25.03.2014

VERZWEIFELT UND DESPERATED IN BERLIN


Kann jedem passieren ...

Ostern steht vor der Tür. Zeit für einen Osterspaziergang. Spazierengehen, ein schönes deutsches Wort, daß sogar  auf dem Balkan bekannt ist, wird leider hierzulande weitgehend unterschätzt, was aber schon wieder ein anderes Thema ist, über das ich bei Gelegenheit mal schreiben werde. Zurück zu Ostern, wo nicht nur Spazieren gegangen sondern auch nach Hause gefahren wird. Ich weiß nicht, ob Du es auch schon bemerkt hast, aber es gibt mehr und mehr verzweifelte Zugezogen in der Stadt. Das könnte daran liegen, ist aber nur so 'ne Theorie von mir, daß sie nie in Berlin angekommen sind, geschweige denn sich hier zu Hause fühlen würden. Warum sie dann überhaupt hier sind, ist eine Frage, die erlaubt sein darf, auch in Zeiten von Denkverboten.

Ich lebe, das ist bekannt, sehr gerne in Berlin. Was weniger bekannt ist, ist der Umstand, daß ich hier gerne alleine bin, vor allem aber unabhängig, beispielsweise von anderen Menschen oder dem Geld anderer Menschen (egal, ob milde Gaben oder gar Stipendien!), insbesondere auch im Taxi. Ich habe, glaube ich zumindest, noch nie darüber geschrieben, wie sehr es mich nervt, daß mir wildfremde Leute vorschreiben dürfen, wie und wohin ich zu fahren habe. (Übrigens auch ein Grund, warum ich nur drei Tage die Woche arbeite. Mehr würde ich gar nicht aushalten!) Und als wenn das mit dem "wie" und "wohin" nicht schon schlimm genug wäre, muss ich auch noch an jeder roten Ampel anhalten und an jeder Baustelle zumindest langsamer fahren. Kinder, ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie das nervt!

Ich schreibe das jetzt aber nicht, um Dein Mitgefühl oder gar Dein Mitleid zu erbetteln. Das überlasse ich anderen. Ich schreibe das, damit Du weißt, daß auch ich oft verzweifelt bin, in meiner Stadt - das musst Du Dir mal vorstellen! Und deswegen kann ich mir auch vorstellen, wie verzweifelt erst jemand sein muss, dessen Stadt gar nicht Berlin sondern München, Stuttgart oder Hastenichjesehn ist. Glaub mir, Unglücklicher, der Du kein Berliner bist, wie sehr ich Dein Leid und Deine Verzweiflung nachempfinden kann. Aber Du hast es auch gut, oder vielleicht sogar besser, denn Du kannst zumindest gelegentlich mal nach Hause fahren. Ich muss dagegen immer hier bleiben, weil hier ja mein zu Hause ist …

Foto&Text TaxiBerlin

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