12.12.2014

DAS NEUE GOLDENE KALB


Niederbarnimstraße / Friedrichshain

Das Besondere an diesem Goldenen Kalb ist nicht, dass es nicht aus Gold ist, sondern dass es sich (noch) direkt gegenüber vom geschlossenen Antiquariat befindet, wo früher die Bücher auf die Waage kamen, und wo wohl bald ein Szene-Café drin sein wird. Besonders ist es aber vor allem deswegen, weil im "Szene-Bezirk" der Tanz ums "Goldene Kalb" Tag für Tag und auch Nacht für Nacht auf's Neue vollführt wird. Am Tage im Wohneigentum, oder eben in den Mietwohnungen, nachdem die alten Vermieter vertrieben wurden. Und Nachts in den Bars und Clubs des "Szene-Bezirks".

Auf den ersten Blick scheinen die einen mit den anderen nichts zu tun zu haben, also die Kinder der Nacht in den Bars und Clubs nichts mit denen, die erst wohnen wollen, wo was los ist, dann aber dort ihre Ruhe brauchen. Dass es aber doch eine Verbindung gibt, genau das will uns der Künstler mit seinem Kunstwerk "Das Goldene Kalb" sagen, das gar kein "Goldenes Kalb", sondern ein "Grautier" mit Dollarzeichen im Fell, oder wie man früher gesagt hätte: eine "Graue Maus", ist.

Man versteht das ganz gut an der "Share Economy", der letzten Sau, die durchs weltweite Dorf getrieben wurde. Angeblich geht es da ums Teilen, wodurch Ressourcen gespart werden würden. Die Realität sieht anders aus. Sicherlich, im ersten Moment spart man Geld, wenn man sich keinen eigenen Wagen kauft, sondern ihn mit anderen teilen kann. Nur, was macht man mit dem gesparten Geld? Genau, eine Flugreise! Und auf dem Weg zum Flughafen staut man sich mit all den anderen, die auch beim Teilen ein paar €uro gespart haben.

Warum das so ist, ist nicht unbedingt sofort, aber doch nicht besonders schwer zu begreifen. Unsere Ökonomie ist auf Wachstum ausgelegt, und zwar egal ob man nun ums "Goldene Kalb" oder "nur" um das "Grautier" respektive der "Grauen Maus" tanzt. Im Stau sind dann plötzlich alle wieder gleich. Nur leider, so sagt die Erfahrung des langjährigen Taxifahrers, ist das oft nicht der richtige Moment, um zu realisieren, dass richtiges Teilen, man kann auch Nachhaltigkeit dazu sagen, wirklichen Verzicht bedeutet.

Foto&Text TaxiBerlin

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