19.11.2013

"IF YOU ARE GOING … TO THE WALL!"


Stop or Go?

In San Francisco war ich vor knapp einem halben Jahr das letzte Mal. Daß ich so schnell wieder hinfliege würde, war so nicht geplant. Der Anlass ist, wie oft in solchen Fällen, kein erfreulicher. Es gilt Abschied zu nehmen vom Vater meiner amerikanischen Frau. Denn: Abschied nehmen, das schrieb ich bereits, will gelernt sein. Damals wurde ich dort am Flughafen von einem Latino in Uniform mit "To the Wall!" begrüßt. Ausgerechnet ich (ich!) sollte mich zur Mauer begeben. Was für ein Empfang im "Land of the Free!" Es lag nicht etwa daran, daß ich keine Blume im spärlichen Haar hatte, die man früher haben musste, wenn man nach San Francisco kam. Nein, der kleine Latino in der zu großen Uniform muss mich wohl gleich als Besucher ("Non-Resident") erkannt haben, und die sollten nunmal links gehen, wo eben eine Mauer war. In Berlin hätte ich gleich zurück gebrüllt: "Was willst du denn von mir? Wohin soll ich gehen? Zur Mauer? Du hast sie wohl nicht alle!" - oder so ähnlich. Das ich mich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zurückhielt, lag vor allem daran, daß ich mir sicher war, das dicke Ende würde noch kommen. So war es dann auch. Am Ende der Mauer gab sich mir der Blick auf eine Menschenmenge von etwa eintausend (1.000) "Non-Residents" frei, die alle dank diverser Absperrungen diszipliniert wie eine tote Schlange anstanden. Das letzte Mal hatte ich so viele Menschen am 9.November am Grenzübergang Sonnenallee anstehen sehen. Damals betrug die Wartezeit zwei Stunden, und so sollte es auch hier sein. Wenn man berücksichtigt, daß maximal sieben Einreise-Scheriffs gleichzeitig arbeiteten, die jedem Einzelnen auch noch dumme Fragen bezüglich den Gründen seines Besuchs stellen mussten, sind zwei Stunden eine Spitzenzeit. Ich will mich auch gar nicht beklagen. Das einzig wirklich nervige war auch nur das "Willkommens-Video", daß in einer Dauerschleife auf unzähligen Grossbildschirmen zeitversetzt lief und alle drei Minuten mit dem Satz "You are Welcome!" endete.  Keine Ahnung, ob das Video wieder laufen wird oder man mich auch diesmal mit "To the Wall!" begrüßt. Ich bin zumindest vorbereitet. Mehr kann man nicht machen. Vielleicht kommt es aber auch ganz anders. Mein slawischer Halbbruder war nicht der Einzige, dem man in letzter Zeit die Einreise ins "Land of the Free" verweigerte. Ärgerlicher - sicherlich, aber letztlich nur eitles "Menschen-Werk", und nichts im Vergleich zu "Gottes-Werk" - dem Tod eines geliebten Menschen.

Foto&Text TaxiBerlin

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