11.11.2013

UMLANDFAHRT ZU TAMARA / ABSCHIED VON EDWARD


Friedhof Münchehofe / Märkisch Oderland (MOL)

Früher gab es mal so etwas wie Umlandfahrten. Aber früher war bekanntlich vieles anders, wenngleich nicht alles besser. Heute muss ich mich in mein eigenes Auto setzen, will ich mal aus Berlin rauskommen. Und das habe ich auch getan, vergangenen Samstag. Wie bereits früher zog es mich nach Münchehofe, wo Tamara Danz, die Sängerin von Silly, begraben liegt. Ich kannte Tamara nicht persönlich und war auch kein Fan von Silly, und doch fühle ich mich Tamara nahe, weil mich ihre Musik und ihre Geschichte berührt. Das ist in der Welt von heute, die voll von virtuellen Oberflächen und zweidimensionalen Menschen ist, nicht selbstverständlich.

Das ist auch der eigentliche Grund für diesen Beitrag. Betroffenheit oder auch nur "berührt sein" sind nicht gerade IN, und würden sich auch nicht verkaufen, sagt man. Mir ist das egal! Oder wie der Amerikaner sagt: "I give a shit!" Ich weiß, wer nur meinen Blog kennt, mag mich für einen brutalen Taxifahrer und christlichen Fundamentalisten halten. Beides ist Quatsch! Ich bin nicht mal Christ. Und doch halte ich die christliche Religion für wichtig. Sie erzählt uns etwas über das menschliche Leid und auch über's Abschied nehmen. Denn Leben ist Leiden und Abschied nehmen will gelernt sein.

Ich bin nicht wegen Tamara, deren Mutter Helene kurz nach ihr verstorben ist und nun direkt neben ihr begraben liegt (Foto), nach Münchehofe gefahren. Ich bin zu Tamaras Grab gefahren, um Abschied zu nehmen von Sowden und der Weg, in dem Fall nach Münchehofe, war dafür das Ziel. Snowden hat mir treue Dienste geleistet, ähnlich wie Raina übrigens. Der Unterschied ist, daß der Abschied von Raina zumindest im Nachhinein ein Desaster war, worüber ich noch schreiben werde. Und das war vor allem meine Schuld, Raina konnte nichts dafür.

Unsere Aufgabe auf Erden besteht darin, aus unseren Erfahrungen zu lernen, um es, soweit das möglich ist, in Zukunft besser zu machen. "Im Fall" Snowden bedeutet das, daß ich für ihn liebevolle Hände gesucht und auch gefunden habe. Gut, das dachte ich bei Raina auch, aber damals konnte ich nicht wissen, wie schnell sich "liebevolle" in "gleichgültige" Hände verwandeln können. Jetzt weiß ich es! Und ich wollte es bei Snowden besser machen.

Das ist auch der Anspruch meines Blogs, und mein Berliner Taxiblog Bashing ist kein Selbstzweck, obwohl er durchaus Unterhaltungswert haben sollte. Unterhaltung darf aber nie Selbstzweck sein. Das wäre wie Kunst um der Kunst willen. Das hat niemals Ausdauer. Das ist spätestens morgen vergessen. Und wenn ich über Kollegen und "Kollegen" schreibe, dann weil mir ihre Geschichte wirklich nahe geht. Oft genug, das ist leider auch die Wahrheit, bereiten mir ihre Geschichten aber körperliche Schmerzen. Diese versuche ich zu verbalisieren. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Denn (und das höre ich oft, insbesondere von einfachen Leuten auf dem Balkan - weniger in Deutschland!): "Wir sind nur Gäste auf Erden!" Und am Ende muss jeder seine Rechnung machen - alleine! (Manch einem mag da auch Gott erscheinen.) Denn das Leben ist eine "One Way Street With A Dead End." Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Das Ende verstehen wir Menschen nicht - bestenfalls das Leben davor. Und das besteht, je älter wir werden, immer mehr aus Abschieden. Diese gilt es zu gestalten, und zwar immer besser. Bis zum letzten Abschied - dem Eigenen.

Foto&Text TaxiBerlin

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