31.12.2015

GESTÖRTE KOMMUNIKATION - EIN DÉJÀ-VU


Einige Male habe ich im zu Ende gehenden Jahr davon geschrieben, dass ich gerade, was die Zeit angeht, in der wir leben, ein Déjà-vu habe, ohne dass ich selbst wusste, woran sie mich, also unsere heutige Zeit, denn nun genau erinnern würde, bis es mir heute endlich und pünktlich zum Jahresende klar geworden ist, wofür ich vor allem dem mauen Taxigeschäft der letzten Tage zu danken habe, das mir einmal mehr sehr viel Zeit zum Nachdenken bescherte, was aber keine Überraschung ist, denn die Jahresendzeit, oder auch "zwischen den Jahren", wie man heute sagt, ist traditionell eine Zeit des "in-sich-gehens" und des "inne-haltens", dem die nicht vorhandenen Fahrgäste letztendlich nur "Rechnung tragen".

Der Grundstein für dieses, ich nenne es einfach mal "zurück blicken", wurde, so viel Zeit muss sein, von meinem Vater gelegt, der eine Zeit lang regelmäßig die Serie "Vor vierzig Jahren" sah, die sich, für alle, die das nicht wissen, mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigte. Das ganze übrigens auf Öffentlich/Rechtlich, also ARD und ZDF, die bereits damals einen Bildungsauftrag hatten, den es generell und völlig Zeit-unabhängig kritisch zu hinterfragen gilt, denn manchmal haben auch Marxisten recht, beispielsweise mit der Aussage, dass Geschichte immer Zwei (2x) Mal stattfindet - zuerst als Tragödie und später als Farce. Gesagt hat das kein geringerer als Karl Marx, der vielleicht einzige Marxist überhaupt, was aber ein anderes Thema ist.

Ich will bei der Wahrheit bleiben und kann deswegen nicht verschweigen, dass ich die Fernsehgewohnheiten meines Vaters nicht nur nicht verstand, sondern ausgesprochen seltsam fand, was nicht nur daran lag, dass er die Zeit des Zweiten Weltkrieges selbst als Jugendlicher miterlebt hatte, wenngleich auf dem Balkan. Heute verstehe ich meinen Vater, und nicht nur das, nein, heute sehe auch ich mir solche Sachen an, die komischerweise genau die Zeit betreffen, in der sich mein Vater "Vor vierzig Jahren" ansah, und in der ich nun meinerseits ein junger Erwachsener war. Die neuen Medien, einen Fernseher habe ich nicht, sind dabei nicht immer hilfreich, das muss ganz klar gesagt werden. Es ist immer besser, sich das Original anzusehen, so hab ich es getan, und aus dem zitiere ich:

"In unserem Land ist die Kommunikation zwischen Staat und Gesellschaft offensichtlich gestört. Belege dafür sind die weit verbreitete Verdrossenheit ... Die gestörte Beziehung zwischen Staat und Gesellschaft lähmt die schöpferischen Potenzen unserer Gesellschaft und behindert die Lösung der anstehenden lokalen und globalen Aufgaben. Wir verzetteln uns in übelgelaunter Passivität und hätten doch wichtigeres zu tun für unser Leben, unser Land und die Menschheit. In Staat und Wirtschaft funktioniert der Interessenausgleich zwischen den Gruppen und Schichten nur mangelhaft. ... Um all diese Widersprüche zu erkennen, Meinungen und Argumente dazu anzuhören und zu bewerten, allgemeine von Sonderinteressen zu unterscheiden, bedarf es eines demokratischen Dialogs über die Aufgaben des Rechtsstaates, der Wirtschaft und der Kultur. Über diese Fragen müssen wir in aller Öffentlichkeit, gemeinsam und im ganzen Land, nachdenken und miteinander sprechen. Von der Bereitschaft und dem Wollen dazu wird es abhängen, ob wir in absehbarer Zeit Wege aus der krisenhaften Situation finden ..."

Meine Vorsätze fürs neue Jahr: Mal wieder zum Gottesdienst gehen, in der Kirche ein Bild erklären und vor allem nicht hochmütig sein.

Text TaxiBerlin

30.12.2015

"STAR WARS" IM RADIO


Eigentlich war ich Silvester eingeladen mal wieder Radio zu machen und zwar von Robert Weber, für dessen Trashfilm-Blog ich auch schon mal zwei Beiträge geschrieben habe, beispielsweise über "All is lost" mit Robert Redford. Silvester geht es nun im Radio um den neuen "Star Wars" Film "Das Erwachen der Macht", der sowohl mein erster als auch letzter "Star Wars" war, zu den Gründen dafür gleich, den ich mir angeschaut habe, aber immerhin, ich habe es getan, umso bedauerlicher ist es jetzt, dass ich am 31. nicht mit im Studio sein kann, aber mir ist leider etwas dazwischen gekommen, wie einem an einem solchen Tag wie Silvester halt was dazwischen kommt.

Da ich "Das Erwachen der Macht" nun aber wie gesagt über mich habe ergehen lassen, übrigens im OmU und ganz normal in 2D, möchte ich zumindest die drei wichtigsten Dinge über ihn an dieser Stelle loswerden. Bevor es losgeht noch einmal der Hinweis auf Robert Webers Radiosendung über "Star Wars" Episode VII, die am 31. ab 21 Uhr in Berlin auf Pi-Radio 88,4 läuft und gleichzeitig im Internet. Überraschungsgast wird übrigens voraussichtlich Layne Mosler alias TaxiGourmet sein, die ursprünglich aus dem fernen Amerika kommt und mit "Star Wars" groß geworden ist. Es könnte sich also durchaus lohnen, das Radio zu Silvester nicht ganz auszuschalten beziehungsweise den Computer nicht komplett runter zu fahren.

Doch nun zu den drei Dingen, die es von meiner Seite zum neuen "Star Wars" Film zu sagen gibt. Erstens: Das beste am ganzen Film ist zweifellos der Schnee, durch den die Darsteller in vielen Szenen stapfen müssen, und den wir in Berlin bis zum heutigen Tag so schmerzlich vermissen mussten. Zweitens: Der Film verbreitet eine permanente und vor allem unnötige Unruhe, was besonders deswegen ärgerlich ist, weil so natürlich keine philosophischen Ideen oder ähnliches "transportiert" werden können, was möglicherweise aber auch nicht vorgesehen war. Drittens: Und das ist das allerärgerlichste am ganzen Film, dass es am Ende des Films keine Hochzeit gibt, die unter normalen Umständen ohne Frage angestanden hätte, und zwar die von Daisy Ridley alias Rey und John Boyega alias Finn.

Das kann man mit mir, in dessen Lieblingsfilm "Schwarze Katze, Weißer Kater" es ausschließlich ums Heiraten geht, nicht machen!

Text TaxiBerlin

29.12.2015

"NARZISS UND SELFIE"



"Haus der Katholischen Kirche", Stuttgart, 15. April 2015, 16 Uhr

Wie bereits erwähnt, hat man im Taxi gerade jede Menge Zeit, beispielsweise die vielen Menschen zu beobachten, die es pünktlich zum Jahreswechsel mal wieder nach Berlin verschlagen hat, und die ständig am Taxi vorbeilaufen, manchmal laufen sie einem auch in die Taxe, weswegen man froh ist, dass sie einem nicht im Taxi sitzen, auch wenn sie den Umsatz auf Null + X erhöhen würden. Aber auch als Taxifahrer, das wird jetzt einige überraschen, hat man eine Schmerzgrenze, welche gerade arg strapaziert wird, was nichts mit dem Umsatz zu tun hat, der im Moment gegen Null geht, weswegen man sich eigentlich über jeden Fahrgast freuen müsste, und auch das Sprichwort sagt, dass selbst der Teufel in der Not Fliegen frisst, was durchaus stimmen mag, was aber nur bedeutet, dreht man es um, dass der Taxifahrer eben kein Teufel, sondern auch nur ein Mensch wie du und ich ist. Als solcher, als Taxifahrer und auch als Mensch, tun sie mir leid, die vielen hilflosen Menschen, die sich wie Narziss, allerdings nicht im Wasser, sondern ständig in ihrem Smartphone spiegeln müssen, weswegen sie einem auch permanent vor die Taxe laufen, denn sie sind, auch das wird vielen neu sein, nicht nur hier in Berlin hilflos, nein, sie sind es generell, in ihrem gesamten Leben, weswegen sie auch ständig Meldung machen müssen, wo sie gerade sind und was für dummes Zeug sie dort gerade wieder machen, einzig und allein deswegen, damit man sie später, wenn es bereits zu spät ist, schneller findet, wobei das hilfsreichste, und das ist jetzt das Neue, das Selfie ist, welches sie in dem Moment noch schnell von sich selbst machen, in dem sie bereits unter die Räder gekommen sind.

PS: "Narziss und Selfie" ist natürlich ein tolles Bild, keine Frage, aber, das muss der Wahrheit wegen dazu gesagt sein, es ist nicht von mir. Genau genommen ist es ein Bild, das in Stuttgart das Licht der Welt erblickte, und dort im "Haus der Katholischen Kirche". Entworfen hat es aber kein Stuttgarter und auch kein Schwabe, sondern ein Mann aus dem Osten, genauer gesagt aus der Stadt Halle an der Saale, und zwar der Psychiater, Psychoanalytiker und Autor Hans-Joachim Maaz.

28.12.2015

"WAS MIT SCHREIBEN" (EIN NACHTRAG)


Besser als Taxifahren?

Das schöne an Zeiten wie diesen, in denen man besser durch die Gegend wandert als im Taxi rumzuhängen, ist, dass man im Taxi genug Zeit zum Lesen und auch zum Nachdenken hat, weswegen mir auch noch eingefallen ist, dass es nach Henry Miller natürlich jede Menge andere Schriftsteller (ich meine richtige Schriftsteller!) gab, die ausgesprochene Gegner von Stipendien waren, beispielsweise Thomas Bernhard, der über Kunst auch folgendes gesagt hat:

"Nur die, die die Kunst machen, drängen dauernd dem Volk die Kunst auf. Das Volk interessiert so was überhaupt nicht, Kunst ist nur für wenige, und die verstehen's ja auch nicht, die geben ja auch nur vor, dass sie's verstehen. Je größer die Experten für Kunst sind, mit denen Sie sich unterhalten, desto größere Arschlöcher kommen am Ende heraus, wenn die Unterhaltung fertig ist. Und das Volk hat nur eine merkwürdige Hochachtung vor dem allen, weil es glaubt, das ist was, aber eh' nicht versteht und es auch nicht haben will." (aus "Thomas Bernhard - Eine Begegnung", Gespräche mit Krista Fleischmann)

Foto&Text TaxiBerlin

27.12.2015

"WAS MIT SCHREIBEN"


"Was mit Medien" machen war gestern, auch wenn einige das noch nicht mitbekommen haben. Heute machen die Leute "Was mit Schreiben", oder noch schlimmer "Was mit der Sprache". Das liegt daran, dass heutzutage beim Studium gelehrt wird, "dass man mit Kunst Geld verdienen" kann. Das sagt niemand Geringere als Nora Gomringer, immerhin Bachmann-Preis Gewinnerin 2015 über ihr Studium an der Universität Bamberg.

PS: So weit ich mich erinnere, war es Henry Miller, der darauf bereits vor vielen Jahren die passende Antwort gegeben hat, es war glaube ich in "Big Sur oder die Orangen des Hieronymus Bosch", wo er richtigerweise feststellte, dass Jesus kein Stipendium hatte.

KEIN WIRTSCHAFTSWUNDER IM TAXI


Vor dem Wirtschaftswunder

Weihnachten ist geschafft, Zeit für mich das übrig gebliebene Geld von der Straße zu sammeln und zwar mit meinem Taxi. Meine Erwartungen, das kann ich ganz ehrlich sagen, gehen gegen Null. Mehr als ein paar Brosamen wird es nicht geben auf der Straße, das sagt mir mein Gefühl. Es ist mehr die Routine, die mich ins Taxi treibt, außerdem gibt es dort neuerdings eine Leselampe, die ich ausprobieren möchte.

Der Presseschau vor Arbeitsbeginn entnehme ich, dass uns ein zweites Wirtschaftswunder bevorsteht. Das erste war, das ist bekannt, in den Fünfzigern in Westdeutschland. Ein zweites war für die Neunziger im Osten geplant gewesen, ist aber wegen Bodennebels ausgefallen und wird nun nachgeholt. Mit anderen Worten: Die Ossis waren zu blöd, aber die Einwanderer werden es schaffen.

Genau genommen sind es, daran darf erinnert sein, Asylsuchende, auch weil wir nur ein Asylrecht kennen hierzulande, in dem es kein wirkliches Einwanderungsgesetz gibt, das diesen Namen verdienen würde. Aus den Asylsuchenden wurden Flüchtlinge - Wort des Jahres 2015. Aus den Flüchtlingen wiederum Einwanderer, die das neue Wirtschaftswunder vollbringen sollen.

Die Asylsuchenden alias Flüchtlinge alias Einwanderer wurden mal wieder nicht gefragt, ob sie denn auch hier bleiben und zu unserem neuen Wunder beitragen wollen, besser wohl: sich dafür abrackern. Vielleicht gibt es ja auch den ein oder anderen, der nach dem Ende des Krieges in seine Heimat zurückkehren möchte. Unsere Eliten scheint das nicht zu interessieren, sie rechnen bereits fest mit dem billigen "Menschenmaterial".

Spinnt man den Gedanken unserer Eliten zu Ende, ist folgendes Szenario vorstellbar: Ein Asylsuchender alias Flüchtling alias Einwanderer möchte irgendwann in der Zukunft wieder ausreisen, darf die Grenze aber nicht passieren, weil er nicht genügend zum Wirtschaftswunder beigetragen hat.

PS: Eine Frage kommt in der gegenwärtigen Debatte gar nicht vor, drückt sich einem angesichts des warmen Winters aber förmlich auf. Wie viele Menschen kommen eigentlich wegen dem Wetter zu uns? Ich meine, wenn unsere Winter schon so mild sind, wie heiß sollen die Sommer etwas weiter südlich dann sein?

Foto&Text TaxiBerlin

26.12.2015

HUNDE IM TAXI


Roter Teppich

Jetzt wo ich darüber schreibe, fällt mir nicht nur ein, dass ich noch nie etwas über das Thema "Hunde im Taxi" gelesen habe, sondern dass ich darüber hinaus ewig keinen Hund bei mir im Taxi hatte, was wahrscheinlich damit zu tun hat, dass ich meistens Nachts fahre, wo zwar auch Leute mit ihrem Hund unterwegs sind, aber eher zum Gassi gehen und nicht zum Taxi fahren.

Um gleich auf den Punkt zu kommen: Mein größtes Problem mit Hunden sind ihre Haare, die sich gerne erst im Taxi und später dann auf den Klamotten der nächsten Fahrgäste breit machen, wenn sie vorher nicht weggesaugt wurden, wozu man zur Tankstelle fahren, Zeit und Geld investieren muss, wofür der Hundehalter in der Regel nicht aufkommt. Es gibt aber auch Ausnahmen. Beispielsweise hatte ich mal einen jungen Mann an Bord, der nach der Fahrt eigens ein dafür mitgeführtes Gerät (genauer Begriff fällt mir gerade nicht ein) aus dem Rucksack zauberte und die Taxe komplett von den Haaren seines Hundes befreite.

Andererseits gibt es auch die Fahrgäste, meist sind es Lokalitäten, die immer ein "Taxi mit Hund" bestellen, mitunter sogar noch dazu sagen, es wäre ein großer Hund, in Wirklichkeit aber gar keinen Hund dabei haben, nicht mal einen kleinen, und die das deswegen machen, weil sie was gegen türkische, oder besser muslimische Fahrer haben, die im Normalfall keinen Hund, weil unrein, befördern. Ein solches Verhalten ist natürlich nicht gut zu heißen, das ist klar, aber eben auch nicht zu verhindern. Ich meine, man kann niemanden zwingen, auch wirklich einen Hund mitzuführen, nur weil er ein "Taxi mit Hund" bestellt hat. Das wäre was. Sie haben keinen Hund dabei? Dann befördere ich sie nicht!

(Einige wenige bestellen aus demselben Grund extra einen englisch sprechenden Taxifahrer. Auch da hat man dann wieder das gleiche Problem: Man kann den Fahrgast nicht zum englisch sprechen zwingen. Natürlich ist derjenige ein Rassist - keine Frage! Aber steckt nicht in jedem von uns ein kleiner Rassist? Möge der den ersten Stein werfen, der keiner ist.)

Gott oh Gott, wo bin ich da jetzt gelandet?!? Ich wollte doch nur etwas über Hunde im Taxi schreiben. Du hast es sicherlich schon bemerkt: Ich bin kein großer Fan von Hunden im Taxi aber auch kein strikter Gegner, denke aber prinzipiell, dass Hunde auf's Land gehören und nicht in die Stadt, auch wenn manche ihnen dort einen roten Teppich ausrollen.

Foto&Text TaxiBerlin

25.12.2015

WEIHNACHTEN IM TAXI


Zu verschenken

Taxifahren in Berlin zu Weihnachten heißt tote Hose. Das war vor einigen Jahren noch anders. Da gab es Fahrten, die es sonst gar nicht gibt. Beispielsweise die Oma, die von Köpenick nach Reinickendorf wollte, oder die Schwiegermutter von Pankow nach Treptow. Warum es diese Fahrten nun auch zu Weihnachten nicht mehr gibt, kann nur vermutet werden. Möglicherweise sind die Omas weggestorben und Schwiegermütter werden Weihnachten nicht mehr eingeladen oder umgedreht. Der Rest ist Weihnachten sowieso "nach Hause" gefahren.

Auch aus diesem Grund nutze ich die Weihnachtszeit traditionell um aufzuräumen, und zwar meinen Bücherschrank, damit habe ich genug zu tun. Dieses Jahr sind sieben Bananenkisten zusammengekommen, die ich gerne noch im alten Jahr irgendwie loswerden würde, man soll bekanntlich nicht mit alten Büchern ins neue Jahr gehen.

Wem jetzt noch ein paar Bücher für Weihnachten oder gar fürs neue Jahr fehlen, kann sich gerne bei mir melden. Keine Sorge, ich werden niemanden, der Bücher bedarf, verraten. Ganz im Gegenteil, ich bin froh über jeden, der mir ein paar Bücher abnimmt. Es gibt nur eine Bedingung: Keinen Beitrag im Internet über deine gute Tat!

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24.12.2015

EINMAL IM JAHR ...


Weckerln vorläufig noch Brötchen aber nicht Schrippen

Einmal im Jahr, da gönne ich mir richtig was, was Gutes, von Bio - natürlich. Dieser Tag ist heute, Weihnachten oder auch Heilig Abend, wie wir früher sagten. Heute heißt das glaube ich Halloween oder so ... aber egal. Das wichtigste ist, dass man sich beeilen muss, wenn man heute noch was Gutes haben will, weil heute alle noch schnell was Gutes haben wollen, weswegen ich mir auch den Wecker gestellt habe, aber das nur nebenbei.

Immerhin kam ich noch rechtzeitig, um die letzten beiden Roggen-Brötchen zu erwischen, das war gar nicht so einfach, das kann ich dir sagen, was auch daran lag, dass das offiziell gar keine Roggen-Brötchen sind, sondern Roggen-Weckerln. Ich weiß, diese ganze Weckerln-Debatte ist Schnee von Vorgestern, aber da wir dieses Jahr keinen Schnee haben werden, wird man manchmal sentimental - gerade zu Weihnachten Halloween.

Mit den Weckerln verhält es sich so, dass sie bisher ein spezielles Problem des Prenzlauer Berges waren, um genau zu sein des Kollwitzplatzes. Dass sich die Weckerln bis in meinen Kiez vorgearbeitet haben, ist neu aber keine Überraschung. Mein Problem mit Weckerln ist auch nur, dass ich sie so schlecht aussprechen kann, bei mir kommt da immer so was wie Wecker raus, weswegen ich schon überlege zum Logopäden zu gehen.

Vorerst, auch weil Weihnachten Halloween ist, darf ich die Weckerln noch Brötchen nennen, Schrippen habe ich mich nicht getraut zu fragen, aber Brötchen hat mit die Verkäuferin erlaubt, natürlich nur übergangsweise, das ist klar, denn so etwas kann die Verkäuferin gar nicht gebrauchen, dass ihr jemand mit der falschen Aussprache von ihren Weckerln auf den Wecker geht.

Foto&Text TaxiBerlin

23.12.2015

ULRICH TUKUR MIT DEM ESEL DURCH BULGARIEN


Vorm Casino PLATINUM / Sonnenstrand / Bulgarien

Dass er nun gar nichts gemacht hat, kann man so nicht sagen. Nach eigenen Angaben hat er sehr viel gemacht, und zwar gearbeitet, weswegen er jetzt eine Auszeit braucht, in der er mit einem Esel durch Bulgarien, die Türkei und Georgien wandern will, "wo man auch mal von was überrascht wird, und nicht jeder auf dem Handy rumwischt." Der Esel soll auf der Wanderung das Gepäck tragen und der, der ihn kaufen oder mieten will, so klar ist das im Moment noch nicht, ist der Schauspieler Ulrich Tukur, der seine Zukunftsplanung vorab schon mal der Deutschen Presse Agentur wissen lies, weswegen die Bild-Zeitung aktuell und zeitnah darüber berichten konnte.

Dass sich gleich darauf die Süddeutsche in ihrer Glosse über den Schauspieler lustig macht, ist keine Überraschung. Ulrich Tukur hätte gut daran getan, etwas mehr zu tun, und zwar zu recherchieren, bevor er seine Pläne in Welt hinausposaunt. Denn dann wüsste er nämlich, dass zumindest in Bulgarien (in der Türkei und Georgien wird es ähnlich aussehen) jeder mindestens ein Handy besitzt, und zwar völlig unabhängig vom Alter, weil es vielen das Büro ersetzt, und es in vielen Fällen das einzige ist, was in dem Land funktioniert.

Dass die Süddeutsche sich darüber hinaus über den Sinn des Wanderns lustig macht, und dabei an erster Stelle über die Selbstfindung, daran hat Ulrich Tukur keine Schuld, sondern unsere Zeit, in der man gerne sarkastisch ist und am liebsten an der Oberfläche bleibt. Dass sich Selbstfindung nicht verkauft, sieht man mal von Hape Kerkeling ab, dessen "Ich bin dann mal weg" demnächst in die Kinos kommt, und der in seinem Buch über seine Wanderung auf dem Jakobsweg über ein Coming Out aber nicht hinaus kommt, ändert nichts an der Tatsache, dass niemand weiter kommen kann als zu sich selbst.

Wie weit Ulrich Tukur mit seiner Wanderung kommen will, weiß der Schauspieler nur selbst, aber vielleicht weiß er es auch gar nicht. Das lassen zumindest seine Aussagen im Vorhinein und die Tatsache vermuten, dass er gleich alles ausplaudern musste. Bulgarien und Georgien sind relativ kleine Länder, die Türkei dagegen ziemlich groß. Weiß der Schauspieler das? Oder plant er, ähnlich wie Wolfgang Büscher in seinem Buch "Hartland", Teile der Strecke mit dem Auto (wenn der Esel mit soll wohl eher mit einem Transporter) zu fahren?

Wer sich überraschen lassen möchte, ist in Bulgarien auf jeden Fall goldrichtig. Das weiß ich, weil ich jedes Jahr einige Monate dort verbringe und vor drei Jahren selbst mit einem Esel durch Bulgarien gewandert bin, 750 km in 40 Tagen. Übernachtet habe ich auf der Straße, in Klöstern und auf Zeltplätzen, meistens aber bei einfachen Menschen, denen ich auf meinem Weg begegnet bin. Im Nachhinein habe ich in einem Interview mit der Berliner Zeitung davon erzählt und erwähnt, dass ich darüber schreibe. Das tue ich immer noch, was auch daran liegt, dass ich bei meiner Wanderung durch Bulgarien ziemlich weit gekommen bin, ein einfaches Comming Out wird es bei mir also auf keinen Fall geben, so viel kann ich schon mal verraten.

Foto&Text TaxiBerlin

DIE WELT, WIE WIR SIE KENNEN (FORTSETZUNG)


Ich hatte gestern geschrieben, dass uns eine interessante Zeit bevorsteht, in der sich jeder von uns bewähren kann, was einige nicht verstanden haben, weswegen ich es erklären will, die Frage ist nur wie? Ich meine ..., es soll ja auch jeder verstehen ... hm, wie könnte ich das jetzt wieder machen ..., lass mich überlegen ..., vielleicht anhand eines Beispiels ..., ja ... das könnte was werden ..., aber ich warne gleich mal vor ..., es ist nur ein blödes Beispiel ..., wirklich nicht mehr ..., aber auch nicht weniger ...

Der Deutsche reist gerne und viel, und möglicherweise gehörst auch du zu diesen Globetrottern, die sich gerne und überall, im Ausland dann wohlgemerkt, zum Kaffee und auch zum Essen danach einladen lassen, oder sich gar mit kleinen Geschenken beschenken lassen. Leider gibt es jede Menge Landsleute, die dies nur allzu gerne tun, natürlich nur, um nicht unhöflich zu sein, das ist klar. Ich behaupte allerdings, an erster Stelle deswegen, weil die Wahrscheinlichkeit, sich für die angenommenen Einladungen und Geschenke, wie es sich gehört, revanchieren zu müssen, gegen Null geht.

Das wird in der neuen Zeit anders sein, zum Teil ist es das bereits, und ich freue mich jetzt schon auf die vielen Begegnungen hier bei uns, wo jeder beweisen kann, dass er wirklich ein guter Gast ist, nichts weiter sind wir auf Erden, der weiß, was sich gehört, wenn man eine Einladung oder ein Geschenk angenommen hat, nämlich eine Gegeneinladung oder ein Gegengeschenk. Peinlich genug, darüber schreiben zu müssen, aber vielleicht ist die von Mutti ausgesprochene Einladung in diesem Sommer so zu verstehen.

22.12.2015

SPENDEN OHNE GELD


Ich bin mir nicht sicher, was jetzt schlimmer ist, Leute, die nichts Gutes tun, oder Leute, die Gutes tun, um darüber zu berichten, tendiere aber zu letzteren. Am Schlimmsten sind auf jeden Fall die, die Feuer geben oder den Weg weisen bereits als gute Tat ansehen, und dies der Welt auch noch wissen lassen. Für sie gibt es jetzt verschiedene Apps zum runterladen, mit denen sie ohne selbst Geld auszugeben spenden können, beispielsweise indem sie Fragen beantworten, sich GPS-tracken lassen oder Werbung ansehen. Keine Sorge, auch dieser Tip ist völlig umsonst, es genügt vollkommen, wenn du uns von Berichten über deine guten Taten verschonst.

DIE WELT, WIE WIR SIE KENNEN


"Es fällt mir von Tag zu Tag schwerer, auf dem Niveau meines blauen Porzellans zu leben." Oscar Wilde

Die Welt, wie wir sie kennen, das sind Jobs, von denen man leben kann, bezahlbare Mieten, öffentliche Transportmittel, die halbwegs nach Fahrplan fahren, Ärzte, die alle gleich behandeln, Behörden, bei denen man einen Termin bekommt und Renten, von denen man überleben kann. Ich weiß, genau genommen gibt es diese Welt schon heute nicht mehr, zumindest in der Realität. In unserer Vorstellung allerdings, da existiert diese "Welt von gestern" aber durchaus noch. Das ist nur menschlich, denn wer verschlechtert sich schon gerne. Verbessern? Ja! Aber bitte sehr keinen Abstieg.

Das blöde ist, dass ein Abstieg oftmals anstrengender ist als ein Aufstieg, dafür aber schneller vonstatten geht. Wer schon mal im Gebirge wandern war, weiß das. Das schöne an der gegenwärtigen Situation ist, dass immer mehr Menschen zu begreifen beginnen, dass genau diese alte Welt, die wir alle kannten, ein für alle mal Geschichte ist. Schön meine ich dabei gar nicht provokativ - ganz im Gegenteil. Ich denke wirklich, dass es schön ist, die Welt etwas klarer zu sehen, auch damit die Enttäuschung später nicht zu groß ist, denn eine Enttäuschung ist immer auch das Ende einer Täuschung.

Sicherlich, für viele, die heute noch Party machen, mag das hart sein. Keine Frage. Aber keine Party dauert ewig. Bisher konnte man sein Gewissen bequem damit beruhigen, dass man Probleme am anderen Ende der Welt löste. Das brauchen wir nun nicht mehr, denn die Probleme stehen bereits direkt vor unserer Haustür, und das finde ich gut. Das mag sich gemein anhören, ist es aber nicht. Ich denke, dass uns eine höchst interessante Zeit bevorsteht. Eine Zeit, in der sicher geglaubte Gewissheiten sich als Wunschträume herausstellen werden, aber auch eine Zeit, in der sich jeder von uns bewähren kann, viele zum ersten Mal in ihrem Leben. Das ist auch die Wahrheit.

Was da helfen kann? Gute Frage! Ich denke, ein Blick zurück kann nicht schaden. Du brauchst dabei gar nicht so weit zurückgehen. Ins letzte Jahrhundert reicht vollkommen aus. Da sind eine Vielzahl von Ländern, Reiche oder gar Imperien untergegangen, wo sich noch bis zum Vorabend des Untergangs kaum jemand vorstellen wollte, dass dies passieren könne. Mehr, als vorbereitet zu sein, kann man allerdings nicht tun. Immerhin erspart es einem später das ewige "Wenn ich das gewusst hätte ..." Das hält nur auf und stört beim Neuanfang. Ein Rat, der uns heute gerne gegeben wird, scheint allerdings wirklich richtig zu sein: Du musst flexibel sein!

Foto&Text TaxiBerlin

21.12.2015

"BESSER KOMMEN SIE NICHT WEG!"


"Besser kommen Sie nicht weg!" ist keine Taxiwerbung, sondern die Aufschrift auf dem Flughafenbus am Baden-Airport in Rheinmünster, in dem nicht irgendwer sitzt, sondern abgeschobene Asylbewerber.

Proteste gegen die derzeit vermehrt stattfindenden Abschiebungen scheint es bisher nicht zu geben, was vermutlich an Weihnachten liegt, wo bekanntlich viele Nichtbetroffene "nach Hause" fahren.

PS: Ist vielleicht dieses Szenario mit "Wir schaffen das!" gemeint?

BERLINER WOHNUNGSMARKT


immer prekärer

Bei mir im Kiez ist es eng geworden in den letzten Jahren. Praktisch jeden Tag sehe ich hier neue Gesichter. Keine Ahnung, wo die alle herkommen. Die meisten haben, leider muss man sagen, die Absicht zu bleiben. Leider deswegen, weil es genau die sind, die mich immer so ansehen, als wäre ich hier der Neue. Scheint irgendwie eine neue Sitte (besser Unsitte) zu sein. Andererseits stimmt es auch (irgendwie), denn auch ich bin für sie neu. Auf jeden Fall wird es immer schwieriger, bei mir im Kiez eine Wohnung zu finden, weswegen die ersten sich bereits mit einem Keller zufrieden geben. Gerne würde ich meinen zur Verfügung stellen, nur leider habe ich keinen, weil die Keller in unserem Haus feucht sind, was übersetzt in die Sprache von heute bedeutet: Hier herrscht Sanierungsbedarf, um genau zu sein: Luxussanierungsbedarf! Dann bin auch ich weg (vermutlich in irgendeinem Loch) und die Neuen endlich unter sich.

PS: Ist nur 'ne Kleinigkeit, aber trotzdem wichtig. In Berlin sagt man nicht "ich gehe auf den Kiez", sondern "ich lebe in meinem Kiez".

PSPS: Was man auch in Berlin sagt, ist, "sie gehen mir auf den Keks".

Foto&Text TaxiBerlin

20.12.2015

JAHRESENDZEITGEDANKEN


Das Jahr neigt sich dem Ende zu, die ersten "Berliner" sind "nach Hause" gefahren und das Jahresend-Party-Gesockse noch nicht eingetroffen - Zeit also, sich einmal über die eigene Endlichkeit Gedanken zu machen. Hat man die Hälfte seines Lebens hinter sich, nähert man sich, wenn man Glück hat, langsam dem Kern seiner Persönlichkeit. Das mag sich für viele spät anhören, was es zweifellos ist, und liegt in der Regel daran, dass die meisten von uns etwas länger brauchen, um sich von ihrer Kindheit zu erholen.

Diese Erholungsphase findet, traurig aber wahr, erst mit dem Tod ihren Abschluss. Sich dabei dem Kern seiner Persönlichkeit zu nähern, stellt man sich vielleicht am besten so vor, dass man versucht, das Päckchen, das ein jeder von uns mit sich rumträgt, irgendwie klein zu kriegen, beispielsweise indem man das, was sich da in dem Päckchen drin befindet, einer Überprüfung unterzieht, und den Ballast, den man nicht braucht, abwirft.

Das strengt an, keine Frage, und Spaß macht es auch nicht, auch das ist wahr. Um ganz ehrlich zu sein, ist es oft ziemlich unangenehm, manchmal regelrecht eklig. Immerhin hat es den Vorteil, dass man, allerdings auch wieder nur wenn man Glück hat, irgendwann nichts mehr mit sich rumträgt, was alleine deswegen wichtig ist, weil man nichts mitnehmen kann.

Text TaxiBerlin

19.12.2015

SEX IM TAXI oder WAS ICH MIR WERT BIN


Pünktlich zum Fest der Liebe mache ich mir so meine Gedanken, was wohl wäre, wenn jemand einen erfahrenden Taxifahrer für Sex im Taxi suchen würde. Es gibt schon einige solcher Filmchen zum Beispiel mit Taxis in Prag, London und Manchester. Wen das jetzt interessieren sollte, kann gerne mal im Internet nachschauen. Ich persönlich grüble viel über solche Fragen nach: "Was wäre, wenn ...", auch weil ich bei mir im Taxi viel Zeit habe, aber nicht nur dafür.

Um ehrlich zu sein, ist es ein Kindheitstraum von mir, rumzukommen und dabei mit vielen Frauen (versteht sich!) zu schlafen, denn genau darum geht es im Leben. Das wusste auch Jean-Louis Trintignant, der in "Das wilde Schaf" genau aus diesem Grund seinen Job in der Bank von einem Moment auf den anderen aufgab. Ich selbst stelle mir in dem Zusammenhang aktuell die Frage, wie viel ich mir dabei wert bin, also ab welchen Stundenlohn ich sozusagen "aufspringen" würde. Dazu muss man wissen, dass männliche Darsteller in diesem Business grundsätzlich immer schlechter bezahlt werden als weibliche.

Das ist natürlich nicht fair, möglicherweise sogar männerfeindlich, aber wohl nicht zu ändern, und auf jeden Fall die Wahrheit. Auch deswegen beginne ich bei meinen Überlegungen mit dem Mindestlohn, welcher bekanntlich bei 8,50 Euro die Stunde liegt. Da ich den Mindestlohn im Moment mit durchschnittlich 15 Minuten Arbeit und 1,36 Fahrten pro Stunde erreiche, ich also aktuell 45 Minuten pro Stunde für mich habe, kommt der Mindestlohn für mich als potentieller Pornodarsteller nicht in Frage, denn Sex ist ein Fulltime-Job, wer schon einmal welchen hatte, der weiß das.

(Da fällt mir gerade Andrew Zimmern ein, der mich als kulinarischen Guide für Berlin haben wollte, und wofür er mich auch sehr gut bezahlen wollte, woraus aus bekannten Gründen aber nichts werden konnte. Der Buschfunk berichtete neulich, dass Andrew dem Kollegen, der für mich eingesprungen ist, 20 Euro die Stunde gezahlt hätte, womit der alles andere als zufrieden gewesen sein soll, weswegen mir der Kollege auch ein klein wenig leid tut.)

Was wäre nun für mich eine angemessene und gute Bezahlung für diesen Fulltime-Job, den man mir zwar noch nicht angeboten hat, auf den ich aber vorbereitet sein möchte, auch weil ich, das wird mir jetzt, wo ich darüber schreibe, immer klarer, mein Leben lang auf ihn hingearbeitet habe, und weswegen es, wenn ich's mir recht überlege, regelrecht peinlich ist, dass ich, wo es fast zu spät ist für den Job, meinen eigenen Wert nicht in Euro und Cent beziffern kann, aber so sieht es ehrlicherweise aus bei mir. Auch das ist die Wahrheit.

PS: Nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen habe, denke ich, dass ich am Anfang wohl mit 20 Euro die Stunde leben könnte, allerdings ohne Taxi (das kostet extra!) und garantiert nur für den Anfang.

PSPS: Natürlich sind 20 Euro pro Stunde viel zu wenig, das weiß auch ich. Du darfst aber nicht vergessen, dass ich nicht mehr der jüngste bin (obwohl der Darsteller/Taxifahrer in London etwa mein Alter sein dürfte, und ich darüber hinaus Quereinsteiger und Newcomer [sic!].

18.12.2015

"NEBEN DER WIRTSCHAFTSLAGE KÖNNTE AUCH DIE WAHRNEHMUNG VON KINDERN ZUR HOHEN GEBURTENRATE BEITRAGEN."


"Neben der Wirtschaftslage könnte auch die Wahrnehmung von Kindern zur hohen Geburtenrate beitragen" ist der Untertitel dieses Artikels in der Süddeutschen, der sich damit beschäftigt, dass im vergangenen Jahr wieder mehr Kinder geboren wurden, über den ich, also den Untertitel, seit Tagen nachdenke, und den ich einfach nicht verstehe, vielleicht nicht verstehen will.

Das mit der Wirtschaft ist denke ich klar, da wird auch niemand widersprechen, Wirtschaft ist immer gut, ob das jetzt die Wirtschaft ist, wo man sein Bier trinkt, oder die Volkswirtschaft, das macht dabei keinen Unterschied. Hauptsache sie wurde noch nicht ausgelagert, denn was nützt der beste Service, wenn das Bier im Glas und die Wurst auf dem Teller fehlen.

Nur mit der "Wahrnehmung von Kindern", damit weiß ich nichts anzufangen. Ist damit gemeint, dass Kinder bisher nicht oder nicht genügend wahrgenommen wurden, wo doch alleine das Kinderkriegen heute bereits ein Event ist, bei dem es allerdings nicht um das Kind geht, das ist auch wahr. Immerhin sind Männer nicht daran Schuld, dass sie keine Kinder kriegen, obwohl man auch da nicht sicher sein kann, weiß man doch nicht, was Gender-Mainstreaming dazu sagt.

Aber sehen wir uns die Zahlen an. Sie besagen, dass ausnahmsweise der Osten beim Kinderkriegen vorne liegt. Wer hätte das gedacht? Aber nicht nur das! Das reproduktivste Bundesland ist ausgerechnet auch noch Sachsen, allen voran Dresden mit 1175 Geburten je 100000 Einwohner, wo der Rest des Landes sicher war, die können nur Pegida. Vielen wird es jetzt ähnlich gehen wie mir mit dem Untertitel: Man versteht es einfach nicht.

Möglicherweise liegt es daran, dass die verkehrten Fragen gestellt werden. Sicherlich, es gibt keine dummen Fragen, sondern nur dumme Antworten, das heißt aber nicht automatisch, dass es keine verkehrten Fragen gäbe. Auch wenn ich nicht weiß, was an dieser Stelle die richtige Frage ist, versuche ich eine zu stellen: Ist das jetzt eine gute Nachricht, dass die Geburtenrate gestiegen ist, oder eher eine schlechte? Ich meine, alleine wenn wir uns den Wohnungsmarkt mal ansehen ...

Foto&Text TaxiBerlin

17.12.2015

"DIE STRASSE - MEINE UNIVERSITÄT" (TEIL ZWEI)


Als Taxifahrer fühle ich mich allen Menschen verbunden, die auf der Straße ihr Geld verdienen, egal ob das Prostituierte, Straßenmusiker, Bettler oder, wie in diesem Fall, Straßenverkäufer sind. Die Rede ist vom 62 Jahre alten Giorgos Dimou, der, weil er Maronen ohne Lizenz verkauft hat, nicht nur sechs Monate ins Gefängnis muss, wenn er dies noch einmal versuchen sollte, sondern darüber hinaus 10.000 Euro Strafe aufgebrummt bekommen hat. Dass die Geschichte letzten Freitag in Griechenland passiert ist, spielt dabei nur eine Nebenrolle.

Ich habe ähnliches auch schon in meiner Auszeit auf dem Balkan erlebt, wo immerhin vier Polizisten, nicht zwölf wie bei Giorgos in Griechenland, eine alte klapprige Gemüseverkäuferin aufforderten, ihre Sachen einzupacken, die vor ihr auf einer kleinen Decke lagen. Es waren Kräuter, ein paar Tomaten und Gurken, vermutlich von ihrem Balkon, durch deren Verkauf am Straßenrand sie ihre bescheidene Rente aufbessern wollte. Sie hatte, im Vergleich zu Giorgos, Glück, denn mit dem Einpacken der Ware hatte es sich für die Beamten erledigt, es folgte kein Prozess und auch keine Strafe.

Sicherlich, es geht hier um Klein- oder besser um Kleinstbeträge, wenngleich nicht für Giogos in Griechenland und auch nicht für die Alte in der Auszeit. Dass ein Staat deswegen einen solchen Aufwand betreibt (was hätten die zwölf oder auch nur vier Beamten in dieser Zeit für große Fische fangen können), beweist einmal mehr, dass wir, wenn man so will, in einer Diktatur leben, und zwar der des Geldes, in der es aber nicht, wie einige hofften, ums große Geld in Palästen oder Banken geht, sondern an erster Stelle um die Einschüchterung des kleinen Mannes und auch der kleinen Frau auf der Straße.

PS: Giorgos soll übrigens, das nur nebenbei, bei seiner Verhaftung ohnmächtig geworden sein, was sein Bürgermeister lapidar mit "Der Händler sollte einen Job im Theater bekommen" kommentierte.

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KLISCHEE UND KRITIK


Die Verwendung eines Klischees, beispielsweise in einem Text, ist per se etwas schlechtes, das werden Kritiker nicht müde zu wiederholen, wobei natürlich auch sie wissen, dass das Klischee eine innovative Vorstellung ist, von der behauptet wird, dass sie veraltet sei. In der Praxis findet allerdings nie eine Überprüfung statt, ob eine innovative Vorstellung wirklich veraltet ist oder nicht, die Entscheidung darüber trifft der Mainstream, und der hieß zuletzt Political Correctness.

Die Political Correctness ist nun, wenn man so will, Schnee von gestern. Wir befinden uns in einer Zeit des Übergangs, inoffiziell auch Post Political Correctness genannt, wobei viele noch nicht wissen, wohin die Reise genau gehen soll. Das sage ich als jemand, der sich mit Übergängen, und nicht nur denen für Fußgänger, auskennt, aber auch als nicht bekennender Anhänger Buddhas, nach dessen Lehre das Leben nicht nur Leiden sondern auch Veränderung bedeutet.

Wenn ich noch vor einiger Zeit davon ausging, dass der Political Correctness zwangsläufig die Hypocrisy, also die Heuchelei, folgen würde, bin ich mir da heute nicht mehr so sicher, und zwar aus dem einfachen Grund, weil es Heuchler immer und überall gab, und meistens waren sie sogar in der Mehrheit, weswegen es übertrieben wäre, nach ihnen jetzt gleich eine ganze Epoche zu benennen.

Um ehrlich zu sein, weiß auch ich nicht genau, was der Political Correctness folgen wird, möglicherweise wird diese, also unsere Zeit, in der Tat ganz offiziell als Post Political Correctness in die Geschichtsschreibung eingehen, wobei man auch da wiederum vorsichtig sein muss, denn Geschichte findet bekanntlich immer zweimal statt: zuerst als Tragödie und dann noch einmal als Farce.

Was ich sagen kann, ist, dass ich eine ungefähre Vorstellung davon habe, wie es im Post Political Correctness laufen könnte. Nehmen wir das Beispiel mit den Kritikern, die ungeprüft entscheiden, ob eine innovative Vorstellung veraltet ist oder nicht, und deswegen bei ihnen immer ein Klischee ist. So lief das in den Zeiten des Political Correctness. Heute, im Post Political Correctness, wird nun das Verhalten der Kritiker, etwas ungeprüft zum Klischee zu erklären, selbst zum Klischee, mit dem Unterschied, dass es geprüft ist.

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15.12.2015

ICH SCHLAFE MIT JEDER FRAU, DIE ICH SEHE


Zu diesem Titel und natürlich auch zu diesem Beitrag komme ich, weil ich mich frage, wie wohl die Antwort auf die so genannte "Scharia-Polizei" aussehen könnte, die ganz legal durch Wuppertal patrouilliert, deren Initiator Sven Lau aktuell verhaftet worden ist, und zwar wegen dem "Verdacht auf Unterstützung einer terroristischen Vereinigung", womit aber nicht die "Scharia-Polizei" gemeint ist, die ist wie gesagt legal, sondern die Terrororganisation "Dschaisch al-Muhadschirin wal-Ansar" (Jamwa) in Syrien.

Auch ich bin, wer mich kennt, der weiß das, ein leidenschaftlicher "Hass-Prediger", der seine Fahrgäste im Taxi vom falschen Weg abbringen möchte, den man auch den "Glauben an Geld" nennt, und wozu gehört, alles und immer über Geld zu definieren, an erster Stelle Erfolg und Misserfolg, letztendlich aber sämtliche sozialen und auch asozialen Kontakte, die jeder halt so hat, bis hin zu den sexuellen, die entweder verheimlicht weil bezahlt werden müssen, oder eben verleugnet weil nicht ausgelebt werden können.

Die Aussage "Ich will mit jeder Frau schlafen, die ich sehe" könnte vom Kollegen TaxiMetrow stammen, aber natürlich auch von mir, wobei ich dazu sagen muss, dass es durchaus Frauen gibt, mit denen ich nicht unbedingt schlafen möchte, was nicht nur ungerecht, sondern in gewisser Weise auch frauenfeindlich ist, und worauf TaxiMetrow wohl antworten würde, dass es keine hässlichen Frauen gibt, sondern nur ein zu wenig an Alkohol, eine balkanische Lebensweisheit zwar, die uns aber in Nordeuropa nicht weiter hilft.

Nordeuropa deswegen, weil die Aussage "Ich will mit jeder Frau schlafen, die ich sehe" vom Schwedischen Autor Karl Ove Knausgard stammt, der deswegen in seiner Heimat mächtig angefeindet wurde, natürlich von Gender&Co, wie sollte es anders sein. Man warf ihm vor, "misogyn" zu sein, was frauenfeindlich bedeutet, was den Autor von "Mein Kampf" verständlicherweise wütend machte, was uns aber an dieser Stelle nicht weiter interessieren soll, weil es das private, man kann auch sagen Luxusproblem, von Karl Ove Knausgard ist.

Mir geht es in diesem Beitrag um die Antwort auf die so genannte "Scharia-Polizei", die so aussehen wird, dass auch ich mir, genauso wie sie, Warn-Westen machen lasse, allerdings gelbe und keine orangen, und zwar mit der Aufschrift "Ich schlafe mit fast jeder Frau, die ich sehe", was der Wahrheit entspricht, und was ganz und gar nicht frauenfeindlich ist, sondern ganz im Gegenteil frauenfreundlich und auch ein großes Kompliment, da musst du nur mal ein paar Frauen fragen - natürlich die richtigen. Das ist die Wahrheit.

"DAS SAGT TAXIMETROW DAZU ... " (EINE SERIE)


Meine neuen Serie "Das sagt TaxiMetrow dazu ..." ist eine in unregelmäßigen Abständen erscheinende Kolumne des Kollegen TaxiMetrow vom Balkan, genauer gesagt aus der bulgarischen Hauptstadt Sofia, der seit Neuestes auf unseren Straßen unterwegs ist, allerdings als Fahrgastzähler und nicht als Fahrgastbeförderer, aber jeder fängt eben mal klein an.

Dass TaxiMetrow "nur" Fahrgastzähler und kein Fahrgastbeförderer ist, hat zur Folge, dass er weniger Zeit als ein Fahrgastbeförderer zum Nachdenken hat, was daran liegt, dass es mehr Fahrgäste zu Zählen als zu Befördern gibt, das ist leider auch die Wahrheit, weshalb er, TaxiMetrow, der als Mann vom Balkan aber sowieso alles weiß, schneller auf den Punkt kommt, was heute viel zu selten der Fall ist.

Wenn ich sage, dass TaxiMetrow alles weiß, dann meine ich das auch, und nicht, dass er nur denken würde, dass er alles weiß, was zugegebenermaßen weit verbreitet ist heutzutage, aber gar nicht TaxiMetrow sein Ding ist, was wiederum an erster Stelle mit seiner Herkunft vom Balkan zu tun hat, aber auch damit, dass er, wie gesagt, als Fahrgastzähler gar nicht die Zeit zum Denken hat, im Gegensatz zu uns Fahrgastbeförderern

Es war neulich, als ich TaxiMetrow mal wieder traf, auf der Straße, wo sonst, er beim Zählen, ich beim Befördern, genau genommen pausierte ich gerade mal wieder, und zwar zwischen der letzten und der nächsten Beförderung, nicht so TaxiMetrow, der mit den Daumen auf etwas drauf drückte, das er verschlossen, so dass ich es nicht sehen konnte, in seinen Händen hielt, was seine beiden Zählcomputer waren, wie er mir verriet.

TaxiMetrow zählt die Fahrgäste also mit seinen Daumen, weswegen er sprechen kann bei der Arbeit, denken muss er wie gesagt deswegen nicht, weil er sowieso alles weiß, beispielsweise über den Hass, der sich wie jedes Jahr vor Weihnachten breit macht, weswegen Weihnachten auch so gefährlich ist, wie eigentlich alle Familienfeste, aber Weihnachten ganz besonders, weil da alle und alles zusammenkommt, so TaxiMetrow.

Der Hass an sich sei ein ganz normales menschliches Gefühl, meint TaxiMetrow, und den Menschen, die behaupten, ihn nicht zu kennen, ist sowieso nicht zu trauen, die nach außen hin die nettesten sind, sind in Wahrheit die gefährlichsten, deren Mördergruben sind die größten, das sei schon immer so gewesen, das wird auch immer so sein, das ist eben auch menschlich, findet TaxiMetrow.

Gegen den Hass hilft nur eins, da ist sich TaxiMetrow sicher, während seine Daumen zärtlich auf die Zählcomputer drücken, die er in den Fäusten seiner beiden Hände hält, und sie ist auch nicht neu, die Liebe, die heute nur noch "gemacht" wird, wenn überhaupt, obwohl Weihnachten das "Fest der Liebe" heißt, an dem "zu lieben" also eigentlich das wichtigste wäre, das sagt TaxiMetrow dazu ...

Text TaxiMetrow & TaxiBerlin

14.12.2015

ENDLICH ZU HAUSE


Ohne Taxi-Schein

Es muss daran gelegen haben, dass mein Wochenrhythmus genau entgegengesetzt dem "normalen" ist, dass ich mich ausgerechnet Freitagabend im Bürgeramt einschließen lassen habe, und zwar wegen meinem Taxi-Schein, der verlängert werden muss, der ein oder andere erinnert sich, und gar nicht auf dem Schirm hatte, dass die Beamten vom Bürgeramt am Samstag nicht, so wie ich, arbeiten.

Mal abgesehen von diesem "kleinen" Missgeschick kann ich nichts Negatives über das Bürgeramt sagen, sowohl die Sitze als auch die Beleuchtung sind für einen gemütserhellenden Schlafentzug bestens geeignet, man ist alleine, was sowieso das wichtigste ist, es gibt keine schlechte Musik, geraucht wird nicht, dafür gibt es Toiletten, sogar ohne zu bezahlen, und man kommt, genauso wie im Taxi, zum Lesen, was ja irgendwie aus der Mode gekommen zu sein scheint.

Mein Plan, heute morgen nun vor den Terminkunden mein Anliegen, immer noch die Verlängerung meines Taxi-Scheins, vorzutragen, ging leider in die Hose, was daran lag, dass die Terminkunden allesamt pünktlich waren, dafür die Beamten zu spät kamen und natürlich mit Ausfällen, wie das an einem Montagmorgen eben so normal ist.

So habe ich zwar immer noch keinen verlängerten Taxi-Schein, genau genommen nicht mal einen neuen Termin, sondern immer noch nur den am 5.Februar um 12:10 Uhr, dafür habe ich drei Bücher gelesen und ein halbes geschrieben, so gesehen war das Wochenende im Bürgeramt für mich ein voller Erfolg. Alles andere wäre gelogen.

Zu Hause wurde ich zum Glück auch nicht vermisst, das hätte mir noch gefehlt, nach einem solchen Wochenende nach Hause zu kommen und erstmal Rechenschaft ablegen müssen, wo man war und was man da gemacht hat, was einem sowieso keiner glaubt, du sicherlich auch nicht, und doch ist alles wahr, oder zumindest fast.

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13.12.2015

"ICH BIN HIER, WEIL ICH HIER HINGEHÖR"


Schaf mit Glocke / Auszeit-Geschenk

"Ich bin hier, weil ich hier hingehör" lautet die erste Zeile des Liedes, dass gerade die Stimme einer jungen Frau bei mir im Radio anstimmt. Ich bin mir nicht sicher, ob es ernst gemeint oder eine Parodie ist. Ich entscheide mich für die Parodie und schalte das Radio aus. Zum Glück habe ich das Schaf mit dem Glöckchen (Foto), das man mir in der Auszeit für solche Fälle geschenkt hat, immer bei mir im Taxi dabei.

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12.12.2015

DIE ANGST VOR DEM GESCHRIEBENEN WORT


Die Angst vor dem geschriebenen Wort gibt es wirklich, es ist keine eingebildete Krankheit und sie heißt auch nicht Stenophobie - Stenophobie ist etwas anderes. Dass kaum noch jemand die Angst vor dem geschriebenen Wort kennt, liegt daran, dass heute jeder alles sagen und auch schreiben kann, was aber niemanden interessiert, weil es nie so gemeint ist, wie es gesagt oder geschrieben war, was den Vorteil hat, dass man ganz offen über die Gründe für die Angst vor dem geschriebenen Wort sprechen und auch schreiben kann, die nicht in den Genen liegen, wie bei manch anderer Krankheit, sondern in unserer Natur, und dort vor allem an der Faulheit und Feigheit ängstlicher und schwächlicher Charaktere. Das ist die Wahrheit.

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11.12.2015

"IS MIR EGAL" - BALD AUCH IM TAXI


"Wir lieben dich so, wie du bist" ist, wenn ich es richtig verstanden habe, die Message dieses Clips, aber nur, wenn du Geld hast, so viel Zeit muss sein. Noch gibt es den Film nur als Werbung für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), aber bald, Erfolg vorausgesetzt, was heute möglichst viele Likes & Klicks sind, alles virtuell, versteht sich, wird es ihn auch für Berliner Taxis geben, finanziert natürlich nicht von den Taxiverbänden, und auch nicht von der Flughafengesellschaft, sondern, wie es aussieht, vom Mann des Jahres Kalanick und UBER.

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ALLE JAHRE WIEDER: DAS WORT DES JAHRES


"Flüchtlinge" ist das Wort des Jahres 2015, das ist keine Überraschung, komisch ist nur, dass keiner einen von ihnen, von denen es einige gibt, persönlich kennt, oder kennst du einen? aber nicht nur aus dem Internet! Und wer kennt jemanden persönlich, der einen Flüchtling bei sich aufgenommen hat wie Sarah Connor, was jetzt jeder weiß, aber keiner wissen sollte, weil Sarah nicht wollte, dass es jemand weiß, was auch irgendwie komisch ist, ich meine jetzt, dass es ausgerechnet Sarah Connor ist, die mehr als einen Flüchtling persönlich kennt und bei sich aufgenommen hat.

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10.12.2015

ALLE JAHRE WIEDER ... (EINE FORTSETZUNG)


Toiletten aus dem ff.

Ich habe jetzt mal in Ruhe nachgerechnet: also wenn ich am 5. Februar um 12:10 Uhr meinen Termin habe, und die 12 Wochen brauchen um meinen P-Schein zu verlängern, dann bekomme ich, wenn ich richtig gerechnet habe, meinen verlängerten P-Schein Anfang Mai, womit ich absolut kein Problem hätte, wenn mein alter P-Schein nicht Anfang April ablaufen würde, ich mir also, wenn ich im April arbeiten will, irgendetwas einfallen lassen muss.

Ich könnte, das ist naheliegend, auf Kosten der Gemeinschaft leben, denn die ist daran schuld, dass ich nicht arbeiten kann, schließlich halte ich mich an die vorgegebene Frist, ich bekomme bloß keinen Termin, was wiederum der Grund sein wird, dass das mit den Transferleistungen nichts wird, denn dafür braucht man auch einen Termin, und den gibt es bekanntlich nicht - ein Teufelskreis.

Ich könnte natürlich auch meinen Chef fragen, ob er mir nicht meinen P-Schein verlängert, was auf dem Balkan absolut kein Problem wäre, aber hier im kalten Berlin werde ich mich wohl im Bürgeramt einschließen lassen müssen, damit ich früh der erste im Warteraum bin, bevor die ganzen Terminkunden kommen. Immerhin Toiletten scheint es dort genug zu geben, und zwar "in der 1. Etage im Flur zu den Zimmern 1601 ff." Ob das nun "auswendig" oder "fortfahrend" heißt, kriege ich schon noch raus - Zeit genug habe ich.

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ALLE JAHRE WIEDER ...


Von der Essenmarke zur Wartemarke ...

Alle Jahre wieder, genau genommen alle fünf Jahre, früher waren es mal drei, muss der Taxi-Schein, auch P-Schein genannt, wobei das P für die Personenbeförderung steht, verlängert werden. Die zuständige Behörde in der Putkamer Straße in Kreuzberg empfiehlt, dies zwölf Wochen vor Ablauf zu beantragen, was bei mir Anfang Januar ist, ich das aber immer "zwischen den Jahren" erledige, weil die Ämter dann traditionell leer sind, weil alle "nach hause" gefahren sind.

Da es mit Terminen auf den Berliner Ämtern, wie wir alle wissen, im Moment eher mau aussieht, habe ich nun schon heute versucht, einen Termin für Anfang Januar zu machen, wozu man heutzutage ins Internet gehen muss, um dort festzustellen, dass es in Berlin überhaupt keine freien Termine gibt, und zwar bis April nächsten Jahres, weswegen ich gleich direkt in der Putkamer angerufen habe.

Dort ging, zum Glück muss man sagen, keiner ran, zum Glück deswegen, weil man in der Putkamer, die zwar sowohl für die Führer- als auch für die P-Scheine zuständig ist, kein Führungszeugnis, das man zur Verlängerung des P-Scheins benötigt, beantragen kann, das kann man nur im Bürgeramt, weswegen mir ein Termin in der Putkamer, selbst wenn ich ihn telefonisch hätte machen können, nichts genutzt hätte, weil ich kein Führungszeugnis habe, wofür ich erst einmal einen Termin im Bürgeramt brauche.

Zum Glück gibt es die 115, die man anrufen kann, wenn man etwas vom Bürgeramt will, wo auch gleich, oder zumindest bald, jemand ranging, es war eine Frau mit einer recht angenehmen Stimme, die mir aber auch nur das sagen konnte, was ich bereits wusste, und zwar aus dem Internet, nämlich dass es derzeit keinen einzigen freien Termin in einem der zahlreichen Berliner Bürgerämter gibt.

Jetzt brauchte ich erstmal frische Luft, was liegt da näher als ein kleiner Spaziergang, und zwar direkt zum Bürgeramt um die Ecke, das heute immerhin bis 18 Uhr geöffnet hat. Es war 16 Uhr, natürlich Rushhour, weswegen ich mich über die eine Stunde Wartezeit auch nicht beklage, denn warten habe ich im Taxi zur Genüge gelernt.

Die Stunde hat sich, das muss ich sagen, auf jeden Fall gelohnt, denn ich nenne nun eine Wartemarke mein Eigen. Genau genommen ist es ein Termin, und zwar für den 5. Februar 2016 um 12:10 Uhr.

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"DURCH DIE NACHT MIT ... " (EINE SERIE)


Die Serie "Durch die Nacht mit ... " ist für einen Nachtfahrer wie mich, wenn man so will, Pflichtprogramm. Ein Höhepunkt, wenn nicht gar der Höhepunkt der Serie, ist zweifellos die Sendung mit Michele Houellebecq. Da man aber nirgendwo mit dem Höhepunkt anfängt, empfehle ich hier, sozusagen als Vorspiel, den Teil mit Christoph Schlingensief und Michel Friedman.

Der Beitrag wurde in Frankfurt am Main gedreht, und zwar vor, ich denke das darf man verraten, der sogenannten "Friedman-Affaire". Wichtig an dieser Information sind Zweierlei: 1. Michel Friedman ist im wortwörtlichen Sinne in seinem Wohnzimmer und 2. darüber hinaus möglicherweise auf Koks, letzteres kann allerdings nur vermutet werden.

Aber beginnen wir mit Christoph Schlingensief, von dem ich auch nie ein großer Fan war, und spätestens nach diesem Film, weiß ich warum, wobei man sagen muss, dass gegen die "volle Dröhnung" Michel Friedman bei sich zu Hause auch schwer anzukommen ist. Trotzdem ist der "Aktionskünstler", der zugegeben kaum zu Wort kommt, eine Enttäuschung.

Dass Christoph Schlingensief nicht zu Wort kommt, liegt, wie sollte es anders sein, an seinem Gegenüber Michel Friedman. Nervig ist dabei nicht, was sondern wie Michel Friedman etwas sagt, und am nervigsten ist die falsche Nähe, die er versucht durch sein ständiges, man kann schon sagen "Angetatschte", herzustellen.

Zwei Fragen stellen sich nach dem Film: Welche Rolle spielt Hannelore Elsner in der Dokumentation? Noch interessanter wäre zu erfahren, ob es Christoph Schlingensief genauso ging wie einigen meiner Fahrgäste, denn selbstverständlich schaue ich mir so etwas nicht alleine an, und zwar ob er nach dem Film auch das dringende Bedürfnis hatte sich zu reinigen?

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09.12.2015

UBER-GRÜNDER KALANICK - PERSON DES JAHRES


Spätestens jetzt wird ein jeder von uns auf's Neue überlegen, ob es nicht doch besser ist, die Seite zu wechseln, bevor es zu spät ist, nachdem die TIMES Uber-Gründer Travis Kalanick zur Person des Jahres 2015 gewählt hat, er somit zu dem auserwählten Kreis von Hitler (1938), Stalin (1939 & 1942) und jetzt auch Mutti (2015) gehört, die es dort allesamt auf Platz eins geschafft haben, und Kalanick  ("Ein Arschloch namens Taxi") immerhin auf Platz sechs.

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VON MUTTI UND DEM SINN


Es soll immer noch Leute geben, die wirklich glauben, dass Mutti plötzlich emotional geworden wäre, wo Mutti nie emotional war, sondern immer nur ihr Fähnchen berechnend in den Wind gehängt hat, und sicherlich hat Mutti, davon darf man ausgehen, in Sachen Flüchtlinge mit einem ähnlichen Effekt wie nach Fukushima gerechnet, wo sie kurzerhand alle Atomkraftwerke abschalten ließ. Möglicherweise hat Mutti aber auch ganz anders gerechnet, und zwar dass Mutti "ihre" Kinder immer weniger werden, was bekannt ist, und dass es viel zu kompliziert wäre, nach den Gründen dafür zu fragen, weil es hierzulande ein hohes "Gut" ist, dass man Kinder machen lässt, was sie wollen; und dass es da viel einfacher ist, als sich mit der Frage zu beschäftigen, warum sich "Muttis" Kinder nicht mit dem Kinder machen beschäftigen, die Kinder einfach von anderen machen zu lassen, was dazu auch nur folgerichtig ist, jetzt endlich auch die Reproduktion auszulagern, nachdem die Produktion bereits vor Jahren ausgelagert worden ist - Stichwort: Dienstleistungsgesellschaft.

Niemand von uns weiß, was bei Mutti für Kräfte wirken, auch wenn sie selbst integer scheint und sich nicht wie Christian, Muttis alter Präsident, sich überall selbst bedient; was aber nicht bedeutet, dass alles, was Mutti tut, auch integer ist, denn es gibt einige wenige, die bald von den vielen billigen Arbeitskräften profitieren werden, aber auch viele, die es schwerer haben werden auf dem Arbeitsmarkt. Zu den letzteren gehören gering qualifizierte wie Putzkräfte und vermutlich auch Taxifahrer, auch wenn der Sinn diese nicht explizit genannt hat; auf jeden Fall können sich alle freuen, die billige Arbeitskräfte suchen, wozu weder du noch ich gehören, ganz im Gegenteil; aber der Sinn geht noch weiter, er denkt schon mal laut darüber nach, den Mindestlohn zu kippen, und der Sinn ist nicht irgendwer, er ist immerhin Präsident - der neue von Mutti.

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WAS MICH AM MEISTEN NERVT


Neulich wurde ich von Fahrgästen gefragt, was mich am meisten nerven würde, und ich musste gar nicht überlegen, denn es sind nicht die Fahrgäste, und auch nicht ihre Fragen, sondern es ist der Verkehr, um genau zu sein, die vielen Ampeln, und um ganz genau zu sein, die vielen roten Ampeln, wobei ich mich frage, wer auf diese saublöde Idee mit dem Rot gekommen ist, das bekanntlich aggressiv macht, sonst würde das mit dem Stierkampf ja gar nicht funktionieren, und weswegen ich mich auch oft fühle wie ein Stier, obwohl der ja eher wütend und weniger genervt ist, und mir jetzt, wo ich das schreibe, so langsam klar wird, was mir da noch bevorsteht ...

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08.12.2015

SYRISCHE PÄSSE KAUFT MAN AUCH IM TAXI


Die Lügen-Presse wusste, wie sollte es anders sein, wieder nur die halbe Wahrheit. Syrische Pässe verkauft man nicht nur am Kiosk, sondern auch im Taxi. Dort sind sie zwar geringfügig teurer, das ist auch wahr, aber dafür werden sie einem schließlich auch gebracht.

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07.12.2015

DAS WEIHNACHTSGESCHENK


Eigentlich war diese Edeka-Werbung, wo der Vater und Großvater seinen eigenen Tod fingiert, um seine Familie mal wieder zu sehen, schon extrem gut. Wer hätte gedacht, dass sie noch zu toppen wäre? Aber es ist möglich, und zwar wenn es um die Frage geht, was denn das passende Weihnachtsgeschenk für alle Väter und Großväter ist - und nicht nur für sie.

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06.12.2015

AUF DEM FLUGHAFEN TEMPELHOF? SIND DA NICHT FLÜCHTLINGE?


Gutes tun kann so nah sein

Unter den im ehemaligen Flughafen Tempelhof untergebrachten Flüchtlingen gibt es jede Menge Kinder, um die man sich hätte kümmern können. Manchmal muss man nicht, wie gestern behauptet, um die Ecke gehen, um Gutes zu tun. Nein, manchmal muss man, um Gutes zu tun, nicht mal rausgehen, wie am gestrigen Abend bei der Großen Gala der Heuchelei, die im selben Gebäude stattfand. Ob das der Grund ist, dass in diesem Jahr die Rekordsumme von fast 19 Millionen Euro zusammenkam? Ich weiß es nicht. Ich bin lieber zum Artemis gefahren, wo es noch vergleichsweise ehrlich zugeht.

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05.12.2015

GUTES TUN oder WAS FÜR'N AUFWAND


Der Deutsche, ich als halber darf das sagen, ist dazu verdammt, Gutes zu tun, das ist nichts Neues, auch und gerade zur Weihnachtszeit. In der Regel nutzt dieses vermeintliche Gutes tun niemandem etwas, außer dem, der vorgibt es zu tun. Es ist, wenn man so will, ein moderner Ablasshandel, bei dem die Menschen, denen angeblich geholfen werden soll, bisher weit weg wohnten. Jetzt leben sie unter uns, neben uns, mit uns, und die Leute spenden immer noch ihr blödes Geld oder schreiben aufgeregte Artikel darüber, dass keiner was tut, obwohl sie einfach nur mal raus und um die Ecke gehen bräuchten, wenn sie wirklich Gutes tun wollten, und das alles nur, um sich selber besser zu fühlen. Was für'n Aufwand!

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BASTI WILL BUMSEN


Dinge, die wir lieben

Basti wollte bumsen, insofern war sein Anliegen klar. Am besten in der Nähe und natürlich sofort. Kosten sollte es nach Möglichkeit nichts, aber eklig durfte es auch nicht sein. Jetzt wurde es langsam schwierig, um fünf Uhr in der Frühe das passende für Basti, der aus Köln kommt, nach eigenen Angaben nicht schwul ist, wegen irgendeinem Schlagerfuzzi in der Stadt weilt und im Adlon am Pariser Platz direkt neben dem Brandenburger Tor wohnt, zu finden.

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04.12.2015

ÜBERLEGUNGEN ZUM WOCHENENDE IM TAXI


Egal, was oder wen man mitnimmt ...

Würde ein Ausserirdischer auf die Erde schauen, ginge es ihm wahrscheinlich wie uns Menschen, wenn wir auf einen Ameisenhaufen blicken. Er würde sehen, was wir sehen: Ein uns unverständliches Gewusel. Es gibt allerdings einen Unterschied: Das Gewusel der Ameise hat seinen Sinn, auch wenn wir Menschen ihn nicht sofort verstehen. Unser Gewusel dagegen ist in der Regel, sieht man von wenigen Ausnahmen ab, absolut sinnlos.

Unser Gewusel dient einzig und allein der Verbreitung unnötiger Unruhe. Mobilität an sich ist nicht verkehrt. Die Ameisen, die durch ihr Gewusel ein Gemeinwesen begründen und dabei noch für Ordnung sorgen, beweisen es. Wir sorgen mit unserer so genannten Mobilität neben Hektik und Stress nur noch für Dreck, von der Zerstörung unserer Lebensgrundlage gar nicht zu reden.

Am liebsten würde ich mich wie die Ameise durch ihren Staat durch meine Stadt wuseln, dabei mitnehmen, was und wen ich will; und eben nicht wie eine Kugel im Flipperautomat fremdbestimmt von Menschenhand ständig von einer Bande zur nächsten gejagt zu werden. Das ist nämlich auch völlig sinnlos.

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03.12.2015

WARUM ICH TAXI FAHRE


Die meiste Zeit zum Glück alleine

Nun bin ich schon so lange auf der Straße unterwegs und weiß ehrlich gesagt immer noch nicht so recht, warum eigentlich. Sicherlich, ich muss nicht in irgendein dummes Büro und auch in keine blöde Fabrik. Bei mir steht auch kein Chef mit der Uhr. Ich bin sogar draußen unterwegs und trotzdem vom Wetter geschützt - irgendwie.

Ich sehe, wie die Stadt sich verändert und auch die Menschen, wenngleich nicht zu ihrem Vorteil. Aber immerhin haben sie ein Ziel, dem sie hinterherlaufen, oder zumindest so tun. Ich habe ständig neue Ziele, mal ist es Charlottenburg, mal ist es Mitte. Es sind aber auch nicht meine Ziele, sondern immer die der anderen.

Immerhin bezahlen sie mich. Aber nicht für die Beförderung, das wird mir immer klarer. Sie bezahlen mich dafür, dass ich sie ertrage. Sie und ihre dummen Sprüche, ihren schlechten Geschmack, ihre Oberflächlichkeit, auch ihren Sarkasmus und sogar ihren Zynismus.

Ich weiß, Sarkasmus und Zynismus sind wichtig heutzutage, vielleicht sind sie sogar das wichtigste. Aber sie strengen eben auch an. Und nicht nur das Opfer, sondern auch den Täter. Wer wüsste das besser als ich, der sich im Moment mit diesen Zeilen quält?!

Zum Glück bin ich im Taxi die meiste Zeit alleine, und wenn ich nicht alleine bin, läuft die Uhr, oder besser das Taxameter, was, wenn ich's mir recht überlege, das beste am Taxifahren ist: Die laufende Uhr, die natürlich immer zu langsam läuft, aber immerhin.

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01.12.2015

"DIE STRASSE - MEINE UNIVERSITÄT" (TEIL I)




Wie gestern angekündigt, beschäftige ich mich in meiner neuen Serie "Die Straße - meine Universität" vorzugsweise mit Büchern, die ich im Taxi gelesen habe. Den Anfang macht heute "Anmerkungen zu Hitler" von Sebastian Haffner, der nicht nur bedauert, dass viele Jüngere rein gar nichts mehr über die Person Hitler wissen, was sich, das ist wiederum meine Erfahrung, oftmals  darin ausdrückt, dass sie schon alles über Hitler wüssten, und, was noch schlimmer ist, viele Deutsche sich nicht mehr trauen, Patrioten zu sein, was deswegen schlimm ist, weil diese Leute nicht wissen, wie sehr sie damit Hitlers letzten Willen erfüllen, so Haffner.

Wer wissen will, wieso sie damit Hitlers letzten Willen erfüllen, muss "Anmerkungen zu Hitler" von Sebastian Haffner lesen. Wer wissen will, was das mit uns im Hier und Heute zu tun hat, warum unsere sogenannte "Willkommenskultur" verlogen ist und was wir tun können, der sollte sich obigen Podcast anhören.

Stimme&Text TaxiBerlin

"ALLES WAR MÖGLICH, WENN SIE SONNE SCHIEN"




Auch in West-Berlin war, wie später in Ganz-Berlin, alles möglich, allerdings nur wenn die Sonne schien. Heute, das ist bekannt, ist in Berlin, sieht man mal vom ewigen "Party machen" und dem ... hmm ... gähn ... Verzeihung ... "chillen danach" ab, nichts mehr möglich, was vor allem daran liegt, dass kaum noch die Sonne scheint, die uns allen hier in den Neunzigern geradezu aus dem Arsch schien. Auch deswegen, aber nicht nur, ist "West-Berlin" von Lüül & Band ein toller Song und eine schöne Erinnerung an eine großartige Zeit.

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"DIE STRASSE - MEINE UNIVERSITÄT" (EINE SERIE)




"Die Straße - meine Universität" ist zugegeben ein etwas  plakativer Titel, und trotzdem entspricht er der Wahrheit, zumindest meiner. Der heutige Beitrag ist nur ein Anfang, dem weitere folgen werden, bei denen es, so viel kann ich verraten, vor allem um Bücher gehen wird, aber nicht nur. Dranbleiben lohnt sich auf jedem Fall.

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30.11.2015

"HILF DEINER POLIZEI - SCHLAG' DICH SELBST!"



Manchmal findet man was wichtiges, wo man es nie vermutet hätte; das kommt öfter vor, als man denkt. Ob man "Ich hab Polizei" von "Polizistensohn" deswegen gleich auf sein Smartphone laden soll, oder doch besser, so wie früher, sich selber schlägt, kann ich nicht sagen - ich hab' kein Smartphone. Möglicherweise ist es ganz gut, das Video bei sich zu haben, insbesondere wenn man gerade irgendwo am Arsch ist und auf die Bullen warten muss. Ich weiß es aber nicht genau ...

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29.11.2015

"IN WELCHEN ABZOCKERLADEN WOLLEN WIR?"


Bahnhof Friedrichstraße / früher Mitte / heute Neue Mitte

Das nennt man ein Luxusproblem, und zwar ein ernstes, dass das Paar aus Hamburg hatte, das mir am Ku'damm ins Taxi gesprungen war, und sich nicht zwischen "Borchardt", "Fischers Fritz" und "Bocca di Bacco" entscheiden konnte. (Alles Läden, für den, der sie nicht kennt, wo man ohne Goldene Kreditkarte nicht bedient wird.) Zum Glück war alles eine Richtung und auch nicht weit vom Bahnhof Friedrichstraße, weswegen ich, falls sie sich nicht entscheiden könnten, und damit sie auch nicht "vom Fleisch fallen", das dortige "Fish & Chips" empfahl, was allerdings den Nachteil hat, dass es kein Abzockerladen ist.

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28.11.2015

ALS WENN FAHRRADFAHRER AN SICH NICHT SCHON GENUG NERVEN ...


Ernst-Reuter-Platz / früher Charlottenburg
heute Charlottenburg-Wilmersdorf

Als wenn Fahrradfahrer an sich nicht schon genug nerven, wenn sie aus kleinlicher Sorge um ihre Reifen nicht auf dem Radweg sondern auf der Straße fahren, das ganze natürlich ohne Licht, dafür mit Kopfhörern, damit sich andere auch mal um sie sorgen, was ihnen aber an Sorge nicht ausreicht, weswegen sie zusätzlich monatlich mindestens noch ein Fahrradkorso und in diesem Korso den Ernst-Reuter-Platz hundertfach umrundend auf "kritische Masse" machen.

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27.11.2015

DIE RENTE IST SO SICHER WIE UBER MIT GUTEN KONDITIONEN


"Schwarzes Brett" / Flughafen Tegel (TXL) / "Pilotenbude"

Wer sagte gleich nochmal "Die Rente ist sicher!" und wann? Es war 1986 und es war Norbert Blühm, der das sagte, immerhin Münchhausen-Preisträger des Jahres 2000. Das war sozusagen die erste Rentenlüge, über die heute nicht nur Norbert Blühm lacht, sondern jeder, der halbwegs bis drei zählen kann.

Die Antwort auf Blühm war Riester, genauer die Riester-Rente, die aber niemand macht. Ich auch nicht! Warum macht nun niemand die Riester-Rente? Auf den ersten Blick, weil man Riester nicht vertraut, weil Blühm schon gelogen hat. Das ist aber nur die Oberfläche. Die Wahrheit liegt tiefer. Die Wahrheit ist die zweite Rentenlüge.

Die meisten machen keine Riester-Rente, weil die Lücke, die sie schließt, im Moment der Sozialstaat schließt. Die Logik ist dabei folgende: Warum soll ich heute sparen, wenn ich es morgen vom Staat bekomme? Das klingt sehr einfach, aber auch sehr überzeugend.

Nun ist es aber so, dass immer weniger ihrer eigenen Logik vertrauen. Das ist einerseits logisch und auch menschlich, andrerseits aber auch verlogen, und zwar deswegen, weil dieselben Leute nach außen hin immer noch an den Sozialstaat glauben, im geheimen aber bereits ihre asozialen Hände nach Alternativen ausfahren, in der Regel irgendein Erbe, und das vor dem "Erblassen" des Erblassers.

Musst du mal drauf achten!

Foto&Text TaxiBerlin

26.11.2015

VOM SELBSTGESPRÄCH ZUM PODCAST



Hier spricht TaxiBerlin - eine freie Stimme der mobilen Welt

Seit mehr als zwanzig Jahren bin ich nun auf der Straße zu Hause, genauso lange führe ich dort Selbstgespräche, genauer: im Taxi auf ihr. Ich weiß, die meisten rennen in einem solchen Fall zum Arzt oder gar zum Psychologen, aber für viele ist die Straße auch keine Universität, wie für mich. Man kann viel von der Straße lernen, denn die Straße weiß alles, was wichtig ist im Leben. Das ist die Wahrheit.

Am besten lernt man durch Wiederholung, was leider etwas in Vergessenheit geraten ist. Eine Möglichkeit der Wiederholung, wenn nicht sogar die effektivste, ist das Selbstgespräch. Dazu hat man im Taxi mehr als genug Zeit. Aber nicht nur das! Auch Zuhörer finden regelmäßig ins Taxi, und einige wenige taugen sogar dazu, dass aus einem Monolog ein Dialog wird. Aber das ist die Ausnahme.

Unabhängig davon, ob aus dem Monolog ein Dialog wird, ist es an sich keine Überraschung, dass aus einem Selbstgespräch ein Podcast wird. Überraschend ist nur, dass es so lange gedauert hat. Ein Podcast auf Basis eines Selbstgesprächs ist, das dürfte klar sein, frei gesprochen. Es gibt kein Skript, kein Netz und keinen doppelten Boden. Es kommt, wie es kommt, oder es kommt eben nichts. Auch das kommt vor.

Wenn etwas kommt, wie es kommt, heißt das aber nicht, dass es keinen Zusammenhang oder gar keinen Sinn hat. Das nicht! In meinem obigen Podcast beschäftige ich mich mit drei Themen, denen ich mich am vergangenen Wochenende mittels Selbstgespräch von verschiedenen Seiten genähert habe. Wer Geschichten, die mit "Stieg mir gestern einer ein ..." beginnen, sucht, ist hier definitiv verkehrt.

Als erstes beschäftige ich mich in meinem Podcast mit dem Kollegen "Michel", ausgesprochen: "Mischel", weil er Franzose ist, dessen letztes Buch genau am Tag der Pariser Attentate im Januar erschien, und der sich jetzt in einem Zeitungsartikel mit den aktuellen Attentaten vom 13. November auseinandersetzt. Leider ist der Artikel nicht ins Deutsche übersetzt, aber immerhin kommentiert.

Sowohl die Süddeutsche als auch der Stern schreiben, dass "Mischel" pöbeln würde, was wohl heißen soll, dass er ein Pöbel ist, und was ein Vorgeschmack darauf ist, was uns allen bevorsteht, weswegen ich den ersten Teil meines Podcasts "Auch ich - ein Pöbel!" nenne, sozusagen als persönlichen Vorgriff auf das, was da auf uns zukommt.

Der zweite Teil trägt die Überschrift "Ich mache mir Sorgen, Mutti!", wo ich die Frage, die hoffentlich noch erlaubt ist, nach Muttis Plan stelle, den ich nicht finden kann, und der, auch das hoffentlich nicht zuviel verlangt, Muttis "Wir schaffen das!" doch eigentlich folgen müsste, auch um einmal zu wissen, was genau geschafft werden soll.

Der dritte und letzte Teil des Podcasts trägt den Titel "So kann's nicht funktionieren!" oder auch "Das wird nix!", und dreht sich auch um eine Frau, allerdings bei mir im Taxi, wenngleich keine Mutti, und die wohl auch keine Mutti werden wird, einfach weil ihr dazu das wichtigste fehlt, was auch gleichzeitig das wichtigste ist, worum es im Leben geht. Geld, so viel kann ich verraten, ist nicht gemeint.

Viel Spaß beim Hören!

Stimme&Text TaxiBerlin