26.08.2014

ZEIT FÜR EINE AUSZEIT


Ohne Selfie!

Mein bester Freund hatte es mir vor langer Zeit prophezeit, und auch hier sollte er Recht behalten, wie er in vielen Dingen Recht behielt. Ich wusste das. Nur, wissen und wissen ist manchmal nicht dasselbe. Wenn das eigene Ego zu klein (nicht zu groß!) ist, fällt es oft schwer, unbequeme Wahrheiten anzunehmen, vor allem, wenn sie jemand anders ausspricht, bevor man sie selbst gedacht hat.

Unter anderem hat mir mein bester Freund vorhergesagt, daß der Tag kommen wird, an dem ich nicht mehr Taxifahren werde, weil es mich von dem abhält, was ich eigentlich machen will. Und dieser Tag ist heute. Um genau zu sein: mal wieder, denn es ist nicht meine erste Auszeit. Wenn ich's mir recht überlege, sind es vor allem die Auszeiten, warum ich Taxi fahre. Irgendwie war das bei mir aber schon immer so. Gearbeitet habe ich, soweit ich mich erinnern kann, nur für den Urlaub.

Das soll jetzt gar nicht negativ klingen - ganz im Gegenteil! Ich bin dem Taxifahren unendlich dankbar, und ich bin Berlin dankbar. Berlin, meine Stadt, ist für mich Mutter und Vater in Personalunion. (Sie gibt mir alles - so oder so!) Insbesondere mit diesem Jahr bin ich bisher ganz zufrieden. Erst hat die Berliner Zeitung über "Meine Woche" geschrieben, dann war ich beim Autopapst von Radio Eins zu Gast und zum Schluss gab's noch einen kleinen Film im RBB-Fernsehen über mich. Quantität ist aber nicht alles.

Was ich von meinen Auszeiten in der Vergangenheit gelernt habe, ist, möglichst wenig im Vorhinein darüber zu reden, weil "das darüber reden" bereits zuviel Energie raubt. Ich weiß, für die meisten ist heutzutage "das darüber reden" oft das wichtigste. Und ohne Selfie soll schon gar nichts mehr gehen. Mir ist das egal! Vor allem auch, nachdem ich mir ein paar Selfies angesehen habe ...

Auch das Reden über Geld stört, ganz einfach deswegen, weil die Sorge darüber oft völlig unbegründet ist. Und ein richtiges Ziel ist nur das, was man sowieso macht! Vor zwei Jahren war es beispielsweise eine Wanderung mit einem Esel quer durch Bulgarien - 750 Kilometer in 40 Tagen. Für meinen Esel, der mir auf meiner Wanderung meine Sachen getragen hat, habe ich meinen Berliner Drahtesel verkauft.

An erster Stelle gibt mir aber das Taxifahren Mittel und Möglichkeiten für solche Auszeiten. Vielleicht sollte ich besser dazu sagen: noch! Eine Auszeit ist aber kein Urlaub. Eine Auszeit sollte, das wusste bereits mein bester Freund, immer auch ein Ziel haben. Was diesmal das Ziel ist, das weiß ich ehrlich gesagt selbst noch nicht, aber mir wird schon was einfallen. Oder, wie meine Frau mit ihrem sonnigen Gemüt zu sagen pflegt: "You'll always find your way!"

Foto&Text TaxiBerlin

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