12.02.2014

ZWANZIG JAHRE IM TAXI - EINE BILANZ (SERIE)


I'm doing it my way ...

Heute möchte ich einmal die Statistik bemühen in der Hoffnung, deswegen nicht gleich als "sarrazinmäßig" oder gar "sarrazinesk", wenn es das gibt, abgestempelt zu werden. Die Statistik besagt, daß drei von vier Berlinern Zugezogene sind, was eigentlich nicht der Rede wert wäre, weil unsere Stadt immer von Zuzug gelebt hat, wenn es nicht einen Unterschied zur Vergangenheit geben würde.

Früher, beispielsweise die Hugenotten oder auch die Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg, waren froh in Berlin eine zweite Heimat zu finden. Für viele, die jetzt nach Berlin kommen, ist Berlin in erster Linie ein Ort für Spekulationen, wo, um nur ein Beispiel zu nennen, Wohnraum heute so viel kostet und morgen so und so viel kosten wird. Manchmal habe ich den Eindruck, von mir wird erwartet, Respekt vor ihren Rechenkünsten zu haben. Den könnten sie wegen mir gerne haben! Aber wo ist ihr Respekt gegenüber meiner Stadt?

Ich kann ihren Respekt nicht finden - nirgendwo! Vielleicht liegt es aber auch an mir. Ich will das gar nicht ausschließen. Nur, für mich ist Berlin wie Mutter und Vater zusammen. Diese Stadt hat mir alles gegeben, weil einmal alles möglich war - früher. Vielleicht verstehst du meinen Wunsch, daß es den Eltern gut gehen soll, und daß ich etwas dagegen habe, wenn sie einfach würdelos entsorgt werden. Möglicherweise aber auch nicht, weil auch du neu in der Stadt bist und es aus der Mode gekommen ist, seine Eltern zu ehren. Aber Moden kommen und gehen. Und nur zu schauen, wo die Futtertröge am vollsten sind, ist nicht deswegen richtig, weil alle es machen.

Mir tun viele Zugezogene einfach nur leid. Sie müssen in einer Stadt leben, in der sie gar nicht sein möchten. Wenn ich das Geld hätte, ich würde ihnen ihren Spekulationsgewinn direkt auszahlen, nur um sie aus Berlin wegzuhaben. Leider habe ich den Schmutz, Verzeihung: das Geld, nicht. Deswegen bleibt mir nur übrig, ihnen zu sagen: Ihr könnt mich nicht beeindrucken mit eurem Geld, euren Wohnungen und euren nicht erzogenen Kindern - mit denen am allerwenigsten!

Mit Geld protzen ist übrigens das gleiche wie um Geld betteln! Es sind die zwei Seiten ein und derselben Medaille. Dahinter steckt "bestenfalls" nur ein Mensch ohne Würde, im Normalfall aber das Bedürfnis nach Anerkennung, was auf einer Couch besser aufgehoben wäre als auf Berliner Straßen oder in teuren Eigentumswohnungen.

Diese Menschen haben sich unser aller Mitleid redlich "verdient"! Wenn ich aber ganz ehrlich sein soll, so hoffe ich doch insgeheim, daß sie an ihrem Geld, ihren Kreditkarten oder an ihren achtundzwanzig Cent Steuerrückerstattung für eine Kurzstrecke ersticken mögen.

Foto&Text TaxiBerlin

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