichst zu vermeiden. Gegen das Viel-Fliegen spricht viel. Angefangen damit, dass man nur dort wirklich war, wo man zu Fuß war. Ist übrigens nicht von mir, sondern von Goethe.

(Goethe hat auch noch andere kluge Sachen gesagt. Beispielsweise das hier: "Alles, was entsteht; ist wert, dass es zugrunde geht." Das scheinen allerdings die, die mit Vokabeln wie "too big to fail" oder "systemrelevant" um sich werfen, schon nicht mehr zu kennen.)

Heute ist mit dem Taxi zu fahren exklusiver als zu fliegen. Das kann man gut finden oder nicht, es ist eine Tatsache. Einen Vorteil hat das zumindest: Man kommt im Taxi zwar mit weniger Menschen in Kontakt, dafür aber tiefer, und ungefährlicher ist es auch.

Die Theorie, dass die trockene Luft im Flugzeug krank machen würde, hat mich ehrlich gesagt noch nie überzeugt. Sicherlich, die Gefahr geht von der Lüftung aus. Es ist aber nicht die trockene Luft, die krank macht, sondern die vielen Keime, die mittels Lüftung "fein säuberlich" und sozusagen "demokratisch" auf alle verteilt werden.

Früher sagte man "Schuster, bleib' bei deinen Leisten!" Überträgt man das auf hier und heute, heißt das: "Taxifahrer, bleib' bei deinem Taxi!"

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13.01.2015

AUF DER SUCHE NACH EINEM NEUEN BERLIN (III) oder PULLERN BEI "TRICKY DICK"


Zu Hause bei Richard Nixon

Dass ich bei "Tricky Dick", wie Richard Nixon hierzulande liebevoll genannt wird, pullern gehe, war nicht geplant, sondern passierte einfach so oder "by accident", wie der Ami sagt. Genau genommen lag es daran, dass sein Geburtsort mehr oder weniger auf dem Weg zum neuen Berlin liegt, nach dem ich bekanntlich auf der Suche bin.

Merkwuerdigerweise, auch das war nicht geplant, hatte Richard gerade an dem Tag Geburtstag, als ich bei ihm in Yorba Linda vorbeischaute, so dass der Eintritt zu seiner Bibliothek und seinem Museum frei war, was mich aber nicht wirklich interessierte, da ich ja nur auf Toilette wollte, und da ist der Eintritt immer frei.

Der Ehrlichkeit halber muss ich sagen, dass sowohl das Museum als auch die Bibliothek und auch obige Toilette erst nach Richards Ableben errichtet wurden. Sein eigentliches Geburtshaus befindet sich hinter dem neu errichteten Gebaeudekomplex und ist kaum groesser als sein Helikopter, der gleich daneben steht, als waere Richard gerade erst nach Hause gekommen.

Dort, also zu Hause bei "Tricky Dick", ist es sehr sauber, was nicht anders zu erwarten war. Immerhin war er einmal der Praesident und sogar der King, Elvis the Pelvis, hat ihn seinerzeit besucht. Trotz alledem hat Richard, wie alle anderen in der Neuen Welt, "nur" diese "stinknormale" Toilettenspuelung, die ich schonmal an dieser Stelle erwaehnte.

Und genau diese Toilettenspuelung hat es mir angetan. Erst einmal natuerlich, weil sie so gross und so robust ist. Man kann sie wirklich, das ist kein Witz, mit dem Fuss bedienen, wenn man mal keine Hand frei hat. Das haelt diese Spuelung proplemlos aus. Und, das ist das Wichtigste, selbst der Praesident und der King haben dort schon gespielt gespuelt.

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12.01.2015

AUF DER SUCHE NACH EINEM NEUEN BERLIN (II)


Taxi in Long Beach

TaxiBerlin ist nicht auf der Suche nach dem amerikanischen Traum. Das war Hunter S. Thompson in "Fear and Loathing in Las Vegas". TaxiBerlin sucht "nur" ein neues Berlin - das ist schwierig genug. Es faengt schon mit der Suche nach einem Taxi an. Eins heranwinken? Wie, wenn keins herumfaehrt. Zum Taxistand gehen? Zu welchem? Vielleicht den am Flughafen? Dann kann ich auch gleich laufen.

In der Neuen Welt, zumindest an der Westkueste, muss man ein Taxi rufen - also anrufen. Das liegt aber nicht an der Konkurrenz wie Uber&Co, sondern daran, dass hier jeder mindestens ein Auto vor der Tuer zu stehen hat und deswegen Taxen Mangelware sind. In ganz Los Angeles soll es gerade mal etwas mehr als Zweitausend von ihnen geben. Zum Vergleich: In Berlin gibt es mehr als Siebentausend.

Andererseit: Ohne Auto laeuft hier an der Westkueste gar nichts. Oft gibt es nicht mal Buergersteige, auf denen man laufen koennte. Das haengt mit der Steuer zusammen, die dann hoeher ausfallen wuerde. Aber ich will nicht zu sehr ins Detail gehen, sondern nur ueber den Stand der Dinge bei meiner Suche nach einem neuen Berlin informieren, und der laesst sich wie folgt zusammenfassen:

You can't walk!

Foto&Text TaxiBerlin

11.01.2015

AUF DER SUCHE NACH EINEM NEUEN BERLIN


Im DMV irgendwo bei LA

Nachdem es in Berlin immer weniger Berlin gibt, hat sich TaxiBerlin auf den Weg nach einem neuen Berlin gemacht, was an sich noch nichts Besonderes ist, da die Menschheit selbst ja auch auf der Suche nach einer anderen Erde ist. Auch dass TaxiBerlin ausgerechnet in Amerika danach sucht, ist keine Ueberraschung. Das liegt aber nicht daran, dass Amerika als "Land of the Free" & "Home of the Brave" gilt, zumindest hierzulande, sondern eher daran, dass es in den USA gleich mehrere Orte namens Berlin gibt.

Bevor die Suche nach einem anderen Berlin in der Neuen Welt beginnen kann, musste TaxiBerlin noch einen Test in einer der hiesigen Fuehrerscheinstelle, auch DMV fuer "Department of Motor Vehicles", bestehen, wobei er es sich nicht nehmen liess, einen Blick in die dortige Toilette (Foto) zu werfen, deren Benutzung umsonst ist, weil zumindest das menschliche Beduerfnis hierzulande als Menschenrecht allgemein anerkannt ist.

TaxiBerlin geht es dabei nicht darum, irgendwie Geld zu sparen. Gott bewahre! Geld hat er, mangels Kreditkarte, genug, und zwar saemtliche Taschen voll. TaxiBerlin geht es ausschliesslich um obige Toilettenspuelung. Die ist naemlich so robust, dass man sie sogar mit dem Fuss bedienen kann. (Ob frau auch, entzieht sich seiner Kenntnis.) Eines weiss TaxiBerlin aber mit Sicherheit: Sollte am Ende seiner Suche noch Geld in irgendeiner Tasche vorhanden sein, bringt er genau eine solche Toilettenspuelung mit ins alte Berlin.

Foto&Text TaxiBerlin

05.01.2015

DIE BESTEN BERLINER TOILETTEN (EINE SERIE)


Pullern mit Ausblick

Bevor TaxiBerlin sich morgen nach Amerika aufschwingt, hat er heute schonmal Höhenluft geschnuppert, und zwar beim Pullern. Soviel sei dazu gesagt: Es war es im zehnten Stock. Wo genau, wird nicht verraten, doch dazu später mehr. Jetzt zurück zu Amerika, wo TaxiBerlin vielleicht noch kein Star ist, aber einer werden könnte.

Mehr möchte ich darüber im Moment nicht schreiben. Deswegen zurück zum Bild, das gleichzeitig mein aktuelles Quiz ist, denn das Quiz von TaxiBerlin wurde in der Vergangenheit arg vernachlässigt. Wer als erster weiß, wo man in Berlin beim Pullern einen solchen Ausblick genießt, dem winkt wie gehabt eine Kurzstrecke.

Viel Spaß beim Lösen respektive Raten!

Foto,Text&Quiz TaxiBerlin

04.01.2015

DIE FAHRSCHULE FÜR DIE FACHKRAFT


Columbiadamm / früher Neukölln / heute Neukölln

Lange, viel zu lange, habe ich mich gefragt, wo die vielen hoch qualifizierten Fachkräfte auf unseren Straßen herkommen. Jetzt, pünktlich zum Jahresbeginn, habe ich endlich die Antwort gefunden. Es muss obige Fahrschule sein! Allerdings scheint sie selbst noch an ihrer Kompetenz zu zweifeln. Oder warum sonst ist sie 'ne GmbH?

Foto&Text TaxiBerlin

03.01.2015

VON EINEM ZUM ANDEREN


Einemstraße Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße
früher Schöneberg / jetzt Tempelhof-Schöneberg

Erwähnenswert ist obige Straßenumbenennung in Schöneberg aus zwei Gründen. Erstens, weil Einem ein Typ war (einer, der auch einen Vornamen hatte), und Karl Heinrich Ulrichs auch ein Typ ist. Das ist wichtig zu wissen, denn offiziell gilt auch in Schöneberg eine strenge Frauenquote bei der Umbenennung von Straßen, die besagt, dass Straßen so lange nur nach Frauen benannt werden dürfen, bis es 1:1 steht an der Straßennamenfront. Ausnahmen bestätigen, wie man/frau sieht, auch hier die Regel.

Der andere Grund, warum ich diese Straßenumbenennung erwähne, ist wichtiger, weil praktischer Natur, zumindest für Taxifahrer und die, die es werden wollen. Denn die Einemstraße ist war die kürzeste Verbindung zwischen zwei Kernstrecken, nach denen ich vor vielen Jahren noch für den Taxischein gelernt habe, und zwar genau zwischen der Kurfürsten- und der Bülowstraße (und umgedreht natürlich auch). Keine Ahnung, wie heute, wo alle Navis haben, für die Taxiprüfung gelernt wird. Falls überhaupt noch gelernt wird, dann beneide ich den zukünftigen Kollegen nicht, der Karl-Heinrich-Ulrichs anstelle von Einem lernen muss.

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02.01.2015

NEUE ZUGEZOGENENINITIATIVE


Libauer Ecke Kopernikus / früher Friedrichshain / heute Friedrichshain-Kreuzberg

Bevor es gleich mit der ersten Schicht im neuen Jahr losgeht, war ich gerade schonmal draußen unterwegs. Zu Fuß natürlich, wie es sich für einen richtigen Taxifahrer gehört. Ich mache das immer, wenn ich meinen Kiez mal verlassen habe, auch wenn es nur kurz war. Dieser, nennen wir ihn "Kiezspaziergang", ist sozusagen ein Ritual.

Heute pfiffen mir dabei die Spatzen ein ganz besonderes, weil neues, Lied von den Dächern. Obwohl, so neu ist die Idee auch wieder nicht. Eigentlich ist es nur neuer Wein in alten Schläuchen oder, wie der vom Balkan sagt, das alte Lied mit neuer Stimme. Diesmal haben Zugezogene eine neue Initiative gestartet. Es ist alles noch geheim, aber so viel darf ich verraten:

Die Zugezogenen sind es leid, für die Reinigung nach Silvester aufzukommen. Begründung: Sie sind Silvester gar nicht in Berlin. Gut, es geht nicht nur ums Geld, sondern auch ums Prinzip. Aber fünf Euro sind auch Geld, und die Eigentumswohnung war schließlich teuer genug. Der Antrag hat übrigens gute Chancen auf Erfolg.

Ich schreibe das jetzt nur, weil es mich dieses Jahr selbst betrifft. Auch ich habe Silvester die Stadt verlassen, und somit könnte auch ich eine Kostenrückerstattung beantragen. Ja, das ginge wohl, auch wenn ich keiner von diesen Nachgezogenen bin.

Andererseits, was wäre Berlin ohne diese genialen Wortgeschöpfe (Foto) unserer BSR (Berliner Stadtreinigung)? Und, wenn ich ganz ehrlich sein soll, glaube ich insgeheim sogar, die Zugezogenen haben nur etwas dagegen, dass die BSR-Mitarbeiter so viel Spaß bei ihrer Arbeit nach Silvester haben (nochmal Foto) ...

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DER HEILIGE SILVESTER


TaxiBerlin als PartyPeople

Party People, von denen es mehr als genug gibt, zumindest in Berlin, und TaxiBerlin, der das hier schreibt, sind nicht gerade die dicksten Freunde. Wer hier regelmäßig ließt, weiß das. TaxiBerlins PartyZeit waren die Neunziger, in denen in Berlin bekanntlich alles möglich war. Verglichen mit damals ist das Leben heute hier langweilig und dröge, um mich mal vorsichtig auszudrücken.

Und so ist es kein Wunder, dass TaxiBerlin zum Party machen raus aufs Land irgendwo kurz vor Polen fährt. Eingeladen hat "Der ehrliche Künstler vom Boxhagener Platz", den man auf dem Boxi, wie das kleine Karree im Friedrichshain von den wenigen noch dort lebenden Eingeborenen liebevoll genannt wird, vergeblich sucht, denn der Künstler hat Berlin bereits vor Jahren verlassen.

Drogen gab es übrigens auf der Party keine, auch wenn obiges Foto dies vermuten lässt, und auch wenn man mal von dem bisschen Bier und Wein absieht. Dafür gab es lecker Essen, gute Musik und, das wichtigste, gute Leute. Was sind nun gute Leute, fragt sich jetzt der ein oder andere, der das liest.

Hm, wie soll ich das nun wieder erklären? Vielleicht fange ich so an: Die Leute dort waren irgendwie dreidimensional, womit jetzt nicht gemeint ist, dass sie nicht nur die beiden Themen Geld auf dem Konto und Klicks im Internet hatten, das ist ja klar. Dreidimensional meint eher, dass sie irgendwie auch zum anfassen waren ...

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01.01.2015

NEUES JAHR - ALTER TREND


Überall in Brandenburg

Fährt man nach Brandenburg, soll man Essen mitnehmen. Das habe ich getan, konnte aber die Hälfte wieder nach Berlin zurücknehmen. Überhaupt muss ich sagen, dass die Brandenburger viel netter sind als die Berliner - sogar die Züge (Foto)! Darüber hinaus durfte ich feststellen, dass sich ein von mir ins Leben gerufene Trend, in Brandenburg bereits flächendeckend durchgesetzt hat. Die Rede ist von "Bauhelme gegen Baustellen" und meiner Aufforderung, immer und überall einen gelben Bauhelm mitzuführen. In Brandenburg hat nicht nur jedes Auto einen solchen gelben Helm an Bord, sondern auch jede Bahn (nochmal Foto). Sicherlich, das ist keine Nachricht, die man in Berlin gerne hört, und schon gar nicht am ersten Tag des Jahres, aber ich würde so weit gehen zu behaupten, dass man in Brandenburg irgendwie weiter ist als in Berlin, das, so wie es aussieht, einmal mehr einem Trend hinterherläuft.

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