29.07.2014

NOCHMAL TAXIBERLIN UND DIE KONKURRENZ AUS DEM INTERNET


Graffiti hinter Unkraut

Hatte ich neulich nur geschrieben, daß ich die Konkurrenz, die nicht aus dem Internet sondern aus Amerika kommt, genauer gesagt aus ("if you are going to") San Francisco, doof finde, ist es jetzt an der Zeit zu sagen, warum ich sie doof finde. Vorher möchte ich aber kurz den Unterschied zwischen Taxifahren in New York und Berlin erklären, den ich aus eigener Erfahrung kenne:

In New York haben die Taxis keinen Funk, unter anderem deswegen, weil die Fahrer offiziell kein Handy oder ähnliches (also auch keinen Funk) im Taxi benutzen dürfen. Deswegen sind die Yellow Cabs auch ständig am Fahren, vorzugsweise in Manhattan. Für den Kunden bedeutet das, daß er sich auch kein Taxi nach Hause bestellen kann. Wer sicher sein will, daß er einen Wagen bekommt, der ihn von zu Hause abholt, damit er pünktlich zum Flieger kommt, ruft besser beim Limousinenservice an. Der ist in New York auch nicht wesentlich teurer als ein Taxi.

Wie erwähnt, fahren die Yellow Cabs nahezu ausschließlich in Manhattan, wo sich etwa neunzig Prozent ihres Geschäftes abspielt. Es ist so gut wie ausgeschlossen, daß Du ein Yellow Cab in einem Außenbezirk von New York findest. Dort musstest Du als Kunde bereits in der Vergangenheit auf andere Möglichkeiten zurückgreifen. Vor der Konkurrenz aus dem Internet war das der Nachbar oder eben besagter Limousinenservice. (In anderen Großstädten in den USA ist die Situation nicht viel anders.)

In Berlin ist es anders! Hier findet der Fahrgast auch in den Außenbezirken nahezu jederzeit ein Taxi, das bereit ist (zumindest bisher), ihn auch von zu Hause abzuholen. Selbst im angrenzenden Umland sollte das kein Problem sein, solange die Fahrt nach Berlin rein geht. (Das wäre in New York wie beschrieben problematisch, wenn nicht sogar ausgeschlossen.)

Der größte Unterschied zu New York besteht aber darin, daß jeder Fahrer dort selbständig ist und für jede Schicht einen festen Betrag ("zu meiner Zeit" waren das 150 Dollar) an die Garage, der das Taxi gehört (eine eigene Konzession ist mit knapp einer Million Dollar nicht ganz billig), zahlen muss, die erstmal eingefahren werden müssen. (Kranken-, Renten-, Pflegeversicherung? - Vergiss es!) Auf den Straßen von New York äußert sich das dann als purer Kannibalismus unter den Fahrern. Die Regel, die leere Taxe, die vor dir fährt, nicht zu überholen, wenn Du selbst auch frei bist, und die es in Berlin (mehr oder weniger) noch gibt, ist in New York praktisch unbekannt.

Ab Anfang nächsten Jahres soll nun der Mindestlohn auch für Taxifahrer gelten. Wenn Du dich jetzt fragst, was die Konkurrenz aus dem Internet mit dem Mindestlohn hierzulande zu tun hat, muss ich dich bitten weiter zu lesen. Der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde wird von so gut wie keinem Fahrer in Berlin erwirtschaftet und kann demzufolge auch von keinem Unternehmen gezahlt werden. (Meiner Meinung nach ist Taxifahren mit dem Mindestlohn auch nicht vereinbar. Aber das ist nur meine Meinung, über die ich bei Gelegenheit mal mehr schreiben werde.)

Im Moment gibt es noch kein überzeugendes Konzept, wie der Mindestlohn ab dem 1. Januar in der Taxibranche umgesetzt werden soll. Das Fiskaltaxameter, das einige Taxibetriebe zur Aufgabe zwingen würde, kommt jedenfalls erst später. Vielleicht werden Unternehmer einfach die Taxifahrer entlassen, die kaum etwas einfahren, was aber unterm Strich nichts ändern würde, weil sich dadurch nur die Transferleistungen, die diese Fahrer bereits jetzt beziehen, und die wir letztendlich alle bezahlen, erhöhen werden. Am Umsatz der verbliebenen Fahrer ändert das nichts, solange die selbe Anzahl von Taxen unterwegs ist.

Es gibt noch die Möglichkeit, bei der Arbeitszeit zu schummeln, indem man die Standzeiten an der Taxihalte rausrechnet, um auf den gewünschten Stundenlohn zu kommen. Durchsetzen dürfte sich das aber eher nicht, weil Wartezeiten beim Taxifahren dazu gehören, und somit Arbeitszeit ist und auch bleiben wird. Ein anderes Szenario, welches zumindest in die "richtige" Richtung geht, ist, die offiziellen Abrechnungen der Fahrer so zu "gestalten", als würde man ihnen den Mindestlohn zahlen, und die erhöhten Sozialabgaben einfach von dem abziehen, was bisher gezahlt wurde, was bedeuten würde, daß der Anteil des Fahrers am Umsatz von derzeit knapp 40 auf sagen wir 30 bis 35 Prozent fallen würde. Auch dieses Modell wird sich wohl nicht durchsetzen, weil einfach "zu kompliziert".

Ich denke es ist am Wahrscheinlichsten, daß sich die Sache auch in Berlin Richtung Amerika entwickelt, und aus dem bisher angestellten Fahrer mit all seinen Vorzügen (Arbeitslosen-, Kranken-, und auch Rentenversichert) bald ein selbständige Fahrer mit all seinen Nachteilen (versichert als Selbständiger oder eben unversichert) werden wird. Und an dieser Entwicklung hat die Konkurrenz aus dem Internet, die von vielen derzeit (zu Recht - allerdings wegen vergleichsweise banaler rechtlicher Bedenken) verteufelt wird, "in Wahrheit" aber nur ein lästiger "Mitbewerber" ist, ihren nicht zu unterschätzenden Anteil. Denn der "Mitbewerber" aus dem Internet, selbst wenn er sich hierzulande nicht durchsetzen sollte, weil die Rahmenbedingungen wie hier beschrieben ganz andere sind als beispielsweise in New York, gibt die Richtung vor, in die es geht. Mit anderen Worten: Der lästige "Mitbewerber" ist eigentlich nur der allseits bekannte "Testballon", der immer dann vorgeholt wird, wenn mal wieder Einschnitte im Sozialen anstehen.

Was können wir Taxifahrer nun gegen den lästigen "Mitbewerber" aus dem Internet tun? Ich denke: Nicht allzu viel! Eigentlich bleibt uns nur das, was der Einzelne "Mein Profil schärfen" nennt, nämlich an unserem Service arbeiten. Wer weiterhin lieber an der Taxihalte rumsteht, um zu rauchen, und nicht bereit ist, den Fahrgast von der Haustür abzuholen, weil der vielleicht schon weg sein könnte, der hat die Zeichen der Zeit definitiv nicht erkannt, denn der Fahrgast ist schon so gut wie weg! Möglicherweise sitzt er bereits beim "Mitbewerber" im Auto ...

PS: Daß ich nochmal darüber schreiben würde, hätte ich in meinem schlimmsten Alpträumen nicht zu denken gewagt. Die Rede ist von der Körperpflege manches "Kollegen", um genau zu sein vom Zähne putzen. Ja, es gibt sie leider wirklich, und sie schreiben darüber auch noch im Internet, daß sie sich oft tagelang nicht die Zähne putzen. Vielen Dank, lieber "Kollege", für die tolle Werbung!

PPS: Wie ich gerade von einem "Insider" erfahre, ist es derselbe "Kollege", der lieber rauchend an der Taxihalte rumsteht, als den Fahrgast von der Haustür abzuholen, was aber keine wirkliche Überraschung ist ...

Foto&Text TaxiBerlin

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