12.02.2014

NORBERT RANDOW GEDENKVERANSTALTUNG


"Bai Ganju, unsere Liebe"

Anfang November 2012 drang die Kunde an mein Ohr, daß Norbert Randow den Verrückten kennenlernen möchte, der mit einem Esel quer durch Bulgarien gezogen war. Der Verrückte, oder besser: der Freak, war ich! Der Name Norbert Randow war mir schon lange Zeit wegen seiner zahlreichen Übersetzungen aus dem Bulgarischen ein Begriff, und von ihm zum Kaffee eingeladen zu werden, war für mich eine große Ehre.

Früher, vor vielen Jahren, hatte ich mich gefragt, was das wohl für ein Landsmann ist, der so viel aus dem Bulgarischen übersetzt, dessen Nachname wie meiner auf OW endet und der mit Vornamen Norbert heißt. Später, nachdem ich auch andere Übersetzungen von Aleko Konstantinows "Bai Ganju, der Rosenölhändler" gelesen hatte, bekam ich eine Vorstellung davon, daß dieser Norbert Randow, egal was für ein Landsmann er auch immer sein mag, ein leidenschaftlicher Mensch und ein genialer Übersetzer sein muss, und der mir meine Ausgabe des Buches mit "Bai Ganju, unsere Liebe" signieren sollte.

Es blieb nicht bei dem einen Kaffee trinken, Norbert Randow und ich trafen uns regelmäßig zu Gesprächen, die für mich ein Schatz sind, da er über ein enormes Wissen über Bulgarien und die Bulgarische Literatur verfügte. Daß er diesen Schatz mit mir geteilt hat, dafür danke ich Norbert Randow. Ich danke ihm auch dafür, daß er mein Vorhaben, Werke von Aleko Konstantinow neu auf Deutsch herauszugeben von Anfang an unterstützte und der Übersetzerin Ines Sebesta bei Fragen zur Verfügung stand.

Aber auch seine Biografie und sein Lebensweg in der DDR haben mich tief beeindruckt. Beispielsweise, daß er nach drei Jahren Gefängnis nicht in den Westen gegangen war. "Ich wollte, daß DIE gehen!" (Mit DIE waren die Kommunisten gemeint), war seine Begründung. Er sollte Recht behalten. Und obwohl die Stasi verfügte, dass keine Anstellung erfolgt, ist Norbert Randow seinen Weg gegangen und hat uns eine Vielzahl phantastischer Übersetzungen aus dem Bulgarischen und dem Weißrussischen hinterlassen.

Milen Radev hat über Norbert Randow einmal gesagt, daß er ein Bulgare aus Norddeutschland ist. Für mich war Norbert Randow einfach ein toller Typ und ein wahrer Lebenskünstler, dem das gelungen ist, wovon viele Menschen träumen, was aber nur wenigen gelingt: Aus seinem Leben eine Kunst zu machen.

PS: Norbert Randow ist am 1. Oktober vergangenen Jahres im Alter von knapp 84 Jahren verstorben. Letzte Woche Mittwoch fand im Buchhändlerkeller in der Carmerstraße in Charlottenburg eine Gedenkveranstaltung für ihn statt. Aus diesen Anlass habe ich diese Zeilen verfasst.

Foto&Text TaxiBerlin

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