26.11.2014

"WIDERSTAND IN MITTE UND TIERGARTEN"


Der etwas andere Stolperstein

Nachdem ich in der Vergangenheit eine Menge Spaß gemacht habe, nun zurück zum Ernst des Lebens. Wie bereits erwähnt, gehe ich nahezu täglich zum Studieren in den Untergrund, wo sich meine Bibliothek befindet. Dort fand ich heute obiges Buch, dass ich unbedingt haben musste. Das schöne an meiner Bibliothek ist, dass man jedes Buch für einen Euro auch mitnehmen und behalten darf.

Es handelt sich um Band 8 der Schriftenreihe über den Widerstand von 1933 bis 1945 in Mitte und Tiergarten von Hans-Rainer Sandvoß, herausgegeben von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Auf Seite zehn erfahre ich dort, dass es in keiner anderen Stadt so viele Menschen wie in Berlin gab (etwa 2000 bis 3000), die den Verstecke suchenden verfolgten Juden halfen.

Zwei- bis Dreitausend Berliner mag sich im ersten Moment wenig anhören, zumal Berlin damals ein paar mehr Einwohner hatte als heute. Aber es waren auch andere Zeiten. Das darf man bei der Geschichte nicht vergessen. Und wirklich mutige Menschen gibt es immer nur sehr wenige. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die meisten Menschen sind immer nur Mitläufer.

Bis heute geistern Begriffe wie "Tätervolk" und "Kollektivschuld" durch die Gazetten unseres Landes. Mir ist nicht ganz klar, warum? Man muss nicht besonders klug sein, um zu sehen, dass Schuld immer individuell ist. Wer Schuld aber auch noch auf die nächsten Generationen übertragen will, der macht nichts anderes wie die wirklichen Täter von damals. Sie nannten es "Sippenhaft".

Mir kam es immer komisch vor, dass ich von Oskar Schindler ausgerechnet aus einem Hollywoodfilm erfahren musste. Mit der Schriftenreihe der Gedenkstätte Deutscher Widerstand ist es etwas anderes. Die ist sogar unentgeltlich und eigentlich nicht zum Verkauf bestimmt. Und trotzdem kennt sie kaum jemand. Vielleicht ist aber genau das der Grund. Denn, das ist meine Erfahrung, heute heißt für viele Leute "umsonst" automatisch "nichts Wert".

Nachtrag: Neben den wenigen wirklich mutigen Menschen gab es auch unter den Deutschen jede Menge Opfer. Wer mehr über sie erfahren möchte, und was das mit uns im hier und heute zu tun hat, dem empfehle ich "Die vergessene Generation" und "Die Erben der vergessenen Generation" von Sabine Bode.

Foto&Text TaxiBerlin

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