14.06.2014

BETTLER HEUTE - VERSUCH EINER ANALYSE


Das Motto unserer Tage

Bettler war einmal, viele wissen das nicht mehr, ein ehrbarer Beruf, so wie Taxifahrer einer ist. (OK, letzteres war ein Witz!) Warum soll ausgerechnet Bettler einmal ein ehrbarer Beruf gewesen sein, fragst Du dich nicht ganz zu Unrecht, der Dir kein einziger ehrbarer Beruf heute bekannt ist.

Im Unterschied zum Bettler heute, hat Dir der Bettler früher etwas verkauft, und zwar das gute Gewissen. Du gabst ihm Geld und hast Dich danach besser gefühlt. Heute ist das anders. Heute gibst Du aus Mitleid Geld. Das ist ungefähr so, als wenn Du dem Straßenmusiker Geld gibst, damit er aufhört zu spielen, und nicht weil Dir seine Musik gefällt.

Manchmal, und wer wie ich nicht nur Taxi fährt sondern auch mit offenen Augen durch unsere Stadt geht, weiß das, kann man regelrecht Angst bekommen vor Bettlern. Auf den ersten Blick scheint es nur die Angst vor den Ausdünstungen oder gar ansteckenden Krankheiten zu sein. Wenn wir ehrlich sind, und das sollten wir an dieser Stelle, ist es aber unsere Angst, einmal selbst Bettler zu sein.

Und diese Angst ist nicht unbegründet - ganz im Gegenteil! Denn der Bettler versucht nichts anderes wie Du und ich, und zwar irgendwie an Geld zu kommen. (Manche glauben, daß in "Geld machen" der Sinn des Lebens besteht. Diese Zeitgenossen können in dieser Kurzanalyse keine Berücksichtigung finden, wenngleich sie die ärmsten unter den Bettlern sind.) Nur, und das ist der Unterschied zu Dir, ist der Bettler auf dem Gebiet des "Geld machens" ein Freelancer. Er könnte also, wenn er wollte, viel kreativer sein beim "Geld machen" als er es in der Regel ist - und auch als Du und ich es sein können.

Aber was macht der Bettler? Er bettelt völlig kreativlos vor sich, wie es auch viele im Internet tun, und nervt dabei nur. Das vermeintliche Leid des Bettlers, egal ob auf der Straße oder im Internet, wird nicht, wie es früher einmal war, zu deinem Leid, von dem Du dich freikaufen konntest, sondern zum Schmerz. Dieser Schmerz, und jetzt kommt die schlechte Nachricht, ist oft sogar körperlich und Du wirst ihn nie mehr los - nicht einmal mit Geld.

Foto&Text TaxiBerlin

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