27.11.2014

WENN DIE WAHRHEIT ZWAR DER INHALT ABER NUR DER LINK IST ...


Coca Cola / aktuelle Werbung / Detail

Dass der Text oft klüger ist als sein Autor, ich schrieb das vor ein paar Tagen, ist zugegeben nicht von mir. So viel Zeit, aber vor allem so viel Ehrlichkeit muss sein. Ich habe mich da, das gebe ich gerne zu, bei einer Vorlesung in der Bauhaus Universität Weimar vom Oktober 2012 bedient. Wobei "bedient" nicht ganz das richtige Wort ist. Genau genommen habe ich sie für meine Leser "vorgehört", und das sogar mehrfach. Ich meine, wer hat heute noch Zeit, sich eine komplette Vorlesung von 2:22h anzuhören. Die Vorlesung hat übrigens den Titel "Das ist so Kult, dass es schon wieder Scheiße ist" (Zur Kritik keiner Kulturkritik), der Vortragende heißt Dr. Jürgen Kuttner, und wer jetzt Lust bekommen hat, sie "nachzuhören", kann dies gerne hier tun.

Doch zum eigentlichen Anliegen dieses Beitrags. Sicherlich, nicht nur ich, sondern auch der ein oder andere von Euch, haben es schon immer gewusst: Coca Cola schmeckt zwar irgendwie, hat aber eigentlich keinen Geschmack. Und mit genau dieser simplen Wahrheit wird das Produkt neuerdings beworben. Im ersten Moment dachte ich, dass das genau der von Kuttner beschriebene Fall ist, wo der Text mal wieder klüger ist als der Autor. Je mehr ich darüber nachdenke, desto unsicherer werde ich aber. Kann es vielleicht nicht auch so sein, dass, nachdem in der Politik schon ganze Wahlkampagnen erfolgreich waren, die überhaupt keinen Inhalt hatten, außer vielleicht ein mit zwei Händen gebildetes Herz; dieser nennen wir es mal Werbetrick somit verbraucht, und deswegen nun zur Abwechslung mal die Wahrheit der Inhalt ist? Ich meine, es kann doch durchaus möglich sein, dass danach (also jetzt!) plötzlich Werbeinhalte funktionieren, die schlichtweg unangenehme aber allseits bekannte Wahrheiten aussprechen, und die möglicherweise deswegen funktionieren, weil die Leute sich plötzlich alleine durch das Aussprechen verbunden fühlen, was ja immer das Wichtigste bei der Werbung ist, dass die Gefühle angesprochen werden, und dabei die Aussage komplett in den Hintergrund tritt, weil sie eben nur der Link zu den Gefühlen ist.

Foto&Text TaxiBerlin

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