30.11.2014

SCHRIPPE ODER TOILETTE


Von Edeka - supergeil

Letzte Nacht, das kann ich ohne Übertreibung sagen, war so gut wie Silvester. Ich schreibe das jetzt nicht, um irgendwie anzugeben, mich wichtig zu machen oder gar, weil ich über Geld schreiben will. Das überlasse ich gerne anderen. Ich schreibe das, weil ich die Nacht vorher wegen einem Geburtstag mit Lesung frei gemacht habe, und gestern problemlos die Freitagnacht mit einfahren konnte. Ich will jetzt nicht analysieren, warum das so war. Ich möchte nur, dass Du verstehst, dass man, wenn man überall in Berlin fährt, selbst als Fahrer mit Erfahrung sich mitunter erstmal orientieren muss, wo man gerade ist. Insbesondere dann, wenn man ein Tier im Fahrzeug hat, was einem nette Leute aus Staaken-Ost, was früher zu West-Berlin gehörte, geschenkt haben. Aber das ist eine andere Geschichte, über die ich morgen schreiben werde. Jetzt erstmal folgende:

Eigentlich war ich auf der Suche nach einem Klo. Kaum ausgestiegen, stellt sich plötzlich Hunger ein. Wie das eben manchmal so ist. Ich musste mich also ganz neu orientieren. Wo war ich eigentlich? Aha, Wedding, genau genommen Rathenower Ecke Perleberger. Neben der "Bum Bum Bar", die wegen dem WC in Frage gekommen wäre, gibt es einen Edeka, und dort gleich rechter Hand einen Bäcker. Es war kurz vor acht und auf dem Tresen waren etwa zehn Plastiktüten (Foto) aufgereiht. In jeder Tüte befanden sich zwei Brötchen, belegt mit Wurst und einem Salatblatt, soviel war zu erkennen.

Ich freute mich, dass die Frau hinterm Tresen bald Feierabend hat. Dem war aber nicht so. Der Bäcker schließt erst um elf, klärte mich die nette Verkäuferin auf. Aber was machen dann kurz vor acht die ganzen Plastiktüten auf dem Tresen? Die seien von heute früh und für die Alkis, vermutlich aus der "Bum Bum Bar" nebenan, was mir die junge Frau aber nicht bestätigen wollte. Immerhin wusste sie, was die Dinger kosten: Fünfzig Cent die Tüte! Die Sache war entschieden. Ich wusste, wo ich das Geld anlege, das eigentlich für's Klo gedacht war. Auf Toilette kann ich auch woanders gehen ...

Nachtrag: Wo ich überall schon auf Toilette war, darüber erfährt der interessierte Leser demnächst wieder mehr auf dieser Seite. Über die Brötchen kann ich nichts sagen. Die hab' ich bis jetzt nicht probiert.

Foto&Text TaxiBerlin

"UBER - SO ATTRAKTIV WIE FRACKING UND ATOMKRAFT"


And Think Twice

Der Titel ist leider nicht von mir, sondern von der Süddeutschen, und der Hinweis auf den dazugehörigen aktuellen Artikel kam auch von einem alten Freund auf den Kanaren. (Danke und Gruß aus dem kalten Berlin!) Ansonsten, das sagt die Erfahrung (beispielsweise auch bei der Einführung der Fünfzig-Cent-Regelung am Flughafen Tegel), bleibt alles beim Alten: Diejenigen, die heute am lautesten gegen die Konkurrenz aus dem Internet anschreien oder auch nur anschreiben, sitzen morgen als erster in einem Auto von Uber&Co, egal ob als Fahrer oder als Kunde. Einzige Voraussetzung: Die Kohle stimmt.

Foto&Text TaxiBerlin

29.11.2014

OH DU FRISCHE ...


Meine neue Jacke

Rot ist eigentlich nicht so meine Farbe. Das muss mit den Ampeln zusammenhängen. Aber nun steht Weihnachten vor der Tür, und was macht man nicht alles für seine Fahrgäste ...

Das mit der Frische, seit einiger Zeit dusche ich immer direkt vor dem Dienst, ist aber manchmal gar nicht so gut. Es gibt einfach zu viele Fahrgäste, die das nicht zu schätzen wissen. Also ich will mich jetzt wirklich nicht beklagen. Gott bewahre! Wo kommen wir denn da hin, wenn sich jetzt schon einfaches Servicepersonal beklagen darf. Andererseits leben wir, das wird zumindest immer behauptet, in einer Servicegesellschaft.

Persönlich habe ich nichts dagegen, in einer Servicegesellschaft zu leben. Ganz im Gegenteil! Ich finde Servicegesellschaft einfach nur geil, vorausgesetzt sie ist wirklich der große Gleichmacher im Sinne von Égalité. Nur, wenn alle gleich sind und alle sich beschweren dürfen, warum soll ich dann hinterm Berg halten?!

Also da gibt es die Fahrgäste, die im Taxi immer ihren Müll entsorgen. Gerne stopfen sie ihre benutzten Taschentücher in irgendwelche Spalten und Ritzen im Taxi oder lassen sie einfach auf den Boden fallen. Das ist aber harmlos. Da muss man nur aufpassen, dass man keinen direkten Kontakt zur Fahrgastrotze hat, und dafür gibt es an den meisten Tankstellen sogenannte "Diesel-Handschuhe" aus Plastik.

Schlimmer sind die Fahrgäste, die selber stinken wie die Pest. Das kommt öfter vor, als man denkt. Das muss nicht immer daran liegen, dass sie eine Ewigkeit nicht geduscht haben. Meistens kommen die nur aus irgendwelchen Löchern, wie bestimmte Clubs in der Fachsprache heißen, wo offensichtlich an der Belüftung gespart wird. In diesen Fällen ist es auf jeden Fall ein großer Fehler, das sage aus Erfahrung, wenn man selbst vorher geduscht hat.

Aber nicht etwa, weil ich gleich wieder schmutzig werde. Das werde ich sowieso, alleine schon wegen dem Geld, dass mir dort ständig zugesteckt wird. Nein, der Punkt ist ein anderer. Frisch geduscht nimmt man Gerüche ganz anders wahr. Wahrscheinlich weil man selbst in dem Moment nur minimale Ausdünstungen hat. (Möglicherweise gilt das aber nur für Nichtraucher.)

Ich hoffe, ich habe jetzt nicht zu viel verraten. Ich habe einfach mal geschrieben, wie mir der Schnabel gewachsen ist, wie man so schön sagt, und das kommt selbst im Taxi nicht immer gut an. Die raren Momente, wo es dann mal so ist, sind allerdings die schönsten ...

Foto&Text TaxiBerlin

28.11.2014

NEUER BERLINER U-BAHNHOF: ORIENT STATION


Müller- Ecke Schulstraße / früher Wedding / heute Neue Mitte

Eine kleine Überraschung ist es schon, dass der U-Bahnhof am Leopold, und nicht der am Hermannplatz, neuerdings ORIENT STATION heißt. Die größere Überraschung ist aber, dass das überhaupt möglich ist, weil es bekanntlich eine Frauenquote für alle Berliner Straßen, Plätze und auch U-Bahnhöfe bei Umbenennungen gibt, und DER Orient nunmal eindeutig männlich ist. Vielleicht liegt es daran, dass DIE Station wiederum weiblich ist. Nimmt man beides zusammen, also DER Orient und DIE Station, ist ORIENT STATION ganz und gar ein Zwitter, was die Umbenennung möglicherweise vereinfachte.

Foto&Text TaxiBerlin

"ANMERKUNGEN ZU HITLER"


von Sebastian Haffner

Wenn ich über den Widerstand von 1933 bis 1945 schreibe, dann muss ich auch etwas zu Hitler schreiben. Auch ich gehörte zu denen, die der Meinung sind, sie wüssten schon alles über ihn. Neulich wurde ich beim täglichen Studium in meiner Keller-Bibliothek eines besseren belehrt. Auch wenn das Buch des Berliners Sebastian Haffner "nur", je nach Ausgabe, 150 - 200 Seiten hat, so steckt in ihm mehr drin, als in vielen anderen Büchern, die ich über Hitler gelesen habe.

Ich will zwei Beispiele geben. Das erste betrifft die Form, und zwar die Aufteilung des Buches in die sieben Kapitel: Leben, Leistungen, Erfolge, Irrtümer, Fehler, Verbrechen und Verrat. Das zweite ist ein Zitat, genau genommen sind es die letzten Zeilen des Buches. Wer wissen will, warum diejenigen, die sich nicht mehr trauen, Patrioten zu sein, Hitlers letzten Willen erfüllen, der muss Haffner lesen.

Weniger gut ist, daß die Erinnerung an Hitler von den älteren Deutschen verdrängt ist und daß die meisten Jüngeren rein gar nichts von ihm wissen. Und noch weniger gut ist, daß viele Deutsche sich seit Hitler nicht mehr trauen, Patrioten zu sein. Denn die deutsche Geschichte ist mit Hitler nicht zu Ende. Wer das Gegenteil glaubt und sich womöglich darüber freut, weiß gar nicht, wie sehr er damit Hitlers letzten Willen erfüllt.

Zitat Sebastian Haffner
Foto&Text TaxiBerlin

27.11.2014

NOCHMAL NACHHALTIGKEIT


Wohnungstür (verschlossen)

Dass mir ausgerechnet Günter Grass beispringen würde, hätte ich mir auch nicht träumen lassen. Andererseits, es war auch eine ältere Dame, die mich in meiner Taxe darauf hinwies, dass Nachhaltigkeit Verzicht heißt. Ich hatte bereits an dieser Stelle darüber geschrieben. Der ein oder andere wird das nicht verstanden haben, was auch an mir lag, das gebe ich gerne zu, weil ich es nicht erklärt hatte. Das hat nun komischerweise Günter Grass für mich übernommen, indem er Zwangseinquartierungen für Flüchtlinge ins Spiel brachte.

Gut, man kann von Günter Grass halten, was man will. Zu meinen Lieblingsautoren gehört er definitiv nicht. Aber seine Idee finde ich gut. Einerseits, weil wirkliche Hilfe immer konkret und praktisch ist, und nicht nur theoretisch und abstrakt. Anderseits, weil das die Spreu vom Weizen trennt, also gute Menschen, die wirklich Gutes tun, von Gutmenschen, die die gute Tat immer an andere und am liebsten ans andere Ende der Welt mindestens aber der Stadt delegieren.

Foto&Text TaxiBerlin

NOCHMAL MINDESTLOHN UND NACHHALTIGKEIT


Angebot Hipster / aktuelle Werbung / Detail

Weil wir gerade beim Mindestlohn waren: Der Mindestlohn, der ab 1.Januar auch im Taxigewerbe gilt, wird dazu führen, dass bei den Arbeits- und insbesondere bei den Pausenzeiten im großen Stil geschummelt werden wird. Das liegt daran, dass die meisten Fahrer, insbesondere die am Tage fahren, keineswegs die knapp zwanzig Euro pro Stunde Umsatz einfahren, die nötig sind, soll ihnen der Arbeitgeber 8,50€/h zahlen und selbst nicht draufzahlen.

Um das zu wissen, muss man nicht Einstein sein. Nein, es genügt vollkommen, wenn man Eins und Eins zusammenzählen kann. Und wer daraus ein Geheimnis macht, wegen mir auch Betriebsgeheimnis, arbeitet nicht sauber, lügt anderen und sich selbst in die Tasche.

Mich persönlich betrifft das Problem nicht, weil ich in der Regel zwanzig Euro pro Stunde und mehr einfahre. Das liegt nicht nur daran, dass ich lange genug im Geschäft bin, deswegen überall in der Stadt fahren kann und nicht ständig zu der einen Taxihalte, die ich kenne, zurückfahren muss. Es liegt auch daran, dass ich dann Taxi fahre, wenn das Geschäft am besten und die Straßen am leersten sind, d.h. am Wochenende und Nachts.

Auch deswegen ist meine persönliche Meinung zum Mindestlohn für Taxifahrer eher gespalten. Als sozialer Mensch halte ich den Mindestlohn in einem reichen Land wie dem unseren für mehr als selbstverständlich. Andererseits ist das Taxigeschäft und der Mindestlohn für mich generell nicht miteinander vereinbar. Aber das ist nur meine persönliche Meinung.

Prinzipiell muss ich sagen, dass es von der Politik eine Riesensauerei ist, dem Taxigewerbe den Mindestlohn aufzudrücken, ohne vorher für die nötigen Rahmenbedingungen gesorgt zu haben. Die Politik hätte vorher dafür sorgen müssen, dass der Mindestlohn auch gezahlt werden kann, entweder indem sie den Tarif erhöht, oder die Anzahl der Taxen begrenzt. So macht die Politik aber nur Eins: Sowohl den Unternehmer als auch viele Fahrer zum Schummeln anstiften.

Zum Schluss sei mir die Frage gestattet, warum noch niemand auf die Idee gekommen ist, einfach allen Fahrern, egal wieviel Umsatz sie pro Stunde machen, ein und denselben Stundenlohn zu zahlen. Allen, die diesen Vorschlag jetzt für völlig bescheuert halten, möchte ich folgendes mit auf dem Weg geben, was mir eine ältere Dame neulich im Taxi gesagt hat: "Nachhaltigkeit heißt Verzicht!"

Foto&Text TaxiBerlin

DER HIPSTER UND DER MINDESTLOHN


Angebot Hipster / aktuelle Werbung / Detail

Dass der Hipster eigentlich nicht der Rede Wert ist, das wussten wir in Berlin schon lange. Dass er aber so billig zu haben ist, war dann doch eine kleine Überraschung. Befindet sich der Hipster vielleicht in einer Notlage, dass er sich so preiswert anbietet? Und was macht der Hipster im neuen Jahr, oder gilt für ihn nicht der Mindestlohn?

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WENN DIE WAHRHEIT ZWAR DER INHALT ABER NUR DER LINK IST ...


Coca Cola / aktuelle Werbung / Detail

Dass der Text oft klüger ist als sein Autor, ich schrieb das vor ein paar Tagen, ist zugegeben nicht von mir. So viel Zeit, aber vor allem so viel Ehrlichkeit muss sein. Ich habe mich da, das gebe ich gerne zu, bei einer Vorlesung in der Bauhaus Universität Weimar vom Oktober 2012 bedient. Wobei "bedient" nicht ganz das richtige Wort ist. Genau genommen habe ich sie für meine Leser "vorgehört", und das sogar mehrfach. Ich meine, wer hat heute noch Zeit, sich eine komplette Vorlesung von 2:22h anzuhören. Die Vorlesung hat übrigens den Titel "Das ist so Kult, dass es schon wieder Scheiße ist" (Zur Kritik keiner Kulturkritik), der Vortragende heißt Dr. Jürgen Kuttner, und wer jetzt Lust bekommen hat, sie "nachzuhören", kann dies gerne hier tun.

Doch zum eigentlichen Anliegen dieses Beitrags. Sicherlich, nicht nur ich, sondern auch der ein oder andere von Euch, haben es schon immer gewusst: Coca Cola schmeckt zwar irgendwie, hat aber eigentlich keinen Geschmack. Und mit genau dieser simplen Wahrheit wird das Produkt neuerdings beworben. Im ersten Moment dachte ich, dass das genau der von Kuttner beschriebene Fall ist, wo der Text mal wieder klüger ist als der Autor. Je mehr ich darüber nachdenke, desto unsicherer werde ich aber. Kann es vielleicht nicht auch so sein, dass, nachdem in der Politik schon ganze Wahlkampagnen erfolgreich waren, die überhaupt keinen Inhalt hatten, außer vielleicht ein mit zwei Händen gebildetes Herz; dieser nennen wir es mal Werbetrick somit verbraucht, und deswegen nun zur Abwechslung mal die Wahrheit der Inhalt ist? Ich meine, es kann doch durchaus möglich sein, dass danach (also jetzt!) plötzlich Werbeinhalte funktionieren, die schlichtweg unangenehme aber allseits bekannte Wahrheiten aussprechen, und die möglicherweise deswegen funktionieren, weil die Leute sich plötzlich alleine durch das Aussprechen verbunden fühlen, was ja immer das Wichtigste bei der Werbung ist, dass die Gefühle angesprochen werden, und dabei die Aussage komplett in den Hintergrund tritt, weil sie eben nur der Link zu den Gefühlen ist.

Foto&Text TaxiBerlin

26.11.2014

"WIDERSTAND IN MITTE UND TIERGARTEN"


Der etwas andere Stolperstein

Nachdem ich in der Vergangenheit eine Menge Spaß gemacht habe, nun zurück zum Ernst des Lebens. Wie bereits erwähnt, gehe ich nahezu täglich zum Studieren in den Untergrund, wo sich meine Bibliothek befindet. Dort fand ich heute obiges Buch, dass ich unbedingt haben musste. Das schöne an meiner Bibliothek ist, dass man jedes Buch für einen Euro auch mitnehmen und behalten darf.

Es handelt sich um Band 8 der Schriftenreihe über den Widerstand von 1933 bis 1945 in Mitte und Tiergarten von Hans-Rainer Sandvoß, herausgegeben von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Auf Seite zehn erfahre ich dort, dass es in keiner anderen Stadt so viele Menschen wie in Berlin gab (etwa 2000 bis 3000), die den Verstecke suchenden verfolgten Juden halfen.

Zwei- bis Dreitausend Berliner mag sich im ersten Moment wenig anhören, zumal Berlin damals ein paar mehr Einwohner hatte als heute. Aber es waren auch andere Zeiten. Das darf man bei der Geschichte nicht vergessen. Und wirklich mutige Menschen gibt es immer nur sehr wenige. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die meisten Menschen sind immer nur Mitläufer.

Bis heute geistern Begriffe wie "Tätervolk" und "Kollektivschuld" durch die Gazetten unseres Landes. Mir ist nicht ganz klar, warum? Man muss nicht besonders klug sein, um zu sehen, dass Schuld immer individuell ist. Wer Schuld aber auch noch auf die nächsten Generationen übertragen will, der macht nichts anderes wie die wirklichen Täter von damals. Sie nannten es "Sippenhaft".

Mir kam es immer komisch vor, dass ich von Oskar Schindler ausgerechnet aus einem Hollywoodfilm erfahren musste. Mit der Schriftenreihe der Gedenkstätte Deutscher Widerstand ist es etwas anderes. Die ist sogar unentgeltlich und eigentlich nicht zum Verkauf bestimmt. Und trotzdem kennt sie kaum jemand. Vielleicht ist aber genau das der Grund. Denn, das ist meine Erfahrung, heute heißt für viele Leute "umsonst" automatisch "nichts Wert".

Nachtrag: Neben den wenigen wirklich mutigen Menschen gab es auch unter den Deutschen jede Menge Opfer. Wer mehr über sie erfahren möchte, und was das mit uns im hier und heute zu tun hat, dem empfehle ich "Die vergessene Generation" und "Die Erben der vergessenen Generation" von Sabine Bode.

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HOFFNUNG FÜR TXL


Aeroflot-Werbung (Detail) in TXL

Es soll Kollegen, wohl eher "Kollegen", geben, die sich am Flughafen Tegel, wenn sie ihn denn finden, nicht zurechtfinden. Und das, obwohl TXL, wie von allen zu Recht gelobt, klein und übersichtlich ist. Ob es für sie Hoffnung gibt, den Flughafen, der eigentlich schon lange dicht gemacht haben soll, doch noch, wenn auch nur ansatzweise, zu verstehen, ist schwer zu sagen. Hoffnung gibt es, das verspricht zumindest die Werbung (Foto), auf jeden Fall für die Fluggäste von Aeroflot, und zwar in der Person der hübschen Flugbegleiterin Nadezhda, was auf deutsch Hoffnung heißt.

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25.11.2014

BERLIN BALD NUR NOCH ARM


Mehringdamm / früher Kreuzberg / heute Friedrichshain-Kreuzberg

Ich bin mir nicht sicher, ob diese bedauernswerte Entwicklung mit dem Rücktritt von unserem "arm aber  sexy" Bürgermeister am 11.Dezember zusammenhängt, oder ob es eine generelle Entwicklung in Richtung "Lustfeindlichkeit" ist. Natürlich bleibe ich am Thema dran, und nicht nur, weil es mich auch persönlich interessiert. Allerdings nur dann, wenn man mich auch ranlässt ...

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"LIEBE DEINEN NÄCHSTEN WIE DICH SELBST"


Greifenhagener Str. / früher Prenzlauer Berg / heute Pankow

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich mir wegen dem Graffito (Foto) Sorgen machen soll oder nicht. Immerhin lebe ich nicht nur in Deutschland, sondern auch noch in der deutschen Hauptstadt. Andererseits bin ich selbst nur halber Deutscher, und dazu jemand, der sich nicht gerne was vorschreiben lässt. Und als solcher halte ich es zumindest für problematisch, dass der Deutsche im allgemeinen sich selbst, na sagen wir mal, nicht leiden dürfen soll. Für problematisch halte ich es deswegen, weil mir nicht klar ist, wie er dann andere leiden können kann. Denkt man den Gedanken weiter, so ist es nicht verwunderlich, dass offensichtlich kaum einer Deutschland leiden kann. Man kann von anderen nichts verlangen, wozu man selbst nicht in der Lage ist. Aber das ist nur meine Meinung und auch ein alter Hut.

Um den Urheber des Graffitos (Foto) mache ich ich mir übrigens am wenigsten Sorgen. Sollte es irgendwann mit den Transferleistungen in unserem Land noch schlechter werden, wird's wohl nicht mehr für den teuren Marker reichen, der auch auf Regenrinnen schreibt.

Foto&Text TaxiBerlin

24.11.2014

STARTUP ÄRSCHE IN BERLIN


Werbung / Fahrradsattelüberzieher / Detail

Es kommt häufiger vor als Du denkst und betrifft nicht nur Startups in Berlin, wo die Message (Foto) sicherlich auf die meisten von ihnen zutrifft. Die Rede ist von dem Umstand, dass der Text oft klüger ist als der Autor respektive der Autorin, der/die in dem Fall wohl in irgendeiner Kreativbutze sitzt, vielleicht sogar auch in Berlin.

Nachtrag: Man kann das Ganze natürlich auch positiv sehen, und zwar dass "nur" Ärsche zu den Startups gehen - und keine Arschl***er.

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HOTEL ZU HAUSE IN BERLIN


Kleiststraße / früher Schöneberg / heute Tempelhof-Schöneberg

Dass es so lange dauert, bis ein kreativer Kopf, von denen es bekanntlich mehr als genug in Berlin gibt, auf diese einfache aber geniale Idee kommt, ist schon eine kleine Überraschung. Unsere Stadt ist schließlich voll von Menschen, und das bereits seit einer Ewigkeit, die regelmäßig nach Hause fahren müssen, obwohl sie, oft auch schon eine kleine Ewigkeit, hier zu Hause sein könnten und auch sollten, schließlich leben sie hier. Endlich können nun auch sie in Berlin zu Hause sein und müssen dazu nicht mehr nach Hause fahren, sondern nur in die Schöneberger Kleiststraße, und zwar Ecke Eisenacher. Leider sind, wie nicht anders zu erwarten, im Moment alle Zimmer belegt, was aber auch daran liegen kann, dass das Hotel zu Hause Berlin (noch?) billiger ist als nach Hause zu fahren ...

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BÄCKER IN BERLIN


Werbung an einer Tankstelle in Zehlendorf (Detail)

Bäcker in Berlin sind eine aussterbende Spezies. Gut, das ist jetzt nichts Neues. Alles hat eben seine Zeit - auch frühes Aufstehen. (Und selbst Berliner sind in Berlin seit einiger Zeit schwer zu finden.) Nur, manchmal ist es einfach auch besser, wenn man nicht so genau weiß, was einem aufgetischt wird ...

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23.11.2014

"BLEIBEN SIE SO WIE SIE SIND!"



Fenster mit Herz / aktuell und hinten rechts / mein Taxi

Dass ich beschuldigt wurde, in meinem Taxi eine Frau vergewaltigt zu haben, ich erwähnte das gestern, dürfte sechzehn/siebzehn Jahre her sein. Die Fahrt ging von der Kultulbrauerei im Prenzlauer Berg nach Köpenick. Eine lange Fahrt also, und die Trulla nutzte die Zeit, mir ausgiebig von ihrer Beziehung zu erzählen, mit der sie alles andere als zufrieden war. So weit ich mich erinnere, schlug ihr Freund sie regelmäßig.

In Köpenick angekommen, riet ich ihr dringend davon ab, in ihrem Zustand (sie hatte einiges getrunken) das letzte Stück mit ihrem eigenen Auto nach Hause zu fahren. Außerdem gab ich ihr noch meine Festnetznummer, Handy war damals noch die Ausnahme, für alle Fälle. Das muss gegen drei Uhr morgens gewesen sein.

Gegen elf klingeltet mich mein Telefon aus dem Schlaf. Am anderen Ende war eine angenehme klingende Frauenstimme, die sich als Kommissarin der Berliner Kriminalpolizei vorstellte, und die mich darüber informierte, dass die Frau das erste Mal gegen sechs da war, um mich anzuzeigen.

Daraufhin hatte sie bereits zwei Kollegen von der Kripo zu mir nach Hause geschickt, allerdings ohne Erfolg. Ich war noch unterwegs. Um zehn war die Trulla ein zweites Mal bei der Polizei. Diesmal erzählte sie die Wahrheit, und zwar, dass sie sich alles ausgedacht hatte. Sie wollte mit der Aktion ihren Freund, der sie wie gesagt schlug, eifersüchtig machen.

Vor dem Gespräch war ich noch etwas verpennt, jetzt wie vor den Kopf geschlagen. Ich fragte die Kommissarin, was ich machen kann, damit das nicht an mir hängen bleibt. Dazu konnte oder besser wollte sie mir nichts sagen. Was sie mir sagte, war aber auch OK: "Bleiben Sie so, wie sie sind!"

Foto&Text TaxiBerlin

22.11.2014

IM NAZI-TAXI VON DER NAZI-FIRMA oder SELIG SIND DIE TOURISTEN


Leider wahr

Um sie nicht misszuverstehen, fragte ich nach, ob das Fahrziel wirklich Kollwitzplatz im Prenzlauer Berg ist. Bei mir kam es als "Corrbitzsquare" an, auf den sie gefahren werden wollte. Sie brauche jetzt keine Nachhilfe in Grammatik, sie wäre immerhin schon zwölf Jahre in Berlin. Auch der Hinweis, dass das nichts extra kostet, überzeugte sie nicht. Gut, man muss das auch verstehen, kostenlos kennen die wahrscheinlich gar nicht mehr am Kollwitzplatz.

Als ich rechts blinkend in der Mollstraße in der Rechtsabbiegerspur stehe, weist sie mich darauf, dass ich hier rechts abbiegen muss. Ich weiß. Dasselbe Spiel beim Linksabbiegen in die Metzer. Ich erlaubte mir, sie darauf hinzuweisen, dass ich kein HiWi sondern 'ne Fachkraft bin, der den Prenzlauer Berg kennt. Das hätte ich besser nicht getan.

Jetzt begann sie mich wüst zu beschimpfen, ich wäre ein Nazi, und das Taxi ein Nazi-Taxi von einer Nazi-Firma. Am Kollwitzplatz angekommen, sprang sie mir, wie zu erwarten war, aus der Taxe, natürlich ohne zu bezahlen. Aber auch hier war sie verkehrt, denn just in dem Moment kamen vier Touristen vorbei, die gleich die Polizei riefen. Bevor die kam, hatte die Frau schon gezahlt und sich, weiterhin meine Firma, mein Taxi und mich beschimpfend, getrollt.

Nachtrag: Der ein oder andere wird sich erinnern, dass ich mich selbst gerne als den Taxi-Diktator von Berlin bezeichne. Ich muss mich also über solche Situationen nicht wundern, was ich auch nicht tue. Ganz im Gegenteil, ich bin gut vorbereitet, gerade auch nach meiner Auszeit. Andererseits kann man nicht vorsichtig genug sein. Man weiß nie, was eine verwirrte Frau alles für Geschichten erfindet, immerhin war ich alleine mit ihr im Taxi. In dem Fall hatte ich Glück. Und deswegen: Selig sind die Touristen!

Nachtrag zum Nachtrag: Eine Frau hat mich wirklich mal angezeigt, ich hätte sie im Taxi vergewaltigt. Ist viele Jahre her. Zum Schluss ist sie nochmal zur Polizei gegangen, hat die Anzeige zurückgezogen und zugegeben, dass sie sich die Geschichte "nur" ausgedacht hatte.

Foto&Text TaxiBerlin

"SIE FAHREN TAXI UND ICH HABE GELD."


Immer gut, im Taxi zu haben ...


Als er das sagte, stimmte die Aussage auf jeden Fall. Ich fuhr Taxi und er hatte das Geld, um mich zu bezahlen. Geld habe er aber mehr als das, und zwar mehr als genug. Er habe geerbt, was ihm aber peinlich war, was ich verstand. Das Geld, was er geerbt habe, wäre ihm aber nicht peinlich. Und das verstand ich nicht. Er offensichtlich auch nicht, weswegen er vom Thema mit der Frage ablenkte, wie die Frage gewesen wäre. Welche Frage? Na auf seine Antwort! Ich hatte keine Frage gestellt. Doch, war er sich sicher, sonst hätte er sie doch nicht beantworten können. Gut, wenn er darauf besteht. Ich will kein Spielverderber sein. Pünktlich beim Bezahlen fiel ihm die Frage ein: "Und, was machen wir heute noch?"?!?

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21.11.2014

"DER IST GENAUSO BEKLOPPT WIE ICH!"


Motto des Monats

Das mit dem Görlitzer Park dürfte sich bald erledigt haben, zumindest für mich. Mein bisheriger Chef macht seinen Laden in Neukölln dicht. Er hat einfach kein Bock mehr, was ich mehr als verstehen kann. Ich habe ihn vor drei/vier Jahren in meinem Taxi, damals fuhr ich noch für eine andere Firma, kennengelernt und bald darauf bei ihm angefangen, auch weil ich ihn als Mensch sehr sympathisch fand. Das blieb er auch bis zum Schluss, was nicht unbedingt selbstverständlich ist.

Verkaufen wird er seine Taxi-Flotte übrigens an seinen ehemaligen Geschäftspartner, und der sitzt im Wedding, weswegen ich bald nicht mehr durch den Görlitzer Park muss, weil das dann nicht mehr der kürzeste Weg ins Büro zum Abrechnen ist. Gespannt bin ich auf den Tag, an dem mein bisheriger Chef als neuer Kollege hinter mir am Taxistand auftaucht.

Das muss aber nicht passieren. Auf unserer "Abschlussveranstaltung" gestern erzählte mir ein Kollege, den ich bisher nicht kannte, von einem anderen Kollegen und Freund von ihm, und dass sie sich immer nur privat treffen, wo sie sich gegenseitig immer wieder auf's Neue versichern müssen, dass sie beide auch wirklich Taxi fahren, weil sie sich im Taxi nie "über den Weg laufen".

Das kann meinem ehemaligen Chef und mir auch passieren, ist aber nicht meine größte Sorge. Meine größte Sorge ist, dass ich mich mit meinem neuen Chef nicht so gut verstehe wie mit meinem alten. Und diese Sorge hat mir mein alter Chef gestern Abend nehmen können, oder es zumindest versucht, indem er mir versicherte, dass mein neuer Chef genauso bekloppt ist wie er.

Foto&Text TaxiBerlin

20.11.2014

GENDER TO GO


Natürlich Bio

Vielleicht liegt es daran, dass Glühweinzeit ist, warum noch niemand bemerkt hat, dass Gender jetzt auch im Weinregal angekommen ist. Andererseits: Eine wirkliche Überraschung ist es nicht. Wenn, wie in Kreuzberg, bereits die Straßennamen gender-diktiert werden, warum dann nicht auch der Wein, den jede/r von uns zu trinken hat. Zum Glück trinke ich nicht, zumindest nicht auf meinem Weg ...

Foto&Text TaxiBerlin

19.11.2014

DANN GEH DOCH UBER!


Noch!

Ich weiß nicht, wer sich noch an den Spruch "Dann geh doch rüber!" erinnern kann? Ich schon! Gemeint waren "wohlmeinende Linke", die im Osten die Sonne aufgehen sahen, dann aber doch lieber im Westen blieben, vermutlich um dort das Licht auszuknipsen. Nun ist es damals aber anders gekommen. Das Licht wurde nicht im Westen, sondern im Osten ausgeknipst, und auch nicht von ihnen.

Seither, das ist zumindest mein Eindruck, agieren "wohlmeinende Linke" anders, um genau zu sein: genau entgegengesetzt. Ihr Modell heute sieht ziemlich genau folgendermaßen aus: Am Anfang machen sie immer noch den großen Zampano (ohne dem scheint es nicht zu gehen), um dann ziemlich bald (manchmal noch am selben Tag) einzuknicken, spätestens aber dann, wenn die Kohle stimmt.

Überträgt man diese Erkenntnis auf die aktuelle Debatte in Deutschland "Taxi versus Uber", wird die Zukunft des Gewerbes ziemlich genau so aussehen: Der Mindestlohn ist in Deutschland ab 1.Januar Gesetz und muss demzufolge sowohl Taxi- als auch den Fahrern von Uber gezahlt werde. Das Taxigewerbe tut sich damit schwer, Uber hat bekanntlich Milliarden auf der hohen Kante und legt zum Mindestlohn sogar noch etwas drauf. Ich möchte den Taxifahrer sehen, der dann noch Taxi- und kein Über Uber-Fahrer sein will.

Um ganz genau zu sein: Die heute noch am lautesten gegen Uber anschreiben, werden in dem Fall morgen schon die Ersten sein, die für Uber fahren. Worauf Du einen fahren lassen kannst!

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GESTERN AM GÖRLI


U-Bahnhof Görlitzer Park / früher Kreuzberg / heute Friedrichshain-Kreuzberg

Ich muss regelmäßig durch den Görlitzer Park, weil ich im Friedrichshain wohne, meine Firma in Neukölln ist, und das der kürzeste Weg ist, zumindest mit dem Fahrrad. Außerdem bin ich ein Mensch, der gerne ausgedehnte Spaziergänge in den Parks unserer Stadt unternimmt, auf denen mir schon viele gute Ideen gekommen sind, unter anderem auch für diesen Blog, aber das nur nebenbei.

Wer den Görlitzer Park nicht kennt: Du gehst einfach von der Warschauer zur Oberbaumbrücke runter, dahinter die Falckensteinstraße nur noch geradeaus, und dann bist Du auch schon da. Allerdings bist Du dort nicht alleine. Nein, dort warten bereits seit einiger Zeit jede Menge Dealer auf dich, die dich permanent anquatschen, weil sie Dir alle ihr Zeug verkaufen wollen.

Aus welchen Gründen auch immer, haben sich die Dealer in letzter Zeit extrem vermehrt. Du musst nun gar nicht mehr in den Park gehen. Nein, Du kannst jetzt direkt am U-Bahnhof Görlitzer Park (Foto) und auch schon an der Warschauer Brücke im Friedrichshain Deine Drogen kaufen. Was für ein Fortschritt, wenn auch in erster Linie für lauffaule, Berlin heimsuchende Party People.

Ich habe nichts gegen Drogen. Was mich stört, ist die Inbesitznahme des öffentlichen Raumes. Und dabei ist es mir egal, ob das dumme Touristen am Brandenburger Tor, Leute mit Geld Am Schweizer Garten oder eben Dealer mit Drogen im Görlitzer Park sind.

Es mag banal klingen, aber ich mag einfach nicht angequatscht werden. Wenn ich angequatscht werden will, gehe ich auf den Basar. In Parks möchte ich auch weiterhin in Ruhe ausgedehnte Spaziergänge machen können, denn dafür sind die Parks schließlich da.

Genauso wie ich nichts gegen Drogen habe, habe ich auch nichts gegen Drogendealer. Naja, nicht ganz. Von mir wird Respekt und Toleranz erwartet. Aber was ist mit ihnen? Respektieren sie denn mein Bedürfnis nach Ruhe? Interessiert es sie, dass die Parks der Erholung dienen und nicht dem Dealen?

Möglicherweise liegt der Fehler auch bei mir. Was wohne ich auch im Friedrichshain und arbeite für eine Firma in Neukölln. Selbst Schuld, wenn ich da regelmäßig durch den Park muss. Schließlich kann ich auch drumherum fahren. Nur: Warum sollte ich?

Und deswegen jetzt mal im Ernst: Wohl denen, die andere respektieren, von denen sie selbst nicht respektiert werden. Ich gehöre leider nicht zu ihnen. Da hab' ich Null-Toleranz!

Und was die ewig chillenden Party People angeht: Bringt euch eure Drogen von "zu Hause" oder sonstwo mit, aber geht uns hier nicht auch noch damit auf den Sack!

Foto&Text TaxiBerlin

18.11.2014

ICH BIN KEIN TOURIST. ICH WOHNE HIER.


Schlag sie!

Auch mein Friedrichshainer Kiez bleibt nicht von Neuzugängen verschont, ich hab hier bereits darüber geschrieben, und dass, obwohl ich, um genau dem aus dem Weg zu gehen, fast nach Lichtenberg gezogen bin. Und genau diese Neuzugänge fordern mich nun auf, hier zum Schläger zu werden. Das musst Du dir mal vorstellen! Gut, ich soll nur, wenn ich es richtig verstehe, die Kälte schlagen. Aber von welcher Kälte reden sie? Haben sie schonmal ihre Nase aus ihrem Café rausgesteckt? Offensichtlich nicht, denn es ist alles andere als kalt, sondern für die Jahreszeit viel zu mild. Daran ändert auch nichts, dass es heute noch regnen soll.

Vielleicht meinen sie auch einfach nur die Kälte, die sie selbst verbreiten. OK, das war jetzt gemein. Immerhin bringen sie ihr ganzes Geld mit. Gut, vielleicht doch nicht das ganze. So genau weiß man das nicht, weil sie immer und überall mit Karte bezahlen. Aber ich will hier keinen Sozialneid verbreiten. Die Wahrheit ist, dass auch ich gerne einmal in ihr Café rein möchte. Der Auszug aus der Getränkekarte (Foto), an dem ich Tag für Tag auf meinem Weg zum Bäcker vorbei muss, klingt auf jeden Fall sehr interessant.

Allerdings, und das ist jetzt wirklich mein Problem, verstehe ich nur die Hälfte, wenn überhaupt. Wer konnte denn wissen, dass wir jetzt alle Englisch sprechen müssen. Das wurde mir schließlich nicht in die Wiege gelegt. Ich entschuldige mich an dieser Stelle ganz ehrlich, dass ich immer noch Deutsch spreche und auch schreibe. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich kaum noch Alte in meinem Kiez antreffe. Bestimmt sind die gerade beim Englisch-Kurs, bevor sie sich wieder raus trauen. Oder sind sie alle zum Schläger geworden? Wundern würde es mich nicht! Die Antwort weiß aber nicht mehr der Wind, sondern die Antwort ist BOOZE, was immer es sein mag ...

Foto&Text TaxiBerlin

17.11.2014

MEIN TAG MEINE WOCHE MEIN LEBEN (FORTSETZUNG)


Heute in der Bibliothek

Normalerweise ist es Montags immer sehr voll in meiner Bibliothek, was wohl daran liegt, dass alle froh sind, nach dem Wochenende endlich mal wieder rauszukommen und was anderes zu sehen. Warum das heute nicht so war, ist schwer zu sagen. Es könnte mit dem gestrigen Totensonntag zusammenhängen, muss es aber nicht.

Immerhin hatte das zur Folge, dass es im Keller nicht nur genug gute Luft zum Atmen gab, sondern dass es insgesamt sehr übersichtlich war. Das war wohl auch der Grund, dass mir obiges Buch überhaupt auffiel. An sich kein schlechter Titel, aber das Werk selbst war nicht der Rede wert. Um ehrlich zu sein, ich habe bereits vergessen, worum es in ihm genau ging.

Andererseits ist das Ganze auch symptomatisch für unsere Zeit, und nicht nur was Bücher betrifft. Mehr Schein als Sein überall, die Verpackung wichtiger ist als der Inhalt. Selbst in meinem Taxi, was wohl auch daran liegt, dass viele Leute denken, Taxifahrer seien an erster Stelle arme Schweine, was auf einige durchaus zutreffen mag. Das will ich nicht bestreiten.

Andererseits soll es auch Taxifahrer geben, ich kenne keinen persönlich, die ganze Bücher schreiben. Da muss ich leider passen. Bei mir reicht es immer nur für ein paar Zeilen. Dafür aber mit Bild - immerhin! Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte, sagt man. Sicherlich hängt das auch von Bild ab.

Ich glaube zu glauben (auch schön, oder?), dass genau das die Intention zu diesem Beitrag war. Also falls jemand was geschrieben hat, wozu ihm kein Titel einfällt, dem helfe ich gerne mit einem Bild aus. Aber bevor sich jetzt gleich "Hinz und Kunz" meldet, bitte noch mal in sich gehen, ob das Geschriebene wirklich ein Foto Wert ist.

Foto&Text TaxiBerlin

NACHRICHTEN AUS DER WELT DES GENDER NACH MEINEM GESCHMACK


Morgens am Totensonntag

Normalerweise sind es immer nur die Männer, die aggressiv sind. Früher musste man sich beispielsweise als Taxifahrer keine Sorgen machen, wenn eine Frau mit einstieg, denn die sorgte im Ernstfall für den nötigen "Hausfrieden" im Automobil. Heute ist das anders (Foto)! Woran das liegt, kann nur vermutet werden, und es muss auch nicht automatisch schlecht sein. Auch in der Frau staut sich heutzutage Frust, meist mangels Satisfaktion, der irgendwann raus will, weil es befreit. Aber muss es ausgerechnet am Totensonntag im Taxi sein?

Foto&Text TaxiBerlin

DIE BESTEN BERLINER TOILETTEN (EINE SERIE) oder DAS WAR LOS VOR DER RUMÄNISCHEN BOTSCHAFT!


Dorotheenstraße / früher Mitte / heute Neue Mitte

Die Sache mit dem Goldenen Kartenlesegerät vor der Toilette vom Maritim Hotel ließ mir keine Ruhe, weswegen ich heute gleich noch mal vorbeigefahren bin. Und es gibt durchaus berichtenswerte Neuigkeiten, die ich meinen Lesern nicht vorenthalten möchte. Laut Aussagen eines Kollegen ist wirklich eine Karte (keine Goldene!) für Taxifahrer hinterlegt, damit diese wie gehabt kostenneutral die Toilette im Erdgeschoss benutzen können, allerdings an einem geheimen Ort.

Da (mal wieder!) eine Schlange von diesmal mindestens dreihundert Personen vor der Rumänischen Botschaft (Foto) meine Aufmerksamkeit erregte, und der Kollege auch gerade Fahrgäste bekam, habe ich mir diesen geheimen Ort aber nicht zeigen lassen. Dafür erzählte mir ein junger Rumäne, der seit sechs Jahren im Wedding wohnt, dass er zweieinhalb Stunden gewartet hat, um in der Rumänischen Botschaft seine Stimme für die Stichwahl zum Präsidenten abgeben zu können.

Bei der letzten Wahl 2009 war das noch anders, aber da gab es auch vier (anstelle von nur einer heute) Stellen in Ostdeutschland und Berlin, wo Rumänen ihre Stimme abgeben konnten. Immerhin, und jetzt kommt das Beste, scheint der Deutschstämmige Johannis trotz dieser, nennen wir es ruhig Schikane, die Wahl gewonnen zu haben. Immerhin gratulierte ihm bereits der bisherige Ministerpräsident und Herausforderer Ponta zum Wahlsieg. "Zurücktreten wolle er jedoch nicht", was immer das heißen mag.

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16.11.2014

DIE BESTEN BERLINER TOILETTEN (EINE SERIE) oder WAS WAR LOS IN DER RUMÄNISCHEN BOTSCHAFT?


Mit Goldenen Kartenlesegerät

Im ersten Teil meiner neuen Serie "Die besten Berliner Toiletten" habe ich die Toilette im Keller des "Kulturkaufhauses" in der Friedrichstraße vorgestellt und empfohlen, das Taxi kurz vorm Maritim Hotel abzustellen. Manch einer wird sich fragen, warum er dann nicht einfach in die Toilette des Hotels gehen kann. Der Grund ist ganz einfach, und zwar weil das seit einiger Zeit nicht mehr geht. Früher ging das, das ist richtig. Aber neuerdings braucht man dafür eine Karte, die man durch das Goldene Kartenlesegerät neben der Toilettentür (Foto) ziehen muss. Ob diese, also die Karte, auch Golden sein muss, entzieht sich meiner Kenntnis.

Neulich, es war an einem Sonntag, hatte 'ne Menge Leute ähnliche Probleme, in die gegenüberliegende Rumänische Botschaft zu kommen. Auf jeden Fall gab es eine Riesenschlange davor von mindestens Hundert Personen, die ich mir nicht erklären konnte. Heute weiß ich mehr. In Rumänien wurde gewählt, und auch die in Deutschland lebenden Landsleute durften wählen. Offensichtlich ist Rumänien aber nicht die Türkei, wo zu diesem Zweck schonmal das Berliner Olympiastadion gemietet wurde. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass ein Deutscher gute Chancen hat, nächster Rumänischer Präsident zu werden, was allerdings an "technischen und logistischen Problemen" in den Botschaften scheitern könnte.

Gut, das passiert. Rumänien ist zwar auch in der Europäischen Union, aber eben doch sehr am Rand. Mir geht es bei der Geschichte auch um einen anderen Punkt, und zwar um den, dass die Rumänen, die gerne ihre Stimme in ihrer Botschaft abgegeben hätten, weder in diese, noch in die Toiletten des gegenüberliegenden Hotels reinkamen. Und wenn sich schon niemand über das merkwürdige Demokratieverständnis unserer Europäischen Nachbarn am Rande beklagt, so zumindest über die Verweigerung eines Menschenrechts - oder war es doch nur ein Bedürfnis?

Foto&Text TaxiBerlin

15.11.2014

"HILFE, UNSER SOHN IST SCHWUL UND LIEBT PARIS HILTON!"


"Baumliebe" / Alt-Friedrichsfelde / Lichtenberg

Auch eine Nachricht ist manchmal mehr als die Summe ihrer Informationen. In diesem Fall würde ich sogar schon von einem "Gesamtkunstwerk" sprechen. Du kannst es dir übrigens selbst ansehen. Laut Aussagen meiner Fahrgäste schaut der erwachsene "Sohnemann" oft und gerne aus dem offenen Fenster, und zwar im ersten Haus hinter der Lichtenberger Brücke stadtauswärts, auf der Suche nach, na, nennen wir es mal: "Satisfaction". ("Immer noch besser, als wenn er ewig im Internet rumhängt!" - O-Ton Eltern)

Foto&Text TaxiBerlin

14.11.2014

MEIN TAG MEINE WOCHE MEIN LEBEN


Meine Bibliothek

Nachdem ich so viel über meine Gäste  geschrieben habe, ist es an der Zeit, auch mal etwas über mich zu schreiben. Zwanzig Jahre bin ich nun schon auf den Berliner Straßen und Plätzen unterwegs, und das vorzugsweise am Wochenende. Genau genommen arbeite ich drei Nächte a zehn Stunden, komme also auf dreißig Stunden pro Woche im Taxi, früher sagte man auch "Dreiviertelstelle" dazu. Eine Zeitlang habe ich auch mal voll gearbeitet, also fünf oder manchmal sogar sechs Schichten die Woche, musste aber ganz schnell feststellen: Das ist nichts für mich.

Mein Tag unter der Woche beginnt mit dem obligatorischen Gang in die Bibliothek (Foto), die sich, wie unschwer zu erkennen ist, in einem Keller befindet. Der ist in der Regel gut besucht, ebenso das dazugehörige Café darüber. Auch wenn das schon lange kein Geheimtip mehr ist, werde ich den Teufel tun, hier die Adresse zu veröffentlichen. Das muss schon jeder selbst herausfinden. Das schöne an meiner Bibliothek ist, soviel möchte ich verraten, dass man jedes Buch für einen Euro mitnehmen kann, und zwar für immer.

Es soll Leute geben, die sich in einer vergleichbaren Situation selbst als arm bezeichnen, und sich deswegen beispielsweise sämtliche Bücher schenken lassen. Nun ist arm immer relativ und liegt, wie so ziemlich alles, im Auge des Betrachters. Beim arm sein, so meine Erfahrung, hängt viel davon ab, mit wem ich mich vergleiche. Um ein plumpes Beispiel zu geben: Vergleiche ich mich mit Uli Hoeneß oder mit dem Kollegen in Istanbul? Darüber hinaus muss man auch noch zwischen geistiger und materieller Armut unterscheiden, wobei das eine, so zumindest meine Erfahrung, oft das andere nach sich zieht.

Ich kann jetzt nur von mir reden, aber ich fühle mich weder geistig, noch materiell arm. Ganz im Gegenteil! Ich würde sogar so weit gehen, mich und mein Leben als ausgesprochen reich zu bezeichnen. Ich meine, wer kann es sich zum Beispiel alleine von der Zeit her "leisten", täglich für mehrere Stunden in die Bibliothek zu gehen? Dabei habe ich die Bücher, die ich von dort mitnehmen kann, und die Fahrgäste, die mich mit ihren Geschichten bereichern, noch gar nicht "mitgerechnet". Also, Leute, lasst euch nichts einreden, nur weil es im Internet steht!

Foto&Text TaxiBerlin

13.11.2014

ICH KOMM NICHT MIT. ICH BUMS DIE MEXIKANERIN.


Angebot & Nachfrage (Werbeplakat / Detail)

Drei saßen schon bei mir im Taxi, der vierte stand noch draußen und telefonierte. Wie ich das mag! Er war nicht leicht zu verstehen, was aber nicht daran lag, dass er spanisch sprach, sondern daran, dass die drei, die schon in der Taxe saßen, unentwegt auf ihn einredeten, er solle endlich einsteigen. Dann gab's, zum Glück ziemlich bald, 'ne knappe Ansage (siehe Titel dieses Beitrags), und die Fahrt konnte endlich losgehen - zu dritt.

Foto&Text TaxiBerlin

12.11.2014

DIE BESTEN BERLINER TOILETTEN (EINE SERIE)


Echtsteinhandwaschbecken

"Die Besten Berliner Toiletten" ist eine neue Serie, bei der es nicht darum geht, dass nun auch ich mich auf die Suche nach irgendwelchen "Feuchtgebieten" begebe - wahrlich nicht! Die Idee ist mir in meiner Auszeit gekommen, weil auf dem kleinen Flecken Erde am Rande Europas der Besuch der Toilette schnell zu einem Abenteuer werden kann. Außerdem ist die Frage, ob es sich dabei um ein Bedürfnis oder um ein Menschenrecht handelt, immer noch unbeantwortet. Fakt ist auf jeden Fall, dass der Taxifahrer aufgrund der Mobilität, die sein Job mit sich bringt (bei dem Einen mehr, bei dem Anderen weniger), insbesondere und speziell mit dem Problem des Toilettenbesuchs konfrontiert ist.

Dabei geht es nicht nur darum, dass dieser nicht das gesamte Trinkgeld auffressen darf. Nein, es geht auch darum, dass der Taxifahrer sein Taxi sicher und möglichst ebenfalls kostenneutral irgendwo abstellen kann. Natürlich richtet sich die neue Serie "Die Besten Berliner Toiletten" auch an alle Neu-Berliner und Berlin-Besucher. Obige Nobel-Toilette, bei der das Handwaschbecken aus echtem Stein ist, findest Du übrigens im "Kultur-Kaufhaus" in der Friedrichstraße, und zwar im Keller. Es gehört zum dortigen Restaurant, dessen Bratwurst durchaus zu empfehlen ist. Die Toilette darf aber jeder Besucher des Hauses benutzen, und zwar umsonst. Aber Vorsicht: Der Weg vom Restaurant zur Toilette ist etwas verwinkelt, und einige suchen den Ausgang heute noch.

Was den Wagen angeht, so sieht es direkt vor dem "Kulturkaufhaus" nicht gut aus mit Parkplätzen. Dem erfahrenen und auch mit den Füßen mobilen Kollegen empfehle ich, die Taxe entweder kurz am Maritim-Hotel oder am Bahnhof Friedrichstraße abzustellen.

Foto&Text TaxiBerlin

11.11.2014

KOFFERPACKER ARE WELCOME oder BRENNEN FÜR BERLIN (FORTSETZUNG)


"WIR BLEIBEN BUNT, DRECKIG & GEMEIN" / SUPAMOLLY / BERLIN

Es gibt Fans, die bluten für Union, und zwar Eisern. Ich brenne für Berlin, und das Lichterloh. Aber selbst in meinem Kiez tauchen täglich neue Gesichter auf, die mich fragend anschauen: "Was will der denn noch hier?" Angefangen hat es bereits vor einiger Zeit im Supermarkt, und zwar damit, dass die Schlangen an den Kassen immer länger wurden. Nichts gegen Neuzugänge, aber warum müssen es immer die Verkehrten sein?

Was soll das Café, dessen Karte komplett auf englisch ist? Sind wir in England? Es soll bereits Zugezogene geben, die gar nicht mehr wissen, dass wir hier eine eigene Sprache haben, geschweige denn, dass sie sie lernen würden. (Ich reise auch viel, aber eben nicht so.) Und dann der tägliche Kampf im Supermarkt, wo einem die Neuzugänge permanent im Weg rumstehen und so tun, als hätten sie ihr Leben lang nichts anderes getan, als genau hier einzukaufen.

Das nächste Drama ist dann an der Kasse, wo der Neuzugang nicht in der Lage ist, seine drei Schrippen bar zu bezahlen. Nichts gegen Kartenzahlung, aber es nervt schon gewaltig, wenn jemand sich nicht entscheiden kann, welche von seinen zwanzig Karten nun für die drei Schrippen zuständig ist. Als wenn der ganze Zahlvorgang mit Karte nicht schon lang genug wäre, ist dann bei zwanzig verschiedenen Karten die Eingabe einer verkehrten Geheimzahl auch schon vorprogrammiert.

Ich tue wirklich mein Bestes, um diesen peinlichen Situationen aus dem Weg zu gehen. Neulich bin ich beispielsweise genau deswegen extra an die Grenze zum Bezirk Lichtenberg gezogen, der bei den Vielen, die von nichts 'ne Ahnung aber zu Allem 'ne Meinung haben, bereits als Rechts durchgeht. Das Ganze in der Hoffnung, dass das Abschreckung genug ist. Dem ist aber nicht so. Der Linke Linke legt sich offensichtlich auch mit den Rechten ins Bett, Hauptsache er hat sein Wohneigentum.

Meine letzte Hoffnung war das Asylberwerberheim, dass ebenfalls neulich bei mir um die Ecke aufmachte. Das klingt jetzt vielleicht etwas gemein, ist es aber gar nicht. Mir sind Asylbewerber ehrlich gesagt lieber als diese ganzen anderen Neuzugänge. Spätestens so ein Heim stoppt, so die Erfahrung, den Zuzug von Besserbetuchten in den Kiez. Aber was musste ich nun erfahren? Die Asylbewerber zogen es vor, eine Schule in Kreuzberg zu besetzen, und eben nicht in das leerstehende Haus in der Friedrichshainer Gürtelstraße zu ziehen.

Schöne Scheiße!

Foto&Text TaxiBerlin

10.11.2014

BRENNEN FÜR BERLIN


Im Focus des Fahrgastes: Die Gedächtniskirche

Gestern war es nun so weit. Dazu muss man wissen, dass ich vorzugsweise im Westteil der Stadt meinem Geschäft nachging, einfach um dem Trubel im Osten aus dem Weg zu gehen. Wir fuhren gerade am "Bahnhof Zoo, mein Zug fährt ein, ich steig aus, gut wieder da zu sein ..." vorbei, als mein Fahrgast mich ziemlich unvermittelte fragte, was ich von dem ganzen Zirkus halten würde.

So bescheuert die Frage erstmal klingen mag, ich war darauf vorbereitet. Immerhin sind gestern auch viele in unsere Stadt gekommen, die bis zu dem Versprecher von "The Big Schabowski" die Füße still gehalten hatten, was heute aber nicht anders ist. Oder wer stört sich ernsthaft daran, dass Big Brother alles weiß. Angeblich hat niemand etwas zu verbergen. Wer's glaubt, wird selig!

Was 25Jahre Mauerfall angeht, und das überraschte selbst meinen Fahrgast, ist für mich der heutige zehnte November wichtiger als der neunte, und zwar aus dem einfachen Grund, dass es seinerzeit bereits der zehnte war, als ich hinter dem Brandenburger Tor auf der Mauer tanzte, was aber nur daran lag, dass das nur dort möglich war, weil nur hier die Mauer eigentlich zwei Mauern waren, auf denen oben eine Betonplatte auflag, auf der man tanzen konnte.

Aber wie sollte ich meinem Fahrgast das Gefühl beschreiben, dass ich hatte, als ich auf der Mauer tanzte? Schwierig! Und dabei wollte ich so sehr, dass er eine Vorstellung bekommt. Nur: Wie? Die Musik von Bob Dylan, die gerade im Radio lief, kam mir zu Hilfe. Wenn ich ihm schon nicht das Gefühl vermitteln konnte, das ich hatte, als ich damals auf der Mauer tanzte, so konnte ich ihm zumindest das Gefühl vermitteln, das ich habe, wenn ich heute durch Berlin laufe:

Walking, walking with you in my head

Foto&Text TaxiBerlin

WIE DER MINDESTLOHN MÖGLICH IST


Irgendwo in Neukölln

Im Taxigewerbe soll ab 1.Januar der Mindestlohn für die Fahrer eingeführt werden, aber bis heute weiß noch niemand, wie das funktionieren soll. Obwohl ich als Fachkraft mit zwanzigjähriger Erfahrung auf den Berliner Straßen, der auch den Flughafen findet und nicht nur den Bahnhof, mir keine Sorgen machen muss wegen meinem Umsatz, mache ich mir doch meine Gedanken um die Kollegen und "Kollegen", und dabei bin ich zu folgendem Schluss gekommen: Die einzige Möglichkeit den Mindestlohn im Taxigewerbe umzusetzen, ist, ein paar Taxen im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Verkehr zu ziehen (Foto), denn dann müssen sich weniger Esser den Kuchen teilen, der einfach nicht größer werden will.

Vielleicht fragst Du dich jetzt, ob ich das auch wirklich Ernst meine. Meine Antwort ist ein klares und eindeutiges JA. Und zwar meine ich es genauso Ernst, wie Kollegen und "Kollegen" vor einiger Zeit, die mich und meinen Blog aus dem Internet verbannen wollten, wobei nicht klar war WARUM. Wahrscheinlich ist, dass es ein paar unbequeme Wahrheiten waren, die auf meiner Seite standen, und die ihr Missfallen fanden. Das Witzige ist, dass diejenigen, die mich damals am Liebsten aus dem Internetverkehr ziehen wollten, sich gerade ebenda selbst rausgekickt haben. Zugegeben, nicht alle, aber das ist eine Frage der Zeit. Mein Punkt ist ein anderer: Wünsche werden immer noch wahr, manchmal aber anders als man denkt.

Warum ausgerechnet in Neukölln angefangen wurde, Taxis aus dem Berliner Verkehr zu ziehen, konnte mir selbst meine Mutter nicht sagen, obwohl sie dort geboren ist.

Foto&Text TaxiBerlin

09.11.2014

ABER LUXUSWOHNUNGEN BAUEN ...


... und Lichterketten

Gerade wollte ich mich aufregen, dass sie zwar Lichterketten (also Mauern) und auch Luxuswohnungen bauen können in Berlin, aber keine anständigen Straßen, geschweige denn Brücken. Da fiel mir, gerade noch rechtzeitig, der neue Flughafen ein, sonst wäre dieser Beitrag ein ganz anderer geworden, worauf Du einen lassen kannst.

Foto&Text TaxiBerlin

08.11.2014

LINKE SIND GAR NICHT LINKS


Victory / Hand / Röntgen

Es ist immer wieder schön zu hören, wie ein kleiner alter Mann mit seiner Gitarre ein ganz Parlament aufmischt. Dabei hatte er mit den Linken, die sich Linke nennen, aber gar nicht Links sind, auch nicht Rechts, sondern Reaktionär, gar nicht DIE LINKE gemeint. Sonst hätte man sagen können, dass der Text mal wieder klüger war als der Autor. Aber so ...

Foto&Text AutofiktionBerlin

06.11.2014

WORUM ES HIER GEHT


Taxischild ohne Taxi aber mit Siegelung ebenda

Vielen ist nicht klar, dass das ein Taxi-Blog ist, geschweige denn, dass er/sie/es verstehen würde, worum es hier geht. Mir ist es manchmal ehrlich gesagt auch nicht klar, und deswegen dieser Beitrag, den ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke, aber vor allem, was das hier ist.

Wie ich bereits an dieser Stelle berichtete, lichten sich seit einiger Zeit die Reihen der Taxi-Blogs im Internet. Das hat verschiedene Gründe, oft auch individuelle. Und trotzdem erlaube ich mir zusammenzufassen, dass die Betreffenden offensichtlich nichts mehr zu sagen hatten, was als Selbsterkenntnis, wenn es denn eine ist, nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Nicht hoch genug eingeschätzt werden kann deswegen, weil es immer noch viel zu viele Taxi-Blogs im Internet gibt, die Erkenntnis der Kollegen und "Kollegen", die mit gutem Beispiel vorangingen und einfach aufhörten, als ihnen nichts mehr einfiel, noch nicht bei jedem angekommen ist. Und das, obwohl es beim Taxifahren genau darum geht: Ums Ankommen!

Nein, wahrlich nicht, denn was müssen wir heute wieder lesen? Dass sich ein Taxifahrer freut, wenn er morgen arbeiten kann, weil es ist ja Bahn-Streik und er schreibt so gerne über Geld, genau genommen schreibt er nur über Geld, und das erhofft er sich für morgen ... Blah, blah, blah ... wie langweilig! Aber vor allem: Wie arm?

Aber bleiben wir beim Thema: Ich werde morgen nicht fahren, und ich sage Dir auch Warum. Ich fahre Donnerstags nie! Früher, als das Wochenende noch am Donnerstag begann, da Ja. Jetzt aber habe ich nicht nur, nein, ich brauche sie auch einfach - meine Routine, meinen geregelten Wochenablauf. Und den zu ändern, nur weil die Bahn mal nicht fährt - wie billig ist das denn?!

Dann gibt es noch die Themen, die jedem Idioten einfallen, der von nichts 'ne Ahnung und trotzdem 'ne Meinung zu allem hat: Die Konkurrenz aus dem Internet, Anschnallpflicht, Taxitarif, Neuer Flughafen usw usf ... Ja es gibt wirklich Taxi-Blogs, die sich mit solchen Themen beschäftigen, obwohl das Internet und auch sonst die Welt voll ist mit diesen Nicht-Informationen.

Der Rest schreibt Geschichten, oder gleich ganze Bücher, die mit "Stieg mir neulich einer ein ..." beginnen, mit "wir haben uns alle lieb ..." weitergehen, und mit "wenn sie sich mal nicht lieb haben, leben sie (leider) immer noch" enden. Gähn ... Rülps ... Kotz ... Verzeihung - aber es tut mir gar nicht leid.

Leid tun mir eigentlich nur die Leser dieser Blogs. Obwohl, wenn ich's mir recht überlege: Nicht wirklich! Denn wie sagte schon ein Kollege vor mir: "Wer den Leser kennt, der tut nichts mehr für den Leser." Auch deswegen geht es hier auf dieser Seite eben mal nicht um Dich, mein einziger Leser, und ich hoffe da auf Dein Verständnis, was mir aber ehrlich gesagt auch egal ist.

Wer diesen ganzen Mainstream-Quatsch lesen will, ist hier definitiv verkehrt. Hier wird der Text zwischen den Zeilen der anderen geliefert. Hier werden nicht nur Hauptstraßen gefahren, und auch nicht nur geradeaus. Nein, hier ist man auch in den dunklen Gassen der Seele unterwegs. Hier wird auch mal abgebogen, und das Links und Rechts, denn nur vom Vorbeifahren sieht man nix. Und überhaupt ist man sowieso nur wirklich dortgewesen, wo man zu Fuß war.

Foto&Text TaxiBerlin

ERSTER ORDEN FÜR DEN BERLINER DUDELSACKBEAUFTRAGTEN


Orden "Changing of the Ensemble" des Abu Dhabi Police GHQ

Was soll das, fragst Du geneigter Leser dich jetzt vielleicht gerade völlig zu Recht. Was ist die Verbindung zwischen Dudelsack und Taxifahren? Eigentlich gibt es keine, wenn man mal von der Kleinigkeit absieht, dass beides unter Umständen einfach nur Lärm bedeutet, wenngleich neuere Taxen, beispielsweise Hybrid-Fahrzeuge, die die meiste Zeit mit Strom fahren, noch nichtmal mehr Lärm erzeugen, und man als Fußgänger und Radfahrer, der auch ich die meiste Zeit bin, aufpassen muss, nicht von ihnen überfahren zu werden.

Und doch gibt es zwischen Taxifahren und der Dudelsackmusik, die mehr ist als nur Lärm, einen Zusammenhang, und zwar der, dass der Dudelsack, den ich meine, auf der Straße gespielt wird, und die Straße eben nicht einfach nur Straße ist, sondern die Universität des Lebens, die auf fast alle Fragen des Lebens eine Antwort hat. Das mag sich komisch anhören für Dich, aber vielleicht liegt das gar nicht an meinen Worten, sondern an deinen Ohren. Um es herauszufinden, hörst Du hier!

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05.11.2014

DAS MACHT DER ARABISCHE DUDELSACK AUF DEM ALEXANDERPLATZ!




Ich muss mich entschuldigen, aber ich stehe gerade neben mir. Der Grund ist mein erster Orden, den ich gestern bekommen habe. Ausgerechnet gestern, am 4.November, und dann auch noch am Alex. Ich bin immer noch sprachlos, aber meine Mutter würde wohl sagen: "Mal was anderes!"

Video&Text AutofiktionBerlin

WAS MACHT DER ARABISCHE DUDELSACK AUF DEM ALEXANDERPLATZ?




Ich kann es gar nicht genau sagen, was mich gestern zum Alex getrieben hat. Es muss wohl das Datum gewesen sein. Am 4.November treibt es mich immer zum Alex. Diesmal gab es aber keine Großdemonstration wie vor 25 Jahren, sondern "nur" das ABU DHABI POLIZEIMUSIKKORPS mit immerhin 10 (zehn!) Dudelsäcken. Meine Mutter würde sagen: "Mal was anderes!"

Video&Text AutofiktionBerlin

04.11.2014

SHOPPING IS COMING HOME oder WAS ERLAUBEN BERLIN


Leipziger Platz 12

Berlin, meine Stadt, hat es sich erlaubt, während meiner Auszeit ein neues Shopping-Center zu eröffnen. Das hätte es früher nicht gegeben! Aber die Zeiten ändern sich ...

Gestern, bis dahin war ich mit dem Ankommen beschäftigt, habe ich nun die Zeit gefunden, das alte/neue Shopping-Center heimzusuchen. Dazu muss man wissen, dass ich ein leidenschaftlicher Shopper bin. Das mangelnde Geld macht mir allerdings regelmäßig ein Strich durch die Rechnung. Gott sei Dank habe ich kein Dispo mehr. Auch ich hatte mal einen, ich weiß wovon ich rede. Das Schöne am Dispo ist, dass man einfach nur einzahlen muss, wenn man ihn loswerden will, was heute nicht mehr jeder weiß. Aber das nur nebenbei.

Zurück zum Shopping-Center, das sich größtenteils an der Leipziger Straße befindet, dessen Haupteingang aber am Leipziger Platz Nr. 12 ist. Es gab schon einmal ein großes Kaufhaus an dieser Stelle, genauer gesagt das größte seiner Zeit in Europa. Im neuen Shopping-Center hängen viele Bilder vom alten Kaufhaus, jedoch ohne jedwede Erklärung, so dass ich gezwungen war, ein paar Verkäuferinnen zu fragen, weil ich in dem Moment nicht auf den Namen kam. Immerhin die dritte wusste, dass das alte Kaufhaus "Wertheim" hieß. Alle anderen Verkäuferinnen "arbeiten nur dort".

Auf das neue Kaufhaus gekommen bin ich übrigens vom häufigen Vorbeifahren. Die Sitzmöglichkeiten (Foto) unter dem hohen Glasdach mit großen offenen Zugängen sowohl von der Leipziger als auch von der Voßstraße erregten meine Aufmerksamkeit. Im Hintergrund (nochmal Foto) ist übrigens der Bundesrat zu sehen und nicht etwa der alte Reichstag ohne Kuppel. Allen, die jetzt Lust aufs neue Shopping-Center bekommen haben sollten, muss gesagt sein, dass die Zeit der Schnäppchen vorbei ist. Immerhin gibt es eine ganze Etage nur mit Essen von verschiedenen Anbietern und die Toiletten sind auch (noch?) umsonst (Spenden sind allerdings erwünscht!).

Fast hätte ich das Wichtigste vergessen. Auf dem Boden sind kluge Sprüche von allerlei bekannten Leuten eingelassen, auf die man förmlich herumtrampelt. Der Spruch von Obama beginnt mit "Völker der Welt ...", was aber gar nicht von ihm ist, sondern von einem früheren Berliner Bürgermeister. Sogar Ghandi ist auf dem Boden des neuen Shopping-Centers vertreten, und zwar mit: "There is no path to peace. Peace is the path.", was mich jetzt, wo ich es aufschreibe, ein wenig irritiert, was daran liegen muss, dass meiner Zeit noch gelehrt wurde "Friede den Hütten, Krieg den Palästen!"

Foto&Text TaxiBerlin

03.11.2014

DIE STRASSE GIBT DIE ANTWORT (EINE SERIE)


if you can ...

Obiges Foto hatte ich bereits vor einiger Zeit bei mir im Kiez gemacht. Letzte Nacht gab es nun die Antwort in Form folgenden denkwürdigen Monologs bei mir im Taxi, den ich Dir nicht vorenthalten möchte. Mein Fahrgast legte großen Wert darauf, dass er nichts gegen den Feminismus und auch nichts gegen Feministinnen habe, denn schließlich müsse auch er als hetero sehen, wo er bleibt.

Aber den Feminismus unterstützen, das ginge ihm dann doch etwas zu weit. Übrigens auch keine Feministinnen. Einzelne Feministinnen allerdings schon, was mich stutzig machte, und weswegen ich nachfragte. Die Antwort war genauso einfach wie überzeugend. Das läge daran, dass er als Maskulinist automatisch Anhänger des (leider noch weitgehend unbekannten) Maskulinismus ist.

(Nicht verwechseln mit Macho und Machismus - das ist was anderes!)

Der Maskulinismus, auch das ist noch weitgehend unbekannt, sei übrigens der natürliche Gegenspieler des Feminismus, und das sogar völlig Genderkonform! Beweisen ließe sich das übrigens auch, allerdings nur am einzelnen Beispiel. Da dann aber ganz einfach, und zwar nach dem Schlüssel und Schloss Prinzip - passt immer!

Foto&Text TaxiBerlin

02.11.2014

JUST WANNA HAVE FUN


Oranienburger Ecke Neue Promenade / früher Mitte / heute Neue Mitte

Der Glaube kann bekanntlich Berge versetzen. Nur, woran glauben die Leute von heute? An den lieben Gott offensichtlich nicht. Gut, es soll ein paar geben, die an Allah glauben. Aber die kann man angeblich, obwohl der Islam seit Jahren auch offiziell zu Deutschland gehört, vernachlässigen.

Vielleicht ist die Frage "Woran glauben Leute?" auch verkehrt gestellt. Vielleicht sollte man besser fragen "Warum glauben Leute?" Darauf ist die Antwort vergleichsweise einfach: "Weil Menschen immer an etwas glauben!" Du glaubst mir nicht? Dann frage dich selbst: "Glaube ich wirklich an Nichts?"

Keine Ahnung, wie Du die Frage für dich beantwortest, aber ich habe bisher noch keinen Menschen kennengelernt, noch nicht mal im Taxi, der an Nichts glaubt. Konnte der Glaube früher Berge versetzen, so ist der heutige Glaube vergleichsweise banal. Möglicherweise ist das der Grund, warum kaum noch einer sagen kann, woran er glaubt.

Nach zwanzig Jahren im Taxi und unzähligen Gesprächen mit unterschiedlichsten Menschen (manchmal reicht auch einfach nur zuhören) kann ich sagen, dass Leute von heute vor allen an zwei Dinge glauben: "Geld und Spaß". Verbreiteter als der Glaube an Spaß ist der Glaube an Geld, wobei MEHR immer besser ist als WENIGER, weswegen sich heute auch immer mehr mit KAUFEN / VERKAUFEN (früher "aus Scheiße Gold machen", heute "aus Nichts Geld machen") beschäftigen. Für den Flaschensammler unter uns interessiert dagegen keine Sau.

Nicht, dass ich etwas gegen Geld oder gar Spaß hätte - Gott bewahre! Unklar ist mir allerdings, inwieweit uns der Glaube an Geld und Spaß, sieht man mal davon ab, dass alle immer nur mehr davon haben wollen, verbinden soll, wobei mit verbinden ein funktionierendes Gemeinwesen gemeint ist. Aber das nur nebenbei und auch nur für die, die noch nie etwas von einem Gemeinwesen gehört haben.

Möglicherweise bin ich zu Old-School, der es gerne etwas genauer wissen möchte. Beispielsweise die Geschichte mit der anderen Wange, die man hinhalten soll, nachdem man schon was auf die linke bekommen hat. Auch mit dem Rat, dass der Mann die Frau nach einem Streit erst ermahnen, und wenn dies nichts bringt, im Bett meiden soll, kann ich etwas anfangen.

Und genau diese "Handlungsanleitungen" (auch als Basis für ein funktionierendes Gemeinwesen) fehlen mir sowohl beim Geld als auch beim Spaß. Wozu Geld, wenn ich damit nur doof sein kann? Und wozu Spaß, wenn ich, falls er mal ausbleibt, das Handtuch werfe?

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NOCH EIN GEHEIMTIP


Wo, wird nicht verraten

Noch ist das "1.Neuköllner Hipster Museum" ein Geheimtip, dessen Standort nicht verraten werden darf! Da ist man in Neukölln eigen, um nicht zu sagen: Da versteht man keinen Spaß. Und da ich da auch in Zukunft gelegentlich durchmuss, will ich es mir nicht verscherzen mit Neukölln und den Neuköllnern.

Der ein oder andere hat es vermutlich schon erraten: das mit dem Museum ist nicht ganz Ernst gemeint. Genau genommen ist das Museum ein Laden von Kreativen. Auch das keine Überraschung, die Stadt ist schließlich voll davon. Neu ist lediglich, dass die Kreativen von ihren Nachbarn verarscht werden, ohne es zu merken.

Manch einer denkt, dass Kreative klug sein müssen. Aber wie können sie klug sein, wenn sie den ganzen Tag in ihrem Laden hocken, statt mal vor die Tür zu gehen?! Bleibt die Frage: Was machen die Kreativen in ihrem Laden und was wollen sie? Auch hier ist die Antwort einfach: Sie machen nichts, außer sich wichtig nehmen, wofür sie unsere Aufmerksamkeit erwarten.

Und die haben sie jetzt zur Genüge bekommen ...

Foto&Text TaxiBerlin