31.08.2013

"TOURISTEN SIND TERRORISTEN"


Pariser Platz / früher Mitte / heute Neue Mitte

Jetzt hatte mein Fahrgast schon mal einen halbwegs witzigen Spruch (Titel) auf Lager, zumindest ansatzweise, und dann war er doch wieder verkehrt. Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen Touristen und Terroristen - Terroristen haben Sympathisanten! Zumindest war das früher so. Keine Ahnung, ob das heute immer noch so ist. Apropos früher: Da war zwar nicht alles besser, aber vieles anders. Und selbst heute soll es noch Leute geben, die in einer fremden Stadt nicht gleich auf's nächstbeste "Bier-Bike" steigen, um damit saufend und grölend durch anderer Leute Wohnzimmer zu fahren. (Ich stelle mir das gerade im Vatikan vor ...) Das auf dem Foto oben ist übrigens kein "Bier-Bike", nervt aber trotzdem. Das "Bier-Bike", die Idee soll angeblich aus dem Ländle stammen, konnte ich nicht ablichten. An dieser Stelle verweigerte meine Kamera - zu Recht! - den Dienst. Jeder, der mit offenen Augen durch seine Stadt geht, weiß aber, wovon die Rede ist, so daß ich mir weitere Erklärungen sparen kann. (Der Rest ist sowieso verloren!)

Foto&Text TaxiBerlin

PATIENTENVERFÜGUNG


"Old School" (Am Fenster)

Ich habe wirklich keine Ahnung, woran das liegen könnte, daß mir in den letzten Tagen gleich mehrere Fahrgäste eine Patientenverfügung "ans Herz" gelegt haben. Der letzte Fahrgast ist extra in seine Wohnung, um seine eigene Patientenverfügung (Foto) für mich herauszuholen. Solange ich keine Taxe mehr fahre, wird der sich gesagt haben, brauche ich auch erstmal keine Patientenverfügung. Aber was weiß der denn? - Dieser Alkoholiker!

Foto&Text TaxiBerlin

30.08.2013

IHRE BERLINER TELEFONNUMMER oder DER ONKEL ERZÄHLT VOM KRIEG (SERIE)


Französische Straße / früher Mitte / heute Neue Mitte

Vielleicht sollte sich der Vermieter der Immobilie in der Französischen Straße erstmal selbst 'ne neue Adresse, und zwar in Berlin, zulegen. Dann klappt es auch mit einer Berliner Telefonnummer.

PS: "Während die einen bis zur nächsten Party weiterschliefen, waren andere, mit denen man nachts noch getanzt hatte, womöglich schon dabei, das Gebäude zu kaufen, in dem die Party stattgefunden hatte." (Ulrich Gutmair, "Die ersten Tage von Berlin", Seite 181)

Foto&Text TaxiBerlin

28.08.2013

ASYLBEWERBERHEIM IM PRENZLAUER BERG


Kollwitzplatz / früher Prenzlauer Berg / heute Pankow

Genau genommen soll aus dem Plattenbau, wo einst das Wohnhaus von Käthe Kollwitz stand, die viele Anwohner nicht kennen, an der Kollwitz- Ecke Knaackstraße, ein Heim für Asylbewerber werden. Also genau zwischen Café Westphal und dem Pasternak, und gegenüber vom Gugelhof, wo es leckere Spätzle gibt. Die 60 Asylbewerber seien prinzipiell willkommen. Ein Nachbar, dessen Enkel schon einmal Drogen von einem "Schwarzafrikaner" angeboten worden waren, gab zu bedenken, daß die Flüchtlinge sich draußen aufhalten könnten, und es dadurch zu Ruhestörungen kommen könnte. Ein anderer Anwohner brachte die Stimmung im Kiez auf den Punkt: "Für die Leute, die jetzt kommen, ist das nicht die richtige Gegend."

Du hast noch nichts davon gehört? Du denkst, ich würde Hellersdorf mit Prenzlauer Berg verwechseln? Dabei hat sich der beschriebene Fall gar nicht in Berlin zugetragen, sondern in Bremen. Und zwar im links-alternativen Stadtteil Ostertor. In der "Szene-Perle" wohnen StudentInnen, LehrerInnen und AkademikerInnen zwischen Bio-Läden und Latte Macchiato Lounges in ehemals besetzten Häusern. Was, das passt nicht in dein Weltbild? Das tut mir leid! Wenn du es trotzdem genauer wissen willst, dann ließ hier!

Foto&Text TaxiBerlin

27.08.2013

DER ONKEL ERZÄHLT VOM KRIEG (SERIE)


Gegenüber dem Reichstag / früher Mitte / heute Neue Mitte

Lass dir nichts einreden, daß Berlin "so toll" geworden wäre. Berlin war einmal toll - vor zwanzig Jahren! Ich weiß, das weiß heute kaum noch jemand, insbesondere die "Nachgeborenen". Aber selbst von denen, die alt genug waren, sind damals nicht alle nach Berlin gekommen. Die einen hatten wohl Angst, und die anderen waren wahrscheinlich einfach nur doof. Und genau die finden Berlin heute toll. Die Wahrheit ist, daß Berlin langweilig geworden ist und mit jedem Tag langweiliger wird. Man kann förmlich zusehen, da das Tempo der "Verlangweilung" (böse Zungen sagen auch "Verdummung") täglich zunimmt. Höchste Zeit für TaxiBerlin mit seinen bescheidenen Mitteln im Internet Aufklärung zu leisten. Das obige Foto habe ich Anfang der Neunziger im ehemaligen Grenzgebiet gegenüber vom Reichstag gemacht. Die Mauer war gefallen und der Kalte Krieg gerade vorbei. Nicht nur Wohnungen sondern auch der öffentliche Raum wurden besetzt, im obigen Fall von der Künstlergruppe Mutoid Waste Company. Es herrschte Anarchie und Geld spielte keine Rolle, weil man für Geld nichts bekam. Was man zum Leben brauchte, fand man auf der Straße, und die schönsten Dinge im Leben sind sowieso umsonst. Ich weiß, das kann sich heute kaum noch jemand vorstellen - aber es war so!

Foto&Text TaxiBerlin

26.08.2013

"EINEN MOMENT BITTE, WIR HABEN GERADE GRUPPENSEX"


Klingel (Detail)

Spätestens nachdem ich bei meinem Fahrgast klingeln musste, weil er nicht runter kam, war seine Antwort (Titel dieses Beitrags) keine Überraschung mehr. Das Warten an sich ist auch nicht das  Problem. Warten ist schließlich so 'ne Art Hobby von uns. Fakt ist aber auch: Es wartet sich besser, wenn man weiß Warum  -  aber vor allem, wenn die Uhr läuft ...

Foto&Text TaxiBerlin

25.08.2013

"WENN WAHLEN WAS ÄNDERN WÜRDEN, WÄREN SIE VERBOTEN."


Wilhelmstraße / früher Mitte / heute Neue Mitte

Den Spruch (Titel dieses Beitrags) kennen so einige. Aber wer weiß schon, daß er von Emma Goldman, einer amerikanischen Anarchistin, stammt? (Mein Fahrgast wusste es!)

Der amerikanische Geheimdienst hat "mal wieder" Giftgas gefunden - diesmal bei Assad in Syrien. (Folgen die Funde dem "Snowdenschen Algorithmus"?)

Facebook, Google & Co sollen Geld bekommen haben - auch vom amerikanischen Geheimdienst. (Hat Yahoo es schon zugegeben?)

Foto&Text TaxiBerlin

23.08.2013

NEBENVERDIENST IM TAXI (TEIL DREI)


Messedamm / früher Charlottenburg / jetzt Charlottenburg-Wilmersdorf

Mit dem Taxifahren geht es bergab. Das weiß man nicht nur in Charlottenburg. Auch andernorts in Berlin haben Taxifahrer darauf mit Wunschlisten und Spendenaufrufen im Internet reagiert, und ich dachte eigentlich, daß es schlimmer nicht mehr kommen könne. Leider habe ich mir seinerzeit meine "Unwahren Geschichten aus dem wahren Leben eines Berliner Taxifahrers" nicht schützen lassen. Das wird mir nun zum Verhängnis. Denn was nicht geschützt ist, kann jeder kopieren. (Böswillige sagen auch klauen.) Jetzt muss auch ich mich nach einem Nebenverdienst umschauen. Ich bin auch schon fündig geworden. Und da ich Mitleid habe mit den armen Tröpfen, möchte ich auch diese Idee, wie jeder ganz legal in seinem Taxi zu einem Nebenverdienst kommen kann, öffentlich machen. Aber wie fange ich an, damit es auch der Ärmste unter den Armen versteht? Vielleicht so: Du brauchst ein rares Gut! Gut, das verstehen noch die meisten. Nur, was soll das sein in einer Zeit, in der alles mit einem Mausklick erreichbar scheint? Eine Berliner Taxe ist es auf jeden Fall nicht! Ich denke, da sind wir uns einig. Was ist zum Beispiel mit der Energiesparlampe? Du wirst dich erinnern, die wurde dir irgendwann mal von ganz oben aufgedrückt, so wie die Grünen dir jetzt den "Veggie-Day" verordnen wollen, wenn sie denn an die Macht kämen. Doch zurück zur Energiesparlampe. Die hatte zur Folge, das wissen schon nicht mehr alle, daß du keine normalen Glühbirnen mit hohen Wattzahlen im Geschäft zu kaufen kriegst. Geht dir ein Licht auf?! Was, wo du die normalen Glühbirnen mit den hohen Wattzahlen herbekommst? Das musst du schon selbst herausfinden! OK, für die völlig Kreativlosen habe ich noch folgenden Insidertipp. Es ist abzusehen, daß es bald eine bestimmte Soße nicht mehr zu kaufen gibt, zumindest nicht mehr unter dem Namen, "wo die Verbraucher einfach gleich wissen, was sie erwartet." (Also eigentlich so, wie sein soll, oder?) Dich sollte jetzt nicht die Frage interessieren, ob die Umbenennung sinnvoll ist oder nicht, sondern nur, wie du das Zeug haltbar kriegst, damit du es irgendwann in der Zukunft halbwegs genießbar in deiner Taxe teuer verkaufen kannst!

Foto&Text TaxiBerlin

22.08.2013

"ENDLICH WIEDER SITZEN."


Touri-Bus 100 / Rückseite (Werbung/Detail)

"Endlich mal sitzen" sagt der blöde Tourist, der beim Laufen über seine eigenen Beine stolpert und selbst zum Fahrrad fahren zu blöd ist, wenn er einen der begehrten Sitzplätze im 100-er Bus ergattert hat. "Endlich wieder sitzen" sagt der Obergefreite aus "Gottes eigenem Land" angesichts der 35 Jahre, die er bekommen hat, weil er der Wahrheit entsprechend feststellte, daß der Kaiser keine Kleider trägt. Immerhin werden ihm davon drei Jahre Untersuchungshaft und 112 Tage für "Isolationshaftschikanen" (was immer das heißen mag?!) während dieser Zeit erlassen.

Foto&Text TaxiBerlin

21.08.2013

DISNEYLAND BERLIN und DIE GROSSE HURE B


Blondchen sind Blond und Qualität kein Zufall

Ein Paar winkt mich auf der Weidendammer Brücke in Mitte heran. Während sie in meine Taxe steigen, kommt ein Blondchen aus dem sich am Ufer befindenden Grill Royal und steigt unter Blitzlichtgewitter in eine bereitstehende Limousine vor mir ein. Ob ich wüsste, wer das war, will das Paar von mir wissen. Ich habe wichtigeres zu tun. Ich muss wenden, was meine volle Aufmerksamkeit erfordert, denn die Fahrt geht zum Gendarmenmarkt. Eine von diesen Fahrten, die kein Mensch wirklich braucht, noch nicht mal ein Berliner Taxifahrer. Das liegt aber nicht daran, daß sie nicht besonders lang ist, sondern daran, daß man baustellenbedingt einen Riesenbogen fahren muss, und in der Zeit schneller gelaufen ist. Eigentlich würden sie, mein Paar, sich nicht für irgendwelche Stars und Sternchen interessieren. Warum sie dann wissen wollten, wer das gewesen ist, kann ich mir nicht verkneifen zu fragen. Nicht, daß es mich wirklich interessieren würde, genausowenig wie mich interessiert, wer das Blondchen war. Er hätte gar nicht gefragt, das wäre seine Frau gewesen, womit er Recht hat. Aber "die feine englische Art" ist das nicht gerade, seiner Partnerin so in den Rücken zu fallen. Zum Glück müssen wir das nicht ausdiskutieren, denn die Fahrt ist bereits zu Ende. Die Frau muss bezahlen, obwohl sie hinten sitzt, und sie gibt ordentlich Trinkgeld, was nicht zu erwarten war. Dafür habe ich ihr aber auch das schlimmste nicht erzählt. Und das ist nicht die Tatsache, daß Berlin bereits ein großes Disneyland für Erwachsene ist, sondern daß die große Hure nicht mehr Babylon heißt, aber auch mit einem B beginnt.

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20.08.2013

NEBENVERDIENST IM TAXI (TEIL ZWEI)


Mobiler Bestatter Dank Zusatzausbildung

Pünktlich zur Terrorwarnung, die dem "Snowdenschen Algorithmus" folgt, daß man die Uhr danach stellen kann, haben einige Kollegen ihre Zusatzausbildung zum mobilen Bestatter abgeschlossen. Wenn schon Terror, warum soll man nicht davon profitieren, haben sie sich nicht ganz zu Unrecht gefragt. Ganz schön clever, muss man heute sagen, wo wir alle gerade mal wieder aktiv vom islamistischen Terror bedroht werden. Und wenn man einmal auf der Straße ist, warum soll man sich dann nur um die lebenden Patienten Fahrgäste kümmern, und die toten links liegen lassen. OK, der "Snowdensche Algorithmus" ist sicherlich nicht so leicht zu verstehen, weswegen bisher auch nur eine Handvoll Taxifahrer die mehrwöchige Zusatzausbildung absolviert hat. Hinzu kommt eine gewisse Unsicherheit, ob denn auch die Zeche, in dem Fall die Bestattung, bezahlt wird. Das ist, der ein oder andere kann ein Lied davon singen, heutzutage ja nicht mehr selbstverständlich. Doch zurück zum "Snowdenschen Algorithmus". Der besagt, daß es soundsoviele Wochen (die genaue Zahl ist geheim) nach Enthüllungen über den Geheimdienst (welcher ist eigentlich egal) automatisch Anschläge von Al-Kaida geben muss. Alleine schon deswegen, damit wir nicht vergessen, wer Al-Kaida war. Das sind die, wo der Boss, ein gewisser Bin Laden, bereits tot ist, und dessen Ableben sozusagen die Geburtsstunde der mobilen Bestattung war. Und während sich der ein oder andere der "Mobilen Aufstocker" von heute noch grämt, nicht dabei gewesen zu sein, findet der eigentliche Terror direkt vor unseren Augen statt, und zwar beim Englischen Guardian, der auch schon mal ein paar Bilder von mir veröffentlicht hat. Der, also der Englische Guardian, bekam jetzt Besuch vom Geheimdienst (von welchem genau ist geheim), wo wir alle dachten, die wären mit dem bevorstehenden Terror beschäftigt. Wahrscheinlich war den Geheimdienstlern langweilig, weil der versprochene Terror bisher ausblieb, und da haben die sich gesagt: Das können wir besser! Leider ist London nicht nur zu weit weg, sondern, und jetzt bitte ganz tapfer sein meine lieben Herren Bestatter, es kamen auch (noch) keine Personen zu Schaden, sondern nur ein paar blöde Festplatten wurden zerstört.

Foto&Text TaxiBerlin

19.08.2013

BERLIN - HAUPTSTADT DER BAUSTELLEN oder AUCH DU KANNST BAUSTELLENPATE WERDEN


Parkplatz Dank Patenschaft

Ausgerechnet die gute alte BZ, ein Berliner Original und die Seriöse unter den Unseriösen, nimmt sich des Themas Baustellen an, und errechnet, daß es in der Hauptstadt alle 53 Meter eine Baustelle gibt. Ob diese Meterangabe stimmt oder nicht, sollen andere ausrechnen. Ich möchte meinen Focus auf ein anderes, und zwar auf das Parkplatzproblem, lenken. Wo gebaut wird, eine alte Autofahrer-Weisheit, lässt sich nicht nur schlecht fahren, sondern auch schlecht parken. Und nicht alle können sich eine teure Tiefgarage leisten. Die, das nur nebenbei bemerkt, sind bereits teurer als gentrinfizierte Altbauwohnungen. Jetzt ist ein besonders pfiffiger Neuberliner auf eine einfache aber geradezu geniale Idee gekommen: "Die Baustellenpatenschaft". Auch du kannst Pate werden und somit vielleicht nicht auf Dauer, aber garantiert lange genug, von einem Parkplatz in Berlin (Foto oben) profitieren. Das ganze ist natürlich nicht umsonst. Als Baustellenpate zahlst du aber nicht, wie in Berlin sonst üblich, daß die Baustelle früher freigegeben wird, sondern - im Gegenteil - daß die Baustelle nach Möglichkeit eine Ewige- oder zumindest eine Dauer-Baustelle bleibt.

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"ALLES KOMMT WIEDER!"


Wörtherstraße / früher Prenzlauer Berg / heute Pankow

Wer hätte das gedacht, daß es nochmal eng werden würde - mit Bananen! Ausgerechnet im Prenzlauer Berg! Wohnen da nicht die, die sich früher lustig gemacht haben über Zonen-Gaby im Glück, deren erste Banane eine Gurke war, wird jetzt der ein oder andere fragen. Aber gut, es gibt keinen Grund nachtragend zu sein, zumindest so lange weder die letzte Banane noch die letzte Gurke gegessen ist. Es ist schon schlimm genug, daß die da im Prenzlauer Berg jetzt auch mal anstehen müssen - nach Bananen! Aber wie sagte Zonen-Gaby schon damals, vermutlich weil sie nicht vom Krieg erzählen konnte: "Alles kommt wieder!"

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18.08.2013

"ENDLICH GUTE MUSIK!"



"On the Road Again" (Alternative Take)

Endlich mal Leute, die meinen guten Musikgeschmack teilen. Das kommt immer seltener vor, obwohl musikalisch immer mehr geklaut wird - ein seltsamer Anachronismus. Und wenn ich sage, daß die Sechziger nicht nur musikalisch gesehen die besten Jahre waren, dann ist das wieder etwas aus der Rubrik "Der Onkel erzählt vom Krieg", obwohl es stimmt. Meinen Fahrgäste letzte Nacht musste ich nichts erzählen, ganz im Gegenteil! Die ließen es sich von alleine nicht nehmen, an der Siegessäule anzuhalten, um erstmal zu Canned Heats "On the Road Again" auf der Straße (wo sonst?) zu tanzen, und danach noch eine Ehrenrunde im Taxi um den großen Stern zu drehen. Das lag auch daran, weil man für die "Alternative Version" mit über sieben Minuten etwas Ausdauer braucht, und wer hat die heutzutage schon!? Trotzdem: Wer nur die Studioversion von "On the Road Again" kennt, darf den "Alternative Take" nicht verpassen.

Foto&Text TaxiBerlin

"WO MUSS ICH HIN?"


Halenseestraße / früher Wilmersdorf / heute Charlottenburg-Wilmersdorf

Immer wieder fragen mich wildfremde Menschen in meiner Taxe, wo sie hinmüssen. Prinzipiell ist das natürlich völlig richtig und auch absolut berechtigt. Wer sollte besser wissen als der erfahrene Taxifahrer, wo Leute hingehören?! Aber, und jetzt kommt der Punkt, wo Leute hingehören, ist oft nicht das, wo Leute denken, daß sie hingehören, ganz zu schweigen davon, wo sie hinmüssen. Lange Rede kurzer Sinn: Ich habe extrem schlechte Erfahrungen mit persönlichen Tips gemacht. Ich traf die selben Leute am nächsten Tag wieder und sie haben mich für verrückt erklärt (vorsichtig ausgedrückt!), was ich ihnen da empfohlen hätte. Danach habe ich eine lange Zeit gar nichts mehr empfohlen. Soll doch jeder selbst herausfinden, wo er hinmuss. Spätestens dann merken die Leute, daß das richtig Arbeit ist. Neuerdings habe ich eine ultimative Antwort, für alle die nicht wissen wo sie hinmüssen. Ich empfehle das ARTEMIS! Hm, wird jetzt der ein oder andere sagen, das ist aber nicht nett. Aber was weiß der schon über DEN FKK-CLUB der Stadt. Erstmal: Mann kommt immer rein, und Frau auch, sogar ganz ohne anstehen. Die Getränke sind frei, zu Essen gibt es auch umsonst. Man kann "Fitness" machen, in die Sauna oder ins Türkische Bad gehen. Die Öffnungszeiten sind auch optimal, von 11 bis 5 Uhr früh, 361 Tage im Jahr. Es gibt genug Platz für Taxen, die Fahrten sind meistens lohnenswert. Und, was das beste ist, und was mich letztendlich auch überzeugt hat: Es gibt keine Techno-Musik!

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17.08.2013

ALLES WAR MÖGLICH oder DER ONKEL ERZÄHLT VOM KRIEG (SERIE)


Russischer Panzer (Detail)

Gut zwanzig Jahre ist es jetzt her, daß eine riesengroße Freifläche direkt gegenüber vom Reichstag von der britischen Künstlergruppe Mutoid Waste Company über Monate okkupiert und für eine Kunstausstellung der besonderen Art genutzt wurde. Der Mutoid Waste Company, die das deutsche Wikipedia nicht kennt, war es damals nicht nur gelungen, an Panzer, Schützenpanzerwagen und MiG-Kampfflugzeuge der Sowjetischen Armee heranzukommen, sondern diese auch von den Ordnungshütern unbehelligt auf Sattelschleppern durch die halbe Stadt bis zum Reichstag zu transportieren. Dort wurden die drei Schützenpanzerwagen angemalt und zu einem Eingangstor übereinandergestellt, die MiGs wurden "nur" angemalt, ebenso der Panzer (Foto). Außerdem befand sich auf dem Areal noch ein ehemaliger Wachturm der DDR-Grenzanlagen und jede Menge "Kleinkunst" (aus Metallteilen zusammengeschweißte Insekten, größere Tiere und auch Menschen). Zum Schluss wurde eine Schranke als improvisierter Eingang montiert und Eintritt nach Äußerem kassiert. Schlipsträger waren mit drei bis fünf Mark dabei, arme Studenten brauchten nur ein bis zwei Mark blechen.

Foto&Text TaxiBerlin

16.08.2013

ICH WAR'S NICHT, UND GUSTL MOLLATH IST ES AUCH NICHT GEWESEN


Flughafen Tegel (TXL) / früher Reinickendorf / heute Reinickendorf

Anfang der Woche hat der Autovermieter Sixt mit dem Gesicht von Gustl Mollath und dem Slogan "Wenn hier jemand verrückt ist, dann der Sixt mit seinen Preisen" geworben. Ungefragt - versteht sich! Das fanden neben mir auch andere nicht witzig. Der Sprayer vom Flughafen Tegel (Foto) muss allerdings seherische Fähigkeiten gehabt haben, denn sein Graffito stammt bereits von Anfang des Jahres. Somit fällt Gustl Mollath als Urheber aus, denn der saß zu der Zeit noch in der Psychiatrie. Aber auch ich war es nicht, ich habe nur bei Sixt angerufen. Der Mitarbeiter am Telefon war sehr nett, kann ich nicht anders sagen. Er kannte zwar die Werbung seiner Firma nicht, stimmte mir aber zu, nachdem sie ihm beschrieben hatte, daß das nicht geht. Er versprach mir, meine Beschwerde weiterzuleiten, aber nur, wenn ich Sixt auch in Zukunft meinen Fahrgästen empfehlen würde. Da ich dies nicht versprechen konnte, wurde meine Beschwerde wohl doch nicht weitergeleitet. Umso mehr freut es mich, daß Sixt sich jetzt trotzdem bei Gustl Mollath entschuldigt hat.

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15.08.2013

NEBENVERDIENST IM TAXI


Der Preis ist heiß

Ich weiß: Das Thema Nebenverdienst im Taxi ist ein heißes Eisen. Aber ich bin dafür bekannt, daß ich immer wieder heiße Eisen anfasse, sowohl in meiner Taxe als auch auf meinem Blog. Es gibt Taxifahrer, ich gehöre nicht zu ihnen, die sind zufrieden, wenn man sie mag oder eben "liked", wie das heute heißt. Dann gibt es die Armen, auch zu ihnen gehöre ich nicht, die eine Wunschliste im Internet ihr "Eigen" nennen. Die Ärmsten unter den Armen, es erübrigt sich zu erwähnen, daß ich auch dazu nicht gehöre, haben dort sogar ein Spendenaufruf samt Spendenkonto.

Lange habe ich überlegt, was ich diesen Kollegen empfehlen soll. Anfangs hatte ich die Idee, sie könnten sich eine Liste von den Bankautomaten in der Stadt machen, weil die Fahrt zum Geldabheben mittlerweile zum Standartprogramm jeder Taxifahrt gehört. Dann klärte mich einer der Kollegen auf, daß das keine gute Idee wäre, weil es für den Taxifahrer doch viel besser ist, wenn er den nächsten Geldautomaten der vom Fahrgast gewünschten Bank gar nicht kennt, damit die Fahrt nicht automatisch eine kurze ist.

Letztendlich war es ein Fahrgast, der mich auf eine geradezu geniale Idee für die ärmsten unter den Armen brachte. Das "Gute" an diesen ganzen Smart- und I-Phones, die ansonsten nur unsinnige Spielzeuge sind, ist, daß ihre Akkus allesamt nicht lange halten, weswegen auch immer mehr Taxen angehalten werden. Nicht etwa, weil die Leute Taxifahren wollen, sondern um ihre blöden Geräte an irgendeinem blöden Zigarettenanzünder aufzuladen. Aber nicht jeder Taxifahrer, beispielsweise ich, hat ein Ladegerät mit verschiedenen Adaptern an Bord. Eine Anschaffung, die sich auf jeden Fall lohnt. Man muss nur den richtigen Minutenpreis fürs Aufladen verlangen.

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14.08.2013

NEUER INTERESSENVERBAND BERLINER TAXIFAHRER


Ostbahnhof / früher Friedrichshain / jetzt Friedrichshain-Kreuzberg

Endlich ist es soweit, ein neuer Interessenverband für Berliner Taxifahrer erblickte vergangenen Montag das Licht der Welt. Unter dem Dach von FettTAXI versammeln sich ab sofort alle fettleibigen Taxifahrer der Stadt. Nicht der neue Flughafen, und auch nicht all die alten Baustellen, sondern die Fettleibigkeit werden vom neuen Interessenvertreter als größtes Problem für seine Mitglieder anerkannt. Das wurde auch höchste Zeit, denn schon lange ist bekannt, daß es sich bei der Fettleibigkeit um ein rein persönliches Problem handelt, welches weder mit der Bewegungsarmut im Taxi, noch mit der ausschließlichen Ernährung durch Cola und Süßigkeiten zu tun hat. Die erste Forderung von FettTAXI ist übrigens, daß seine Mitglieder im Taxi wieder rauchen dürfen, um so der Ansammlung weiterer FettMASSEN in Berliner Taxen vorzubeugen.

Foto&Text TaxiBerlin

13.08.2013

DIE JUNGEN LEUTE VON HEUTE oder DER ONKEL ERZÄHLT VOM KRIEG


... nur noch Party und Chillen ... (gähn)

Die jungen Leute, die allesamt nur noch Party machen und Chillen danach können, sind heute zwischen zwanzig und fünfundzwanzig Jahre alt. Als Anfang der Neunziger in Berlin Anarchie war und das Lebensgefühl "Alles ist möglich" hieß, wurden sie gerade geboren, weswegen sie nichts darüber wissen. Und wenn ihnen einer davon erzählt, so wie beispielsweise ich in meiner Taxe oder jetzt hier auf meinem Blog, dann ist das für die wie "Der Onkel erzählt vom Krieg." Und doch muss es sein! Aber gut, ich fasse mich kurz, hat ja heute keiner mehr Zeit. Alle müssen ständig und überall mit ihrem Smartphone rumspielen, und der Kopf ist nie dort, wo sich der Körper gerade befindet. Deswegen nur ein Satz aus dem neu erschienenen Buch "Die ersten Tage von Berlin" von Ulrich Gutmair: "Wenn man wissen will, wohin es abends gehen soll, muss man sich mit den Leuten unterhalten, es gibt keine App, die einem den Weg weist." (Seite 82)

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12.08.2013

DAS WUNDER VON BERLIN oder OVERBOOKED AND UNDERFUCKED


Oranienburger Straße / früher Mitte / heute Neue Mitte

Das muss uns erstmal einer nachmachen: Von der zweiten Liga direkt auf Platz Eins der ersten! Abgesehen davon war es am Wochenende eher ruhig in der Stadt. Klar, du hast diese ganzen Party People, aber selbst da gibt es mittlerweile eine Handvoll Zentren, wo die sich alle konzentrieren, die ich wirklich an einer Hand abzählen kann. Konzentrieren ist übrigens das verkehrte Wort. Anstehen ist zutreffender!  Die müssen ein bis zwei Stunden anstehen, die Ärmsten, gleich könnten sie einem schon wieder leid tun. Die Zentren sind, nur mal so nebenbei: "Wilde Renate", Schlesische Brücke und Schlesisches Tor,  "Kater Holzig" und "Berghain" mit "Panoramabar". Kommendes Wochenende kommt wieder das "Sisyphos" hinzu, nicht verwechseln mit der "Syphilis", das ist was anderes. Apropos "Sisyphos": Stieg mir doch einer deren DJs ein, der dort immer diesen schrecklichen Techno auflegt, und wir kamen ins Gespräch. Er weiß nicht, wer "Sisyphos" ist, und er versteht auch die Faszination an seiner Musik nicht, es muss wohl an den Leuten liegen, was ich wiederum nicht verstand. Für ihn sei Techno letztendlich eine Farce, aber das nur nebenbei. Zurück zu den erwähnten Zentren, wo immer tausend Taxen davor stehen, deren Fahrer mich an meinen Getränkeverkäufer mit Hintergrund vom Späti an der Ecke erinnern, der mich immer ganz böse anschaut, obwohl ich doch nur Bier und gar keinen Schnaps bei ihm kaufe, und nur weil er selbst keinen Alkohol trinken darf. Ich finde das unmenschlich, seinen bösen Blick, genauso wie übrigens Techno, aber was soll ich machen, es gibt nur ihn in meiner Ecke. Deswegen aufhören mit Bier trinken ist schließlich auch keine Lösung. Hatte ich schon erwähnt, daß ich mich nicht anstelle an den Taxischlangen vor den Vergnügungszentren der Stadt? Ich ziehe es vor durch die Gegend zu fahren, das ist meistens effektiver und auch interessanter, weil einem da zum Beispiel Leute einsteigen, es ist mittlerweile fünf Uhr früh, wie dieses durchgeknallte Pärchen. Sie ist Schwedin, er Italiener, das sehe ich auf den ersten Blick, und sie suchen ein Hotel in der Nähe, denn seins ist zu weit weg und sie wohnt in 'ner WG. Das erste ist "overbooked", und das zweite auch. Im dritten Hotel sind sie endlich "accepted", sonst hätte ich ihnen zu guter Letzt noch meine Taxe anbieten müssen. Aber das hätte mir nichts ausgemacht, wir Berliner können schließlich alles, wenngleich nichts richtig, und sind deswegen wohl auch Tabellenerster!

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NEUES VON DER KLAMOTTEN WOCHE


Platz der Luftbrücke / früher Tempelhof / heute Tempelhof-Schöneberg

Manchmal lohnt es sich, einfach mal aus dem Taxi auszusteigen, vielleicht auch mal etwas Fahrrad zu fahren, ganz und gar mal ein Stück zu laufen oder eben ein bisschen spazieren zu gehen. "Spazierengehen" ist übrigens eins von den Wörtern der deutschen Sprache, das wird jetzt einige überraschen, das sogar viele Leute im Ausland kennen, obwohl sie vielleicht nur einmal in ihrem Leben in Deutschland waren. Möglicherweise liegt das daran, daß sie vor Ort die richtigen Leute kannten. Neulich erzählte mir ein älterer Herr in meiner Taxe, er wäre in seinem ganzen Leben nur dahin gereist, wo er Leute gekannt hat, und er hätte immer versucht die Landessprache zumindest etwas zu erlernen, was meine These mit den "richtigen Leuten" bestätigen würde. Aber ich komme vom Thema ab. Zurück zum Platz der Luftbrücke und der Fashion Week, die mich, ich kann es mir bis heute nicht wirklich erklären, immer irgendwie kalt lässt. Ich glaube aber, das liegt daran, weil ich meine Klamotten meistens Second Hand kaufe. - Wenn du nun wirklich mal "aussteigst" und den Platz der Luftbrücke von der Kreuzung Columbiadamm / Tempelhofer Damm betrittst, stößt du direkt auf obiges Graffito, was sicherlich ganz witzig ist, aber eben auch nichts wirklich Neues. Deswegen, und auch weil "Klamotten" so ein schönes Wort für "Bekleidung" ist, was sich aber, warum auch immer, bei unseren Besuchern leider bisher nicht durchgesetzt hat wie "Spazierengehen", wird es bald überall neues Graffitis mit dem Hinweis geben, daß die "Fashion Week" jetzt "Klamotten Woche" heißt.

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11.08.2013

"DO_NOT_TELL_ME_WHAT_I_HAVE_TO_DO_!!!"


"Monkey-Button" (Detail)

Das waren genau drei von diesen Inselaffen (auf Englisch "Island Monkeys") vor denen mich mein Taxilehrer immer gewarnt hatte. "FUCKIN' ARTEMIS FUCK !!!", offensichtlich das Fahrziel, brüllte mir einer gleich mal ins Ohr, weswegen ich ihn bat, doch bitte etwas leiser zu sprechen, weil ich meine Ohren, die etwas sensibel wären, noch brauchen würde. Das ganze natürlich auf Englisch, damit er es auch versteht, der Inselaffe, denn der spricht kein Deutsch, was er mit "GO GO GO !!!" quittierte. - Zum Glück gibt es in meiner Taxe den sogenannten "Monkey-Button", und wenn man den drückt, was ich jetzt tat, gibt es eine Ansage (siehe Titel) auf Englisch, die ist sehr langsam und deutlich, aber vor allem sehr laut, damit sie auch der Inselaffe verstehen kann. Danach kann die Fahrt direkt losgehen, denn klare Deutsche Prosa wird auch auf Englisch verstanden.

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10.08.2013

"DAS IST SO BERLIN ..."


Lesung ohne Bücher

"Das ist so Berlin ..." ist eine aktuelle Werbekampagne von "hast du nicht gesehen". Dazu muss man wissen, daß Berlin gar nicht mehr so ist, wie Berlin mal war. Wer wissen will, wie Berlin mal war, dem empfehle ich das Buch "Die ersten Tage von Berlin". Jetzt gab es eine Lesung im "Mensch Meyer - das Bethanien ist besetzt!" Das Besondere an dieser Lesung war nicht, daß sie umsonst war, und auch nicht, daß der Vorleser erstmal ein Bier trinken musste (Foto), sondern daß es das Buch, aus dem vorgelesen wurde, vor Ort gar nicht zu kaufen gab. Das ist so Berlin, wie es mal war ... :

"Geld spielte keine Rolle damals, für Geld bekam man nichts."

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09.08.2013

"WIR SIND DREIEINHALB MILLIONEN UND DIE MEISTEN VON UNS HÄTTEN ZEIT"



Bitte nicht: "Sei laut, sei im Weg, sei nicht von hier"!

Thilo Bock und sein kleines Berliner Touristen-Liedchen sind so genial, daß ich nur ungerne widerspreche, aber einer muss es schließlich tun: Wir sind keine dreineinhalb Millionen! Einfach deswegen nicht, weil die meisten von uns, selbst wenn sie glauben in Berlin zu leben, bis heute Touristen bzw. Urlauber geblieben sind, die nicht mal ihre Straße richtig aussprechen können, sie geschweige denn finden ohne Google-Maps. Aber eine Million, was halbwegs realistisch ist, sind auch schon 'ne Menge Holz ...

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08.08.2013

JUST BUY IT!


Schönhauser Allee / früher Prenzlauer Berg / heute Pankow

Der Untergang des Kapitalismus, der eigentlich für dieses Jahr vorgesehen war, musste kurzfristig wegen Bundestagswahl, Snowden und Kaltem Krieg auf nächstes Jahr verschoben werden. Der Grund für seinen Zusammenbruch bleibt aber derselbe: Du, ja genau Du, hast zu wenig konsumiert! Und bitte rede Dich jetzt nicht raus, das läge am zu niedrigen Mindestlohn! Ich meine, daß der Kapitalismus kriselt, das war lange genug bekannt. Da hättest Du längst schon mal selbst "gegensteuern" können. Jetzt nicht, indem Du plötzlich Steuern bezahlst. Das wäre aufgefallen. Aber Du hättest zumindest schon mal 'ne Bank gründen oder wenigstens eine ausrauben können.

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07.08.2013

COMING OUT IM TAXI oder UNSER SOHN IST SCHWUL UND LIEBT PARIS HILTON


und Paris Hilton

"Unser Sohn ist schwul!" Danach folgte aber nicht das übliche: "Und das ist auch gut so!", sondern: "Und liebt Paris Hilton - das musst du dir mal vorstellen!" Wer war gleich nochmal Paris Hilton? Hatte ich irgendetwas verpasst? Die Beiden überlegten, wie sie mir Paris Hilton am Besten erklären könnten. Das ist leichter gesagt als getan! Zum Glück war genug Zeit, die Fahrt ging nach Hohenschönhausen. Also Paris Hilton, meinten sie nach einigem hin und her, das ist eine von diesen Frauen, der man die Doofheit ansieht. - Das arme Kind!

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06.08.2013

BERLIN ALS ACCESSOIRE


"Ich bin hip, ich bin in Berlin ... "

Ich bin der letzte, der behauptet, daß Frauen nicht auch mal 'ne gute Idee haben können. Gestern zum Beispiel. Da hatte ich eine in meiner Taxe, die war ganz pfiffig. Sie meinte, daß für viele Menschen Berlin ein Accessoire ist, womit sie sich schmücken würden. Ich fand's genial! Gut, dazu sollte man wissen, was ein Accessoire ist. Das Wort wird zwar im Internet erklärt, komischerweise aber nur in drei Sprachen, und nicht mal auf Englisch. Dafür aber auf Deutsch, was auch viel besser weil genauer ist. Accessoire kommt aus dem Französischen und bezeichnet etwas Nebensächliches, für die Hauptfunktion nicht notwendiges, was wiederum Sinn macht, wenn man sich die ganzen "Hauptfunktionen" mal etwas genauer ansieht. Genau über die, also über die ganzen Leute, die denken sie wären nun endlich wichtig, nur weil sie in Berlin sind, solle ich doch mal schreiben. Damit könne ich 'ne Menge Geld machen, meinte mein Fahrgast. Wie gesagt, Frauen können auch mal 'ne gute Idee haben, diese gehörte definitiv nicht dazu. Ich versuchte elegant das Thema zu wechseln, und so sprachen wir schnell noch über ihr Sexualleben. Jetzt nicht das der ganzen Hippsters, die sowieso wegen dem ewigen Party machen und dem vielen Chillen danach gar keins haben, sondern über das meines weiblichen Fahrgastes. Da die Fahrt auch schon zu Ende war, fasste sie ihr Sexualleben kurz mit den Worten zusammen: "Ich hab eindeutig zu wenig Sex." Dazu konnte ich weder etwa sagen, noch ist dem etwas hinzuzufügen, wenn, ja wenn es da nicht den von mir vermuteten Zusammenhang zwischen gutem Sex und guten Ideen geben würde ...

Tip: Für die Berlin mehr als ein Accessoire ist.

Foto&Text TaxiBerlin

05.08.2013

SCHREIBEN ALS THERAPIE


Los Angeles Platz / früher Wilmersdorf / heute Charlottenburg-Wilmersdorf

Der Radio-Papst, der sich bisher nur mit Autos und Motoren auskannte, hatte offensichtlich seinen gestrigen Anrufer sofort durchschaut. (OK, das war jetzt auch nicht wirklich schwer, schließlich darf im Sommerloch jeder anrufen.) Zumindest hat der Radio-Papst gleichmal die richtige Frage gestellt, und zwar ob das Schreiben für ihn (den Anrufer) eine Art Therapie ist. (Die Antwort war, wie nicht anders zu erwarten, eine von diesen "Hm - weiß nicht" und "Äh, was ist das?") Seitdem ist der Radio-Papst, vor dem ich schon immer großen Respekt hatte, weil er sich so gut mit Autos und Motoren auskennt, bei mir nochmal im Ansehen gestiegen.

PS: Der Anrufer gab an, zur Kreativität gezwungen worden zu sein. (Stroh zu Gold machen - Wie geht das denn?) Gemeint war wohl der Umstand, daß 1:1 Geschichten langweilig sind, für die sich (zu Recht!) niemand interessiert. Eine Erkenntnis, die wahrlich nicht neu ist. Wer sich für das Original interessiert, der ist fündig geworden: Autofiktion - Unwahre Geschichten aus dem wahren Leben eines Berliner Taxifahrers.

PSPS: "Mein Weg zum Ekel"

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04.08.2013

EINMAL ZUM SYPHILIS


Anstehen am SYPHILIS

Das SYPHILIS ist DER Club in town. Warum das SYPHILIS gerade so IN bzw. COOL ist, das weiß keiner so genau, was aber niemand verwundern sollte. Spätestens dann, wenn man wüsste, warum das SYPHILIS so COOL ist, wäre es nicht mehr IN, so wie der PATER NUNTZIG. So ist das heutzutage! Und so lange gilt, sich artig hinten in die Schlange vorm SYPHILIS einzureihen und zwei bis drei Stunden Zeit mitzubringen. Danach kann es immer noch passieren, daß der Türsteher vom SYPHILIS sagt: "Du kommst hier nicht rein!" In der Zeit hätte man sich auf der Biermeile bereits mehrfach ins Koma saufen können, aber das ist ein anderes Thema. Was tut man/frau nicht alles für/s SYPHILIS?!  Soll mal noch einer sagen, daß Anstellen ein rein ostdeutsches Phänomen wäre ...

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NIE OHNE HANDY!


Nie konspirativ!

Daß jeder von uns, der ein Handy bei sich hat, selbst wenn es ausgeschaltet ist, geortet werden kann, das wissen die meisten noch. Ob dies auch möglich ist, wenn die SIM-Karte herausgenommen wurde, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Völlig unabhängig davon gibt es Situationen, wo jeder von uns sein Handy mal nicht dabei hat, zum Beispiel weil man es zu hause vergessen hat, oder weil man Angst hat, daß es einem gestohlen wird. Problematisch könnte es werden, wenn du vorher öfters das Wort "Gentrifikation" in den  Mund genommen hattest. Dann kann es nämlich passieren, daß man dir vorwirft, du hättest dein Handy "höchst wahrscheinlich" absichtlich nicht dabei gehabt, weil du dich konspirativ getroffen hast, und weswegen du bereits unter Terrorverdacht stehst. Jetzt beweise mal das Gegenteil! Was, du glaubst mir nicht? Dann lies hier!

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03.08.2013

WLADIMIR PUTINS RACHE


"Das Bier Eis im Schafspelz"

Jeder der bis drei zählen kann (du wirst lachen, aber das kann heute nicht mehr jeder!) hatte geahnt, daß Russland sich das nicht gefallen lässt. Ich meine, Wladimir Putin lässt sich von niemandem vorschreiben, wer in seinem Reich bleiben soll und wer nicht - weder von den Amerikanern (von den Südamerikanern schon gar nicht!) und auch nicht von den Europäern. Aber genau das ist passiert! Normalerweise, so sagt ein deutsches Sprichwort, freut sich der Dritte, wenn sich zwei streiten. Nicht aber in diesem Fall! Putin freut sich nicht, Putin ist stinksauer (zumindest offiziell!). Und deswegen schickt er uns gleichmal seine gefährliche "Plombir"-Eiskrem (kein Bier!) in die deutschen Tiefkühltruhen. Eigentlich wollte der Wladimir uns ja auch abhören, was dem Gleichgewicht nur gut getan hätte, aber irgendwie sind die Russen noch nicht so weit - leider ...

PS: Text erscheint Zeitversetzt, da noch in Echtzeit geschrieben.

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02.08.2013

NEUER BANKENSKANDAL IN BERLIN


Karl-Marx-Straße / früher Neukölln / heute Nord-Neukölln

Das Foto, wie übrigens alle Fotos von mir, ist echt und kein Fake und auch keine Montage, und erinnert mich, wie eigentlich jegliche Werbung heutzutage, an die zahlreichen Parolen der letzten deutschen Diktatur. Dort hatte man immer behauptet, daß der Kapitalismus die Diktatur der Marken wäre. Offensichtlich kannten die damals die Geheimdienste doch nicht so gut. Doch zurück zur obigen Parole. Bisher wurden mit dem Mythos Freiheit "nur" Touristen nach Berlin gelockt. Und als wenn das nicht schlimm genug wäre, sollen nun auch Berliner, ein Tourist kommt selten nach Berlin, um hier ein Konto zu eröffnen, damit veräppelt werden. Ausgerechnet von einer Bank! Also wenn du mich fragst: Wenn ich ein Konto dort hätte, was ich nicht habe, ich würde es kündigen.

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01.08.2013

WENN DU DENKST DU DENKST DANN DENKST DU NUR DU DENKST


Bretterwand (Detail)

"Wenn du denkst du denkst dann denkst du nur du denkst" ist zugegebenermaßen nicht von mir sondern von Juliane Werding. Was viele nicht wissen, ist, daß ihr Schlager aus den Siebzigern nicht einfach nur der Song einer Frau war, sondern die definitive Antwort auf "Ich denke, also bin ich" eines Mannes, genauer gesagt von René Descartes. Daß das die meisten von euch nicht gewusst haben, mag auch daran liegen, daß es damals noch kein Facebook gab.

Edward Snowdens Enthüllungen liegen bereits eine halbe Ewigkeit zurück, und noch immer gibt es kein einheitliches politisch korrektes Meinungsbild dazu. Offensichtlich wird dieses Thema auch nur in meiner Taxe diskutiert. Zumindest taucht es in keinem anderen Blog auf, weder beim Gemeinen Grabbler noch beim Linken Linken. Wahrscheinlich brauchen die, ähnlich wie Juliane Werding, einfach "etwas" mehr Zeit, um sicher zu gehen, daß sie nicht auf der "falschen" Seite stehen.

Neu sind die Schlauberger, wohl gerade aus dem Urlaub zurück, die nun ganz schnell Sachen sagen wie: "Das hab ich doch schon immer gewusst!" Ich aber sage dir: "Das war damals falsch - und ist heute falsch!" Oder hat Edward Snowden oder ein anderer Whistleblower ausgerechnet ihnen vorher etwas ins Ohr geflüstert, was noch keiner weiß, außer sie natürlich. Das wäre dann mal eine echte Sensation, von der ich gerne als erster erfahren würde.

Es gibt eine Verbindung zwischen denen, die es schon immer gewusst haben, und denen, die bis heute aus Angst zu Recht schweigen, obwohl sie bisher zu allem und jedem ihre politisch korrekte Meinung hatten. Mit ihrem Schweigen, so zumindest mein letzter Fahrgast, machen sie genau dasselbe wie der "Bescheidwisser" mit seinen Auslassungen - sie schmälern die Leistung der Whistleblower. Darüber, was schlimmer ist, kann man geteilter Meinung sein. Mein letzter Fahrgast ist sich aber sicher: "Am Schlimmsten sind die Bescheidwisser!"

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"THE GREATEST FEAR THAT I HAVE ..."


Edward Snowden (Demo-Plakat/Detail)

Ich weiß, ich weiß, einige werden jetzt genervt sein, daß ich immer noch über dieses Thema und diesen Typen schreibe, denn für viele ist seine Geschichte bereits Schnee von gestern. Für mich nicht! Und weißt du: Warum? Weil ich mir sicher bin, daß uns schon morgen genau diese Geschichte vor die eigenen Füße fallen wird.

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