23.11.2014

"BLEIBEN SIE SO WIE SIE SIND!"



Fenster mit Herz / aktuell und hinten rechts / mein Taxi

Dass ich beschuldigt wurde, in meinem Taxi eine Frau vergewaltigt zu haben, ich erwähnte das gestern, dürfte sechzehn/siebzehn Jahre her sein. Die Fahrt ging von der Kultulbrauerei im Prenzlauer Berg nach Köpenick. Eine lange Fahrt also, und die Trulla nutzte die Zeit, mir ausgiebig von ihrer Beziehung zu erzählen, mit der sie alles andere als zufrieden war. So weit ich mich erinnere, schlug ihr Freund sie regelmäßig.

In Köpenick angekommen, riet ich ihr dringend davon ab, in ihrem Zustand (sie hatte einiges getrunken) das letzte Stück mit ihrem eigenen Auto nach Hause zu fahren. Außerdem gab ich ihr noch meine Festnetznummer, Handy war damals noch die Ausnahme, für alle Fälle. Das muss gegen drei Uhr morgens gewesen sein.

Gegen elf klingeltet mich mein Telefon aus dem Schlaf. Am anderen Ende war eine angenehme klingende Frauenstimme, die sich als Kommissarin der Berliner Kriminalpolizei vorstellte, und die mich darüber informierte, dass die Frau das erste Mal gegen sechs da war, um mich anzuzeigen.

Daraufhin hatte sie bereits zwei Kollegen von der Kripo zu mir nach Hause geschickt, allerdings ohne Erfolg. Ich war noch unterwegs. Um zehn war die Trulla ein zweites Mal bei der Polizei. Diesmal erzählte sie die Wahrheit, und zwar, dass sie sich alles ausgedacht hatte. Sie wollte mit der Aktion ihren Freund, der sie wie gesagt schlug, eifersüchtig machen.

Vor dem Gespräch war ich noch etwas verpennt, jetzt wie vor den Kopf geschlagen. Ich fragte die Kommissarin, was ich machen kann, damit das nicht an mir hängen bleibt. Dazu konnte oder besser wollte sie mir nichts sagen. Was sie mir sagte, war aber auch OK: "Bleiben Sie so, wie sie sind!"

Foto&Text TaxiBerlin

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